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Alle Jahre wieder - Winterfütterung - Ja oder Nein?

             Winterfütterung muss das sein? - oder auf alle Fälle!               

Immer wieder werde ich gefragt: "Herr Neckermann sollen wir im Winter die Vögel füttern, und was sollen wir füttern, wann beginnt man eigentlich mit der Winterfütterung, und wie lange soll gefüttert werden".

Weil diese Fragen auch unter Experten umstritten sind, und es eine solch große Palette von Meinungen und Publikationen darüber gibt, möchte ich Ihnen hier einige Anmerkungen geben. die vielleicht Ihnen helfen eine Entscheidung - für oder dagegen - zu fällen.

Es gibt wie gesagt eine große Bandbreite von Meinungen, die von: "Die Vogelfütterung ist das ganze Jahr durchzuführen, lieber soll der Mensch auf Essen verzichten", bis zum anderen Extrem: "Die Vogelfütterung ist zu unterlassen, die Natur regelt das selbst, nur die Stärksten überleben und somit das starke Genmaterial".

Beide extreme Meinungen lehne ich ab. Durch meine langjährigen Beobachtungen habe ich meine eigene gefunden, und zu dieser stehe ich.

 
Charakteristisch für den Erlenzeisig ist das schwarzgelbe Flügelmuster (Foto: Olav Krüger)
Der Erlenzeisig ist in Bayern ein spärlicher Brutvogel. Seine Bestandsschätzung wird mit 5500 - 10.500 BP angegeben.
Der Erlenzeisig ist ein Teilzieher, dessen nördliche Populationen im Herbst nach Mittel- und Südeuropa ziehen, wo sie mitunter in Schwärmen auftreten, oft zusammen mit Stieglitzen. Gelegentlich finden sich Erlenzeisige auch an Winterfutterstellen ein. Bei mir im Garten, kann ich das alle Jahre beobachten.

Erlenzeisige und Grünfink an einer Futterstelle

Foto: Olav Krüger


Bei einer Podiumsdiskussion sagte ich einmal: "Wir müssen uns verabschieden von einer Verromatisierung der Winter-Vogelfütterung, als ein Beitrag zur Arterhaltung. Dies ist ein Null-Beitrag für die Artenverhaltung unserer einheimischen Vogelwelt".

Warum: In Deutschland brüten regelmäßig ca. 250 Vogelarten. Ein Großteil unserer heimischen Vogelarten zieht ab August (Pirol, Mausersegler) in die Überwinterungsquartiere, von West- bis Südwesteuropa, Mittelmeerraum bis südlich des Äquators (Langstreckenzieher) ab.
Einige der "Daheimbleiber" werden nie zu einer Winterfütterung kommen, wie z.B. der Zaunkönig oder einige Spechtarten. Einige andere kommen dagegen als Wintergäste, weil deren "Heimat" und Nahrungshabitat so eingeschneit ist, damit verbunden eine Nahrungssuche unmöglich macht (Seidenschwanz, Bergfink, Erlenzeisig).

Es profitieren also weniger als 20 Arten von einer Winterfütterung. Die meisten dieser Vogelarten sind bei uns noch recht häufig.



Die Kohlmeise kommt auch im Winter gut zurecht.
Mit 455.000 bis 1.200.000 BP in Bayern gehört diese größte und häufigste Meise Mitteleuropas zum Stammgast an den Futterstellen.
Die Kohlmeise ist die fünfthäufigste der bayerischen Brutvogelarten.
Kohlmeisen brüten in Baumhöhlen ebenso gern wie in Nistkästen (Foto: Markus Gläßel)

Foto: Markus Gläßel

Im Volksmund wird die Kohlmeise auch Kohlheinz genannt


Hier können Sie die Stimme der Kohlmeise hören


Die Kohlmeise ist aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit ein regelrechter "Allerweltsvogel". Sie besiedelt praktisch alle baumbestandenen Lebensräume. Seit Anfang des 20.Jahrhunderts haben die Kohlmeisenbestände erheblich zugenommen. Grund dafür waren vor allem Nistkastenaktionen und auch die Winterfütterung. Auch sind die naturnahen Lebensräume offensichtlich "kohlmeisenfreundlicher" geworden.
In manchen Jahren, vor allem wenn der Bruterfolg groß war, (2 Jahresbruten, zumeist 7-10 Eier) ziehen viele Kohlmeisen, vorwiegend Jungvögel, über die Alpen nach Südwesteuropa, wo sie dann auch für immer bleiben. Der Großteil unserer Kohlmeisen jedoch verbringt den Winter im Brutrevier.


