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Die Wasserpflanzen des Jahres seit 2003

Der Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) und der Tauchsportverband Österreichs (TSVÖ), sowie der Schweizer Unterwasser-Sport-Verband (SUSV) küren jährlich die Wasserpflanze des Jahres.


Jahr Wasserpflanze wissenschaftlicher Name
2003 Krebsschere Stratiotes aloides
2004 Südlicher Wasserschlauch Utricularia australis
2005 Vielstachlige Armleuchteralge Chara polyacantha
2006 Seekanne Nymphoides peltata
2007 Großes Nixenkraut Najas marina
2008 Gemeiner Schwimmfarn Salvinia natans
2009 Durchwachsenes Laichkraut Potamogeton perfoliatus L.
2010 nicht gekürt  
2011 Wassernuss Trapa natans
2012 Gewöhnlicher Wasserhahnenfuß Ranunculus aquatilis
2013 Igelschlauch Baldellia ranunculoides
2014 Australischer Kleefarn Marsilea mutica
2015 Wasserschlauch Utricularia
2016 Flutender Wasserhahnenfuß Ranunculus fluitans
2017 Weiße Seerose Nymphaea alba
2018 Stern-Armleuchteralge Nitellopsis obtusa
2019 Europäische Froschbiss Hydrocharis morsus-ranae
2020 Echter Seeball Aegagropila linnaei


               Der Echte Seeball - die Alge mit der Botschaft -  ist die Wasserpflanze des Jahres 2020


Der Echte Seeball (Aegagropila linnaei) ist die Wasserpflanze des Jahres 2020. Der Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) kürte gemeinsam mit dem Tauchsportverband Österreichs (TSVÖ) und dem Schweizer Unterwasser-Sport-Verband (SUSV) diese Art, um auf die Dringlichkeit eines wirksamen Gewässerschutzes aufmerksam zu machen. Sichtungen der schönen aber extrem seltenen Wasserpflanze sollen dem VDST gemeldet werden.


Der Echte Seeball ist die Wasserpflanze des Jahres 2020 (Bild: VDST / Silke Oldorff) Die Algenart Aegagropila linnaei, ist eine fadenförmige Süßwasser-Grünalge, die in winterlich vereisenden Seen auf der gesamten Nordhalbkugel vorkommt.
Der Echte Seeball ist die Wasserpflanze des Jahres 2020 Bild: VDST / Silke Oldorff


Er sieht aus wie ein grüner Planet und erfüllt einer japanischen Legende nach Wünsche, sobald man ins Wasser taucht. Die Rede ist vom Echten Seeball (Aegagropila linnaei). Hier bei uns soll der Seeball im Jahr 2020 symbolisch auf die Dringlichkeit eines wirksamen Gewässerschutzes aufmerksam machen. Daher haben der Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) gemeinsam mit dem Tauchsportverband Österreichs (TSVÖ) und dem Schweizer Unterwasser-Sport-Verband (SUSV) den Echten Seeball zur Wasserpflanze des Jahres 2020 gekürt.

Der Seeball soll Wünsche erfüllen

Der Echte Seeball (Aegagropila linnaei) ist eine Alge, die mit maximal fünf Millimetern pro Jahr ausgesprochen langsam wächst und dabei vier unterschiedliche Formen bildet: Er wächst als Rasen dicht nebeneinander auf Felsen, als Büschel an Kieseln kleiner Steine, als schwebende nicht fest am Sediment haftende Matte oder - und das ist sicher die interessanteste Form - als freischwebende, 10 bis 30 Zentimeter große filzige Kugel.


Eine japanische Legende besagt, dass der Echte Seeball, oder "Marimo", Wünsche erfüllt, wenn man ins Wasser taucht. Die Kugelform dieser Alge wird auch Marimo oder Algenball genannt (Bild: VDST / Silke Oldorff)
Bild: VDST / Silke Oldorff Die Kugelform dieser Alge wird auch Marimo oder Algenball genannt


In Japan wird dieser "Seeball" "Marimo" genannt - "Mari" ist ein traditionell japanischer Spielzeugball und "Mo" eine Sammelbezeichnung für Wasserpflanzen. Die Japaner verehren den Echten Seeball und haben ihn als "Naturschatz Japans" unter gesetzlichen Schutz gestellt. Einer Legende nach erfüllt der Marimo Wünsche, wenn man ihn ins Wasser taucht. In Japan und auf Island wurde er gar zum Briefmarkenmotiv - eine Ehre, die sicher nur wenigen Algen zuteil wird.

