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Vogel des Jahres 2018 - der Star, der große Stimmenimitator

 
Mit der Wahl des Stares zum "Vogel des Jahres" kann ich gut umgehen, dem kann ich eher zustimmen als mit der Wahl seines Vorgängers. Er ist ein Vogel der mich begeistert, aber auch teilweise kopfschüttelnd zurückgelassen, hat. Er ist ein begnadeter Stimmenimitator, der mich schon mehrmals hereinlegte, aber auch nachdenklich zurückließ, weil seine Bestände immer rascher schwinden. Wenn man den Experten Glauben schenken darf und dies ist für mich nicht nur sichtbar sondern auch hörbar, dann haben wir in den letzten 20 Jahren, 2 Millionen Brutpaare des "Vogels des Jahres 2018" verloren. Was sind die Gründe? Ich werde darauf zurückkommen.

Zuerst einmal möchte ich Ihnen ein paar Begegnungen die ich mit Star hatte, zum Besten geben:

Da ich in einer Weingegend Deutschlands wohne und von meinem Haus aus, auf die Weinberge blicken kann, waren mir die unglaublichen Schwärme des Stares vertraut, die immer wieder in die Weinberge einflogen und sich die eine oder andere Traube gut schmecken ließen. In den letzten Jahren allerdings, musste ich zu meinem Bedauern feststellen, dass diese Schwärme immer kleiner wurden und auch immer häufiger ausblieben. Was ist da passiert? Mit meinen Beobachtungen die ich mache und die daraus resultierenten Ergebnisse, lassen erkennen, dass diese Vogelart immer weniger Nahrung findet - Regenwürmer und Insekten - Resultat einer immer weiter um sich greifenden Industrialisierung der Landwirtschaft, wohl wirken auch die ausgebrachten Pestiziden ein. Natürlich werden auch auf dem Vogelzug in die Überwinterungsgebiete und zurück dieser Vogelart nachgestellt und geschossen.


Der Vogel des Jahres 2018 ist ein Schwarmvogel - der Star (Bild: Olav Krüger) Übrigens, hält der Star im Schwarm über kurze, schnarrende Rufe Kontakt zu seinen Nachbarn. Fällt ein Starenschwarm zu seinem Schlafplatz ein, so verdichten sich diese Rufe zu einem lautstarken Schwirren.
Greift ein Greifvogel den Schwarm an, so verdichten die Stare den Schwarm und der Angreifer kann nicht mehr mit den Flügeln schlagen und fällt aus dem Schwarm heraus.
Der Vogel des Jahres 2018 ist ein Schwarmvogel - der Star Bild: Olav Krüger

Vor Jahren als ich als damaliger aktiver Langstreckenläufer zu meiner Trainingsstrecke unterwegs war, empfing mich am Waldesrand ein Geräusch das an ein Türenquietschen eines Hitchcockfilmes erinnerte, das wiederholte sich mehrmals. Diesem Gräusch musste ich natürlich nachgehen und fand heraus, dass auf einem Baum ein Star saß, der dieses Geräusch imitierte. Wahrscheinlich lebte er in der Nähe eines Anwesens, dessen Tür so erbärmlich quietschte, dass es der Star in sein Stimmenrepertoire aufnahm.

Zu einem anderen Zeitpunkt als ich an einem kleinen Fließgewässer unterwegs war und das Vorkommen des Eisvogels an diesem Gewässer kartierte, empfing mich der Gesang des Pirols, da es aber März war, konnte noch kein Pirol im Lande sein. Auch dies war ein Star, der die Stimme des Pirols in seinem Gesang eingliederte.


Die meisten Brutvögel Mitteleuropas ziehen im Winter nach Südeuropa bis Nordafrika, in warmen Gegenden Deutschlands, wie hier am Main, überwintern jedoch viele Stare. Da die Winter bei uns in Franken milder sind, als anderswo, überwintern hier immer mehr Stare (Bild: Karl Hepp)
Bild: Karl Hepp Da die Winter bei uns in Franken milder sind, als anderswo, überwintern auch Stare hier


An eine andere Begegnung mit dem Star erinnere ich mich deshalb, weil er an der Außenseite meines Arbeitszimmers (in der Ecke hatte ich einen Nistkasten für den Gartenrotschwanz angebracht) einmal einen dort schon eingezogenen Gartenrotschwanz vertrieb. Der kleinere Gartenrotschwanz, der schon Jahre dort brütete, musste seinen Nistplatz räumen und der Star zog ein. Ist der Gartenrotschwanz ein leiser und ein Vogel, der ein recht ordentliches Nest baut, so schleppt der Star an, was er gerade findet. Und wenn ein Schilfblatt eben aus dem Nistkasten herausragt, dann stört das den Vogel wenig. Als dieser dann zur Fütterung Früchte anbrachte, hörte ich eines Tages meine Frau schimpfen: "Dieser Schmutzfink kommt mir nicht mehr ins Haus". Als ob er dies gehört hätte, kam er im Folgejahr nicht mehr und unser alter "Mitbewohner" der Gartenrotschwanz konnte sein Domizil wieder beziehen.