 
Die nördlichen Populationen überwintern südlich ihrer Brutgebiete, ansonsten ist die Blaumeise ein Jahresvogel (Foto: Markus Gläßel) Die Blaumeise ist ein häufiger Gast an Futterhäuschen und Meisenknödel. Mit 250.000 bis 660.000 BP in Bayern nimmt die Blaumeise unter den 20 häufigsten Brutvogelarten Rang 10 ein.

Für die Blaumeise gibt eine Reihe von volkstümlichen Namen, z.B. Jungfernmeise

Foto: Markus Gläßel


Hier können Sie die Stimme der Blaumeise hören


Die Blaumeise ist bekannt und beliebt für ihre Keckheit und akrobatische Geschicklichkeit. Wer sie einmal an einem Fettklos hängen hat sehen, staunt über diese Akrobatik. Blaumeisen sind widerstandsfähig und neugierige Bewohner unserer Waldgebiete und Siedlungen.
Die Bestände sind stabil, Verluste im Winter werden durch 2 Jahresbruten mit zumeist 9-11 Eiern ausgeglichen. Wie bei der Kohlmeise ziehen meist junge Blaumeisen über die Alpen in westlicher bis südlicher Richtung. Die meisten siedeln sich dort fest an. Im allgemeinen sind Blaumeisen jedoch Standvögel. An Winterfutterstellen haben sie eine Vorliebe für Fett und Talg.
Im Winter unternimmt unsere Blaumeise sogenannte "Routinepatrouillen" zu den Futterplätzen. An einem einzigen Tag können bis zu 200 Blaumeisen zu einem im Garten ausgehängten Fettknödel kommen um daran zu picken.
Es ist bekannt, dass manche Blaumeise während des Winters in Straßenlaternen sitzen um sich zu wärmen.

 

Der Gimpel oder Dompfaff ist zu einem häufigen Besucher unserer Gärten geworden. Durch seine leuchtende Färbung und die dunklen Gefiederpartien kann man ihn nur schwer mit einer anderen Vogelart verwechseln.
Bei uns sind Gimpel Standvögel, vielleicht Teilzieher, während die im Norden brütenden Vögel in Mitteleuropa überwintern. Gimpel sind im Winter häufig Gäste an Futterhäuschen.
Gimpelpaare bleiben oft für ein ganzes Leben zusammen (Foto: Olav Krüger)

Bild: Olav Krüger

Kommt im Winter auch gerne an die Futterplätze



Hier können Sie die Stimme des Gimpels hören


Füttern wir also Vogelarten durch, die eh immer bei uns sind? Es darf sich dann auch im Frühjahr niemand darüber beschweren, wenn drei, vier Amseln sich über die zarten Salatpflänzchen im Garten her machen. Darüber hinaus sollte der Aspekt nicht vergessen werden, dass diese durchgefütterten  "Daheimbleiber" dem einen oder anderen geschwächten "Rückkehrer" einen Brutplatz streitig machen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Winterfütterung ist die Hygiene am Futterplatz. Im November das Futterhäuschen aus dem Keller holen und in den Garten stellen und jeden zweiten oder dritten Tag mit Körnern auffüllen - das reicht nun mal nicht.

Bei einem Futterhäuschen ist es zwingend notwendig, das es gereinigt wird und zwar täglich. Eine Papierunterlage erleichtert die Säuberung der Futterstelle und am besten Futter nur für einen Tag eingeben.
Die Papierunterlage ist wie gesagt täglich zu wechseln, da die Vögel die diese Futterstelle besuchen, das Innere verunreinigen und verkoten können.
Das auf den Boden gefallene Futter, das nicht von den Bodenfressern, wie Amsel aufgenommen wurde, sollte man entfernen. In dieser feuchten Jahreszeit verdirbt dieses Futter leicht und kann auch aufkeimen.
Wird dies nicht beachtet, können Vögel daran sterben, durch Viren, Salmonellen.

Wo viele Kleinvögel sich auf engem Raum befinden, wie eben bei einer Winterfutterstelle, die dann auch noch um Futter streiten und alles andere außer Acht lassen, leben gefährlich. Denn das nutzen Prädatoren, wie unsere Greife, z.B. der Sperber, die es im Winter auch schwer haben zu überleben, aus.