Weit verbreitet aber doch extrem selten

Das Vorkommen des Echten Seeballs ist auf die nördliche Erdhalbkugel beschränkt. Trotz des in seiner Ausdehnung gewaltigen Verbreitungsgebiets von Alaska bis Japan wurde er bislang in nur 233 Gewässern einschließlich der Ostsee gefunden - weit verbreitet, aber doch extrem selten.


Ehemalige Vorkommen des Echten Seeballs sind bereits komplett verschwunden (Bild: VDST / Silke Oldorff) Fast 60 Prozent der ehemals bekannten Vorkommen sind bereits verschwunden.
Die auf Stein wachsenden Algenrasen und -büschel bezeichnet man auch als epilithisch (griech. epi = auf  und lithos = Stein) Bild: VDST / Silke Oldorff


Der Lebensraum des Echten Seeballs sind die nährstoffarmen, im Winter vereiste Seen mit mittlerer bis hoher Kalkversorgung, in einigen Fällen auch mit Brackwassereinfluss. Hier hat er sich perfekt an geringe Lichtverhältnisse und das Zusammenspiel zwischen Strömung und Gewässerstruktur angepasst und bildet Kolonien im Tiefwasser. Zudem werden die Seebälle durch die Bewegung von Ablagerungen gereinigt. Ein faszinierendes Phänomen sind seine sogenannten "phototaktischen" Bewegungen: Bei zunehmender Beleuchtung schweben die Kolonien tagsüber an die Oberfläche des Sees und sinken in der Dämmerung wieder zum Gewässergrund ab.


Marino-Kolonien im Akan-See auf Hokkaido und im Mückensee (Myvatn) auf Island gehören zu den seltsamsten Pflanzengemeinschaften auf der Erde. Der Echte Seeball wächst als Rasen dicht nebeneinander vor allem auf Felsen (Bild: VDST / Silke Oldorff)
Bild: VDST / Silke Oldorff Der Echte Seeball wächst als Rasen dicht nebeneinander vor allem auf Felsen


Global nimmt die Art stark ab. Fast 60 Prozent der ehemals bekannten Vorkommen sind bereits verschwunden und diese Information ist bereits zehn Jahre alt. In Nordwestdeutschland ist der Echte Seeball ausgestorben. Die Überdüngung vieler ursprünglich nährstoffarmer Seen hat neben weiteren Faktoren den Lebensraum dieser faszinierenden Algenart vielerorts zerstört. Einstmals bedeutende Vorkommen z.B. im Galenbecker See und im Tiefwarensee in Mecklenburg-Vorpommern sind heute erloschen. Dagegen wurde sie kürzlich im Feldberger Haussee wiederentdeckt - das nun einzige bekannte Vorkommen im seenreichsten Bundesland.

Mitmachen und Funde melden

In Brandenburg konnten im Rahmen des Projekts "Tauchen für den Naturschutz" noch drei Vorkommen nachgewiesen werden, zwei davon im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land. Es liegt in unserer Hand, den Echten Seeball zu schützen - dies gelingt nur durch konsequenten Gewässerschutz. Dabei ist es wichtig, den Eintrag von Nährstoffen aus landwirtschaftlichen Flächen in unsere Seen zu verringern. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass Fische, insbesondere Karpfen und Bleie, durch ihre Wühltätigkeit zum Verschwinden der Art beitragen.

Bitte Funde melden: Wenn Sie aktuelle Vorkommen des Echten Seeballs kennen, melden Sie Ihre Funde bitte an Frau Silke Oldorff, unter 0172 / 394 50 85 oder per Email an silke.oldorff@vdst.de

Der Verband Deutscher Sporttaucher

Im Verband Deutscher Sporttaucher e.V. sind über 80.000 Unterwassersport-Begeisterte in rund 900 Tauchsportvereinen organisiert. In seinen Vereinen, Tauchschulen und Dive Centern bietet der VDST die besten Möglichkeiten, das Sporttauchen zuverlässig und sicher zu erlernen und auszuüben.
Als einziger deutscher Vertreter des Welttauchsportverbandes CMAS vergibt der VDST eine international anerkannte Brevetierung. Das hohe Qualitätsniveau seiner Ausbildung ist durch den Europäischen Tauchsportverband (EUF) zertifiziert und durch den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) lizenziert.

Wenn Sie mehr über den "Förderkreis Sporttauchen" erfahren möchten, hier der Link: http://foerderkreis-sporttauchen.de

Vielen Dank an den Verband Deutscher Sporttaucher e.V., Frau Natascha Heinemann, Stv. Geschäftsführung & Medien, Offenbach, für die zur Verfügung gestellte Pressemitteilung sowie die Bilder von Frau Silke Oldorff, Ressortleiterin Naturschutz, veröffentlichen zu dürfen.


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- letzte Aktualisierung: Samstag, 03. Oktober 2020 -
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