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Die Höhlentiere des Jahres seit 2009

Der Verband der Deutschen Höhlen- und Karstforscher wählte erstmals ein "Höhlentier des Jahres.

Jahr Höhlentiere wissenschaftlicher Name
2009 Höhlenflohkrebs Niphargus spec.
2010 Die Zackeneule Scoliopteryx libatrix
2011 Das Große Mausohr Myotis myotis
2012 Die Große Höhlenspinne Meta menardi
2013 Die Höhlenpilzmücke Speolepta leptogaster
2014 Die Höhlenwasserassel Proasellus cavaticus
2015 Die Keller-Glanzschnecke Oxychilus cellarius
2016 Das Höhlenlangbein Amilenus aurantiacus
2017 Die Vierfleck-Höhlenschlupfwespe Diphyus quadripunctorius
2018 Der Schwarze Schnurfüßer Tachypodoiulus niger
2019 Die Gemeine Höhlenstelzmücke Limonia nubeculosa
2020 Die Mauerassel Oniscus asellus
2021 Der Höhlen-Raubkäfer Quedius mesomelinus
2022 Die Kleine Hufeisennase Rhinolophus hipposideros


Die Kleine Hufeisennase ist das "Höhlentier des Jahres 2022".


Die Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros) wurde im Jahr 1792 vom deutschen Naturwissenschaftler Moriz Balthasar Borkhausen für die Wissenschaft beschrieben. Die Art gehört zur Familie der Hufeisennasen (Rhinolophidae), die in Deutschland mit zwei Arten vertreten ist. Kleine Hufeisennasen sind typische Höhlenfledermäuse, die sowohl Sommer- als auch Winterquartiere in den großen Karstgebieten bevorzugen. Diese Tatsache führte dazu, dass diese Fledermausart zum "Höhlentier des Jahres 2022" gewählt wurde. Die Hufeisennase steht für eine große Zahl von Tierarten, die auf geschützte und frostfreie Rückzugsorte unter Tage angewiesen sind.


Die Kleine Hufeisennase wurde zum Höhlentier des Jahres 2022 gewählt (Bild: © Klaus Bogon, Sontra) Die Kleine Hufeisennase jagt erst bei völliger Dunkelheit. Vorwiegend bodennah in der Vegetation, zwischen den Ästen von Bäumen, im Wald oder in Baumreihen, weiter in dicht bestandenen Hecken.
Die Kleine Hufeisennase wurde zum Höhlentier des Jahres 2022 gewählt. Bild: © Klaus Bogon, Sontra


Das Internationale Jahr für Höhlen und Karst in 2021 wurde aufgrund der Corona-Pandemie auf das Jahr 2022 ausgeweitet. Es soll mit einer Reihe öffentlichkeitswirksamer Aktionen auf die Schutzwürdigkeit der Karstlandschaften und ihrer vielfältigen Karsterscheinungen aufmerksam machen. Eine dieser Aktionen ist die Auswahl eines internationalen "Höhlentier des Jahres". Hierzu wurde für 2022 die Gruppe der Fledermäuse ausgewählt, aus der jedes teilnehmende Land eine regional vorkommende cavernicole Fledermaus auswählen und dieses der Öffentlichkeit und den Behörden als "Höhlentier des Jahres" präsentieren kann. Mit der Wahl der Kleinen Hufeisennase will der Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher darauf hinweisen, dass gerade bei der Erforschung der unterirdischen Ökosysteme und der darin vorkommenden Arten noch ein enormer Handlungsbedarf besteht.

Die Kleine Hufeisennase ist eine der kleinsten einheimischen Fledermausarten. Mit etwa 40 Millimetern Länge und einer Spannweite von maximal 250 Millimetern ist sie deutlich kleiner als die Große Hufeisennase. Sie ist gut an dem hufeisenförmig geformten Nasenaufsatz zu erkennen. Das Rückenfell ist bräunlich bis gelblichbraun, die Unterseite hell grauweiß gefärbt. Im Winterschlaf hüllt sich die Art komplett in die Flughäute ein.