Bisweilen brütet der Sperber auch in kleinen Wäldchen im offenen Gelände (Foto: Markus Gläßel)

Hier hat ein Sperber Beute gemacht. Der Besitzanspruch an der Beute wird durch Abschirmen mit gespreizten Flügeln und Steuer dem sogenannten "Manteln" unterstrichen.

Der Sperber ist in Bayern ein noch häufiger Brutvogel

Foto: Markus Gläßel


Der Brutbestand des Sperbers in Bayern beträgt ca. 4100 - 6000 BP. Der Körpergröße nach sind vor allem die deutlich kleineren Männchen (1/3 kleiner) mit Falken zu vergleichen. Der Sperber wird auch oft als verkleinerte Ausgabe des Habichts angesehen. Als ungewöhnlich wendige und stürmische Singvogeljäger (Verfolgung oft bis in die Büsche hinein) nutzen sie jeden Überraschungseffekt aus. Oft werden im Winter, Meisen, an der Futterstelle überrascht. Man hat viel über die Größenunterschiede bei Sperbern und Habichten spekuliert. Interessant ist: dass außerhalb der Brutzeit, die Männchen und Weibchen im Winter mehr oder minder getrennte "Nahrungsnischen" haben. Während Männchen von Goldhähnchen über Meisen eher kleinere Vögel erbeuten, sind es beim Weibchen Vögel in Taubengröße.


Eine weitere, nicht minder gefährliche Gefahr für unsere Futterplatz-Besucher stellt die Hauskatze dar. Es gibt Hinweise, dass die Hauskatze ein höheren Blutzoll unter den Singvögel einfordert, als der Straßenverkehr. Auch wenn die Katzen sich dagegen wehren,  - ein Vogelfreund der im Winter füttert und eine Katze bei sich zu Hause hat, - sollte eben dieser Katze ein Glöckchen um den Hals hängen, damit die hungrigen Vögel zumindest eine Chance haben zu flüchten.

Für die weithin bekannten Futterhäuschen, gibt es inzwischen sehr gute Alternativen: Futtersäulen aus Kunststoff bieten je nach Größe bis zu sechs Vögeln gleichzeitig die Möglichkeit der Futteraufnahme. Der positive Effekt daran ist, das Futter wird nicht nass
und die Vögel können sich durch die gefüllte Röhre hindurch nicht sehen.



Der Stieglitz gehört zu den schönsten Vögeln Mitteleuropas. Sein zweiter Name "Distelfink" bezieht sich auf seine Lieblingsnahrung, die Samen von Disteln.
Der Stieglitz ist mit 50.000 - 135.000 BP ein noch häufiger Brutvogel in Bayern. Seine starke Abhängigkeit von Wildkräutersamen und Unkrautfluren macht die Art empfindlich bei einem Rückgang an Brachen und extensiv bewirtschafteten Flächen.
Im Winter ziehen die meisten Stieglitze in wärmere Gebiete ihres Brutareals (Foto: Olav Krüger)

Foto: Olav Krüger


Der Stieglitz ist ein vertrauter Wintergast in unseren Naturgärten.

Hier können Sie die Stimme des Stieglitz hören


An seinen auffälligen Farben und dem charakteristischen Ruf erkennt man den Stieglitz leicht. Man kann ihn auf vielerlei Art in den Garten locken: ich hänge in meinem Garten immer Fettblöcke mit Körnern und Samenmischungen auf, die er gerne annimmt. Oder im eigenen Naturgarten können Kokardenblumen, Löwenzahn und Ringelblumen erblühen - im Herbst pickt der Stieglitz deren Samenknospen besonders gern ab.
Haben Sie in Ihrem Garten alte Obstbäume, so finden Sie vielleicht das sauber gefertigte Stieglitznest in den äußeren Zweigen.
Der Stieglitz hat eine Vorliebe für die Samen der Wilden Karde, diese können für ihn jedoch tödlich sein, da er sich in den Widerhaken der Samenkapseln verfangen kann.


Vielleicht haben Sie es schon bemerkt, auch ich füttere im Winter meine "Gartengäste" und dazu stehe ich auch. Wenn Sie als Eltern oder Großeltern, Ihren Kindern oder Enkelkindern erklären, mit ihnen darüber reden, um was für einen Vogel es sich handelt, der gerade am Futterhäuschen oder Futterröhre Nahrung aufnimmt - dies wiegt mehr als alles andere "Nachdenkliche", das ich eingangs ausführte.
Wo sonst, als am Futterplatz kann man so viele Vogelarten auf engstem Raum sehen und erkennen. Das ist ein Naturschauspiel, das Sie sich nicht entgehen lassen sollten.

