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Die Seevögel des Jahres seit 2014

Der Verein Jordsand e.V. aus Ahrensburg (Schleswig-Holstein) ernennt jedes Jahr den "Seevogel des Jahres"



Der Austernfischer war der erste "Seevogel des Jahres" aus dem Jahre 2014


Jahr Seevogel Familie wissenschaftlicher Name
2014 Austernfischer Austernfischer Haematopus ostralegus
2015 Brandseeschwalbe Seeschwalben Thalasseus sandvicensis
2016 Basstölpel Tölpel Morus bassanus
2017 Eisente Entenvögel Clangula hyemalis
2018 Sandregenpfeifer Regenpfeifer Charadrius hiaticula
2019 Eiderente Entenvögel Somateria mollissima
2020 Flussseeschwalbe Seeschwalbe Sterna hirundo


Die Flussseeschwalbe ist der Seevogel des Jahres 2020


Der Verein Jordsand zum Schutz der Seevögel und der Natur e.V. hat die Flussseeschwalbe zum "Seevogel des Jahres 2020" gewählt. Die elegante Küstenbewohnerin steht hierzulande exemplarisch für die beiden globalen Umweltkatastrophen unserer Zeit: den Klimawandel und den dramatischen Verlust der biologischen Vielfalt.
In Deutschland hat die Flussseeschwalbe leider einen festen Platz auf der Roten Liste der gefährdeten Brutvögel eingenommen und gilt seit 2007 mit einem Bestand von 9.000 - 10.500 BP als stark gefährdet.


Die Flussseeschwalbe ist der Seevogel des Jahres 2020 (Bild: Gunther Zieger) Mit ihrer zierlichen Gestalt und den schlanken, spitzen Flügeln gehört die Flussseeschwalbe zu den anmutigsten Seevögeln. Auf der Jagd nach kleinen Fischen rüttelt sie häufig über dem Wasser.
Die Flussseeschwalbe ist der Seevogel des Jahres 2020 Bild: Gunther Zieger


Auch in unseren Seevogel-Schutzgebieten an Nord- und Ostsee bemerken wir den langfristigen Rückgang, sagt Mathias Vaagt, Vorsitzender des Vereins Jordsand. "Auf der Insel Scharhörn in der Elbmündung hatten wir Anfang der 1980er Jahre noch bis zu 3200 Brutpaare, doch seit 2008 brütet dort keine einzige Flussseeschwalbe mehr". Auf der kleinen vereinseigenen Hallig Norderoog im nordfriesischen Wattenmeer wurden in den 1950er Jahren bis zu 770 Brutpaare gezählt - heute sind es nur noch rund dreißig.

Einst war der Seevogel des Jahres 2020 auch entlang der Flüsse des deutschen Binnenlandes weit verbreitet, bis er dort aufgrund der massiven Uferbefestigungen keine natürlichen Kies- und Sandbänke als geeignete Brutplätze mehr vorfand und wegen Nahrungsmangels durch Gewässerverschmutzungen vertrieben wurde.


Die Flussseeschwalbe in Bayern

Die Flussseeschwalbe brütet in Bayern nur lokal und fast ausschließlich in Südbayern. Im Vergleich zum Zeitraum 1996 - 1999 kam es durch die Bereitstellung von Brutflößen und Inseln in Baggerseen und Staubereichen der Flüsse zu Neuansiedlungen im Donautal, an der unteren Mindel, Günz und Iller und damit zu einer deutlichen Arealerweiterung. Mit einer Einzelbrut bei Schwandorf, im Jahr 2004, drang die Art auch nach Nordbayern vor, was seit 1925 der erste bekannte Vorstoß nördlich der Donau ist. Der letzte natürliche Brutplatz auf einer Isarkiesinsel in der Pupplinger Au ist schon 1982 erloschen.

