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Die Libellen des Jahres seit 2011

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND), sowie die Fachgesellschaft der Libellenkundler und die Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen (GdO) wählten erstmals 2011 die "Libelle des Jahres".


Jahr Libelle wissenschaftlicher Name
2011 Die Feuerlibelle Crocothemis erythraea
2012 Die Blaugrüne Mosaikjungfer Aeshna Cyanea
2013 Die Speer-Azurjungfer Coenagrion hastulatum
2014 Die Kleine Moosjungfer Leucorrhinia dubia
2015 Die Gefleckte Heidelibelle Sympetrum flaveolum
2016 Die Gemeine Binsenjungfer Lestes sponsa
2017 Die Gemeine Keiljungfer Gomphus vulgatissimus
2018 Die Zwerglibelle Nehalennia speciosa
2019 Die Schwarze Heidelibelle Sympetrum danae
2020 Die Speer-Azurjungfer Coenagrion hastulatum
2021 Wanderlibelle Pantala flavescens


Die Wanderlibelle (Pantala flavescens) ist die Libelle des Jahres 2021


Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Gesellschaft der deutschsprachigen Odonatologen (GdO) haben die Wanderlibelle (Pantala flavescens) zur Libelle des Jahres 2021 gekürt. Mit dieser Wahl machen sie auf die voranschreitende Klimakrise aufmerksam, denn die Wanderlibelle profitiert von den immer schneller voranschreitenden Klimaveränderungen und wurde erst 2019 das erste Mal in Deutschland nachgewiesen. Dazu Klaus-Jürgen Conze, Libellenexperte und GdO-Vorstandsmitglied: "Dass die Wanderlibelle nun auch in Deutschland nachgewiesen wurde, ist kein Zufall. Vielmehr ist es ein Indiz der Klimaerhitzung, die unaufhaltsam voranschreitet und die globale Biodiversität sowie uns alle betrifft".


Wanderlibelle, hier ein Männchen, die als Libelle des Jahres 2021 ernannt wurde (Bild: Michael Post / GdO) Sehr gut zu sehen sind die stark verbreiterten Hinterflügel dieser Libellenart. Dies ermöglicht der Wanderlibelle ein hervorragendes Segeln.
Männchen der Wanderlibelle - die als Libelle des Jahres 2021 ernannt wurde Bild: Michael Post / GdO)


Auch wenn die Wanderlibelle weltweit vorkommt, im europäischen Raum konnte sie erst in den letzten Jahren nachgewiesen werden. Dies hängt mit der steigenden mittleren Temperatur und den veränderten Klimabedingungen auf dem europäischen Kontinent zusammen, die nun ganz neue Wettersysteme mit sich bringen. Die Wanderlibelle trägt ihren Namen zurecht, sie kann mehrere Stunden ununterbrochen in der Luft bleiben und so große Strecken zurücklegen, erklärt Conze: "Die hochmobilen Libellen sind gute Indikatoren für die enormen Veränderungen durch die Klimaerhitzung".


Der Lebensraum der Wanderlibelle sind die stehenden, vor allem temporäre Gewässer. D.h., sie fliegt den Regenfällen hinterher. Wanderlibelle - hier ist ein Weibchen dieser Art zu sehen (Bild: Michael Post / GdO)
Bild: Michael Post / GdO Hier ist ein Weibchen der Wanderlibelle zu sehen


Die Wanderlibellen werden bis zu 4,5 Zentimeter lang und haben eine Flügelspannweite von 9 - 10 Zentimetern. Die Flugzeit der Wanderlibelle ist der Zeitraum von Juni bis September. Bei der Wanderlibelle handelt es sich um eine Wanderart, die den gesamten Tropengürtel besiedelt hat und von da aus weit nach Norden und Süden vorstößt. Als eine hervorragende Segelfliegerin, wobei sie durch die stark verbreiterten Hinterflügel unterstützt wird, nutzt sie die Aufwinde vor den Fronten von Tiefdruckgebieten aus.

Auch in Deutschland können wir nun schon seit einigen Jahren deutliche Veränderungen in der Libellenfauna erkennen. Kritisch zu sehen ist dabei die hohe Geschwindigkeit des Wandels und die große Unsicherheit, ob die Mehrzahl der Arten unter diesen neuen Bedingungen bei uns dauerhaft weiterexistieren können. Das gilt es aufmerksam zu verfolgen. Die Wanderlibelle wurde in Deutschland und der Schweiz 2019 zum ersten Mal nachgeweisen. Der deutsche Erstnachweis gelang Dr.André Günther, wissenschaftlicher Mitarbeiter am NABU-Naturschutzinstitut Freiberg und Dozent an der TU Bergakademie Freiberg. In einem Projekt zur Artendynamik in Bergbaufolgelandschaften untersuchte Günther 2019 ehemalige Braunkohleflächen bei Neupetershain im südbrandenburgischen Kreis Oberspreewald-Lausitz. Dort konnte er zunächst im Juli ein einzelnes Wanderlibellen-Männchen beobachten und fotografieren. Bei einer weiteren Nachsuche im August fanden sich dann sowohl eine Larvenhaut wie auch eine ausgewachsenen Wanderlibelle.