"Was ich nicht kenne, das kann ich auch nicht schützen", dies war immer ein Leitgedanke, wenn ich in Schulen "Umweltunterricht" gab.
Vögel zu füttern und ihr Treiben zu beobachten ist eine wunderbare Möglichkeit Natur direkt vor dem Wohnzimmerfenster zu erleben. Dies kann manchmal spannender sein als ein Krimi.


Im Winter streifen Gimpel in größeren Trupps umher und besuchen oft Futterstellen (Foto: Gunther Zieger)

Der Bestand von Pyrrhula pyrrhula beträgt in Bayern nur noch knapp über 30.000 BP.

Bei den schlichter gefärbten Vögeln, handelt es sich Gimpel-Weibchen

Foto: Gunther Zieger



Leider ist in den letzten Jahren sehr viel Wissen über unsere Vogelarten verloren gegangen. Mir erzählte einmal ein Ornithologe: "Dass nicht nur unsere Vogelarten an Anzahl abnehmen, sondern auch das Wissen über diese". Wenn es schon Probleme gibt eine Amsel zu umschreiben, wenn Schulkinder nur noch drei oder vier Vogelarten kennen, dann muss sich etwas ändern, wenn die Artenanzahl sich nicht noch mehr ausdünnen soll.
Ein großer Umweltverband teilte einmal mit, dass wir in Europa seit 1980 300 Mio. Vögel verloren haben. Natürlich ist der Verlust dieser unglaublichen Anzahl vielschichtig. Ein Grund ist aber auch, die mit nichts zu erklärende Tötung von Singvögeln auf ihren jährlichen Frühjahrs- und Herbstwanderungen. Der Abschuss von Singvögeln aus purer Lust und Freude am Jagen ist mit nichts zu rechtfertigen. In Deutschland singen seit dieser Zeit, z.B. 1 Mio. Feldlerchen weniger, manche Gebiete in Deutschland sind "feldlerchenfrei" auch das hat seine Gründe. Das Wissen über viele Dinge, auch über unsere Natur, geht in unserer schnelllebigen Zeit verloren.


Der Grauspecht ist bei uns das ganze Jahr über in unseren Laubwäldern mit altem Baumbestand anzutreffen (Foto: Olav Krüger)
Mit ca. 2300 - 3500 BP konnte diese Spechtart die Populationsanzahl gegenüber dem letzten Kartierungszeitraum 1996/99 leicht verbessern.
In seiner Ernährung ist der Grauspecht ebenso wie der Vogel des Jahres 2014 - der Grünspecht - auf Ameisen und deren Puppen spezialisiert. Er holt diese mit seiner langen, klebrigen Zunge geschickt aus den verwinkelten Gängen der Bauten.

Der Grauspecht nimmt aber auch andere Insekten auf, im Winter sogar Samen und Früchte, und wie man sieht, besucht er sogar Futterplätze, wenn Laub- oder Nadelwald in der Nähe vorkommt.

Grauspechte sind Standvögel der Nadel- und Laubwälder

Foto: Olav Krüger



Hier können Sie die Stimme des Grauspechts hören


Es ist das Wissen das weitergegeben wird, das letztendlich den Ausschlag für mich gab, für ein klares JA zur Wintervogelfütterung, aber zur richtigen Zeit und mit der richtigen Handhabe.

Die Winterfütterung sollte nicht vor Ende November begonnen werden, es sei denn es ist bereits seit Tagen Schnee gefallen, oder es gab nächtelang beständigen Bodenfrost. Oft sind zu dieser Zeit auch die natürlich vorkommenden Früchte von Hecken und Bäumen geleert.
Langsam mit dem Füttern beginnen - die Vögel sollen sich an einen neuen Futterplatz gewöhnen - bilden Sie nach und nach mehrere Futterstellen, damit man dem Futterneid begegnet denn das führt zu Stress und damit Energieverlust.
So können sich die verschiedenen Vogelarten aus dem Wege gehen. Man sollte auch die Bodenfresser nicht vergessen. Eine Schale etwas abseits vielleicht in der Nähe einer Hecke oder eines Strauches ist gut. Die Vögel sollten schnell einen "Versteckplatz" finden können, um Feinden zu entfliehen.