Die Paarung findet im Normalfall kurz nach dem Winterschlaf noch in der Überwinterungshöhle statt. Die Kleine Hufeisennase im Winterschlaf - vollkommen in die Flughäute eingehüllt (Bild: © Klaus Bogon, Sontra)
Bild: © Klaus Bogon, Sontra Die Kleine Hufeisennase im Winterschlaf - vollkommen in die Flughäute eingehüllt


Hier hängen die Tiere in Höhlen, Stollen und Kellern mit Temperaturen von 6 bis 9 °C und immer auf Distanz zu den Artgenossen. Hufeisennasen hängen immer frei und werden nie in Spalten angetroffen.

Im Frühjahr sammeln sich die Weibchen in den Wochenstuben, um ihren Nachwuchs einzeln zu gebären. Etwa die Hälfte bis 2/3 der in der Wochenstube anwesenden Weibchen gebären ab Mitte Juni bis Anfang Juli 1 Junges. Schon in den ersten Wochen fliegen die Jungtiere unabhängig von den Muttertieren auf die Jagd. Ist das Futterangebot (Witterung) ausreichend, werden sie in der sechsten bis achten Woche selbständig. Die Flughöhe bei den Kleinen Hufeisennasen kann zwischen 0,5 Metern über Boden bis zur Krone großer Bäume reichen. Beim Ablesen der Beutetiere können sie auch rüttelnd in der Luft stehen. Die Nahrung  bei der Art besteht vorwiegend aus Zweiflüglern, z.B. Schmeißfliege, Nachtfalter, Köcherfliegen, seltener Käfer und Spinnen.
Laute der Kleinen Hufeisennase kann man mit einem zirpen oder zetern identifizieren.


Ordnung Überfamilie Familie Gattung Art
Fledertiere Hufeisenartige Rhinolophidae Hufeisennasen Kleine Hufeisennase


In Deutschland befinden sich die Wochenstuben, also Kolonien, in denen die Weibchen ihre Jungen gemeinsam aufziehen, zumeist in warmen Dachböden und Gebäuden. Es gibt aber auch Ausnahmen, wie z.B. in einer südexponierten Karsthöhle im Kyffhäuser (Thüringen). Männchen nutzen auch im Sommerhalbjahr Höhlen als Tagesquartier. Kleine Hufeisennasen sind ausgesprochen standorttreu. Der Aktionsradius beträgt gewöhnlich weniger als 20 Kilometer.

Die Kleine Hufeisennase ist von allen Hufeisennasen am weitesten nach Norden verbreitet. Sie kommt im Mittelmeerraum und nach Norden bis West-Irland und im westlichen Großbritannien vor. Nach großen Bestandseinbrüchen in den 1960er-Jahren findet man die Art in Deutschland (Deutschland RoteListe-Art 1 = Vom Aussterben bedroht) heute nur noch im östlichen Nordhessen, in Thüringen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Bayern (Bayern Rote-Liste-Art 2 = Stark bedroht)


Leben in Höhlen

Derzeit sind in Deutschland ca. 3000 verschiedene Tierarten in Höhlen dokumentiert.
Viele davon gelangen zufällig in Höhlen. Man bezeichnet sie als Höhlengäste (eutrogloxen).
Andere suchen Höhlen zu bestimmten Jahreszeiten auf (z.B. Fledermäuse). Sie sind subtroglophil.
"Höhlenliebende" Tiere (eutroglophil) bilden sowohl unterirdisch, als auch oberirdisch stabile Populationen aus.
Die interessantesten sind die sogenannten "echten" Höhlentiere (eutroglobiont), die ausschließlich unterirdisch leben und sich dieser Lebensweise angepasst haben, z.B. durch Rückbildung von Augen und Hautpigment.



Herzlichen Dank an Frau Bärbel Vogel, Vorsitzende des Verbandes der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V. (VdHK), Nesselwang, für die Übermittlung des Pressetextes und die Möglichkeit die Bilder vom "Höhlentier des Jahres 2022" von Herrn Klaus Bogon, Sontra, veröffentlichen zu dürfen.


Möchten Sie mehr vom Verband Deutscher Höhlen- und Karstforscher wissen: Das können Sie, wenn Sie hier klicken: www.hoehlentier.de


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- letzte Aktualisierung: Montag, 21. November 2022 -
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