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Die Libellen des Jahres seit 2011

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND), sowie die Fachgesellschaft der Libellenkundler und die Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen (GdO) wählten erstmals 2011 die "Libelle des Jahres".

Jahr Libelle wissenschaftlicher Name
2011 Die Feuerlibelle Crocothemis erythraea
2012 Die Blaugrüne Mosaikjungfer Aeshna Cyanea
2013 Die Speer-Azurjungfer Coenagrion hastulatum
2014 Die Kleine Moosjungfer Leucorrhinia dubia
2015 Die Gefleckte Heidelibelle Sympetrum flaveolum
2016 Die Gemeine Binsenjungfer Lestes sponsa
2017 Die Gemeine Keiljungfer Gomphus vulgatissimus
2018 Die Zwerglibelle Nehalennia speciosa
2019 Die Schwarze Heidelibelle Sympetrum danae
2020 Die Speer-Azurjungfer Coenagrion hastulatum

Die Speer-Azurjungfer (Coenagrion hastulatum) ist die Libelle des Jahres 2020


Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Gesellschaft der deutschsprachigen Odonatologen (GdO) haben die Speer-Azurjungfer zur "Libelle des Jahres 2020" gekürt. (Odonatologie ist der Fachbegriff für die Libellenkunde) "Die Speer-Azurjungfer ist eine in ganz Deutschland seltene Kleinlibelle, deren Bestände in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen sind und die in vielen Landesteilen auszusterben droht", begründen BUND und GdO ihre Auswahlentscheidung. "Durch die Effekte der Klimakrise ist die ohnehin seltene Art noch stärker vom Aussterben bedroht. Einstige Lebensräume gehen durch die menschengemachten Klimaveränderungen verloren". So ist der Rückgang von Mooren einerseits als auch der hohe Eintrag von Nährstoffen in Gewässer infolge von Überdüngung andererseits hierfür verantwortlich.


Die Speer-Azurjungfer ist die Libelle des Jahres 2020 - hier ein Männchen (Bild: Michael Post / GdO) Die Bestände der in Deutschland seltenen Kleinlibelle seien in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen, begründeten der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland und die Gesellschaft der deutschsprachigen Odonatologen in Berlin.
Die Libelle des Jahres - die Speer-Azurjungfer - hier ein Männchen Bild: Michael Post / GdO


Notwendig zum Schutz und zum Erhalt dieser nicht direkt durch die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) geschützten Art sind eine konsequente Erfassung und ein Monotoring der noch vorhandenen Vorkommen. Klaus-Jürgen Conze, Biologe und Libellenkundler bei der GdO, erklärt: "Die bestehenden Populationen müssen wachsen, um so ein Aussterben der Art zu verhindern. Um die Libellenart langfristig zu schützen, ist eine extensive Bewirtschaftung besiedelter Teiche, die Neuanlage nährstoffarmer Flachgewässer und der Schutz der noch erhaltenen Moore vor Nährstoffeintrag von großer Priorität".


Zu erkennen ist die Speer-Azurjungfer an den grünen Augenunterseiten. Die Männchen tragen am Hinterleib ein speerförmiges Abzeichen. Hier ein Weibchen der Speer-Azurjungfern (Bild: Michael Post / GdO)
Bild: Michael Post / GdO Speer-Azurjungfer - hier ein Weibchen


Innerhalb der Azurjungfern ist die Speer-Azurjungfer mit einer Körperlänge von 31 - 33 mm und einer Länge der Hinterflügel von 16 - 22 mm und einer Flügelspannweite von 40 mm, eher eine kleine Vertreterin. Die Männchen haben eine blassblaue, leicht ins türkisfarbene spielende Grundfarbe und können auf der Unterseite ganz grün sein, vor allem auf den Unterseiten der Augen. Der Vorderkörper (Thorax) ist azurjungferntypisch mit einer schwarzen Zeichnung versehen.
Die Weibchen sind kräftiger gebaut. Die schwarze, jeweils zu den vorderen Segmentstößen zugespitzte Zeichnung des Abdomens (Bauch) ist ausgedehnter als bei den Männchen und bedeckt fast die gesamte Oberseite. Bei den Weibchen treten zwei Farbformen auf, die häufigere gelblichgrüne Form und eine seltenere hellgrünlichblaue Form.
Kurz nach der Umwandlung zur Imago sind die Libellen noch ohne Zeichnung. Diese entwickelt sich erst innerhalb der nächsten Stunden. Auch die typische Blau- oder Grünfärbung wird erst während der Ausreifung in den folgenden Tagen gebildet.


