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Die Böden des Jahres seit 2005

Die Aktion "Boden des Jahres", setzt sich zum Ziel, das Bewusstsein für den Boden als unsere Lebensgrundlage zu schärfen. Sie appelliert, Verantwortung für seinen Schutz zu übernehmen, und für seine Nutzung schonende Verfahren einzusetzen. Die Aktion wird u.a. auch vom Umweltbundesamt unterstützt.

Ausgewählt wird der Boden des Jahres vom Kuratorium Boden des Jahres, dessen Sprecher Dr. Gerhard Milbert vom Geologischen Dienst Nordrhein-Westfalen ist. Das Kuratorium ist ein Gremium der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft, des Bundesverbandes Boden und des Ingenieurtechnischen Verbandes für Altlastenmanagement und Flächenrecycling. Auch die Bodenkundliche Gesellschaft der Schweiz kürt jedes Jahr den Boden des Jahres, häufig entscheiden sich beide Gremien für den gleichen Boden.

Der jeweilige Boden des Jahres wird der Öffentlichkeit in Fachzeitschriften, mit einem Poster und in einem Flyer vorgestellt, der Informationen über die Entstehung, Eigenschaften, Verbreitung und Gefährdungen des jeweiligen Bodentyps enthalten. Neben den Flyern informiert eine Internetseite ausführlich über den jeweiligen Boden des Jahres sowie alle bisherigen Böden der Jahre 2005 bis 2020 (www.boden-des-jahres.de). Alle Informationen sind in leicht verständlicher Sprache zusammengefasst und mit zahlreichen Abbildungen illustriert.

Jahr Boden Internationaler Fachbegriff
2005 Die Schwarzerde Chernozem
2006 Die Fahlerde Albic Luvisol
2007 Der Heide-Podsol Podzol
2008 Die Braunerde Cambisol oder Arenosol
2009 Die Kalkmarsch Gleyic Fluvisol
2010 Die Stadtböden Urbic Technosol
2011 Der Braune Auenboden (Vega) Fluvic Cambisol oder Fluvisol
2012 Das Niedermoor Rheic Histosol
2013 Der Plaggenesch Plaggic Anthrosol
2014 Der Weinbergsboden Hortic oder Terric Anthrosol
2015 Der Stauwasserboden (Pseudogley) Planosol oder Stagnosol
2016 Der Grundwasserboden (Gley) Gleysol
2017 Der Gartenboden Hortisol
2018 Der Alpine Felshumusboden Folic 'Histosol' od. Suprafolic 'Leptosol'
2019 Der Kippenboden Kipp-Regosol; Kipp-Pararendzina
2020 Der Wattboden  


Der Boden des Jahres 2020 - Der Wattboden
- Wanderer zwischen Bodenwelten


Fast alle von uns haben bei einem Urlaub an der Nordseeküste bereits Wattboden sinnlich erfahren:

eine geführte Wanderung,

im schwarzen Schlick feststeckende Stiefel,

viele kleine Löcher im Wattboden und wurmartige Kothäufchen daneben,

Muscheln, Krebse, Wattwurm und Schnecken,

es duftet beim Hindurchwandern nach faulen Eiern.


Eine Wattwanderung ist einmalig - diese sollte jedoch unter fachkundiger Führung stattfinden (Bild: Boden des Jahres)  Wattböden sind hoch produktive Böden. Sie sind auch die Nahrungsquelle für eine große Anzahl von Lebewesen.
Das deutsche Wattenmmer ist Weltnaturerbe und Nationalpark.
Wattwanderung unter fachkundiger Führung Bild: Boden des Jahres


 Der Wattboden ist ein Vermittler oder Schwellenboden zwischen zwei völlig verschiedenen Bodenwelten. Täglich wechselt er zweimal zwischen Unterwasserböden des Meeres (subhydrisch) und den belüfteten Böden der Küste (terrestrisch). Während der Flut ist der Wattboden mit Meerwasser oder auch Flusswasser überdeckt. Während der folgenden Ebbe fällt die Bodenoberfläche für die gleiche Zeitspanne wieder trocken. In Wattböden wechseln sich deshalb reduzierende (sauerstoffarme) und oxidierende Bodenprozesse nacheinander und übereinander ab.Für diese Prozesse sind überwiegend Mikroorganismen zuständig.


