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Die Kohlmeise (Parus major) - die
auch auf Insekten angewiesen ist
Es ist immer eine Freude wenn der Nistkasten neben meinem Büro ab März
von den Kohlmeisen wieder als Brutplatz auserkoren wird und das jedes
Jahr. Vor Jahren hatte ich über die Winterzeit auch am Nistkasten
einen Fettklos mit Insekten oder Samen angebracht. Schon im Oktober
waren die Kohlmeisen am Nistkasten und suchten dort nach der Nahrung
und auch das jedes Jahr. Das sagt mir: Die Meisen erinnern sich an
einen einmal als gut und sicher gefundenen Nist- und
Nahrungsplatz. Jedes Jahr hänge ich ab Anfang Dezember eine
Futterröhre in den Garten und es dauert keine Minute und die ersten
die diesen Nahrungsplatz anfliegen sind die Kohlmeisen. Das wichtige
an diesen Futterröhren ist, dass es an dieser vier Sitzplätze gibt.
Die nahrungssuchenden Vögel können nur das aufnehmen, was angeboten
wird, nehmen es auf und fliegen weg. Ist es vertilgt kommen sie
wieder. So wird kein Futter herausgeworfen und verschwendet. Fällt
doch einmal etwas herunter, so sind Amsel, Rotkehlchen, Buchfink,
Ringel- und Türkentaube zur Stelle
und haben so auch ihre Nahrung.
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Die Kohlmeise ist bei uns die größte und weitaus häufigste
Meise. Sie besucht im Winter gerne Futterdepots. |
Die Kohlmeise ist an ihrem
schwarzweißen Kopf gut zu erkennen |
Bild: © Michael Schiller |
Typisch für die Kohlmeisen sind die weißen, schwarz
umrandeten weißen Wangen und der glänzende schwarze Scheitel. Gut für
den Betrachter ist die Tatsache, dass man gegenüber anderen
Meisenarten die Geschlechter gut unterscheiden kann. Denn, das
markante schwarze Brustband ist beim Männchen prägnanter und weitaus breiter als beim
Weibchen. Das Weibchen ist auch matter gefärbt. Die Jungvögel der
Kohlmeisen sind viel schlichter gefärbt. Scheitel und das Brustband
sind dunkelbraun, die Wangen sind gelblich.
Die Männchen besitzen ein breites
Brustband und einen breiteren schwarzen Rand unterhalb der
weißen Kopfseiten. |
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Bild: © Dirk Schieder |
Kohlmeise Männchen - das Brustband ist breit |
Die Kohlmeise kommt in ganz Europa, abgesehen von Island, vor. Auch
außerhalb von Europa hat sich die Kohlmeise etabliert. Von Nordasien
bis nach Japan hinein. Bei uns hier in Deutschland gehört die
Kohlmeise zu den häufigsten Brutvögeln. Sie bevölkern, im Winter, mein
Futtersilo im Garten und zeigen sich bestimmend am Futterplatz.
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Die Kohlmeise ist hier in unseren Breiten ein Standvogel,
oder Kurzstreckenzieher. Da ich auf den Mainhöhen, Winters
über, die Vögel füttere, konnte ich vor Jahren einmal nach
einem heftigen Wintereinbruch feststellen, dass das ganze
Gebiet geräumt wurde. Hier zieht dann auch die Kohlmeise in
schneefreie Gebiete. |
Kohlmeise am Futterplatz - gegenüber
ein Eichhörnchen |
Bild: © Karl Hepp |
Die Kohlmeise, ist aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit ein
regelrechter "Allerweltsvogel". Sie besiedelt bei uns in Mitteleuropa
quasi alle baumbestandenen Lebensräume, von der Küste bis zur
Baumgrenze der Alpen. Sie besiedelt neben den Wäldern, Parks auch
unsere Großstädte, wenn wenigstens noch Grünflächen für sie verfügbar
sind. In den deutschen Alpen wurde in Kohlmeise in über 2500 Meter
Höhe nachgewiesen. Ich habe z.B. inmitten von Würzburg viele
Nistkästen aufgehängt, die auch von Kohlmeisen gerne angenommen
werden. In einer Ecke auf dem Balkon meines Büros hängt ein
Meisenkasten, der jährlich von Kohlmeisen aufgesucht und belegt wird.
