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Die bisherigen "Bäume des Jahres"

Im Oktober jeden Jahres bestimmt das Kuratorium "Baum des Jahres", in dem die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) e.V. Mitglied ist, den Baum des Jahres für das darauffolgende Jahr.

Jahr Art botanisch
1989 Die Stiel-Eiche Quercus robur L.
1990 Die Buche Fagus sylvatica L.
1991 Die Sommerlinde Tilia platyph yllos Scop.
1992 Die Bergulme Ulmus glabra Huds. emend.Moss
1993 Der Speierling Sorbus domestica L.
1994 Die Eibe Taxus baccata L.
1995 Der Spitzahorn Acer platanoides L.
1996 Die Hainbuche Carpinus betulus L.
1997 Die Eberesche Sorbus aucuparia
1998 Die Wildbirne Pyrus communis L.
1999 Die Silberweide Salix alba L.
2000 Die Sandbirke Betula pendula Roth
2001 Die Esche Fraxinus excelsior L.
2002 Der Wacholder Juniperus communis L.
2003 Die Schwarzerle Alnus glutinosa L.
2004 Die Weißtanne Abies alba MILL
2005 Die Rosskastanie Aesculus hippocastanum L.
2006 Die Schwarzpappel Populus nigra L.
2007 Die Waldkiefer Pinus sylvestries L.
2008 Die Walnuss Juglans regia L.
2009 Der Bergahorn Acer pseudoplatanus L.
2010 Die Vogel-Kirsche Prunus avium
2011 Die Elsbeere Sorbus torminalis
2012 Die Europäische Lärche Larix decidua
2013 Der Wildapfel Malus sylvestris
2014 Die Trauben-Eiche Quercus petraea
2015 Der Feldahorn Acer campestre
2016 Die Winter-Linde Tilia cordata
2017 Die Fichte Picea abies
2018 Die Ess-Kastanie Castanea sativa
2019 Die Flatter-Ulme Ulmus laevis
2020 Die Robinie Robinia pseudoacacia


Die Robinie ist der Baum des Jahres 2020


Die Robinie, die auch "Falsche Akazie" oder "Silberregen" genannt wird, gehört in die Ordnung der Schmetterlingsblütenartigen.


Die Robinie polarisiert: Hoffnung im klimabedingten Waldumbau - andererseits invasive Baumart, die Naturkleinode bedroht. Die Baum des Jahres Stiftung informiert seit 30 Jahren die Öffentlichkeit über Belange, aber auch Probleme verschiedener Baumarten. Gemeinsam mit Schirmherrin Bundesministerin Julia Klöckner engagiert sich die Baum des Jahres Stiftung auch in diesem Jahr für Wald und Klima.

Die Gewöhnliche Robinie (Robinia pseudoacacia) - Historie und Name

Gewöhnliche Robinie - so lautet ihr offizieller Name. Ungewöhnliche Robinie wäre allerdings der sehr viel passendere Name, wenn man ihre erstaunlichen Eigenschaften kennenlernt und sieht, was aus ihr in den letzten Jahrhunderten geworden ist. Da in Europa - außer vielleicht in einigen botanischen Gärten und Parks - keine weiteren Robinienarten vorkommen, reicht es, sie im Folgenden schlicht Robinie zu nennen.


Die Robinie - Baum des Jahres 2020 (Bild: Andreas Roloff) Mit zarten Fliederblättern und duftend weißen Blüten sei die Baumart ein schöner Farbtupfer in Deutschlands Parks, Gärten und Wäldern, teilte die Stiftung Baum des Jahres in Berlin mit.
Die Robinie - Baum des Jahres 2020 Bild: Andreas Roloff


In ihrer nordamerkianischen Heimat, den Wäldern der südlichen Appalachen und des Ozark-Plateaus westlich des Mississippis, ist sie eine unter vielen Baumarten - eine, die sich nicht besonders hervortut. Lediglich nach einem Brand oder Sturm - da ist sie der Pionier, der die verwüstete Fläche schnell und meist vollständig besiedelt, um dann nach zwei bis drei Jahrzehnten den übrigen dort heimischen Baumarten nach und nach wieder ihren Platz einzuräumen.