Da Stare keine richtigen Reviere haben, wie die meisten anderen Singvögel, verteidigen sie nur die unmittelbare Umgebung ihres Nistplatzes. Wie schon beschrieben, vertreiben sie schwächere Höhlenbrüter aus den Nistkästen. Das Männchen trägt für den Bau des unordentlichen, lockeren Nestes Stroh, Pflanzenstengel, manchmal auch grüne Blätter in die Höhle ein, das Weibchen polstert die Mulde mit Federn und Moos aus. Kotballen werden nur am Anfang weggebracht, so dass der "weißgefleckte" Höhleneingang die Bewohner verrät.


Stare im Frühjahr (Bild: Olav Krüger) Das Männchen unterscheidet sich vom Weibchen durch eine spärlichere helle Fleckung und einem stärkeren violetten und grünen Gefiederglanz.
Stare im Frühjahr Bild: Olav Krüger


Lebensweise

Obwohl der Star durchaus in freier Wildbahn, etwa in Waldgebieten, oder Waldrandgebieten, anzutreffen ist, ist er inzwischen in der Nähe menschlicher Ansiedlungen mittlerweile viel häufiger geworden. Der Star ist so gut wie in allen Landschaften in Laub- und Mischwäldern, aber auch in Gehölzen, hohen Hecken und in Siedlungen aller Art anzutreffen, sofern zur Brut geeignete Höhlen und offene, kurzrasige Flächen als Nahrungshabitat zur Brutzeit zur Verfügung stehen. Sie brüten auch in Inneren geschlossener Laubwälder, sofern Schneisen und Lichtungen, Waldwiesen, zur Verfügung stehen. Auch benötigen sie keine Brutbäume, wenn ihnen Brutmöglichkeiten wie Nistkästen oder Nistmöglichkeiten in Feldscheunen oder Heuschobern (die höchsten mir bekannten Brutplätze liegen in den deutschen Alpen bei 1100 bis 1150 Metern Höhe.

Der von Natur aus gesellige Star bildet auf der Nahrungssuche und am Schlafplatz laute, geschäftige Schwärme. Häufig nistet er in lockeren Kolonien. An Winterabenden fallen viele tausende Vögel zum Schlafen in unsere Städte ein. Schwatzend versammeln sie sich auf Bäumen in Parks (konnte ich gut in Würzburg beobachten) oder an Häusergiebeln und streiten um die besten Plätze. Die Vögel nutzen hier die höheren Temperaturen in der Stadt, auch ist hier der Schutz gegen einen schneidenden Wind besser.


Im frischen Herbstgefieder sind die Vögel durch weiße Federsäume in ein dichtes weißes Tupfenkleid gehüllt(Perlstar). Zum Frühjahr hin nutzen sich die hellen Säume allmählich ab und geben das grünviolett glänzende Prachtkleid frei.  Gerne nächtigen Stare inmitten unserer Städte und Dörfer (Bild: Markus Gläßel)
Bild: Markus Gläßel  Gerne nächtigen Stare in der Stadt oder inmitten unseren Dörfern 


Nahrung und Ernährungsweise

Was seine Nahrung betrifft, so ist der Star sehr vielseitig und nutzt ein großes Spektrum. Er wendet auch eine spezielle Technik an, das sogenannte "Zirkeln". Dabei stecken sie den geschlossenen Schnabel senkrecht in den Boden, öffnen diesen etwas und schauen in den Spalt, ob sich dort etwas Fressbares befindet.