Das Bild zeigt das Flusswatt am Elbestrand nördlich von Hamburg.

Im oberen Bereich ist es eine Wattenbodenoberfläche mit einem Saum aus belüftetem Flusssand.

Darunter ist es ein überwiegend unbelüfteter Bereich mit belüfteten Grabgängen und schwarzen humushaltigen Lagen.

Darunter ist es der Grundwasserstand (Ebbe).
Brackwatt aus Flusssand an der Unterelbe (Bild: Alexander Gröngröft / Universität Hamburg)
Bild: Alexander Gröngröft, Universität Hamburg Brackwatt aus Flusssand an der Unterelbe


Vorkommen

Wattböden kommen weltweit in fast allen Klimazonen vor. Sie entstehen dort, wo die Gezeiten für einen regelmäßigen Wechsel von  Ebbe und Flut sorgen und ausreichend Meeres- und Flusssedimente ablagern. Mangrovenwälder stocken z.B. auf Wattböden. An der Südküste der Nordsee erstreckt sich von Den Helder, Niederlande, bis Esbjerg in Dänemark ein bis zu 20 Kilometer breites Band mit Wattböden. Täglich werden hier ca. 4.500 Quadratkilometer Meeresboden durch den Wechsel von Ebbe und Flut freigelegt. Die Küstenlänge beträgt ca. 450 Kilometer. Vor allem der Bereich zwischen den vorgelagerten Inseln, Sandbänken und Halligen zum Festland wird von Wattböden eingenommen. Hinzu kommen die Flächen im Mündungsbereich der Ems, Weser und Elbe (Ästuar) (Ästuar kommt vom lateinischen: aestuarium und bedeutet "der Flut ausgesetzte Flussmündung, oder "Bucht"). An den Ufern der Elbe ziehen sich Flusswatten über 100 Kilometer landeinwärts bis nach Hamburg. Wattböden sind überwiegend frei von höheren Pflanzen, im höchst gelegenen Bereich ragt die Quellerzone (die fast bei jeder Flut überflutet wird, darauf folgt die Andelzone) mit Queller und Schlickgras in die Wattböden hinein. Landseitig schließen sich mit der Andelzone geschlossene Pflanzenbestände an, die Übergänge zu Rohmarschen bilden.


Verbreitung der Wattböden an Küsten mit Tiedenhub (Bild: CENAK-Museum / Universität Hamburg) Der Bereich der Nordseeküste ist eine der größten Wattregionen der Welt.
Verbreitung der Wattböden an Küsten mit Tiedenhub Foto: CENAK-Museum - Universität Hamburg


Wattsedimente

Wattablagerungen entstehen an Meeresküsten im marinen bis brackischen Milieu. Marine Sedimente werden durch Meeresströmungen und Sturmfluten im rhythmisch überfluteten und trockenfallenden Küstenbereich und in den tidebeeinflussten Mündungsbereichen der Flüsse abgesetzt und immer wieder erodiert und umgelagert. Dazu ist ein Tidenhub (ndd.Tide, tied=Zeit - gibt das Ausmaß von gezeitenabhängigen Hebungen Flut und Senkungen Ebbe des Wasserstandes an) > 1,5 Meter erforderlich. Im Bereich der Nordsee-Watten beträgt der Tidenhub durchschnittlich 2 - 3 Meter. Die tieferen Lagen zum ständig bedeckten Meer hin sind meist grobkörnig, das feinste Material findet sich am höchst gelegenen Bereich an der mittleren Tidehochwasserlinie (Schlickwatt).


