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Die Einzeller des Jahres seit 2007

Im Mai 2007 hat die Deutsche Gesellschaft für Protozoologie auf einer Tagung in Salzburg einen Einzeller des Jahres gewählt. Mit ihrer Wahl wollten die Wissenschaftler darauf aufmerksam machen, dass die große Gruppe der Einzeller eine wichtige Rolle für die Ökosysteme der Erde spielt.

Der Einzeller des Jahres wird von der Deutschen Gesellschaft für Protozoologie bestimmt.

Die bisherigen Einzeller des Jahres

Jahr Name (deutsch) wissenschaftlicher Name
2007 Pantoffeltierchen Paramecium
2008 keine Nennung  
2009   Tetrahymena
2010 Augentierchen Euglena
2011 Schleimpilz-Art Dictyostelium discoideum
2012   Acanthamoeba
2013 Sonnentier Actinophrys sol
2014 Trompetentier Stentor
2015 Vampiramöben Vampyrella
2016   Trichomonas vaginalis
2017   Diaphanoeca grandis
2018 Gehäusebauende Wimpertiere Tintinnen
2019   Nuclearia
2020 Dinoflagellat Dinophysis acuta


Der Einzeller des Jahres 2020 -
Dinophysis acuta - ein Panzergeißler (Dinoflagellat)


Zum 13. Mal hat die Deutsche Gesellschaft für Protozoologie einen "Einzeller des Jahres" gekürt. Einzeller des Jahres 2020 ist der Panzergeißler (Dinoflagellat) Dinophysis acuta. Dinophysis kann mit einigen Besonderheiten aufwarten. Er ist von einem Panzer aus Celluloseplatten umgeben und lebt im Meer. Er kann lange ohne Nahrung aufzunehmen überleben, da er "gestohlene" Plastiden für die Fotosynthese verwendet. Bei einer Massenvermehrung kann es zu ökonomischen und ökologischen Problemen kommen, da Dinophysis Gifte (Toxine) produziert, die sich in Meerestieren anreichern und so für andere Tiere und den Menschen gefährlich werden können.


Dinophysis acuta - Lichtmikroskopie (Aufnahme: Dr.Carmen Zinßmeister) Wissenswertes

Die Masse macht's! Einzeln sind die Zellen von
Dinophysis acuta im Wasser mit bloßem Auge nicht sichtbar, aber lokal kann es zu einer Massenvermehrung kommen. Bekannt auch als "Rote Tide" verfärbt sich das Wasser durch die zahllosen Zellen rötlich. ...
Dinophysis acuta - Lichtmikroskopie Aufnahme: Dr.Carmen Zinßmeister


... Dies kann zu massiven ökonomischen und ökologischen Problemen führen, besonders durch die Fähigkeit von Dinophysis acuta Gifte wie DSP-Toxine (benannt nach der Erkrankung "Diarrhetic Shellfish Poisoning") zu produzieren. DSP-Toxine reichern sich in Meeresorganismen wie beispielsweise Miesmuscheln an. Dadurch können sie für Vögel und auch für Menschen gefährlich werden, wenn sie diese verzehren. Eine Vergiftung mit DSP-Toxin kann zu Übelkeit, Erbrechen und Durchfall führen.

Geschichte

Im Norden Deutschlands, bei Kiel, wurde die Gattung Dinophysis von Christian Gottfried Ehrenberg 1839 beschrieben. Seine für damalige Zeiten hervorragende mikroskopische Zeichnung von D. acuta Ehrenb. stellt nach wie vor den Typus (Holotypus) dar. Im Verlauf der Geschichte wurden die Beobachtungen und Zeichnungen besser, dennoch sollten fast weitere 100 Jahre vergehen, bis Charles Atwood Kofoid und Tage Skogsberg 1928 eine genaue Beschreibung (Lectotypus) von D. acuta verfassten. Inzwischen wurden weltweit über 70 Arten der Gattung Dinophysis detailliert beschrieben.


Forschung

Nicht nur aufgrund ihrer Fähigkeit, Toxine zu produzieren, ist die Forschung an
Dinophysis acuta nach wie vor hoch brisant. Speziell die Verbreitung und Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb der Dinoflagellaten sind wichtige Themen der Grundlagenforschung. Methoden der Mikroskopie wie zum Beispiel die Rasterelektronen-Mikroskopie als auch moderne molekulare Analysen kommen hierbei zum Einsatz.
Einzeller Dinophysis acuta - Rasterelektronenmikroskop (Aufnahme: Dr.Carmen Zinßmeister)
Aufnahme: Dr.Carmen Zinßmeister Einzeller Dinophysis acuta - Rasterelektronenmikroskopie



Biologie

Der Einzeller D. acuta ist ein reiner Meeresbewohner und im Plankton zu Hause. Zwei unterschiedlich angeordnete Geißeln dienen der für Dinoflagellaten typischen taumelnden Fortbewegung. D. acuta entwickelte eine außergewöhnliche Ernährungsweise. Der Einzeller saugt Plastiden aus Ciliaten der Art Mesodinium rubrum. Die "gestohlenen Plastiden werden genutzt, um selbst Fotosynthese zu betreiben, bis sie schließlich verdaut werden. Dadurch kann D. acuta viele Wochen ohne Nahrung überleben. D. acuta hat einen sexuellen Zyklus, aber vermehrt sich überwiegend durch Zweiteilung. Hierbei teilen sich die Zellen längs der Mittelachse in zwei Zellhälften. Die fehlenden Thekalplatten werden jeweils nachgebildet.


Einzeller Dinophysis acuta - Lichtmikroskopie (Aufnahme: Dr.Carmen Zinßmeister) Morphologie

Dinophysis acuta ist ein seitlich abgeflachter Panzergeißler (Dinoflagellat) mit einer Höhe von 48 - 80 Mikrometern und einer Tiefe von 38 - 58 Mikrometern.
Einzeller Dinophysis acuta - Lichtmikroskopie Aufnahme: Dr.Carmen Zinßmeister


Der Einzeller ist von einem Panzer aus Celluloseplatten, den Thekalplatten, umgeben. Diese bilden einen kleinen oberen (Epitheka) und einen großen unteren Bereich (Hypotheka) aus, der durch einen Gürtel (Cingulum) unterteilt wird. An der Vorderseite der Zelle befinden sich zwei segelförmig verlängerte Flügel. Die Oberflächenstruktur, die Größe und die bauchige, nach unten leicht zugespitzte Form der Zelle in Seitenaufsicht sind charakteristisch für Dinophysis acuta.



Vielen Dank an Frau PD Dr. Renate Radek, Geschäftsführerin der Deutschen Gesellschaft für Protozoologie, Freie Universität Berlin, für den zur Verfügung gestellten Pressetext sowie die Möglichkeit Aufnahmen von Frau Dr.Carmen Zinßmeister, ehem. Senckenberg am Meer, Wilhelmshaven, veröffentlichen und zeigen zu können.

Möchten Sie mehr über die Lebensweise der Einzeller wissen: www.protozoologie.de


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- letzte Aktualisierung: Dienstag, 28. April 2020 -
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