Der Star hat eine spezielle Technik bei der Nahrungssuche (Bild: Olav Krüger) Beim Star ist das Auge genau in der Verlängerung des Schnabels platziert, dies ermöglicht ihm das "Hineinsehen" in den Spalt.
Der Star hat eine spezielle "Technik" der Nahrungssuche Bild: Olav Krüger


Das Hineinsehen ist möglich, weil das Auge genau in der Verlängerung des Schnabels platziert ist. Häufig sieht man Stare die durch Weidetiere aufgescheuchten Insekten jagen. Sein Speiseplan variiert mit der Jahreszeit. Im Frühjahr werden meist Insektenlarven verzehrt, ab dem Spätsommer dreht er diesen um und nimmt dann fast ausschließlich Früchte und Beeren auf. Im Winter, für die Stare die hier bleiben spielen dann Abfälle die sie in den Siedlungen finden eine große Rolle, auch sind sie an den Futterstellen für Kleinvögel zu finden.


Viele Vögel, die ihre Schlafplätze in der Stadt haben, gehen tagsüber in der Umgebung auf Nahrungssuche. ... Starenschwarm auf Nahrungssuche (Bild: Olav Krüger)
Bild: Olav Krüger Starenschwarm auf Nahrungssuche


... Frühmorgens schwärmen sie in wellenförmigen Scharen aus der Stadt aus und meistens fliegt jeder Vogel zu seinen eigenen Nahrungsgründen, die mehrere Kilometer entfernt liegen können. Bevor es Abend wird, kehren sie zurück und schwellen dabei häufig zu immer größeren Schwärmen an.


Schwarmwolke aus Starenvögeln (Bild: Olav Krüger) Bei der Ankunft bilden die Stare eine kreisende Wolke aus Vögeln. Dann sieht man den Schwarm meistens noch wild hin- und herjagen, bevor er sich zur Nachtruhe niederläßt.
Schwarmwolke aus Starenvögeln Bild: Olav Krüger


In Mitteleuropa beziehen die Stare ihre Brutgebiete bereits im Februar. Sie besitzen keine eigentlichen Reviere sondern verteidigen lediglich die nähere Nestumgebung. Als Brutplatz dienen Baumhöhlen, Astlöcher, (bitte unbedingt Baumruinen mit Astlöchern, morschen Ästen, stehen lassen) Felshöhlen, auch werden Löcher von Uferschwalben oder Bienenfressern angenommen.

Ich wurde eines Tages von einer Firma angerufen, dessen Firmengebäude neben offener Feldflur stand (am Rande der Industrieansiedlung). Arbeiter wollten an der südlichen Außenseite zwei Löcher verputzen, bemerkten aber, dass aus diesen Löchern ein "fiepsen" kam. Ausgerüstet mit meinem Fernglas stellte ich mich in gebührender Entfernung auf Lauer und es dauerte nicht lange, da konnte ich die Vogelart identifizieren, es waren zwei Starenpaare, die hier ihren Nachwuchs großzogen. Die Arbeiter zogen unverrichteter Dinge wieder ab und die Löcher wurden erst im Herbst verschlossen. Auch dies ist gelebter Naturschutz - großes Lob an die Firmenleitung, die es zuließ, dass hier zwei Starenpaare ihren Nachwuchs groß ziehen konnten.

Im Siedlungsbereich brüten sie zumeist in Nistkästen, gelegentlich auch  wie beschrieben in Löchern in Gebäuden oder unter Dachpfannen. Das Nest selbst ist ein dickes, napfförmiges Gebilde aus trockenem Pflanzenmaterial und wird mit Gras, Moos, Federn und einer Reihe anderer "Unterlagen" (Papierfetzen) ausgekleidet. Die Paarbildung ist bei unserem Star eine ziemlich komplexe "Beziehungskiste". Einige Stare sind nur mit einem Weibchen verpaart. Andere wieder haben mehrere Vogeldamen gleichzeitig. Das passiert auch dann, wenn die erste Brut nicht erfolgreich war.


Das Männchen baut zuerst eine recht unordentliche Nestunterlage aus allerlei Utensilien, das können Schilfstengel, Stroh oder auch Blätter sein. Nach der Verpaarung kleidet dann das Weibchen die Nestunterlage säuberlich mit Wolle und Moos, sowie Federn aus. Das Gelege kann aus 4 - 8 hellblauen oder blassgrünlichen glatten und nur schwach glänzenden Eier bestehen. So sieht das Nest eines Starenpaares aus (Bild: Naturfoto Frank Hecker)
Bild: Naturfoto Frank Hecker Nest eines Starenpaares


Das Weibchen legt die Eier in Abständen von 24 Stunden. Den größten Teil des Brütens übernimmt es selbst. Es sitzt die ganze Nacht und einen Großteil des Tages auf den Eiern. Die Jungen schlüpfen nach 12 bis 13 Tage. Wie alle Singvögel sind die Starenküken Nesthocker. Sie werden von beiden etwa drei Wochen im Nest gefüttert, bis sie flügge sind. Außerhalb des Nestes werden die Jungen noch maximal vier Tage gefüttert. In der Regel gibt es nur ein oder zwei Gelege. Ende Juli ist die Brutzeit beim Star vorbei.