Je nach Korngröße wird zwischen Sandwatt, Mischwatt und Schlickwatt unterschieden. Fußspur im Normwatt aus Schlick (Bild: Behörde für Umwelt und Energie, Hamburg)
Bild: Behörde für Umwelt und Energie, Hamburg Fußspur im Normwatt aus Schlick


Sandwatt
Das gut begehbare Sandwatt besteht aud gröber königem Sand mit einer Korngröße >0,1 Millimeter im Durchmesser. Der Wassergehalt beträgt 25%. 1% organische Substanz sind typisch. Es ist optisch deutlich an der charakteristischen Rippenstruktur erkennbar.

Mischwatt
Mischwatt findet sich in geschützten Lagen in Festlandnähe, auf Wasserscheiden zum Teil auch im Brandungsschutz großer Inseln. Die durchschnittliche Korngröße liegt bei 0,06 - 0,1 Millimeter. Der Wassergehalt ist im Vergleich zum Sandwatt höher. Der Anteil der Biomasse am Wattsediment ist deutlich höher als im Sandwatt. So wird das Mischwatt unter anderem vom bekannten Wattwurm besiedelt. Durch die vielen an der Wattoberfläche liegenden Kothaufen, ist er leicht auffindbar.

Schlickwatt
Das dunkle, fast schwarze Schlickwatt (<0,06 Millimeter) weist einen hohen Anteil an organischer Substanz auf (ca. 10%) und verfügt über einen Wasseranteil von 50 bis 70 Prozent und ist sehr locker gelagert. Beim Begehen sinkt man leicht in die dunkle bis schwarze Masse ein.


Der Sandanteil stammt überwiegend aus Meeresbereichen, Schlick und Ton aus den Flüssen und dem Abrieb des Festlandssockels. Neben diesen mineralischen Sedimenten enthalten Wattböden noch tierische Sedimente (Schalen von Kieselalgen oder Muscheln und Schnecken) sowie pflanzliche Sedimente.


Pflanzenreste im Mischwatt (Bild: Gerhard Milbert / Kuratorium "Boden des Jahres") Pflanzenreste werden vom Meerwasser auf den Wattoberflächen abgelagert, sie bilden die Grundlage für den Humusgehalt der Wattböden.
Pflanzenreste im Mischwatt Bild: Gerhard Milbert - Kuratorium Boden des Jahres


Eigenschaften und Bodenprozesse

Je nach Sediment (Sand, Mischlagen, Schlick) und seinem Gehalt an organischer Substanz und an Schwefelverbindungen kann der Wattboden unterschiedlich gefärbt sein. Die obersten Millimeter bis wenige Zentimeter sind meist durch Sauerstoffeinfluss gelbbraun bis rostbraun gefärbt. Darunter folgen hellgraue bis schwarze Bereiche im sauerstoffarmen bis sauerstofffreien Milieu. Schwefelverbindungen und organisches Material wird von Organismen abgebaut. Dabei entstehen schwarzfärbende Eisensulfide.

Sobald Wattsediment abgelagert ist, setzen bodenbildende Prozesse ein. Wegen der überwiegenden Wassersättigung können sich noch keine Bodenstrukturen (Bodengefüge) entwickeln. Die eingemischte organische Substanz wird unter meist anaeroben Bedingungen mikrobiell abgebaut. Dabei werden Sulfate des Meerwassers und Eisenoxide reduziert. Es entstehen Eisensulfide, die den Boden schwarz färben. Beim Abbauprozess der organischen Substanz entstehen auch Methan, Kohlendioxid, Ammoniak und Schwefelwasserstoff, der nach faulen Eiern duftet. Im Sand- und Mischwatt mit geringeren Gehalten an organischer Substanz laufen diese Bodenprozesse weniger intensiv ab.

