Wiesenweihe
Greifvögel
Streuobst
Biotoppflege
Ornithologie
Insekten
Sie sind hier: Aktionen

Protestaktionen
Letzte Meldung



Vogel des Jahres 2017 - der Waldkauz, der geschickte Jäger der Nacht

 
Als ich von der Wahl des Waldkauzes zum "Vogel des Jahres 2017" erfuhr, war ich zuerst etwas ratlos! In manchen Gebieten ist der Waldkauz die häufigste Eule. Es liegen laut Experten derzeit keine Hinweis vor, für nennenswerte Bestandsveränderungen. Wir hatten im Zeitraum in der Bestandserhebung 1996/99 einen Bestand von 5.000 - 10.000 BP. Für den Zeitraum 2005/09  einen Bestand von ca. 6.000 - 9.500 BP in Bayern. Da der Waldkauz wohl nicht überall zu beobachten ist, liegt der Populationsbestand wohl noch höher. Gibt es da nicht andere Vogelarten, wo es dringend angeraten wäre, diese zum Vogel des Jahres zu küren? So gehen die Bestände des Braunkehlchens seit Jahren drastisch zurück, den Baumpieper, Bluthänfling, oder gar die Feldlerche. Die Bestände, dieser Vogelarten, die in den letzten Jahren dramatisch abnehmen. Will man nicht mehr streitbar sein? Wir verlieren in den nächsten 10 -15 Jahren viele Vogelarten, sollte es zu keinem Umdenken in der Politik und der intensivst geführten Land- und Forstwirtschaft geben. Es muss aufhören mit dem "Schlegeln" der Busch- und Heckenbestände. Gerade die Landwirtschaft greift hier massiv in die Natur ein. Ganz zu schweigen von dem massiven Ausbringen von Gülle und Kunstdünger.

Sei es drum! Der Waldkauz ist der "Vogel des Jahres 2017" Die Frage stellt man sich, warum wurde der Waldkauz (Strix aluco) zum "Vogel des Jahres 2017 gekürt? Stellvertretend wohl für alle Eulenarten soll der Waldkauz für den Erhalt der alten Wälder, d.h. der alten Bäume mit Höhlen im Wald aber auch in den Parks werben. Leider gibt es diese alten Wälder immer weniger. Und mit ihnen verschwinden auch die Bewohner der "Höhlenbäume". Gleichzeitig soll der Waldkauz auch auf alle Tiere der Nacht aufmerksam machen. Man sieht sie kaum, jedoch man hört sie. Ihre nächtlichen Rufe und Laute begeistern die Menschen.

Der Waldkauz (Strix aluco) ist der Vogel des Jahres 2017 (Bild: Markus Gläßel) Der Waldkauz ist in ganz Europa bekannt. Die Farbe seines Gefieders variiert von Grau bis zum Rotbraun. Als geschickter Jäger schwebt er lautlos auf seine Beute herab. Er kann jedoch auch eine Fledermaus im Flug fangen.
Der Waldkauz ist der Vogel des Jahres 2017 Bild: Markus Gläßel

Das "Käuzchen", wie der Waldkauz im Volksmund heißt, ist in Mitteleuropa nicht nur die häufigste Eule, sondern zeigt sich auch am ehesten in Siedlungen. In vielen Parks, mit altem Baumbestand, kann man ihn mit zu Schlitzen verengten Augen vor seiner Baumhöhle in der Sonne dösen sehen. Nicht selten wird er dann von Kleinvögeln, die auf seiner Beuteliste stehen, mit heftigem Gezeter "beschimpft".

Einen Waldkauz zu beobachten ist am ehesten in der Dämmerung, wenn Waldkäuze dann wie dunkle Schatten zur Beutejagd ausfliegen. Unser Waldkauz ist den meisten Menschen nur vom "Hören" bekannt. Kommt in einem Krimi eine Nachtszene vor, so ist meistens sein fast schon unheimliches "Huuu-huhuhu-huu" zu hören.