Die Flussseeschwalbe ist in Bayern mit 354 (2013) Brutpaaren eine Art 3 der Roten Liste Bayern, d.h. sie ist "Gefährdet". Sie ist in Bayern ein sehr seltener Brutvogel. Die größten Kolonien gibt es am Starnberger See, am Ammersee und an der Mittleren Isar. Durch den wechselseitigen Austausch bilden diese eine erfolgreiche Metapopulation (d.h. es bestehen Gruppen von Teilpopulationen die untereinander einen Genaustausch haben).

Die aktuelle Bestandsschätzung liegt höher als die Zählung im Jahr 1996. Die Bestandszunahe geht aud Neubesiedlungen in Nordschwaben und das Anwachsen der Kolonien an der Mittleren Isar, am Starnberger See und am Ammersee zurück. Zu berücksichtigen ist, dass Neuansiedlungen ausschließlich durch menschliche Hilfe geschieht. Durch die Brutflösse und künstlichen Inseln. Der Bestand der Flussseeschwalbe in Bayern ist von der Bereitstellung, Wartung und regelmäßigen Pflege der Brutplätze abhängig. Bei anhaltender Betreuung gibt es ein beträchtliches Wachstumspotential.


Seit ihrem Rückzug an die Küsten wird die am Boden brütende Flussseeschwalbe zunehmend von Beutegreifern wie Füchsen und Mardern verfolgt, die im Bestand zunehmen. Die Vierbeiner bereichern mit den Eiern und Küken des Vogels ihren Speiseplan. Die besten Brutplätze fand die Art deshalb zunächst auf den von Raubsäugern freien Inseln und Halligen im Wattenmeer. "Dort wird sie nun immer stärler vom Meeresspiegelanstieg bedroht, der durch den Klimawandel verursacht wird", beklagt Mathias Vaagt. Schon heute brüten im Wattenmeer 96 Prozent der Flussseeschwalben auf Brutplätzen, die einem Überflutungsrisiko ausgesetzt sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Nest der Flussseeschwalbe überflutet wird, liegt bei 84 Prozent.


Für die Bestimmung der Art sind ihre Gestaltungsmerkmale wichtiger als die Gefiederfärbung, trotzdem sollte man auch auf die Flügelmuster achten. Bei Altvögeln der Flussseeschwalbe ist der dunkle Hinterrand der Handschwingen-Unterseite breiter. Im Herbst bekommt die Art eine helle Stirn, der Schnabel der Flussseeschwalbe wird dann schwarz mit roter Basis

Beide Geschlechter sehen gleich aus. Im Brutkleid ist ihr Schnabel rot mit schwarzer Spitze und die Stirn ist schwarz. Jungvögel sind auf Flügeln und Rücken bräunlich gemustert.
Als geselliger Vogel verbringt die Art sehr viel Zeit mit der Nahrungssuche (Bild: Markus Glässel)
Bild: Markus Glässel Als geselliger Vogel verbringt die Flussseeschwalbe viel Zeit auf ihrer Nahrungssuche.


Die Zugleistungen der Flussseeschwalben sind spektakulär. So ist von einer Flussseeschwalbe bekannt, die im Juni 1996 in Mittelfinnland beringt wurde und im Januar 1997 an der Südostküste Australiens wiederentdeckt wurde, damit hat dieser Vogel eine Strecke von 26.000 Kilometer zurückgelegt. Im Frühjar kehren die Flussseeschwalbeb aus ihren Überwinterungsquartieren zurück, die zumeist an den Küsten Akrikas, südlich der Sahara liegen.

