HW4
Greifvögel
Streuobst
Biotoppflege
Ornithologie
Insekten
Sie sind hier: Aktionen

Protestaktionen
Letzte Meldung


 



Vogel des Jahres 2020 - die Turteltaube, die mit dem gurrenden Ruf

 
Mit der Wahl der Turteltaube (Streptopelia turtur) zum "Vogel des Jahres 2020" wird eine Vogelart zum Vogel des Jahres ernannt, die immer seltener wird und deren Bestände seit den 1980er Jahren um fast 90 Prozent in Deutschland zurückgegangen sind. Ganze Landstriche sind bereits turteltaubenfrei. Es fehlt ihr an einem geeigneten Lebensraum wie die strukturreichen Wald- und Feldränder, wo sie noch ausreichend pestizidfreien Samen von Wildkräutern finden kann. Aber gehen Sie doch einmal durch unsere Agrarsteppe, neuerdings gebrauche ich auch immer mehr den Begriff "Agarwüste", wo findet man noch diese Wildkräutersäume. Jeder Strauch, oder Baum stört, weil man in dieser intensiven Landwirtschaft mit immer größeren Maschinen arbeiten muss und der Natur keinen Platz mehr lässt. Mangelt es ihr dann auch noch an Feldgehölzen und lichten, unterholzreichen Wäldern, kann sie zudem ihre Jungen nicht mehr großziehen.

Vor vielen Jahren hatte ich einmal einen Vortrag über unsere Feldvogelarten abgehalten, indem ich auch kurz über die bereits ausgestorbenen Vogelarten einging. Da zeigte ich auch eine Vogelart, die Amerikanische Wandertaube, die in Nordamerika in den Weiten der Prärien zu Hause war. Man konnte die Zahl dieser Tiere nur schätzen, vielleicht zwei oder drei Milliarden, niemand weiß es, weil der Mensch es fertig gebracht hatte diese in nicht einmal hundert Jahren auszurotten. Eine Vogelart, die vorher Hunderttausende von Jahren über die Prärien streifte, weg, ausgerottet.

Eine Natur, die wir unseren Bedürfnissen angepasst und unterworfen haben, die der Vielfalt an Flora und Fauna keinen Lebensraum mehr lässt. Wenn man weiß, dass wir seit 1980 über zehn Millionen Brutpaare der Agrarvögel verloren haben. Wo sind sie geblieben, die Turteltauben, Kiebitze, Rebhuhn, Feldlerche und andere Aber nicht nur die Vogelwelt darbt, sondern auch die Insektenwelt. Der Bestand fast jeder zweiten in Deutschland vorkommenden Insektenart ist rückläufig. Bei Wildbienen- und Hummelarten sind es bereits über 41%. Wenn da einzelne Maschen wegbrechen, kommt es zu Verschiebungen im gesamten Artenspektrum, hat das natürlich Folgen für das Ökosystem, die wir derzeit noch nicht überschauen können.

Führende Insektenforscher/innen sprechen im Fachjournal "Biological Conservation" eine deutliche Warnung an die Menschheit aus: Eine halbe Million Insektenarten sind seit der Industrialisierung ausgestorben. Das ist erschreckend, aber unterstreicht den Handlungsdruck der uns allen obliegt, zu handeln. Denn wenn einmal eine Kette unterbrochen ist, kommt es sehr schnell zu Verwerfungen ganzer Lebensgemeinschaften.


Ihr deutscher Name kommt von ihrem schnurrend-gurrenden Reviergesang (Bild: Maximilian Dorsch) Ihr Kennzeichen sind die rostbraun und schwarz gefleckten Flügel und die auffallenden schwarzweißen Halsabzeichen. Die Weibchen sind weniger kontrastreich gefärbt.
Ihr deutscher Name kommt von ihrem schnurrend-gurrenden Reviergesang Bild: Maximilian Dorsch


Unsere einzige als Zugvogel lebende heimische Taube ist auf ihren Zügen in das Winterquartier, das sind die Savannen Afrikas südlich der Sahara, sowie zurück in ihre angestammten Brutgebiete noch immer der illegalen, sowie der legalen Jagd ausgesetzt und die Abschüsse können von den "Davongekommenen" nicht mehr kompensiert werden. In Österreich z.B. werden nur die geschossenen Tauben gezählt, nicht die einzelnen Arten. Es ist deshalb auch sinnlos, dort nach den Abschüssen von Turteltauben zu fragen.