Hier können Sie die Stimme des Waldkauzes hören (Stefan Wehr, Sulzbach)


Waldkäuze jagen von einem Ansitz aus oder im Suchflug. Mit Hilfe ihres feinen Gehörs können sie ein Beutetier auf über 100 m Entfernung genau orten. Der Waldkauz ist in seiner Nahrungswahl sehr vielseitig. Die Zusammensetzung der Nahrung variiert je nach Lebensraum und Häufigkeit der Beutetiere. Kleine Säugetiere und Vögel bis zu 300 g Gewicht führen die Nahrungsliste an. In den Wäldern sind es vor allem kleine Säuger und Vögel aber auch Würmer und Käfer. In Siedlungsgebieten erbeuten Waldkäuze mehr kleine Vögel.

In reinen Fichtenwäldern kommt er nur am Rande vor, denn im dichten Inneren ist weder das Angebot an Nahrungstieren noch an geeigneten Bruthöhlen ausreichend. Je urwüchsiger und älter ein Wald, desto besser sind seine Lebensbedingungen für ihn (Bild: Gunther Zieger)
Bild: Gunther Zieger Je urwüchsiger ein Wald ist, desto besser die Lebensbedingungen für ihn

Die insgesamt in elf Unterarten vorkommenden Waldkäuze werden in zwei Gruppen unterteilt: Das Areal der westlichen Gruppe umfasst Nordafrika und Europa bis Westsibirien und bis zum Iran, das Brutgebiet der östlichen Gruppe reicht von Südrussland über Afghanistan bis Korea und China. In Europa ist der Waldkauz fast überall heimisch, nur im Norden von Skandinavien, Finnland und Russland sowie auf Island und Irland fehlt er. In den Alpen kommt er bis 1600 m Höhe, gebietsweise mitunter auch bis 1800 m vor.

Die Verbreitung des Waldkauzes Das Vorkommen des Waldkauzes erstreckt in Europa außer Nordskandinavien, Island und Irland.
Verbreitungskarte des Waldkauzes  

Waldkäuze bevorzugen als Lebensraum älteren Laubwald, deshalb müssen wir dafür soren, dass dieser erhalten bleibt. Aber Laubbäume alleine reichen bei weitem nicht für einen geeigneten Waldkauz-Lebensraum. Absolut wichtig sind große, alte Bäume mit vielen Höhlen, in denen unsere Waldkäuze (natürlich auch andere Baumhöhlenbewohner) brüten können. Leider werden diese "Höhlenbäume" in unseren "Wirtschaftswäldern" immer seltener. (Leider hat gerade in Bayern die neue Waldverordnung dies noch einmal verschärft) Die Bäume werden gefällt, (inzwischen müssen wir um jeden Höhlenbaum kämpfen) bevor diese alt genug sind, um Höhlen auszubilden. Mit einem "Stangenwald" kann auch ein Waldkauz wenig anfangen. Dort wo es noch diese alten "Baumveteranen" gibt, erreicht der Waldkauz höhere Bestandsdichten. In Gebirgswäldern gehen sie so hoch, wie auch die Buche dort vorkommt, dagegen besiedeln sie Fichtenwälder höchstens am Waldrand. Freiflächen wie Lichtungen, Kahlschläge und Gewässerufer, benötigen sie zum Fang ihrer Beutetiere. Außerdem sind Waldkäuze ausgesprochene Standvögel, die über viele Jahre hinweg ihrem Revier treu bleiben.

Der beste Schutz für den Waldkauz ist, höhlenreiche Altholzbestände sowie bekannte Brutbäume zu erhalten und zu sichern. Totholz sichert ihm Nahrung und Versteck. Schutz für alle Höhlenbaumbrüter - höhlenreiche Altholzbestände sichern und erhalten (Bild: Maximilian Dorsch)
Bild: Maximilian Dorsch Schutz für den Waldkauz - höhlenreiche Altholzbestände sichern und erhalten

Waldkäuze leben in Dauerehe. Das Weibchen wählt den Nistplatz aus, meist ist es eine Baumhöhle in einem älteren Baum. Besiedelt werden aber auch leerstehende Nester von Greifvögeln oder Fels- und Mauerspalten. Mit geeigneten Nistkästen kann die Zahl der Brutpaare erhöht werden. Da aber kleine Eulen wie Sperlings-, Raufuß- oder der seltene Steinkauz vom Waldkauz besiedelte Reviere meiden, sollte sehr sorgfältig mit dieser Besiedelung durch Nistkästen vorgegangen werden. Es sollte sichergestellt sein, dass oben genannte Käuze nicht vorkommen.