Im Frühjahr (April) kehren die Flussseeschwalben aus ihren Überwinterungsquartieren zu ihren Brutgebieten und kehren dabei alljährlich zur gleichen Kolonie zurück.
Die Vögel brüten sowohl an der Küste als auch im Binnenland, dabei oft auf flachen Inseln in Küstennähe, auf ungestörten Stränden und Sandbänken, im Binnenland auf Kiesinseln und an Kiesstränden von Flüssen sowie an geschützten Ufern von Seen und Teichen.
Das Nest ist eine flache Mulde im Boden, wird von beiden Partnern angelegt und wird mit etwas Pflanzenmaterial ausgekleidet. Jedes Paar verteidigt ein annähernd kreisförmiges Revier von wenigen Quadratmetern um das Nest. Bei der Brutablösung füttert der heimkehrende den auf dem Gelege sitzenden Vogel mit einem Fischchen. Eindringlinge und Nestfeinde werden gemeinsam von den Mitgliedern der Kolonie in Sturzflügen attackiert. Bodenfeinde mitunter sogar gehackt. Die Brutdauer, wobei sich beide Partner oft bis zu siebenmal täglich abwechseln, beträgt ca. 3 Wochen. Die Jungen bleiben nach dem Schlüpfen noch einige Tage unter der Bewachung eines Altvogels im Nest. Danach verbergen sie sich in der schützenden Vegetation. Den Futter bringenden Altvögeln laufen sie entgegen. Die Zeit der elterlichen Fürsorge dauert dann rund 10 Wochen.


Flussseeschwalbe mit ihren Jungen in der Nähe des Nestbereiches (Bild: Dirk Schieder) Auf dem Rücken haben die Jungen dunkle Kleckse, die an den Flanken ungeordnet auf Mantel und Rücken aber mehr oder weniger deutlich zu paarigen Streifen angeordnet sind.
Flussseeschwalbe in der Nähe ihres Nestes mit dem Nachwuchs Bild: Dirk Schieder



Wichtige Merkmale der Flussseeschwalbe (Sterna hirundo)

Ungefähr die Größe einer Taube.
Länge: ca. 31 - 35 cm;
Flügelspannweite: ca. 82 - 95 Zentimeter;
Gewicht: 100 - 130 g.
Stimme: Stimmungsruf, ein "kjik" oder "kick" - bei Erregung: "kierr" oder ein Beunruhigsruf, wie "kekekek".
Brutzeit: Ende Mai oder Anfang Juni im Süden, im Norden Ende Juni/Anfang Juli.
Jahresbruten: Normalerweise eine Jahresbrut - gelegentlich aber auch zwei.
Gelegegröße: normalerweise 3, manchmal aber auch nur zwei - rahmfarbene oder schwach gelbliche, grünliche oder oliv getönte, unterschiedlich dunkel getupfte, glatte und glanzlose, Eier.
Brutdauer: 20 bis 26 Tage - beide Partner brüten
Nestlingszeit: ab dem zweiten Tag wird ein Versteck in Nestnähe aufgesucht. Mit 23 bis 27 Tagen sind die Jungen flugfähig. Die Jungen werden von den Alttieren noch rund 6 Wochen gefüttert.


Die Nahrung der Flussseeschwalben besteht zumeist aus kleinen Fischen. Dabei rütteln die Vögel vor jedem Stoßtauchen zumeist nur einmal kurz. Auf Süßwasserseen kann man die Flussseeschwalben auch dabei beobachten, wie sie Insekten von der Wasseroberfläche picken.


Flussseeschwalben sind Langstreckenzieher - Vögel aus unseren Breiten überwintern entlang der Westküste Afrikas (Bild: Gunther Zieger) Die Flussseeschwalbe ist ein Langstreckenzieher, deren Überwinterungsquartiere sich in den Tropen und den gemäßigten Breiten der Südhalbkugel befinden.

Die Brutvögel der Paläarktis, (damit ist traditionell gemeint: Europa, Nordafrika und Asien) überwintern insbesondere an der Westküste Afrikas.
Flussseeschwalben sammeln sich zum Zug in ihre Winterquartiere Bild: Gunther Zieger


Frühmorgens und am Abend sind die Flussseeschwalben am eifrigsten bei der Nahrungssuche. Ihre Nahrung besteht vorwiegend aus kleinen Fischen, aber sie fangen auch Kleinkrebse, Garnelen, kleine Strandkrabben, Würmer und Larven von Wasserkäfern und Fröschen. Bei der Nahrungssuche verlässt sich die Flussseeschwalbe ganz auf ihre Flugkünste. Sie fliegt mit fast senkrecht nach unten gehaltenem Schnabel langsam über dem Wasser, rüttelt gelegentlich einen Augenblick und stürzt dann aus Höhen von bis zu sechs Metern stoßtauchend ins Wasser. Sind die Fische tiefer unter der Wasseroberfläche, taucht die Flussseeschwalbe 20 bis 30 Zentimeter tief, schnappt sich den Fisch und taucht dann sofort wieder mit dem Fisch quer im Schnabel auf.