Nimmersatter Starennachwuchs (Bild: Naturfoto Frank Hecker) Aus einem älteren Buch habe ich einmal über Starenjunge folgendes gelesen: "Seine Jungen sind gierige Schreihälse und können in ruhigen Gärten eine echte Lärmbelästigung sein".

Mir sind diese "Schreihälse in meinem Garten recht, werden sie doch von ihren Eltern mit Insekten gefüttert, oft auch mit "Plagegeistern", die uns Menschen nerven.

Die Nestlingszeit bei den Staren beträgt 17 - 21 Tage, da wird dies wohl doch auszuhalten sein.
Wer am weitesten aufsperrt, wird wohl das meiste abbekommen Bild: Naturfoto Frank Hecker


Feldbeobachtung:

Stare brüten überall in Mitteleuropa, im Winter jedoch wächst ihre Zahl, wenn sich Überwinterer aus Nordosteuropa hinzugesellen. In milden Gegenden schwillt die Anzahl der Vögel dann stark an. Zwischen Herbst und Frühling können die Schwärme in Dörfern und Städten zu riesigen Schwärmen anwachsen. Im Jahr 2016 wurde am 07. September über Gotteskoogsee in Schleswig Holstein ein Schwarm von ca. 220.000 Tieren beobachtet. Jede Stadt hat ihre regelmäßig besuchten Schlafplätze, die sich jedoch von Zeit zu Zeit auch ändern können.

Halten Sie doch einmal danach Ausschau.


Finden die Stareneltern zu wenig Nahrung in einem verregneten und zu kaltem Frühjahr, überleben viele Jungstare die ersten Wochen nicht. Jungstare schauen neugierig aus ihrer Baumhöhle (Bild: Markus Gläßel)
Bild: Markus Gläßel Schauen diese jungen Stare in eine für sie ungewisse Zukunft?


Das Verbreitungsgebiet des Stars umfasst fast ganz Europa, ohne die Iberische Halbinsel, Korsika, Sardinien und Sizilien, wo unser Star vom Einfarbstar (vielleicht kann ich ein Bild aufttreiben) ersetzt wird. Auch in Griechenland und im höchsten Norden fehlt er. Ferner besiedelt der Star Teile des nördlichen Asien, im Osten kommt bis zum Baikalsee vor und bis zur nordwestlichen Mongolei. Im Süden bis Nordiran und Nordwestindien. Die Art wurde auch erfolgreich durch Auswanderer eingebürgert, in Australien, Neuseeland, Nordamerika und Südwestafrika.


Das Verbreitungsgebiet von Sturnus vulgaris In Nordamerika, Südafrika und Australien mit Neuseeland, wurde der Star vom Menschen angesiedelt.
Das Verbreitungsvorkommen von Sturnus vulgaris  


Sein Gesang ist ein abwechslungsreich plauderndes Potpourri aus scharrenden, knackenden, ratternden Motiven, absinkenden Pfeiftönen und meist erstaunlich präzisen Imitiationen anderer Vogelstimmen. (Hören Sie in die folgende Aufnahme rein) Mitunter werden auch Haustierstimmen, Türklingeltöne, Trillerpfeifen, Rasenmäher, knarrende Türen nachgeahmt.

Hier können Sie Nachahmungen des Stars hören (Stefan Wehr, Sulzbach) Pfeifen, Grauspecht, Fasan, Haushuhn.

 
Wichtige Merkmale des Star (Sturnus vulgaris)

Größe: ungefähr Amsel;  
L
änge: ca. 21,5 cm; 
Flügelspannweite: ca. 37 - 42 cm;
Gewicht: 75 - 85 g;
Geschlechtsreife: mit 1 - 2 Jahren;
Brutzeit: Mitte April, 1 oder 2 Jahresbruten;
Gelegegröße: 4 - 8
Eifärbung: blassgrünlich, hellblau, in der Schattierung variabel, glatt, schwach glänzend;
Brutdauer: 11 - 13 Tage, hauptsächlich brütet das Weibchen, das Männchen nur kurze Zeit untertags;
Nestlingszeit: 17 - 21 Tage, das Weibchen hudert alleine, beide Partner füttern;
Verhalten: gesellig. Sammelt sich in großen Schwärmen an Schlafplätzen;
Nahrung: Frühjahr zumeist Insektenlarven, ab Spätsommer fast ausschließlich Früchte und Beeren. Im Winter Abfälle in Siedlungen und Fütterungen im Garten für Kleinvögel;
Lebenserwartung: In der Regel bis zu 3 Jahre
Verwandtschaft: Einfarbstar und Rosenstar.