Der Kernbeißer fällt durch seinen großen Kopf und den gewaltigen Schnabel auf, mit eben diesem bewältigt er nicht nur die Hüllen vieler harter Samen, wie etwa von Buchen, Eichen, Hainbuchen und Ahorn, sondern auch die Kerne von Kirschen und Pflaumen - welch eine Leistung.
Osteuropäische Populationen ziehen im Winter gen Westen um hier zu überwintern (Foto: Olav Krüger)

Foto: Olav Krüger

Kernbeißer bewohnen lichte Laub- und Mischwälder

 
Der Kernbeißer ist unser größter und auch der schwerste Finkenvogel in Mitteleuropa. Er brütet in Laub- und Mischwäldern mit vor allem Hainbuchen und Eichen, in Auwäldern, Parkanlagen und alten Gärten. Im Winter kann man den Kernbeißer oft an Futterhäuschen beobachten, bei mir im Garten sehe ich ihn oft an einem Fettklos hängen. Bei uns ist der Kernbeißer Standvogel. Viele nördliche und östliche Populationen verbringen den Winter im westlichen Mittelmeergebiet.
Der Kernbeißer ist in Bayern ein noch relativ häufiger Brutvogel. Die Bestandsschätzung des sehr unauffälligen Vogels während der Brutzeit beläuft sich auf 15.000 - 38.000 BP. Ein weitgehend geschlossenes Verbreitungsgebiet liegt in Unter- und Mittelfranken.


Befüllen Sie Ihr Futterhaus oder Futtersäule immer nur so, dass es für einen Tag reicht. Unsere "Gefiederten Freunde" mausern sich sonst sehr gern zu Schleckermäulern und nehmen nur die besten Stücke.
Meisen suchen den ganzen Tag nach Futter. Der Grund ist: Dass Kleinvögel im Winter schneller Wärme verlieren als größere Vögel - das hat mit Größe im Vergleich zum Gewicht zu tun - bei Kleinvögeln kann hierdurch ihr Körpergewicht um 15% abnehmen. Am Futterplatz sollen unsere Vögel Energie tanken!
Eine Bitte: Säubern Sie Ihren Vogelnistkasten nicht schon im Herbst. Lassen Sie doch das Nest im Kasten. Hier wärmen sich dann im Winter viele kleine Vogelarten (Zaunkönig) oder auch Kleinsäuger wie Bilche. Säubern Sie das Nest erst, nach den ersten frostfreien Nächten, für die neue Brutsaison. Die Nistkästen nur auskehren oder nur mit Wasser säubern.

Wenn Sie sich entschieden haben zu füttern, dann bitte mit energiereichem Futtermittel. Oft enthalten Meisenknödel nur wenig nahrhaftes Futter. Wenn es geht, entscheiden Sie sich gegen Meisenknödel, da sich Kleinvögel an diesen Kunststoffnetzen erheblich verletzen können, gerade dann, wenn Vögel in Panik geraten, durch Futterneider oder Feinde.


Rotkehlchen sind teils Zugvögel, teils bleiben sie im Brutgebiet und das kann mitten durch eine Brut gehen (Foto: Olav Krüger)
Das anmutige Rotkehlchen ist ein häufiger Besucher unserer Gärten und zählt zu unseren bekanntesten Vogelarten. Lockt man es einmal mit Futter zum Vogelhäuschen, so kehrt es den ganzen Winter über zurück.
In Bayern ist das Rotkehlchen ein sehr häufiger Brutvogel mit 330.000 - 880.000 BP. Kältewinter können auf die Bestände stark einwirken.
Unter den häufigsten 20 Arten nimmt das Rotkehlchen Platz sieben ein.
 

Rotkehlchen verteidigen heftig ihr angestammtes Territorium

Foto: Olav Krüger


So freundlich dieser Vogel uns begegnet, so unverträglich ist das Rotkehlchen gegenüber Artgenossen. Im letzten Winter konnte ich folgendes beobachten: Ich hatte in meinem Garten zwei Teller für die Bodenfresser hingestellt. Schon kurz darauf waren zwei Rotkehlchen in meinem Garten und jeder behauptete einen Teller als sein Territorium. Überschritt einer der Vögel eine imaginäre Trennlinie so wurde dieser sofort vertrieben. Ansonsten beachteten sich diese beiden gar nicht.
Am besten füttern Sie Rotkehlchen mit Weichfutter und Haferflocken.