Bedingt durch sauerstoffhaltiges Meerwasser, Sauerstoff produzierende Algen und phototrophe Bakterien entsteht an der Bodenoberfläche ein Oxidationssaum von wenigen Millimetern im Schlickwatt und einigen Zentimetern im Sandwatt.


Wattböden besitzen eine Reihe wichtiger Bodenfunktionen:

Filterfunktion - Wattböden filtern hohe Massen an Feststoffen wie Plankton und Detritus (lat.
detritus "Abrieb", bezeichnet man in der Bodenkunde und der Ökologie die noch nicht humifizierte tote organische Substanz insbesondere die pflanzliche Streu im Boden und auf der Bodenoberfläche), sowie gelösten Stoffen aus dem Meerwasser.
Brackwatt aus Sand am Flussufer der Unterelbe (Bild: Yeliz Akkul / Universität Hamburg)
Bild: Yeliz Akkul, Universität Hamburg Brackwatt aus Sand am Flussufer der Unterelbe


Kohlenstoffspeicherung - Wattböden speichern durch Biomasse große Kohlenstoffmassen.

Quelle und Senke für Gase - Wattböden produzieren durch phototrophe Organismen Sauerstoff, durch Konsumenten Kohlendioxid, Schwefelwasserstoff, aber auch Methan und Lachgas, gleichzeitig binden sie Kohlendioxid und Stickstoff.

Lebensraum für Flora / Fauna / Mikroorganismen - Wattböden sind hochbelebt, durch ihre extremen Eigenschaften dienen sie als besonderer Lebensraum für Bakterien und einzellige Organismen.

Nährstoff- und Schadstoffspeicher - große Mengen an gelösten Nährstoffen und auch Schadstoffen werden in Biomasse gebunden und dem Meerwasser entzogen.

Archiv der Kultur- und Naturgeschichte - Wattsedimente sind ein Depot der von Flüssen mitgeführten Feststoffe und ein Archiv der jüngeren Nordseegeschichte mit Meerestransgressionen (eine Transgression kommt aus dem lateinischen transgredior d.h. "überschreiten", "übertreten", "übersteigen", fast ausnahmslos die Kurzform für marine Transgression und dies bezeichnet das landwärtige Vorrücken einer Küstenlinie, sowie die dadurch ausgelösten Veränderungen in der Sedimentationsdynamik des davon betroffenen Sedimentbeckens) und Meeresregressionen (im Gegensatz dazu steht die Regression, bei der die Küstenlinie seewärts wandert).

Lebensraum Wattböden

Das Wattenmeer mit seinen Wattböden ist geprägt durch die Gezeiten. Im Takt von 12 Stunden und 25 Minuten werden die Wattflächen überflutet. Die Gezeiten steuern einen dynamischen Lebensraum, der sich andauernd verändert. Geprägt von diesen Schwankungen von Wasser, Temperatur, Salz und Licht und ständiger Sedimentation (bzw. Sedimentierung von lat. Sedimentum = Bodensatz, ist das Ablagern von Teilchen aus Flüssigkeiten oder Gasen. Die sich bildende Schicht von Schwebstoffen heißt Sediment, Bodensatz, oder Lockersediment) aus dem Meerwasser hat sich ein einmaliger üppiger Lebensbereich entwickelt. Eine komplexe Lebensgemeinschaft von einzelligen Algen, Bakterien und vielzelligen Organismen besiedeln einen Lebensraum mit ständig wechselnden Lebensbedingungen. Rund 10.000 Arten von einzelligen Organismen, Pilzen, Pflanzen und Tieren wie Würmer und Muscheln, Fischen, Vögeln und Säugetieren leben hier. Das Wattenmeer ist ein besonders produktiver Lebensraum der Erde.


