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Lebensraum Steinhaufen und Steinriegel

Über Jahrhunderte hinweg haben Menschen mühsam Steine aus den Äckern gelesen und an den Ackerrändern aufgeschichtet. Wo die Äcker nur eine dünne Humusschicht besaßen, wurden bei der Feldbestellung immer wieder Steine aus dem Boden herausgepflügt. Um Sense und Pflug vor Schäden zu bewahren und Platz für Kulturpflanzen zu schaffen, hat man die Steine regelmäßig aufgesammelt und am Ackerrand zu Lesesteinhaufen aufgehäuft. Wurden diese linienhaft aufgestapelt, spricht man von Lesesteinriegel. Oft wurden diese Steinhaufen bisweilen über Generationen hinweg platzsparend an den Rändern von Äckern, aber auch Wiesen und Wälder gebildet und zugleich als Abgrenzung der Flächen genutzt.
 
Steinriegel - ein Kleinbiotop von besonderer Bedeutung

Steinhaufen sind extrem trockene und warme Lebensräume. Intensive Sonneneinstrahlung und geringes Wasserhaltevermögen, sorgen dafür, dass diese von wärme- und trockenheitsliebenden Pflanzen besiedelt werden.

Steinriegel - ein Kleinbiotop von besonderer Bedeutung

Foto: privat

Ein auf den ersten Blick unscheinbarer "Haufen von Steinen" ist ein kleines und schützenswertes Biotop. Da die Steine die Sonnenwärme speichern und nachts abgeben, sind sie nachts warm und Ruhe- und Jagdplatz vieler Insekten und Kriechtiere. Bei übereinander geschichteten größeren Steinen, entstehen Hohlräume und Gänge die kleineren Tieren Unterschlupf bieten.
Aber Steinhaufen und Steinriegel können noch mehr: Viele Pflanzen sind an die kargen Bedingungen angepasst. Kennzeichnend sind hierbei oftmals Besiedlungspioniere wie Flechten und Moose. Steinhaufen und insbesondere Steinriegel bilden hochwirksame Elemente flächendeckender Biotopvernetzung.
Zauneidechsen, die auf den Steinen gern ein Sonnenbad nehmen, legen ihre Eier zwischen die erwärmten Steine, so dass sie dort auf natürliche Weise ausgebrütet werden.

Als wertvolles Biotop werden Lesesteinhaufen heute zunehmend geschützt, da sie im Biotopverbund mit einer Hecke ein räumlicher Kontakt zu weiteren Arten hergestellt wird und dabei die wertvolle ökologische Wirkung noch verstärkt wird. Um eine Überwucherung zu verhindern, sollten sie nicht höher als einen Meter aufgeschichtet und mit kleineren Steinen abgeschlossen werden.

Nachfolgend möchte ich zu diesem Kleinbiotop dessen Besucher ein wenig näher vorstellen, heute: Der Steinschmätzer

Wenn ich im Frühjahr an bestimmten Stellen nach dem Steinschmätzer Ausschau halte, und ihn dann sehen kann, ist dies jedesmal wieder eine Freude, denn es ist nicht mehr selbstverständlich diesen scheuen Vogel bei uns zu sehen. Das auffälligste Merkmal des Steinschmätzers ist der weiße Bürzel, der im Flug meist deutlich sichtbar ist, oft zusammen mit einem schwarzen, umgedrehten "T" auf dem Schwanz, das von der Endbinde und dem Mittelstreif gebildet wird. Im Prachtkleid ist das Männchen, mit seiner blaugrauen Oberseite nicht zu verwechseln.

Im Prachtkleid - Steinschmätzer-Männchen (Foto:Michael Schiller)

Mit seinem hübschen Gefieder bringt der lebhafte Steinschmätzer zwischen April und Oktober Leben in felsige und steinige Landschaften. Auf Bäumen sieht man ihn nur selten sitzen.