Ebenso wie der Teich im Naturschutzgebiet Schümel bei Holderbank (Kanton Aargau), an dem der Schweizer Nachweis gelang, war die Wasserfläche in der Lausitz sonnenbeschienen und flachgründig. Die wärmeliebende Wanderlibelle fand im Hitzesommer 2019 also gute Bedingungen vor. Ob solche Besuche in Mitteleuropa künftig zur Regel werden, muss man trotz des Klimawandels noch abwarten.


Paarungsrad der Wanderlibellen (Bild: Michael Post / GdO) Die Paarung bei den Wanderlibellen erfolgt zumeist im Flug.
Paarungsrad der Wanderlibellen Bild: Michael Post / GdO


Die Eier werden in Tandemstellung abgelegt, wobei das Weibchen die Wasseroberfläche mit dem Hinterleibsende berührt. Ein Gelege besteht aus 500 bis 2000 Eiern. Die Larven entwickeln sich in innerhalb von 40 bis 65 Tagen und sind an temporäre Gewässer angepasst, die oft schon nach kurzer Zeit austrocknen. Deshalb wachsen die Larven, die räuberisch leben, sehr schnell heran und können nach etwa vier Wochen nach der Eiablage bereits schlüpfen. So kann es in einem Jahr drei bis vier Generationen geben. Wie groß die Lebenserwartung der Segellibelle ist, ist unbekannt, wegen der hohen Mobilität dieser Libellenart.

Die Imago ernährt sich überwiegend von kleinen Fluginsekten wie Mücken. Es werden aber auch fliegende Ameisen erbeutet. Der wissenschaftliche Name Pantala flavescens besteht zum einen aus dem Wort Pantala, das übersetzt "alle Flügel" bedeutet und auf die großen und langen Flügel anspielt, zum anderen aus dem lateinischenn flavescens, das gold/gelb heißt und sich auf die ausgeprägte goldene Färbung bezieht.

Auf Englisch ist die Wanderlibelle auch als "global wanderer" bekannt und damit treffend charakterisiert. In riesigen Schwärmen wandert sie zwischen Afrika und Asien hin und her, um die Monsunregen zu nutzen und immer gerade dort anzukommen, wo die Wetterfronten systematisch die passenden Fortpflanzungsgewässer bereitet haben. Das macht deutlich, welches Leistungsvermögen in kleinen Organismen wie diesen Insekten steckt. Wandernde Libellen zeigen auch: Wer reist, braucht auch einen Ort zum Ankommen. Es braucht daher mehr Biotopverbund durch konsequente nationale Umsetzung der neuen Renaturierungsziele der EU und der Wasserrahmenrichtlinie. Mehr Wasser muss in der Landschaft verbleiben, um gute Lebensräume für Libellen und viele weitere Arten zu gewährleisten.

Weniger spektakulär ist hingegen das Aussehen der Art, die leicht mit den bei uns vorkommenden Heidelibellen verwechselt werden kann: So ist die Wanderlibelle eine mittelgroße Segellibelle, die sehr ausdauernd fliegt. Im Vergleich zu den Heidelibellen ist sie jedoch etwas größer und kräftiger und besitzt keine auffällige Körperzeichnung. Die Flügel sind im Verhältnis zum Körper sehr lang und bilden mit ihren großen Tragflächen eine auffällige Proportion zum Rest des Körpers. Die Farben von Männchen und Weibchen sind gelblich, golden bis braun, wobei die Männchen deutlich dunkler sind, voll ausgereift, teilweise rötlich werden. Oben auf dem Hinterleib befindet sich eine kräftige schwarze Mittellinie, die oberen sind Hinterleibsanhänge und diese sind für Segellibellen recht lang. Die Augen sind oberseits zur Hälfte rotbraun und die untere Hälfte ist graublau.


Zuordnung der Wanderlibelle

Unterordnung: Großlibellen (Anisoptera)
Familie: Segellibellen (Libellulidae)
Gattung: Pantala
Art: Wanderlibelle


Warum die Kür der "Libelle des Jahres"?

Seit 2011 wählen die Gesellschaft für deutschsprachige Odonatologen (GdO), der Verband der Libellenkundler/innen und der BUND die "Libelle des Jahres" aus, um auf die Vielfalt der Arten und ihre Bedrohung aufmerksam zu machen.

Von den rund 80 heimischen Libellenarten stehen 48 auf der Roten Liste gefährdeter Insekten.


Herzlichen Dank an Frau Kristin Schulz, vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) für den Pressetext, sowie die Erlaubnis die Bilder von Herrn Michael Post / GdO veröffentlichen zu dürfen.


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- letzte Aktualisierung: Dienstag, 25. Mai 2021 -
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