Der Wattwurm auch als Pierwurm oder Prielwurm bekannt (Bild: Klaus Janke / Behörde für Umwelt und Energie, Hamburg) Der 20 bis 40 Zentimeter lange Wattwurm, ist typisch für das Wattenmeer. Er lebt in einer L-förmigen, bis zu 25 Zentimeter tiefen Bodenröhre und schluckt Sediment. Die unverdaulichen Bestandteile entläßt der Wattwurm als spaghettiartige Sandhäufchen auf die Oberfläche.
Der Wattwurm auch als Pierwurm oder Prielwurm bekannt Bild: Klaus Janke / Behörde für Umwelt und Energie, Hamburg


Der Wattwurm (Arenicola marina) auch (Sand-) Pierwurm oder Prielwurm genannt gehört zu einer Gruppe von festsitzenden und grabenden Linie innerhalb der Ringelwürmer. Der rotbraune Wurm wird etwa 20 bis 40 Zentimeter lang und ist an der vorderen Hälfte fingerdick. Das hintere Ende ist dünner, denn dort befindet sich nur der Darm. Durch seine Lebensweise im Sand des Watts ist er ein wichtiger Bestandteil im Ökosystem des Wattenmeers. Der Wattwurm zählt zu den bekanntesten Tiere des Watts, was insbesondere an seinen allgegenwärtig scheinenden charakteristischen Kothaufen im Watt liegt.


Bei Niedrigwasser laufen die an das Leben im Watt angepassten Vögel, z.B. wie der Austernfischer, der Knutt, oder der Alpenstrandläufer über die Wattflächen. ... Kothaufen des Wattwurms (Bild: Klaus Janke / Behörde für Umwelt und Energie, Hamburg)
Bild: Klaus Janke / Behörde für Umwelt und Energie, Hamburg Kothaufen des Wattwurms


... Charakteristisch für diese Vogelarten sind ihre langen Beine und ihre spitzen langen Schnäbel. Sobald sich ein neuer Wurmhaufen aus dem Boden kringelt, stochern die Vögel mit ihren Schnäbel in die Röhre und versuchen den Wurm zu packen. Um zu vermeiden, dass er ganz gefressen wird, kann der Wattwurm sein dünnens Hinterende stückweise abstoßen. Der Vogel bekommt dann nur ein bis zwei Zentimeter zu fressen und der Wurm kann sich in die Tiefen seiner Röhre retten.


Grabgänge mit rostfarbener Gangwand (Bild: Ernst Gehrt / Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie, Niedersachsen) Der Eingangsbereich seiner Röhre, ist mit einem Loch an  der Oberfläche markiert, den man bei Niedrigwasser als kleine Vertiefung im Wattenmeer erkennen kann. Dieser Teil wird "Fresstrichter" genannt. Dort nimmt der Wattwurm den nährstoffreichen Sand auf, um ihn zu verwerten. Grobe Partikel werden nicht gefressen, sondern am Kopfende abgelagert. Es entsteht daher in 20 bis 25 Zentimetern Tiefe eine Schicht gröberen Materials.
So fressen die Wattwürmer der Nordsee einmal im Jahr den gesamten Sand des Watts oberhalb von 20 Zentimetern Tiefe. Dazu trägt der Umstand bei, dass die Tiere in einer Dichte von durchschnittlich 40 Exemplaren pro Quadratmeter vorkommen. Ein einzelner Wurm filtert dabei 25 Kilogramm jährlich.
Grabgänge mit rostfarbener Gangwand Bild: Ernst Gehrt / Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie, Niedersachsen


An der Wattoberfläche überwiegen Kieselalgen. Sie überziehen die Bodenoberfläche mit einem bräunlichen Belag. Mithilfe der Fotosynthese produzieren sie beachtliche Mengen an Sauerstoff und ca. 2 t Kohlenstoff/ha/a. Die Meeresströmungen führen zusätzlich große Mengen an Detritus in die Wattböden. Beide Kohlenstoffquellen bilden das Nahrungsangebot für Bakterien und diese das Nahrungsangebot für zahlreiche Tierarten im Watt.