Doch als im Verlauf der Kolonisierung Nordamerikas die ersten Robinien um 1630 nach Europa kamen, war das der entscheidende Schritt zu einer ungewöhnlichen Weltkarriere. Heute gehört die Robinie neben Eukalypten und Pappeln zu den weltweit meistgepflanzten Bäumen. In China und Südkorea wachsen heute mehr Robinien als in ihrer Heimat, den USA. Eine steile Karriere, die allerdings nicht ohne Kollateralschäden blieb.

Zarte Fliederblätter und duftend weiße Blütenstände, die von zuweilen bizarr verzweigten Kronen herabhängen und helle Tupfer in die sommerlichen Wälder zaubern - wer könnte von dieser Schönheit etwas Schlechtes denken? Und doch - "mit Robinia pseudoacacia hat das Kuratorium Baum des Jahres eine Baumart gewählt, die die Gemüter von Naturschützern, Städteplanern und Forstleuten in Wallung bringt", sagt die neue Deutsche Baumkönigin, Charlotte Baumann.

Gefahr für wertvolle Naturräume

Die vor über 300 Jahren in Mitteleuropa eingeführte Robinie ist für unsere heimische Flora eine Konkurrenz, denn sie ist eine Meisterin im Besiedeln der unwirtlichsten Lebensräume. "Das Geheimnis ihres Erfolges steckt unter der Erde: Bakterien, die an der Wurzel leben, fixieren Luftstickstoff. Dieser reichert sich im Boden an - für stickstoffarme Narurräume wie Magerrasen oder Binnendünen bedeutet dies meist das Ende", so die Deutsche Baumkönigin. Zwar ist der Anteil von Robinien in deutschen Wäldern mit etwa 0,1 Prozent gering, doch wo die Baumart sich etabliert ist sie nahezu unverwüstlich. Die Robinie steht daher auf der Liste der invasiven Baumarten.

Zwei Seiten einer Medaille

Und doch könnte die kontrovers diskutierte Art bei fortschreitender Klimaerwärmung erneut Hoffnungsträgerin werden: Salz- und immissionstolerant kommt sie gut mit städtischem Klima und schwierigen Bodenverhältnissen zurecht. Als Bienenweide ist sie in Zeiten des Insektensterbens eine bedeutende Protagonistin in der Gewinnung von Honig und spielt so eine wichtige Rolle bei der Bestäubung anderer Arten. Ihr zähes Holz weist eine hohe Witterungsbeständigkeit auf und stellt im Außenbereich eine ideale Alternative zu Tropenhölzern dar. Damit die Robinie bei der Mischung klimastabiler Wälder eine Rolle spielen kann, ist weitere intensive forstwissenschaftliche Forschung notwendig.


Die häufig mit der Akazie verwechselte Robinie (deshalb auch Scheinakazie) zierte im 17. Jahrhundert zunächst Barockgärten und Parks. Robinienallee in Brandenburg (Bild: Andreas Gomolka)
Bild: Andreas Gomolka Eine Robinienallee in Brandenburg


Irrungen und Wirrungen

Die bei ihrer Entdeckung zunächst für eine Akazienart gehaltene Robinie läuft auch heute noch gelegentlich unter den namen Akazie oder - was der Wahrheit etwas näher kommt - Scheinakazie oder Falsche Akazie. Tatsächlich gibt es eine ganze Reihe von Ähnlichkeiten mit nordafrikanischen Akazien. Sie alle haben Fiederblätter, Dornen, Hülsenfrüchte, gelegentlich auch eine ähnliche Gestalt und gehören alle zu der großen Pflanzenfamilie der Hülsenfrüchtler. Aber ihre Blüten unterscheiden sich doch erheblich. Akazien gehören zu den Mimosen, Robinien zu den Schmetterlingsblütlern.

Auch der heute gültige botanische Name Robinia pseudoacacia beruht wohl auf einem Irrtum. Er stammt von Carl von Linné, dem Begründer der modernen Pflanzennomenklatur, der mit dieser Namensgebung Jean Robin, den Pariser Apotheker und Kurator der königlichen Gartenanlagen ehren wollte. Er nahm an, dass Jean Robin diesen Baum 1601 als Erster in Europa eingeführt hat. Doch das ist wohl lediglich eine bis heute oft erzählte Legende. Belege dafür gibt es nicht. Weder Jean Robin selbst, noch sein Sohn und Nachfolger Vespasian Robin erwähnen diesen Baum in den Inventarlisten der von ihnen betreuten Pariser Gärten. Und so war es wohl der englische Botaniker John Tradescant der Ältere, der die erste Robinie in Europa wachsen ließ. Er führte sie 1634 in der Inventarliste seines Gartens am Rande von London. Und um 1640 gibt es dann auch eine botanisch völlig korrekte Abbildung eines Zweiges dieser Robinie im Theatrum Botanicum des Londoner Arztes John Parkinson.