Machen Sie sich doch Ihren eigenen "Meisenknödel" oder "Meisenkuchen". Ich habe Ihnen einmal ein "Rezept" aufgeschrieben. Leicht zum Nachmachen und billig dazu.

MEISENKUCHEN



Der Buntspecht, die bei uns häufigste Spechtart, lebt in Mischwäldern und Parks mit alten Eichen und Hainbuchen. Seine Nahrung ist vielseitig. Er ernährt sich vor allem von Forstschädlingen wie im Holz lebende Käferlarven.
Buntspechte können gelegentlich invasionsartig in Norddeutschland erscheinen (Foto: Olav Krüger)

Foto: Olav Krüger


Ein Buntspecht am Meisenknödel - sogar dessen Zunge kann man sehen

 
Der schöne schwarz-weiß-rote Vogel war früher bei uns weniger verbreitet als heute. Bayern ist vom Buntspecht flächendeckend verbreitet. Ein Tatbestand, der mit der Winterfütterung, der Forstwirtschaft und auch mit dem Ende des Luftgewehrschießens zusammenhängen mag. Er ist selbst in Gärten ein häufiger Gast. Seinen Bestand in Bayern schätzt man auf 87.000 - 245.000 BP. Die Bestandsschwankungen hängen mit Kältewintern zusammen.
Der Buntspecht kann innerhalb von vier Minuten alle Samen aus einem Kiefernzapfen holen. Dazu führt er etwa 800 Schläge aus. Im Winter kann er an nur einem Tag 1700 Kiefersamen, 8000 Lärchensamen oder sogar 10.700 Fichtensamen verzehren. (Diese Zahlen stammen aus der Fachliteratur, nicht von mir gezählt)


Ein Buntspecht am Meisenknödel. Wenn sich Vögel vor allem Kleinvögel in solchen Netzen verheddern, geraten diese sehr schnell in Panik und können sich bei den wilden Befreiungsversuchen erheblich verletzen. Wenn Sie einen Buntspecht in Ihren Garten locken möchten, dann klemmen Sie ein Stück Talg in einen Ast oder Baumspalt, oder Sie reiben in die rissige Borke Teile Ihres selbstgemachten "Futterkuchens" ein. Er wird es Ihnen danken und immer wieder kommen. Auch dem Gartenbaumläufer können Sie damit helfen über den Winter zu kommen.


Der Gartenbaumläufer hat eine Vorliebe für Streuobstbestände (Foto: Olav Krüger)
In Laub- und Mischwäldern sowie in Gärten und Parks ist der Gartenbaumläufer ein häufiger Brutvogel. Seine Zwillingsart der Waldbaumläufer dagegen lebt vorwiegend in Fichtenwäldern. Oft kommen beide Arten in Mischwäldern nebeneinander vor.

Der Gartenbaumläufer ist in Bayern ein häufiger Brutvogel und über ganz Bayern lückig verbreitet. Die Art fehlt in den Alpen ab ca. 1000 m, und höheren Mittelgebirgslagen.
Die Bestandsschätzung bewegt sich zwischen 37.000 - 98.000 BP.

 

Altbäume und alte Streuobstwiesen kommen ihm zugute

Foto: Olav Krüger


 
Der Gartenbaumläufer wählt meist niedrig gelegene Baumspalten, Hohlräume hinter abstehender Rinde, andere Baumhöhlen oder spezielle Nistkästen mit einem seitlichen Schlitz für die Anlage seines Nestes, das vom Weibchen aus Reisern, Halmen und Moos gebaut wird. Beide Altvögel füttern die Jungen. Obwohl Gartenbaumläufer kälteempfindlicher sind als der Waldbaumläufer, bleiben sie im Winter im Brutgebiet. In besonders kalten Nächten schlafen sie zu mehreren dicht aneinander gedrängt als Knäuel an einem Baumstamm hängend, so dass lediglich die sternförmig herausragenden Schwanzfedern zu erkennen sind. Nur die Kälte bringt sie dazu einen so engen Körperkontakt zu suchen, sonst nämlich sind sie sehr ungesellig und gehen einander aus dem Wege.