In Wattböden sind in großem Umfang Bakterien aktiv. Häufig siedeln sich unterhalb einer sehr dünnen Deckschickt Cyanobakterien an, die den Boden grün färben. Sie verarbeiten Kohlendioxid und Stickstoff, setzen Sauerstoff frei und produzieren organische Substanz. Dabei verfestigen und verkleben sie das Bodenmaterial und bilden eine dünne fotosynthetisch aktive Matte. Sie werden von Schwefelpurpurbakterien unterlagert, die reduzierten Schwefel verarbeiten und Sauerstoff verbrauchen. Die Bakterien färben den Boden rosa bis rot. Nach unten schließen sich Schwefel reduzierende Bakterien an, die im sauerstofffreien Milieu Sulfat im Boden zu Eisensulfid reduzieren und den Boden schwarz färben. Bakterien sind die wichtigsten Organismen für die Zersetzung abgestorbener Pflanzen und Tiere. Ähnliche Mikrobenmatten kommen an vielen Standorten mit extremen Lebensbedingungen und an Orten mit einer Pionierphase vor. Sie sind die ältesten Lebensgemeinschaften der Erde.


Bakterien bilden Biomatten im Salzwatt. Sie sind Pioniere der Bodenbildung. Bakterienmatten im Salzwatt (Bild: Ernst Gehrt / Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie, Niedersachsen)
Bild: Ernst Gehrt / Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie, Niedersachsen Bakterienmatten im Salzwatt


An der Grenze der Wattböden zu den Marschböden haben sich höhere Pflanzen etabliert, die den Salzgehalt des Meerwassers und die tägliche Überflutung ertragen. Queller und Schlickgras wirken als Sedimentationsfallen. Nach und nach wächst diese Zone aus dem täglichen Überflutungsbereich heraus - eine natürlich bedingte Landgewinnung etabliert sich.


Quellerzone im Watt (Bild: Gerhard Milbert / Kuratorium "Boden des Jahres") Quellerzone im Watt bei Norddeich-Mole
Quellerzone im Watt Bild: Gerhard Milbert / Kuratorium Boden des Jahres


90% der tierischen Biomasse wird von 7 Tierarten gestellt: Mies- und Herzmuschel - Wattwurm - Sandklaffmuschel - Wattschnecke - Baltische Blattmuschel - Schillernder Seeringelwurm.


Die Gemeine Herzmuschel, die auch Essbare Herzmuschel genannt wird, ist eine Muschelart aus der Ordnung der Cardiida. Die Gemeine Herzmuschel ist die in der Nordsee am häufigsten gefundene Muschel. Gemeine Herzmuschel - <em>Cerastoderma edule</em> - (Bild: Klaus Janke / Behörde für Umwelt und Energie, Hamburg)
Bild: Klaus Janke / Behörde für Umwelt und Energie, Hamburg Gemeine Herzmuschel (Cerastoderma edule)


Gefährdung und Schutz

Die stoffliche Zusammensetzung des Nordseewassers und des einmündenden Flusswassers üben einen großen Einfluss auf das Ökosystem Watt und die Wattböden  aus. Verschmutztes und überdüngtes Nordsee- und Flusswasser beeinträchtigt die Tier-, Pflanzen und Mokrobenwelt massiv. Öl und Öl verwandte Verbindungen gelangen aus Tankerunglücken, aus Flüssen, von Schiffen (Reinigung, Entsorgung) und Ölförderanlagen in die Wattböden. Der hohe Nährstoffgehalt des Flusswassers führt zu einer Hypertrophierung. Diese verursacht übermäßiges Algenwachstum im Frühsommer (Algenblüten, Plankton).