Im Prachtkleid - Oberseite blaugrau, Flügel und Schwanz schwarz, Brust lederbraun

Foto: Michael Schiller


Der Steinschmätzer (Oenanthe oenanthe) ist eine Vogelart aus der Familie der Fliegenschnäpper. Wie sein wissenschaftlicher Gesamtname verrät brütet in Mittel- und Nordeuropa nur eine Art, unser Steinschmätzer.
Unser Steinschmätzer besiedelt meist offenes, steiniges Gelände mit niedrig wachsenden Pflanzen. In Deutschland ist der Steinschmätzer selten und fehlt gebietsweise ganz. Bei uns besiedelt er vor allem Ödland. Aber auch in alten, aufgelassenen Steinbrüchen kann man ihn sehen. Gelegentlich sieht man ihn auch in großen Mooren und im Dünengelände an der Küste.
Früher waren diese Vögel in Gegenden mit kurzgehaltenem Gras weit verbreitet. Nachdem aber viele Gebiete immer weniger beweidet wurden, hat das Gras Sträuchern oder dem Pflug weichen müssen. Daher brütet der Steinschmätzer bei uns nur noch an den Stellen im Flachland, an denen Kaninchen oder Schafe das Gras kurz halten. Bei vielen dieser Landschaften handelt es sich um Naturschutzgebiete.
 

Der Steinschmätzer hält sich in der Regel in offenem Gelände in Bodennähe oder am Boden auf. Immer aktiv, fliegt er von einem Stein zum nächsten. Er ist ein typischer Gebirgsvogel, der in Gesteinsspalten nistet und auf den felsigen Matten Insekten jagt.

Steinschmätzer-Weibchen - wie beim Männchen ist der Bürzel weiß (Foto: Markus Glässel)

Foto: Markus Glässel

Steinschmätzer-Weibchen - wie beim Männchen ist der Bürzel weiß

Die ersten Männchen erscheinen Ende März in den Brutrevieren und versuchen die Aufmerksamkeit der Weibchen durch "Herumspringen", Verneigen und lauten Gesang zu erregen. Häufig ist es bei den Steinschmätzern so, dass sich die Vögel jedes Jahr wieder mit dem gleichen Partner verpaaren.
In manchen Gegenden brütet der Steinschmätzer in Mauern an Straßen, denn er findet im Grünstreifen genug Nahrung. Er nistet auch häufig zwischen Felsen an hoch gelegenen, exponierten Stellen, nicht selten bis in 2000 Meter Höhe. Das höchst gelegene Nest in Bayern wurde in 2010 m Höhe gefunden. Im Flachland dienen ihm auch Kaninchenbaue zum Nisten.

Steinschmätzer, die Grönland in Richtung Süden verlassen, fliegen in direktem Weg nach Spanien. Sie legen dabei eine Entfernung von 3.000 Kilometern über den Atlantik zurück. Wahrlich eine Meisterleistung!

Das Weibchen errichtet das Nest aus Grashalmen und legt das Nest mit Federn und Haaren aus. nach der Eiablage im Mai übernimmt es auch den größten Teil des Brutgeschäftes. Die Steinschmätzer-Rasselbande ist etwa nach zwei Wochen flügge. Bis Ende August sind die Steinschmätzer meist schon wieder in Richtung Süden verschwunden. Auf dem Zug trifft man Steinschmätzer auf fast allen Arten von Offenland an, häufig auf offenem Kulturland, aber auch auf Flughäfen und Golfplätzen. Obwohl die Steinschmätzer wie viele andere Kleinvögel hauptsächlich nachts ziehen, findet tagsüber nicht selten ein "Schleichzug" statt. Die Vögel bewegen sich in niedrigen, kurzen Flügen, zwischen denen auch Nahrungssuche stattfindet, und legen dabei Strecken von wenigen Kilometern in der Stunde zurück. Fast alle Steinschmätzer, selbst die Brutvögel aus Alaska und dem arktischen Kanada, überwintern in Afrika südlich der Sahara.

Leider ist der Steinschmätzer in Bayern vom Aussterben bedroht (Foto: Gunther Zieger)

Der Bestand des Steinschmätzers ist in Bayern vom Aussterben bedroht. Die hauptsächlichen Gefährdungsursachen sind in einer teilweise massiven Lebensraumveränderung und -zerstörung zu suchen.