Mit Nistkästen kann man den Waldkauz gezielt ansiedeln - dazu sollte aber einiges bedacht werden (Bild: Maximilian Dorsch) Man kann Waldkäuze durch das Anbringen von Nistkästen dazu bringen, in Wäldern zu nisten, wo es nur wenige alte Bäume gibt. Aber man sollte wissen, dass dann andere Käuze dieses Gebiet meiden.
Mit Nistkästen kann der Waldkauz gezielt angesiedelt werden Bild: Maximilian Dorsch

Aber Vorsicht: Die Annäherung an einen Waldkauz-Nistplatz ist auch für Menschen ziemlich riskant, denn die Käuze verteidigen ihre Brut sehr beherzt. Ihre Angriffsflüge richten sie meist gegen den Kopf und können den überraschten Besucher ernsthaft verletzen. So hat z.B. der berühmte englische Vogelforscher Eric Hosking durch die Attacke eines Waldkauzes eine Auge verloren. Auch gegenüber Rivalen und anderen Eulenarten verteidigt der Waldkauz aggressiv sein Revier.

Die jungen Recken verlassen bereits nach ca. 30 Tagen das Nest, obwohl sie noch nicht flugfähig sind. Achtung Vorsicht - wenn man sich einem Waldkauz-Nest nähert (Bild: Maximilian Dorsch)
Bild: Maximilian Dorsch Vorsicht ist geboten, wenn man sich einem Waldkauz-Nest nähert

Das Weibchen bebrütet die meist 3-5 Eier alleine. Nur in den Brutpausen und zur Nahrungsübergabe kommt das Männche hinzu. Es beginnt gleich nach dem Legen des ersten Eis, wodurch die Jungen in entsprechendem Abstand ausschlüpfen. Es hudert die Nestlinge. Das Weibchen bleibt während der Brutzeit fest auf dem Gelege.
Im Alter von etwa einem Monat verlassen die noch nicht flugfähigen Jungen das Nest und sitzen meist - scheinbar verlassen - auf Ästen in der Nähe des Nestes. (Ästlinge). Nach weiteren zwei bis drei Wochen sind sie dann flugfähig, werden aber erst mit drei Monaten selbständig. Bis dahin kümmern sich die Eltern weiter um ihren Nachwuchs. Zu Beginn, der dann im Herbst einsetzenden Balz werden sie dann aus dem elterlichen Revier vertrieben und beginnen dann jeder für sich ein neues Revier zu suchen. Das müssen sie, um jagen zukönnen. Nur die Hälfte der Jungvögel überlebt das erste Lebensjahr. Wenn sie es aber geschafft haben, können Waldkäuze bis zu 19 Jahre alt werden.

Bei völliger Dunkelheit verlassen sich jagende Waldkäuze vollkommen auf ihr Gehör (Bild: Gunther Zieger) Wie kann man einen Waldkauz erkennen:

Dicker rund Kopf, ohne Federohren;
Schwarze Knopfaugen;
Kleiner gelblicher Hakenschnabel;
Rindenfarbiges Gefieder;
Kräftige dunkel durchsetzte Längsstreifen;
Breite, kurze und runde Flügel;
Schwächere Querstreifen;
Kurzer Schwanz.


Bei völliger Dunkelheit verlassen sich jagende Waldkäuze ausschließlich auf ihr Gehör Bild: Gunther Zieger

Die Bestände des Waldkauzes sind in Mitteleuropa stabil. In vielen Gegenden Deutschlands ist der Waldkauz sogar die häufigste Eule. In harten und schneereichen Wintern, oder in mäusearmen Frühjahren können jedoch große Verluste der Populationen entstehen. Neben den Feinden wie Uhu und Habicht, aber auch Baum- und Steinmarder, werden viele Vorkommen durch das Fällen der Brutbäume oder andere Lebensraumveränderungen beeinträchtigt. Auch Verluste durch den Straßen- und Schienenverkehr, an Freileitungen, Windrädern, sowie in Kaminen und Lüftungsschächten sind gravierend.