Auch habe ich in diesem Nistkasten schon Zweitbruten feststellen
können. Die Vergrößerung der Populationsbestände der Kohlmeise hat auch mit Nistkastenaktionen
zu tun und der Vogel-Winterfütterung. Deshalb nehme ich auch spezielle
Nistkästen in Wäldern, im Herbst, ab, die für Halsband- oder
Trauerschnäpper ausgebracht wurden, damit diese nicht gleich im
Frühjahr durch Meisen belegt werden und so den "Heimkehrern" fehlen.
Bei der Jungenaufzucht leisten
Kohlmeisen einen wichtigen Beitrag zur biologischen
Schädlingsbekämpfung - sie sammeln unzählige Raupen und
Blattläuse von Blättern und Zweigen ab. |
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Bild: © Michael Schiller |
Kohlmeise juv. - Jungvögel sind schlichter gefärbt |
Generell ernähren sich Kohlmeisen von Insekten, Spinnentieren,
Raupen und Blattläusen. Im Herbst- und Winterhalbjahr nehmen sie vermehrt
pflanzliche Kost auf. Im Winter, sofern man Futtersäulen oder
Fettklöse ausbringt, kann man Kohlmeisen häufig an den Futterstellen
beobachten. Anders als z.B. Grün- und Distelfink nehmen sich die
Kohlmeisen einen Sonnenblumenkern, Nuss oder Mandel von der
Futtersäule, fliegen weg und verzehren diesen in einem sicheren
Versteck, wie Gebüsch oder
Baum. In England haben Kohlmeisen gelernt, mit ihren robusten
Schnäbeln Löcher in Aludeckel von Milchflaschen zu hacken und sich am
fetten Rahm zu laben.
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Diese Futtersäulen haben mehrere Vorteile: Durch die vier
bis sechs Ansitze können mehrere Vögel gleichzeitig Nahrung
holen, kommen sich nicht so in die Quere, wie bei
Futterhäuschen. Die Säule wird nicht verschmutzt und die Vögel
können nur das bekommen, was gerade angeboten wird. Was dann
doch noch auf den Boden fällt, wird von Bodenfressern wie z.B.
Amsel, Ringel- oder Türkentaube aufgenommen. |
Kohlmeise an einer Futtersäule -
Sonnenblumenkerne werden liebend gerne angenommen |
Bild: © Naturfoto Frank Hecker |
Kohlmeisen brüten in Baumhöhlen, aber auch gerne in angebotenen
Nisthöhlen (hier bitte aufpassen, dass die Nisthöhlen katzen- und
mardersicher sind und keine Nistkästen aus Holz ausbringen, auf die
dann die pralle Sonne scheint). Auch werden verlassene Nester anderer
Vogelarten angenommen.
Bei der Auswahl einer künstlichen
Nisthöhle sollte man auch auf die Breite der Einflugöffnung
achten. Die Fluglochweite sollte 32 mm betragen. Bei einer zu
großen Öffnung werden die Kohlmeisen leichte Beute des
Marders. |
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Bild: © Naturfoto Frank Hecker |
Kohlmeise hat sich eine natürliche Baumbruthöhle
ausgesucht |
Das Nest wird aus Flechten, Moos und Halmen errichtet, ausgepolstert
wird es mit vielen Haaren. Auch werden künstliche Materialien, wie:
Kunststofffasern, Wollfäden mit eingebaut. Aus mit bis zu 12 Eiern kann
ein solches Gelege bestehen.