In Bayern auf der Roten Liste Status 1 - Vom Aussterben bedroht

Foto: Gunther Zieger

Die Hauptnahrung des Steinschmätzers besteht aus Wirbellosen wie kleinen Schnecken, Raupen, Käfern, Fliegen, Heuschrecken, Ohrwürmern, Spinnen sowie Johannisbeeren, Heidelbeeren und anderen kleinen Früchten. Er hüpft über den niedrigen Bodenbewuchs, hält zwischendurch inne um Nahrung aufzupicken, und knickst dabei häufig.
Manchmal sieht man den Steinschmätzer wie einen Turmfalken über einer Stelle rütteln. Dies kann zwar auch Teil der Balz sein, dient aber häufig dazu, sich einen Überblick über den Untergrund zu verschaffen, besonders, wenn das Gras zu hoch ist für seine sonstigen Jagdmethoden. Regelmäßig fangen sie Insekten aus der Luft, wozu sie gelegentlich auch zu einem kurzen Verfolgungsflug starten. Von einer Warte aus Insekten fangende Steinschmätzer erinnern mit dieser Jagdtechnik an Würger oder Fliegenschnäpper.

Der englische Name "wheatear" kommt von "Weißschwanz" und hat nichts mit "Ohren" oder "Weizen" zu tun.
 

Wichtige Merkmale der Steinschmätzer:

Größe: ungefähr wie ein Sperling;
Maße: Länge ca. 14,5 - 15,5 cm; Flügelspannweite: ca. 26 - 32 cm;
Gewicht: ca. 21 - 30 g;
Brutzeit: Ende März im Süden bis Juni im Norden; 1 oder 2 Jahresbruten;
Gelege: meist 4 oder 5 weißlichblaue, ungezeichnete oder selten mit wenigen dunklen Pünktchen versehene glatte Eier;
Brutdauer: 13 - 14 Tage, Weibchen brütet;
Nestlingszeit: 13 - 15 Tage; bei Störungen wird das Nest früher verlassen.

 

Sein Verhalten ist wenig gesellig und seine Lebenserwartung ist bis zu 7 Jahre

Wir haben ihm seine Lebensräume zerstört - es muss sich etwas ändern (Foto: Gunther Zieger)

Foto: Gunther Zieger

Wir haben seine Lebensräume zunehmend verändert - es muss sich etwas ändern

Durch eine intensivere Nutzung der Kulturlandschaft - Umwandlung und Beseitigung von Ödland - Veränderungen in der Grünlandwirtschaft - Rekultivierung und Aufforstung von Heide- und Moorflächen - Ausräumen von Kleinstrukturen das sind Büsche, Steinhaufen oder Steinriegel, Natursteinmauern - gingen und gehen immer noch viele Bruthabitate des Steinschmätzers verloren. Durch Biozid-Einsatz auch außerhalb von Kulturanbauflächen, z.B. an Bahndämmen und Wegrändern, wird die Vielfältigkeit des Insektenangebots drastisch eingeschränkt. Klimatische und landschaftliche Veränderungen in den Durchzugs- und Überwinterungsgebieten dürften ebenfalls zum Rückgang beitragen. (Hier ist vor allem die Wilderei im Süden Europas zu nennen, und auch der Vogelfang entlang der ägyptischen Küste)

Der zweite Teil des deutschen Namens bezieht sich auf die schmatzenden Rufe.

Seit langem weiß man, dass Steinschmätzer auch im Winterquartier Territorien gründen. Männchen und Weibchen verteidigen aber getrennte Reviere.

Verteidigt auch im Winterquartier sein Revier - der Steinschmätzer (Foto: Gunther Zieger)

Im Sommer zeigt das Federkleid des Männchens eine blaugraue Oberseite, Flügel und Schwanz sind schwarz. Die Unterseite ist cremeweiß, die Brust kräftig lederbraun.

Er ist in unserer Gegend zu einer Rarität geworden

Foto: Gunther Zieger

Der Steinschmätzer ist in Bayern ein sehr seltener Brutvogel. Ornithologen haben herausgefunden, dass der Bestand von 1975 bis 1999 um 20-50% abgenommen hat. Allein im Vergleich zu den Kartierungszeiträumen von 1996-99 (150-250BP) beläuft sich die aktuelle Bestandsschätzung nur noch auf etwa ein Drittel der Reviere. Aktuell 50-60 BP. Die ehemalige mainfränkische Population, die noch Anfang der 1980er Jahre auf mehrere hundert BP geschätzt wurde, besteht nur noch aus kleinen Resten.



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- letzte Aktualisierung: Montag, 02. Dezember 2013 -