 
Wichtige Merkmale des Waldkauzes (Strix aluco)

Größe: Krähe;
L
änge: ca. 40 - 42 cm;
Flügelspannweite: ca. 94 - 104 cm;
Gewicht: 385 - 660 g; Die Weibchen sind etwas größer und um ein Viertel schwerer als die Männchen.
Geschlechtsreife: mit 1 - 2 Jahren;
Brutzeit: Mitte März (manchmal schon im Februar) 1 Jahresbrut;
Gelegegröße: meist 3 - 5
Eifärbung: weiß, glatt, schwach glänzend;
Brutdauer: 28 - 29 Tage pro Ei;
Nestlingszeit: Die Jungen verlassen mit 29 - 35 Tagen das Nest (noch nicht flugfähig); Ästlinge; gut flugfähig mit 7 Wochen.
Verhalten: überwiegend standorttreu;
Nahrung: kleine Säuger (Mäuse) aber auch Maulwürfe, Ratten. Vögel, Amphibien, Würmer und Käfer.
Lebenserwartung: in freier Natur bis zu 19 Jahre.
Verwandtschaft: Habichtkauz und Bartkauz.


Nach dem "Flüggewerden" verlassen die Küken häufig den Kasten bevor sie gut genug fliegen können und halten sich als "Ästlinge" auf nahegelegenen Zweigen versteckt. Junger Waldkauz - Ästling in der Nähe seiner Bruthöhle (Bild: Maximilian Dorsch)
Bild: Maximilian Dorsch Junger Waldkauz - auf einem Ast in der Nähe der Bruthöhle

Laut einer Expertise beläuft sich der europäische Brutbestand auf geschätzte 530.000 bis 940.000 BP. Europaweit können zumindest in den letzten 25 Jahren keine Bestandsveränderungen festgestellt werden.
Der deutsche Brutbestand beträgt nach den Daten von ADEBAR, dem aktuellen Atlas deutscher Brutvogelarten, 43.000 bis 75.000 BP. Für Bayern werden ca. 6.000 - 9.500 BP geschätzt, eher höher.

Laub- und Mischwälder mit Altholzbeständen sind sein Revier (Bild: Gunther Zieger) Höhlenbewohnende Tiere wie der Waldkauz sehen einer unsicheren Zukunft entgegen. Auch in Bayern werden die Wälder immer "jünger".
Laub- und Mischwälder mit Altholzbeständen sind sein Revier Bild: Gunther Zieger

Den Schutz des Waldkauzes sollte man nicht primär herausstellen, sondern den Schutz unserer "alten Wälder". D.h. in erster Linie sind höhlenreiche Altbestände in den Laubwäldern zu erhalten, die einer ganzen Schar von Vögeln, Säugetieren aber auch unseren Großkäferarten nützen und so den Fortbestand einer Biodiversität sichern helfen. Daher muss es ein mehr an Waldfläche in Deutschland geben die nutzungsfrei bleibt. Die anderen Flächen müssen naturnah bewirtschaftet werden. Das sichert auch die Existenz des Waldkauzes.
 
Hätten Sie das gewusst?

Waldkäuze haben in ihrem Lautrepertoire nicht nur den einen, bekannten "huu"-Ruf (Reviergesang), sondern auch ein lautes "kuwitt", das typisch ist für das Weibchen, ferner einen weichen tremolierenden Roller und ein bellendes "wett wett wett".
Waldkäuze rütteln manchmal laut mit den Flügeln schlagend über Büschen und Unterholz, um kleine Vögel und Säugetiere aufzuscheuchen und sie zum Verlassen der schützenden Deckung zu bringen.
Die Sterberate unter den jungen Käuzen ist sehr hoch, da sie sich, kaum selbständig, schon ihr eigenes Territorium suchen müssen. Wenn alle benachbarten Gebiete schon besetzt sind, können die Jungen nicht jagen und verhungern jämmerlich.


Tagsüber schlafen Waldkäuze an einem geschützten Platz. Mit etwas Glück lassen sie sich dort gut beobachten. Da er auch Jagd auf kleinere Eulen macht, sollten Ansiedlungen nur mit Bedacht vorgenommen werden (Bild: Markus Gläßel)
Bild: Markus Gläßel Da er auch Jagd auf kleinere Eulen macht, sollten Ansiedlungen mit Bedacht vorgenommen werden


Vielen herzlichen Dank an meine Naturfotografen, Herrn Gunther Zieger, Herrn Markus Gläßel und Herrn Maximilian Dorsch. Ohne die Bereitstellung Ihrer einmaligen Aufnahmen, wäre eine solche Seite nicht machbar.

 

- letzte Aktualisierung: Donnerstag, 16. Februar 2017 -