Denken Sie bitte auch an die Vögel, die meist ihr Futter nur vom Boden aufnehmen können. Eine Futterschale die täglich gesäubert sein sollte reicht vollkommen aus. Auch von der Futterröhre fällt immer etwas ab. Am hygienischsten eignen sich Futtersäulen zur Winterfütterung. Sie erfüllen zwei wichtige Aspekte: Einmal bei mehreren Ansitzen sitzen sich die Vögel gegenüber, das Futter verdeckt den Sichtkontakt dadurch weniger Futterneid, zum zweiten dem Futterspender kann nur das eben angebotene Futter entnommen werden. Ein weiteres Plus, das Futter wird nicht nass.

Weiterhin wichtig ist:
Vögel müssen trinken. So sollte ein Teller sauberes Wasser, täglich frisches, an einer Winterfutterstelle nicht fehlen. Vor allem Körner fressende Vögel 1-2 mal pro Tag) müssen nach dem aufgenommenen Futter trinken.
Außerdem brauchen die Vögel das Wasser für die Gefiederpflege. Gerade Rotkehlchen vergessen beim Baden alles um sich herum und können leicht von einem Räuber überrascht werden. Auch Meisen baden gerne. Deswegen werden solche Wasserstellen in der Nähe eines Busches oder einer anderen Deckung eher angenommen, als auf freier Fläche. Geeignete Tränken sollten in der Mitte einen Stein haben (Sitzplatz). Nur nebenbei: In offenen Regentonnen sollte immer ein Stück Holz schwimmen, das hineingefallene Vögel sich hiermit retten können.



Bergfinken unterscheiden sich vom Buchfink in allen Kleidern durch rostbeige bis zu einer orangenen Farbe auf der Brust. Männchen ähneln im Schlichtkleid den Weibchen, hat aber klarere Farben und einen leuchtend gelblichen an der Spitze dunklen Schnabel.
Bergfinken verbringen beim Fehlen von Bucheckern den Winter in Südwesteuropa (Foto: Olav Krüger)

Foto: Olav Krüger

Durchziehende Bergfinken an einer Wassertränke

 
 Auf den Besuch von durchziehenden Bergfinken freue ich mich alle Jahre wieder. Sie kommen zwei bis drei Tage an die Futterstelle um dann weiterzuziehen. Bergfinken sind in Mitteleuropa nur Durchzügler und Wintergäste. Sie brüten im hohen Norden, vor allem in Birkenwäldern, aber auch in lockeren Misch- und Nadelwäldern, sowohl in der Ebene als auch im Gebirge bis zur Baumgrenze. Bergfinken ziehen zwischen September und November nach Mittel- und Südeuropa. In oft riesigen Schwärmen, meist mit Buchfinken vermischt, aber auch Stieglitzen. Sie lassen sich bei uns auf Feldern und vor allem in Buchenwäldern nieder, wo sie Bucheckern verzehren. Oft besuchen sie auch Futterstellen. Im März und April ziehen die Bergfinken zurück in ihre nördlichen Brutgebiete.


Wenn Sie einmal mit dem Füttern begonnen haben, nicht mehr aufhören, sondern durchfüttern. Die Vögel gewöhnen sich an diese Nahrungsquelle und müssen sich bei ständigem vielleicht über Tage dauerndem Aussetzen sich eine neue Nahrungsquelle suchen was wiederum ein unnötiger Energieaufwand darstellt.
Füttern Sie bis die ersten warmen Tage kommen, die ersten Insekten in der Luft tanzen, es die ersten frostfreien Nächte gibt.
Denken Sie auch daran, dass Wintergäste wieder in ihre Brutgebiete abziehen, und so ein kurzer Stopp bei einer Futterstelle bedeutet Kraft tanken.
Nicht abrupt aufhören, sondern einen Futterplatz nach dem anderen wegräumen. Den Vögel nehmen dies als eine versiegende Nahrungsquelle hin, eben wie in der Natur.

Sie glauben gar nicht, wie sich Vögel an Futterplätze erinnern. Bei mir kommen die ersten Meisen schon in der Mitte des Oktobers an die Stelle, wo alljährlich meine Fettblöcke hängen.

In wärmeren Gegenden Deutschlands überwintern viele Stare (Foto: Markus Gläßel)
Der Star ist zu einem der häufigsten Vögel in unseren Städten geworden. Besonders imposant sind die großen Starenschwärme, wenn sie über unseren Dächern ihre Kreise ziehen, in denen alle Vögel synchrone Flugmanöver ausführen.
Der Star ist ein äußerst findiger und anpassungsfähiger Vogel, der nahezu alle essbare Nahrung annimmt. Er ist außerdem ein ausgezeichneter Imitator. Er ahmt die Stimmen anderer Vögel und Geräusche der Stadt wie klingelnde Telefone und menschliches Pfeifen nach. Einmal, wurde ich bei einem Waldspaziergang von einem Star begrüßt, der eine quietschende Türe nachahmte.