Von jeher spielten Tauben in unserem Leben eine bedeutende Rolle, wie Überlieferungen aus dem frühesten Altertum und der christlichen Religionsgeschichte belegen. So haben schon die alten Griechen und Römer Tauben gezüchtet. Schon im Alten Testament findet die Taube als Glücksbote und Hoffnungsbringer Erwähnung.
Seit Jahrtausenden nutzen Menschen das Heimfinde-Vermögen von Tauben. Bereits 2600 vor Christus stationierte sie Botentauben an Wachtürmen. So unterhielt auch die Schweizer Armee noch bis vor wenigen Jahren eine Brieftaubeneinheit.


Die Augen der Turteltaube sind rot gerändert. Die Brust ist zart weinrot. Die Flügel- und Körperunterseite sind hellgrau. Die Halszeichnung beidseitig weist eine schwarz-weiße Musterung auf. Die Flügeloberseiten schwärzlich mit breiten rostbraunen Säumen. In der Morgendämmerung kündigt die Turteltaube oft den neuen Tag an (Bild: Maximilian Dorsch)
Bild: Maximilian Dorsch In der Morgendämmerung kündigt die Turteltaube oft den neuen Tag an


Im christlichen Alterum diente die Taube als figürliche Darstellung des heiligen Geistes. Sie ist bei vielen Völkern ein Symbol der Seele und wird oft als Engel des Friedens (Taube mit Zweig als Symbol der Friedensbewegung) oder der Liebe beschrieben.

Doch ihr Ansehen bei uns Menschen ist nicht ungeteilt. Gilt die Taube, den einen als Symbol der Liebe oder als schönstes Hobby, bezeichnen andere insbesondere die Stadttauben als die "Ratten der Lüfte". Die Tiere haben einen zweifelhaften Ruf als Krankheitsüberträger - für Experten zu Unrecht. Sogenannte Ornithosen, (in Deutschland meldepflichtige Tierseuche von Vögeln übertragen) also durch Vögel auf Menschen übertragene schwere Krankheiten, sind laut dem Robert-Koch-Institut mit 10 - 32 Ansteckungen in mehr als zehn Jahren extrem selten und treffen in erster Linie Vogelzüchter.


Die Turteltaube gehört zu den kleineren Mitgliedern der Taubenfamilie (Bild: Gunther Zieger) Beiden Geschlechtern gemeinsam ist die Musterung an Flügel und Hals und die zart weinrote Brustfarbe.
Die Turterltaube gehört zu den kleineren Mitgliedern der Taubenfamilie Bild: Gunther Zieger



Feldbeobachtung - Turteltaube:

Die Turteltaube ist von April bis September im Brutgebiet in Mitteleuropa anzutreffen. Da die Turteltaube eine Charakterart der Mittelmeerländer ist wird sie nach Norden hin immer seltener. Häufig verrät ihr Ruf ihre Anwesenheit, oft sitzt sie in den Zweigen von Bäumen oder Büschen. Ihr Nest das oft nur in einer Höhe von 1,50 Meter gebaut wird, besiedeln halboffenes und abwechslungsreiches Kulturland und Streuobstbestände, dabei wird Wassernähe bevorzugt. Denn Tauben müssen täglich trinken.
Obwohl Turteltauben recht scheu sind, sieht man diese Taubenart manchmal beim Getreide picken, das für Geflügel ausgestreut wurde. Im Flug erkennt man sie an der charakteristischen Zeichnung ihres Gefieders.


Turteltauben halten sich die meiste Zeit in Bäumen auf, ich konnte das bis vor wenigen Jahren in der Offenlandschaft über dem Main immer gut beobachten. Zur Nahrungssuche kommen sie aber auf den Boden. Ihre Nahrung besteht aus Sämereien, Früchten von verschiedenen Wildkräutern, wie Knöterich, Borstenhirse und Gänsefuß. Daneben verzehren sie aber auch Gräser und Nadelbaumsamen. Auch werden Beeren, Regenwürmer, Pilze und kleine Schnecken aufgenommen.


Ihre Nahrung besteht aus Samen von Kräutern und Gräsern, sowie Früchten. Ausreichend Nahrung für sich und ihre Jungen findet die Turteltaube immer seltener (Bild: Gunther Zieger)
Bild: Gunther Zieger Ihre Nahrung findet die Turteltaube immer seltener


Ihr Nest legt die Turteltaube zumeist nur in einer Höhe von 1,50 Meter an und liegt damit niedriger als bei der Türkentaube. Häufig werden aber auch alte Nester von Kleinvögeln bezogen, wie die von Saatkrähe, Amsel oder aber auch von der Ringeltaube. Kurios, ist die Verwendung von Metalldrähten, die immer wieder in Turteltaubennester gefunden werden. Für den Nestbau wird trockenes Reisig verwendet, das von beiden Partner herbeigetragen wird.