Jungvögel der Stare sind überwiegend graubraun und haben eine helle Kehle. Schaut's her, hier sind wir die jungen "Wilden" (Bild: Olav Krüger)
Bild: Olav Krüger Die jungen "Wilden" - die nächste Generation


Stare sind keine sehr beliebten Vögel, weil sie mit ihren Exkrementen Häuser und Bäume verunreinigen. Auch auf dem Land gelten die Stare in Obstgärten, Weinbau und Getreidefeldern als Plage. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Star noch als Vertilger landwirtschaftlicher Schädlinge geschätzt und sogar mit Nistkästen angelockt. Die Kehrseite zeigte sich alsbald mit Fressschäden im Wein- und Olivenanbau in Südeuropa. Bis in die 1980er Jahre war die Vergiftung von Staren durch Kontaktgifte und Köder, sogar Dynamit kam an Schlafplätzen zum Einsatz. Auch war der Fang in Winterquartieren weit verbreitet. In Mitteleuropa ging seit 1980 die direkte Verfolgung des Staren dank der EU-Vogelschutzrichtlinie um etwa ein Viertel zurück. In Südeuropa hingegen gelten Abschuss und Fang dieser Vogelart noch immer als hauptsächliche Todesursache.


In unserer Agrarlandschaft sucht der Star Mähwiesen auf, für die Nahrungssuche (Bild: Gunther Zieger) Der ursprüngliche, wohl ideale Lebensraum für den Star in Mitteleuropa, war wohl die Randlage und Lichtungen von Laubwäldern.
In unserer Agrarlandschaft sucht der Star Mähwiesen auf, für seine Nahrungssuche Bild: Gunther Zieger


 
Hätten Sie das gewusst?

Reife Trauben gehören zu den Lieblingsspeisen des Stars. Gegorene Früchte machen manche zu regelrechten "Schnapsdrosseln".
Die Stare sind eine der artenreichsten Familien der Singvögel, die zu den Sperlingsvögeln gehören. Sie zählen zu den am weitesten verbreiteten Vogelfamilien der Welt. Die Familie umfasst 34 Gattungen und fast 120 Arten, von denen zwei Gattungen und sechs Arten ausgestorben sind.
Seit Anfang des 19. Jahrhunderts ausgestorbene Arten sind der Kosrae-Singstar, der Pelzelnstar, der Norfolk-Star, der Hopfstar und der Rodrigues-Star.
Der Star ist ein ausgezeichneter Stimmenimitator. Er ahmt die Stimmen anderer Vögel und Geräusche der Stadt wie klingelnde Telefone und menschliches Pfeifen nach.
Unter der Last riesiger, schlafender Starenschwärme ist schon so mancher Ast abgebrochen. Auch kleine Bäume brachen schon unter dem Gewicht der Vögel zusammen.
In manchen ländlichen Regionen ist der Star ein noch willkommener Gast, weil er Schädlinge frisst. Auch in Teilen Russlands und Neuseelands stellt man ihm wie bei uns Nistkästen zur Verfügung.
In den letzten Jahrzehnten haben die Starenpopulationen in Großbritannien, Finnland, Dänemark, Polen, Russlands und im Osten der USA abgenommen, vermutlich weil es dort immer weniger Weideflächen für das Vieh gibt.
Der Star gehört zu den häufigsten heimischen Vogelarten. Oft sieht man ihn in riesigen Schwärmen von mehreren Tausend. Mit aktuell 3,65 Millionen Brutpaaren zählt der Star zwar zu den häufigsten Vogelarten in Deutschland und Europa. Doch Anfang der 1990er Jahre waren es noch mehr als 5,5 Millionen Brutpaare.