Speer-Azurjungfer - hier ein Männchen - gut zu sehen ist das Grün unter dem Auge (Bild: J.Ott / GdO) Die Flugzeit der Speer-Azurjungfern liegt im Flachland zwischen Mai und Juli. In den kälteren Regionen, ihres Verbreitungsgebietes, bis in den September.
Speer-Azurjungfer - hier ein Männchen - gut zu sehen das Grün unter dem Auge Bild: J.Ott / GdO



Zuordnung der Speer-Azurjungfer

Unterordnung: Kleinlibellen (Zygoptera)
Überfamilie: Coenagrionidea
Familie: Schlanklibellen (Coenagrionidae)
Gattung: Azurjungfern (Coenagrion)
Art: Speer-Azurjungfer (Coenagrion hastulatum)

 
Als Ruhehabitate dienen den Speer-Azurjungfern, meist nicht weiter als 50 Meter vom Entwicklungsgewässer entfernt liegende Lichtungen im Moorwald und Wiesen im Randbereich der Wälder. In diesen Habitaten sitzen die Libellen in 20 - 40 Zentimeter Höhe in der Vegetation. Die Libellen werden aktiv, sobald ihre Ruheplätze besonnt werden. Die Speer-Azurjungfern sind sehr scheu und fliegen schon bei leiser Annäherung auf. Lebensräume sind die Moorseen, aber auch nährstoffarme, seltener verwachsene, Kleingewässer.


Fortpflanzungspaare finden sich häufig schon am Vormittag in den Ruhe- oder Nahrungshabitaten und erscheinen dort im Tandem an den Entwicklungsgewässern. Oder die Männchen erwarten dort die noch unverpaarten Weibchen im Übergangsbereich der Freiwasserzone zur Ufervegetation. Fortpflanzungspaar als Tandem am Entwicklungsgewässer (Bild: Michael Post / GdO)
Bild: Michael Post / GdO Fortpflanzungspaar als Tandem am Entwicklungsgewässer


Die eigentliche Paarung dauert 15 - 30 Minuten und findet statt, solang das Habitat besonnt ist. Die Eiablage erfolgt meist mit angekoppeltem Männchen, das zu Beginn senkrecht über dem Weibchen steht, sich dann aber häufig absetzt. Begibt sich das Weibchen unter Wasser, um dort mit dem Einstechen der Eier in die Vegetation fortzufahren, taucht das Männchen oft nur bis zur Hälfte ins Wasser und löst dann die Verbindung. Das Weibchen setzt in diesem Fall die Eiablage alleine fort. Es kann aber auch vorkommen, das das Weibchen mit dem Männchen bis zu 50 Zentimeter tief in das Wasser abtaucht und können bis über 20 Minuten untergetaucht bleiben. Dies kann dann auch mehrmals erfolgen. Die Eiablage erfolgt meist in einiger Entfernung vom Ufer in abgestorbene oder lebende Vegatation. Hier werden Blätter sowie Halme von Wollgras oder Seggen vor flutenden Seerosenblättern bevorzugt.


Paarungsrad von Männchen und Weibchen der Speer-Azurjungfern (Bild: J.Ott / GdO) Die Larven der Speer-Azurjunfern schlüpfen nach 2 - 3 Wochen. Die Entwicklungsdauer der Larven scheint zwischen einem Jahr (Süden) und 3 - 4 Jahren (Nordschweden) zu betragen.
Speer-Azurjungfer Paarungsrad Bild: J.Ott / GdO


Die Stadienzahl, d.h. die Anzahl der Häutungen zwischen den verschiedenen Larvenstadien, kann zwischen 10 und 13 liegen. Die Überwinterung erfolgt normalerweise im letzten Larvenstadium. Der Schlupf erfolgt bevorzugt an beschienenen Flachuferbereichen und zwar in den Vormittagsstunden, es kann aber bis in den Abend hinein erfolgen. Die Larven schlüpfen für gewöhnlich dicht über dem Wasserspiegel, so dass die Kiemenblättchen noch eingetaucht sind.

Das Verbreitungsgebiet der Speer-Azurjungfer reicht von Mitteleuropa bis Ostsibirien und im Südosten bis China. Dabei liegt der Schwerpunkt in Nordeuropa und Nordasien. Die nördliche Ausbreitung erreicht das Polarmeer. Ihre westliche Ausbreitung erreichen die Speer-Azurjungfern in den Benelux-Staaten und Vogesen und den Westalpen. Das südliche Verbreitungsgebiet verläuft vom Alpensüdrand Südostfrankreichs, Norditaliens über den nördlichen Karpatenbogen und weiter ostwärts.

Im deutschsprachigen Raum ist die Speer-Azurjungfern nur noch in Norddeutschland recht häufig, aber es gibt auch noch größere Vorkommen in Nordbayern.

Hoffen wir für die Speer-Azurjungfer, deren Vorkommen in Teilen Europas rückläufig ist, dass der Mensch dieser Kleinlibellenart, ihr angestammtes Verbreitungsgebiet lässt. Für die abnehmenden Bestände werden die Intensivlandwirtschaft mit den damit einhergehenden hohen Nährstoffeinträgen in die Gewässer, sowie deren Austrocknung durch übermäßige Wasserentnahme, sowie auch der Klimawandel verantwolrtlich gemacht.


Von den 80 heimischen Libellenarten stehen 48 auf der Roten Liste gefährdeter Insekten.


Herzlichen Dank an Frau Nehle Hoffer, BUND-Libellenexpertin für den Pressetext, sowie die Erlaubnis die Bilder von Herrn Michael Post / GdO und J.Ott / GdO veröffentlichen zu dürfen.


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- letzte Aktualisierung: Samstag, 03. Oktober 2020 -
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