Flusswatt am Elbufer (Bild: Gisela Gröger / Behörde für Umwelt und Energie, Hamburg) Der Lebensraum Wattenmeer ist sehr sensibel und empfindlich gegenüber äußeren Einflüssen.
Flusswatt am Elbufer Bild: Gisela Gröger / Behörde für Umwelt und Energie, Hamburg


Krabbenfischerei findet in den tieferen Bereichen des Sublitorals (in dieser Zone siedeln größere Pflanzen, die an einen ständig überfluteten Boden angepasst sind) statt, die ständig von Meerwasser bedeckt sind. Durch die hohe Konnektivität (verbinden) der Ökosysteme im Wattenmeer beeinflusst sie indirekt auch die Lebensgemeinschaften der Wattböden. Auch der örtlich intensive Fremdenverkehr stellt eine Belastung der sensiblen Ökosysteme dar. Durch die Bebauung der Dünen, den Bau von Sportboothäfen, die Anlage von Badestellen in Salzwiesen, die Einrichtung von Wasserversorgungsanlagen, den Verkehr der Sportboote und die Ausflugfahrten sowie den Müll am Spülsaum wird das Watt zusätzlich gefährdet. Eindeichungen entsprechen einer unwiederbringlichen Wattzerstörung, denn ohne Gezeitenströmung gibt es keine Wattdynamik. Dies trifft vor allem die wertvollen Schlickwatten.


Können hier Gefährdungsursachen ersehen werden?
Mischwatt hat zwischen 10% und 50% Ton- und Schluffanteile. Das Mischwatt findet sich in geschützten Lagen in Festlandnähe.
Flusswatt aus Mischwattsediment (Bild: Yeliz Akkul / Universität Hamburg)
Bild: Yeliz Akkul, Universität Hamburg Flusswatt aus Mischwattsediment


Wattenschutz

Zwischen Den Helder (Niederlande) und Esbjerg (Dänemark) ist das Wattenmeer mit den Inseln, Halligen und Sandbänken sowie den Watten und einem breiten meerseitigen Bereich zum UNESCO Weltnaturerbe ernannt worden. Damit haben die beteiligten Staaten, Niederlande, Deutschland und Dänemark weitgehende Verpflichtungen zum Schutz, zur Entwicklung und zur Naturbildung für diesen Bereich übernommen.


Das Weltnaturerbe Wattenmeer erstreckt sich entlang der südlichen Nordseeküste von Den Helder, Niederlande, bis Esbjerg, Dänemark, Weltnaturerbe Wattenmeer (Bild: Schutzstation Wattenmeer e.V.)
Aufnahme: Schutzstation Wattenmeer e.V. Weltnaturerbe Wattenmeer


Ganz wesentliche Schritte zum Schutz der Watten sind die Einrichtung von Naturschutzgebieten und die Watten-Nationalparke. Dennoch muss darauf geachtet werden, dass die kommerziellen Interessen und Ausnahmeregelungen für die touristische und fischereirechtliche Nutzung des Wattengebiets nicht die Überhand gewinnen. Ein wichtiges Instrument ist in diesem Zusammenhang eine ausgewogene Besucherlenkung sowie der künftige Verzicht auf Eindeichung und Landgewinnung.


Vielen Dank an Herrn Gerhard Milbert, Kuratorium "Boden des Jahres", für den zur Verfügung gestellten Pressetext und die Möglichkeit Bilder vom Boden des Jahres 2020 "Wattboden" zeigen zu dürfen: Alexander Gröngröft, Universität Hamburg, CENAK-Museum, Universität Hamburg, Gisela Gröger und Klaus Janke, Behörde für Umwelt und Energie, Hamburg, Gerhard Milbert, Kuratorium Boden des Jahres, Yeliz Akkul, Universität Hamburg, Ernst Gehrt, Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie, Niedersachsen, Schutzstation Wattenmeer e.V.


Möchten Sie mehr wissen über alle "Böden des Jahres": Kuratorium Boden des Jahres - www.boden-des-jahres.de


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- letzte Aktualisierung: Samstag, 03. Oktober 2020 -
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