Merkmale der Turteltaube:

Länge: ca. 26 - 28 cm;
Flügelspannweite: ca. 47 - 53 cm;
Gewicht: 100 - 200 g;
Brutzeit: Mitte Mai bis Anfang Juni, 2 Jahresbruten.
Gelege: Besteht aus zwei weißen, glatten und leicht glänzenden Eiern.
Brutdauer: 13 - 16, zumeist 14 Tage.
Nestlingszeit: 18 - 23 Tage. Oft klettern die Jungvögel schon vorher umher. Voll flugfähig sind sie mit 25 - 30 Tagen.
Verhalten: Nahrungssuche in Trupps auf Feldern. Sie ist scheuer als die Türkentaube.
Nahrung: Samen von Kräutern und Gräsern direkt vom Halm, Früchte.


  Hier können Sie die Stimme der Turteltaube hören Referent: Stefan Wehr


Sie ist der einzige Langstreckenzieher in ihrer Familie (Bild: Maximilian Dorsch) Die Turteltauben überwintern in den Savannen Afrikas südlich der Sahara.
In ihrer Familie ist die Turteltaube der einzige Langstreckenzieher. Bild: Maximilian Dorsch


Die Bestände der Art haben nicht nur in Mitteleuropa, sondern auch in Süd- und Westeuropa stark abgenommen. In vielen Ländern gilt die Turteltaube als bedroht. Neben dem Verlust an geeigneten Lebensräumen im Brutgebiet (Auwald und Weidenbestände an Gewässern) durch die Intensivierung von Landwirtschaft, Obst- und den Weinbau spielen vor allem negative Einflüsse auf dem Zug in die Winterquartiere und zurück, wie der hohe Jagddruck in den Mittelmeerländern, in Afrika, aber auch in Frankreich, eine große Rolle. Hier muss die Politik einschreiten. Darüber hinaus werden in den Überwinterungsgebieten die flussbegleitenden Akazienbestände, die von den ziehenden Trupps zum Rasten aufgesucht werden, zu Brennholz gemacht.

 
Hätten Sie das gewusst?

Die Turteltauben füttern ihre Jungen in den ersten Lebenstagen mit einer Substanz, die als "Kropfmilch" bezeichnet wird, das ist eine fett- und eiweißreiche Flüssigkeit, die aus dem Kropf (einer beutelförmigen Ausstülpung der Speiseröhre) hervorgewürgt wird.
Im Gegensatz zu den meisten Vögeln trinken die Tauben, ohne zwischen den Schlücken den Kopf zu heben.
Der Name "Turteltaube" ist abgeleitet von ihrem wissenschaftlichen Artnamen, t u r t u r, der ihre einschläfernde, gurrende Stimme charakterisiert.
Die Turteltaube täuscht manchmal Verletzungen vor (das sogenannte "Verleiten"), dabei flattert sie hilflos mit den Flügeln oder zieht diese nach, um die Aufmerksamkeit eines Prädatoren von ihren Jungen abzulenken.
Im Gegensatz zur allgemeinen Meinung sind Turteltauben recht aggressiv.
Turteltauben besitzen als Einzel- und Koloniebrüter keine Reviere und verteidigen nur den unmittelbaren Nestbereich.
Turteltauben leben im allgemeinen monogam in einer Saisonehe.


Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir Menschen es schaffen auch diesem Vogel ein Überleben zu sichern und ihr und vielen anderen Feldflurvogelarten die Räume lassen, die sie benötigen. Es wäre wohl eine unglaubliche Niederlage der Menschheit, wenn der gurrende Ruf der Turteltaube verstummen würde.

Ihre Verwandtschaft stelle ich nach und nach, unter dem Button Ornithologie - Vögel des Jahres - vor.

Vielen herzlichen Dank an meine Naturfotografen,  Maximilian Dorsch, Gunther Zieger und Stefan Wehr, der mir die Stimme der Turteltaube zur Verfügung stellte. Ohne die Bereitstellung Ihrer einmaligen Aufnahmen, wäre eine solche Seite nicht machbar.

 

- letzte Aktualisierung: Sonntag, 15. März 2020 -
Unsere Seiten sind optimiert für Internet Explorer 8.0 und Firefox 3.6 bei einer Auflösung von 1024x768 Pixel
© Umweltfreunde Würzburg - Ochsenfurt 2018