Starenmännchen auf Nahrungssuche, inmitten einer Agrarsteppe die ihm immer weniger Raum läßt (Bild: Olav Krüger) Sein Gefieder ist schwarz, mit purpurfarbenem, blauem und grünem Schimmer. Der Schnabel beider Geschlechter wird im Sommer hellgelb.
Starenmännchen bei der Nahrungssuche Bild: Olav Krüger


Der Speisentisch des Stars leert sich immer mehr. Viehweiden und extensiv genutzte Wiesen gibt es immer weniger. Rinder und Ziegen fristen den Großteil ihres Lebens in engen Ställen und das Kraftfutter der Kühe kommt oftmals aus dem Ausland. Die rasche Einsaat des Wintergetreides macht das uns allen so vertraute hochsommerliche Stoppelfeld selten. Auch Beeren tragende Hecken sucht der Star zwischen den Feldern vielerorts vergebens. (In meinem Wohnort habe ich das illegale Einschlagen von alten Obstbäumen und Hecken, die auf öffentlichem Grund stehen, angeprangert). Biozide und andere Chemikalien vernichten Nahrungsinsekten und die Umweltgifte landen in der Nahrungskette.

Der Star findet immer weniger Bruthöhlen in alten Bäumen. (Bitte lassen Sie Totholzbäume stehen - Totholz ist Lebensraum für viele Lebewesen - das ist wirklicher Naturschutz) Leider werden diese in den Wirtschaftswäldern eingeschlagen, (Inzwischen kämpfen wir um jeden Totholzbaum)weichen städtischen Bauvorhaben, (ich frage: kann man diese nicht integrieren) oder Verkehrssicherungsmaßnahmen, z.B. Bundesbahn. Auch sanierte Gebäudefassaden bieten nicht nur dem Star (Mehlschwalbe, Mauersegler) keinen Brutraum mehr.

Hauptgefahren für den Star jedoch sind das Schwinden seiner Nahrungsflächen und der Verlust seiner Brutplätze - insbesondere durch die intensive Landwirtschaft.


Der Star vertilgt eine Unmenge von Ungeziefer, wie Schnakenlarven und Drahtwürmer und befreit die Schafe von Zecken. Eigentlich frisst er fast alles. Der Star vertilgt eine Unmenge von Ungeziefer, auch das sollte man wissen (Bild: Olav Krüger)
Bild: Olav Krüger Der Star hat sich an die vom Menschen geprägte Landschaft angepasst, muss er das wieder ändern?


Die Situation, des Stars, hier in Bayern

Der Star ist in Bayern mit Ausnahme der Alpen flächendeckend verbreitet. Er ist bei uns hier ein noch sehr häufiger Brutvogel. Unter den 20 häufigsten Arten nimmt der Star den achten Platz ein. Das war einmal anders. Im Rahmen von Untersuchungen häufiger Brutvogelarten wurde bundesweit ein signifikanter abnehmender Bestandstrend festgestellt. Die Analayse für Bayern, der letzten Jahre zeigt auch hier abnehmende Bestände. Der Brutpaar-Bestand wird auf 450.000 - 800.000 geschätzt.


Die Hauptgefahr sind neben Verfolgung auch das Schwinden seiner Nahrungsflächen (Bild: Olav Krüger) Die Hauptgefahr des "Vogel des Jahres 2018" sind das Schwinden seiner Nahrungsflächen, insbesondere durch die intensive Landwirtschaft.
Star bei erfolgreicher Nahrungssuche Bild: Olav Krüger


Besonderheiten

Bayerische Stare wurden aus einem Gebiet zurückgemeldet, das von Süd- und Südwesteuropa (Italien, Frankreich und Spanien) bis nach Marokko und Algerien reicht. Der Abzug vollzieht sich also in einem Sektor von Süd bis Südwest. Stare hingegen aus Polen, Tschechien, Russland und Belgien ziehen durch Bayern. Regelmäßig überwintern aber auch einheimische und fremde Stare in Bayern, vor allem im milden Unterfranken und im nördlichen Mittelfranken. Die Neigung zum "Hierbleiben" im Winter hat zugenommen.

Seine Verwandtschaft stelle ich unter dem Button Ornithologie - Vögel des Jahres - vor.

Vielen herzlichen Dank an meine Naturfotografen, Herrn Olav Krüger, Herrn Gunther Zieger, Herrn Markus Gläßel, Herrn Karl Hepp, sowie Naturfoto Frank Hecker. Ohne die Bereitstellung Ihrer einmaligen Aufnahmen, wäre eine solche Seite nicht machbar.

 

- letzte Aktualisierung: Dienstag, 06. März 2018 -
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