Die Schöne

Zunächst allerdings war es ausschließlich seine dekorative, exotisch wirkende Erscheinung, die diesen Baum in Europa zu einem begehrten Objekt in den Park- und Gartenanlagen von Adel und reich gewordenem Bürgertum machte: Auffällig sind seine zarten Fiederblätter, seine grobe, tief gefurchte Borke, seine hängenden weißen und süßlich duftenden Blütentrauben und seine nicht selten bizarr verzweigte Krone. Auch als Alleebaum war die Robinie schon bald gern gesehen.


Fiederblätter der Robinie (Bild: Rudolf Fenner) Die Fiederblättchen zu 11 - 15, sind etwa 3 cm lang, oval, ganzrandig, am vorderen Ende undeutlich eingeschnitten oder ausgerandet, wobei die Blättchenrippe in eine sehr feine Stachelspitze verlängert ist, oberseits sind sie matt frischgrün bis dunkelgrün, unterseits etwas heller oder grau-grünlich.
Fiederblätter der Robinie und Dornen Bild: Rudolf Fenner


Die Blätter treiben erst vergleichsweise spät im Frühjahr aus. Das Herbstlaub ist hellgelb, fällt aber dafür entsprechend später ab, als bei den anderen Laubbäumen.

In Deutschland wurden die ersten Robinien 1670 gepflanzt und zwar zwei Exemplare im barocken Lustgarten des Berliner Stadtschlosses. Allerdings wurden sie bereits 1713 wieder gefällt, als der Soldatenkönig den Lustgarten in einen Exerzierplatz umwandeln ließ. Auch in den damaligen botanischen Gärten wuchsen recht bald die ersten Robinien - der Leipziger Garten machte 1675 den Anfang.

Die Beliebtheit der Robinie als Parkbaum nahm mit dem Übergang von den strengen, barocken Parkanlagen zu den großzügigen Landschaftsparks noch zu und ist bis heute ungebrochen. Im Laufe der Zeit kamen auch immer mehr Zierformen der Robinie auf den Markt, die ihren Platz dann auch innerhalb der Städte und in kleineren Privatgärten gefunden haben. Am bekanntesten sind wohl die Kugel-Robinie und die holländische Frisia mit ihrer goldgelb-grünen Laubkrone.

Als Alleebaum wird die Robinie nach wie vor genutzt - heute wieder zunehmend auch innerhalb von Ortschaften, da sie recht salz- und immissionstolerant ist und gut mit dem städtischen Klima und den oft schwierigen Bodenverhältnissen zurechtkommt.

Die Ungewöhnliche

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts begannen in Mitteleuropa - vor allem, um einen akuten Brennholzmangel abzuwenden - die großen Aufforstungen der durch jahrhundertelange Übernutzung heruntergewirtschafteten und verödeten Waldflächen. Zu dieser Zeit waren bereits auch die ungewöhnlichen, aber überaus wertvollen Eigenschaften der Robinie erkannt worden. So war aufgefallen, wie gut sie auch auf extrem kargen Böden und sogar auf Dünen zurechtkam. Diese ungewöhnliche Fähigkeit beruht auf der Symbiose mit Rhizobien - Bakterien, die in Knöllchen an ihrer Wurzel leben und Luftstickstoff fixieren können. Die Robinie beeindruckte damals auch durch ihr ungewöhnlich schnelles Wachstum in den ersten zwei, drei Lebensjahrzehnten, durch die erstaunliche Härte ihres Holzes und dessen spitzenmäßigen Brennwert, der sogar den der besten heimischen Hölzer, der Hainbuchen- und Eichenhölzer, übertrifft. Kein Wunder also, dass die Robinie kaum hundert Jahre nach ihrem Auftauchen in Deutschland von einigen Forstwissenschaftlern ausdrücklich und begeistert für die Wiederbewaldung empfohlen wurde. So sah sie 1790 der kurmärkische Oberforstmeister Burgsdorff schon als ein wahres Kleinod und die Zierde der deutschen Landforste.