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Neben sicheren Nisthöhlen, ist es auch wichtig, dass es
viele Insekten gibt. Insektenstauden im Garten wäre für
beide gut. Kohlmeisen zeigen eine hohe Lernfähigkeit was
Nahrungsquellen angeht. Bei meinen Winterfutterquellen sind es
die Kohlmeisen die zuerst da sind.
Feinde der
Kohlmeise, gerade auch was die Jungmeisen angeht, sind unter
anderem Katzen. Nistkästen sollten so angebracht sein, dass
diese von Katzen nicht erreicht werden. |
Junge Kohlmeisen wohl kurz vor dem
Ausflug |
Bild: © Naturfoto Frank Hecker |
Bereits im Februar hört man die typischen Gesangsstrophen,
die den Frühling einläuten. Man muss wissen, dass Kohlmeisen ein sehr
umfangreiches Stimmenrepertoire haben.
Hier können Sie die Stimme der
Kohlmeise hören (Referent: Stefan Wehr)
Die Kohlmeise füttert
ihre Jungen mit unzähligen Raupen und Blattläusen. |
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Bild: © Dirk Schieder |
Jungmeise, die bereits ausgeflogen ist, wird noch von den
Alttieren gefüttert |
Merkmale der Kohlmeise
Länge: ca. 14cm;
Flügelspannweite: 22 - 24 cm. Gewicht: 16 - 22 g.
Stimme: Das Stimmenrepertoire der Kohlmeise ist sehr
umfangreich und variabel. Der arttypische Gesang ist kräftiger
als bei den anderen Meisen. Übrigens singen auch die Weibchen.
Häufige Rufe: "ze wide wit", oder "zi-dähr", "zizibäh
zizibäh". Der Gesang sind zumeist rau pfeifende Laute.
Brutzeit: März bis August; zumeist zwei Jahresbruten.
Gelegegröße: 8 - 12 weiße, mit matt-bis ziegelroten Punkten
und Flecken versehene, glatte und schwach glänzende Eier.
Brutdauer: 12 - 15 Tage. Nestlingszeit: 18 - 21 Tage, beide
Parner füttern. Die Familie bleibt bis zu drei Wochen
zusammen. Maximale Lebensdauer: 15 Jahre (Ringfund). |
Unterklasse |
Ordnung |
Unterordnung |
Familie |
Gattung |
Art |
Neukiefervögel |
Sperlingsvögel |
Singvögel |
Meisen |
Parus |
Kohlmeise |
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Kohlmeisen sind wenig scheu. Außerhalb der Brutzeit ziehen
die Kohlmeisen nicht selten mit anderen Meisenarten in
gemischten Trupps umher.
Die Kohlmeise ist nicht gefährdet.
Neben der Hauskatze hat die Kohlmeise weitere Feinde: Elster,
Sperber und Falken. Aber auch der Nahrungsmangel (immer
weniger Insekten), ein schlechtes Frühjahr und die globale
Erwärmung können sich auf die Population der Kohlmeise
auswirken. |
Eine alternative Futterquelle - auch
für Kohlmeisen |
Bild: © Naturfoto Frank Hecker |
Die Kohlmeise hat ein größeres Verbreitungsgebiet
besiedelt, als alle ihre Verwandten und dabei fast alle Lebensräume
erobert. Von der Großstadt bis zur Baumgrenze im Gebirge bewohnt sie
fast alle baumbestandenen Landschaftsformen, wenn auch in
unterschiedlicher Dichte. Ihre höchsten Populationsdichten erreicht
die Kohlmeise in lichten Mischwäldern und Parkanlagen. Dabei ist sie
in geschlossenen Nadelwäldern kaum anzutreffen. Der Großteil der
Kohlmeisen in Mitteleuropa verbleibt im Winter im Brutrevier.
Vielen Dank an die Naturfotografen: Michael Schiller, Dirk
Schieder, Karl Hepp und Frank Hecker, Naturfoto. Vielen Dank an Stefan
Wehr für Aufnahme der Kohlmeisenstimme.
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