Nördliche Populationen des Stars überwintern meist in Mitteleuropa

Foto: Markus Gläßel



Nicht alle Vögel fressen das gleiche Futter: Amseln mögen z.B. ein Körnergemisch und auch Obst. (Schneiden sie einen ruhig schon etwas unansehnlichen Apfel in Viertelstücke, die stürzen sich darauf.
Finken mögen Erdnüsse und Sonnenblumenkerne. Der Kleiber mag eher das Fettfutter.

Ich habe Ihnen einmal zusammengestellt, WER FRISST WAS!

Nach Einschätzung von Vogelexperten sind Sonnenblumenkerne das optimale Futter, weil sie einen sehr hohen Energiegehalt haben. Mit Sonnenblumenkerne können Sie mit Sicherheit nichts falsch machen.

Wann kommen die Vögel am liebsten zur Futterstelle: An einem durchschnittlichen Wintertag lassen sich drei Höhepunkte bei der Nahrungsaufnahme beobachten.

In den frühen Morgenstunden und im letzten Abendlicht versuchen die Vögel ihre in der vergangenen Nacht verbrauchten, bzw. die für die kommende Nacht benötigten Energiereserven aufzustocken.

Mit der Wahl dieser Tageszeiten vermeiden die Vögel selbst Beute von Katzen oder Greifvögeln zu werden.

Eine dritte, kleinere Besuchswelle an Futterstellen liegt am späten Vormittag und um die Mittagszeit. Jetzt kommen eher jüngere, unerfahrenere und weniger dominante Vögel zur Futteraufnahme, die an den anderen Zeitpunkten gegenüber der Konkurrenz keine Chance haben an Futter zu kommen.



Ein Mönchsgrasmücken-Weibchen war im letzten Winter den ganzen Winter über bei mir im Garten und hat sich die Energie geholt um über die kalte Jahreszeit zu kommen.
Teile der Mönchsgrasmücken haben seit den 1950er Jahren die Zugrichtung geändert (Foto: Gunther Zieger)

Foto: Gunther Zieger


Schnee hat ihr überhaupt nichts ausgemacht

 
Die Mönchsgrasmücke ist in Bayern ein sehr häufiger Brutvogel und nicht gefährdet. Unter den häufigsten 20 Arten nimmt die Mönchsgrasmücke in Bayern Platz 6 ein. Ihr Bestand wird in Bayern auf 350.000 - 910.000 BP geschätzt.
Überwinterungen als Folge der Klimaerwärmung könnten zunehmen. Bayerische Brutvögel sind sich auch unter den Vögeln kontinentaler Herkunft, die seit kurzer Zeit auf den britischen Inseln überwintern.


Immer wieder werde ich gefragt: Wissen eigentlich die Vögel was sie ihrem Nachwuchs für eine Nahrung geben dürfen.
Sie müssen keine Angst haben, dass die Insekten-Fütterer nicht rechtzeitig umstellen. Die Tiere wissen das genau, was sie ihrem Nachwuchs füttern dürfen.

Wer eine Scheune sein Eigen nennt, sollte bitte an unsere Eulen denken. Da sich Eulen keine Fettreserven anfressen können, sind unsere Eulen darauf angewiesen täglich Beute zu machen.


Das Hauptbeutetier der mitteleuropäischen Waldohreulen ist die Feldmaus (Foto: Markus Gläßel)

Damit es im darauffolgenden Jahr wieder solche Augen gibt - der Schutz unserer Eulen sollte uns wichtig sein

Sie helfen unseren Eulen im Winter, wenn Sie dort ein wenig Stroh und Körner auslegen, die Oberfenster oder obere Einlasse offen lassen, so dass die Eulen einfliegen können. Da sie reine Mäusefresser sind, helfen Sie sich damit selbst und unseren Eulen.


Vielen Dank an meine Fotografen, ohne die eine solche Seite nicht möglich wäre: Olav Krüger, Markus Gläßel und Gunther Zieger.


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- letzte Aktualisierung: Mittwoch, 16. Januar 2019 -
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