Wichtiges & Interessantes

Seeschwalben sind mit Möwen verwandt und haben mit Schwalben nur die langen Flügel und die Schwanzspieße gemeinsam.
Flussseeschwalben haben sogar schon in Höhen von 4800 Meter genistet.
Von einem Flussseeschwalbenpaar wird berichtet, dass es 17 Jahre lang zum gleichen Nest zurückkehrte.
Manche Flussseeschwalben fliegen jeden Tag bis zu 50 Kilometer zwischen Nahrungsplatz und Schlafplatz hin und her.


Die Flussseeschwalbe ist anpassungsfähig und kann sich in kurzer Zeit auf andere Beute und Jagdmethoden umstellen. Flussseeschwalben wurden auch schon beobachtet, wie sie fliegende Insekten jagten und fingen und wenn in der Nistkolonie Nahrungsmangel herrscht, werden manchen Vögel sogar zu Piraten.


An einigen Seen und Stauseen brüten die Flussseeschwalben auch auf künstlichen Nistflößen, die eigens für diese bedrohte Vogelart angebracht wurden. Aber auch dies birgt Risiken für die Vogelart. Im Sommer kann die Art an der schwarzen Schnabelspitze und der schwarzen Stirn erkannt werden (Bild: Gunther Zieger)
Bild: Gunther Zieger Im Sommer kann man den Vogel an der schwarzen Schnabelspitze und der schwarzen Stirn erkennen


Die wenigen binnenländischen Kolonien, die heute noch an einigen größeren Flüssen Mitteleuropas bestehen, sind vor allem durch ausufernden Freizeitbetrieb, aber auch durch Flussbaumaßnahmen und Gewässerverschmutzung bedroht. Durch die regelmäßige Bewachung ihrer letzten Brutrefugien erreichte man oft nur ein Aufschieben des Verschwindens. Vielerorts sind im Binnenland Bruten nur noch auf speziell konstruierten Nistflößen erfolgreich. Doch auch diese Nisthilfen bringen Probleme, wie Lachmöwen und eierraubende Säugetiere. An einem südbayerischen Brutplatz schrieb man den alljährlichen Totalverlust der Jungen sogar dem in der Nähe brütenden Uhu zu?. In Südschweden hat man festgestellt, dass der Bestand der Flussseeschwalbe im Gegensatz zur Küstenseeschwalbe zurückgegangen ist.


Ordnung Familie Gattung Art
Regenpfeiferartige Seeschwalben Sterna Flussseeschwalbe


Seit mehr als 111 Jahren hat sich der Verein Jordsand dem Schutz von Seevögeln an unseren Küsten verschrieben. Er betreut über 20 Schutzgebiete vorwiegend an Nord- und Ostsee, von Helgoland über das nordfriesische und hamburgische Wattenmeer, die Unterelbe, bis zur schleswig-holsteinischen und vorpommerschen Ostseeküste rund um Rügen. Zum mittlerweile siebten Mal ernennt der Verein Jordsand einen seiner Schützlinge zum "Seevogel des Jahres". Nach dem Austernfischer (2014), der Brandseeschwalbe (2015), dem Basstölpel (2016), der Eisente (2017) dem Sandregenpfeifer (2018) und der Eiderente (2019) wurde nun die Flussseeschwalbe zum Seevogel des Jahres bestimmt.


Vielen Dank an Frau Karin Paulig, Leitung der Geschäftsstelle, Verein JORDSAND zum Schutze der Seevögel und der Natur e.V., für den Pressetext. Vielen Dank an die Naturfotografen Herrn Dirk Schieder, Herrn Gunther Zieger und Herrn Markus Glässel, für die mir zur Verfügung gestellten eigenen Aufnahmen.


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- letzte Aktualisierung: Samstag, 03. Oktober 2020 -
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