Die Rinde an jungen Bäumen sind glatt und bräunlich, jedoch schon bald deutlich rissig und im Alter von tiefen, netzartig verzweigten und etwas gewundenen Furchen durchzogen. Stamm und Krone sind oft sehr unsymmetrisch und schief gestellt oder auch stark einseitig ausgezogen. Mehrstämmigkeit kann vorkommen.

Der Stamm ist ziemlich kurz, zumeist nicht eindeutig bis in den oberen Kronenbereich zu verfolgen, sondern
schon weit unten in mehrere, ungefähr gleich starke Äste gegabelt.
Borke der Robinie (Bild: Rudolf Fenner)
Bild: Rudolf Fenner Borke der Robinie


Ganz so ist es dann aber doch nicht gekommen. Lediglich auf sandigen Arealen wie im Oberrheingraben oder auf den ausgepowerten Waldböden rund um Nürnberg, vor allem aber im mit Sandböden reichlich gesegneten Brandenburg wurde auch mit Robinien aufgeforstet. Besonders im Osten Brandenburgs und in den Gebieten südlich von Berlin entstanden so im Laufe des 19.Jahrhunderts auch größere zusammenhängende Robinienbestände. Der Anteil Robinien in deutschen Wäldern ist aber insgesamt gering geblieben und beträgt heute lediglich etwa 0,1 Prozent, wobei das Gros in Brandenburg und den angrenzenden Gebieten von Sachsen-Anhalt zu finden ist.

Eine größere Verbreitung hat die Robinie außerhalb der Wälder gefunden - gepflanzt als Alleebaum, als Bienenweide und auch als Hecken- und Feldgehölz. Vor allem aber wird sie dank ihres dichten, weit in die Breite reichenden Feinwurzelsystems zur Bodensicherung an Steilhängen, auf Dämmen, an Böschungen und auf offenen Sandflächen eingesetzt. So trifft man auf die Robinie heute quer durch die ganze Republik entlang von Bahndämmen, Straßenböschungen und Kanalufern. Man trifft sie auch in den sogenannten Bergbaufolgelandschaften zur Begrünung von Abraumhalden und stillgelegten Tagebauflächen.


Robinien kommen überall klar - auch inmitten unserer Städte (Bild: Rudolf Fenner) Die nahezu unverwüstliche Robinie ist auch ein Hoffnungsträger im Klimawandel. Denn sie gilt als sehr widerstandsfähig.
Robinien kommen überall klar - auch inmitten unserer Städte Bild: Rudolf Fenner


Auf all diesen künstlich geschaffenen Standorten trifft man meist und schon wenige Jahre nach der Anpflanzung von Robinien auf weitere heranwachsende Exemplare in der direkten Umgebung. Denn auch im Sichausbreiten ist die Robinie ungewöhnlich gut: Zum einen blüht und fruchtet sie oft schon mit sechs Jahren, zum anderen kann aus ihren weitreichenden Wurzeln reichlich Wurzelbrut austreiben und gleich im ersten Jahr zu zwei, drei Meter hohen Ablegern heranwachsen. Und aufgrund ihrer symbiotischen Selbstversorgung mit Stickstoff ist die Robinie auch - zumindest auf stickstoffarmen Böden - anderen Pionierbäumen wie Ahorn, Birke, Schlehe oder Kiefer deutlich überlegen.

Delikat und giftig

Wie viele Pflanzen in der Familie der Hülsenfrüchtler enthält auch die Robinie toxische Lektine (komplexe Proteine). Für uns Menschen sind besonders die Rinde, aber auch die reifen Samen und Blätter giftig. Für Rehe, Ziegen, Rinder und andere Wiederkäuer dagegen sind die eiweißreichen Blätter eine sehr bekömmliche Delikatesse. Hasen und Kaninchen nagen im Winter gerne die Rinde junger Robinien ab, ohne Schaden zu nehmen. Für Pferde dagegen können bereits 150 g Robinienrinde den Tod bedeuten.

Allein die Blüten der Robinien sind nicht giftig - im Gegenteil: Die stark duftenden Blütentrauben lassen sich - ähnlich wie die Blütenstände des Holunders - in Pfannkuchenteig getaucht und in heißem Öl ausgebacken - in delikates Naschwerk verwandeln. Mit wässrigen Auszügen aus den Blüten lassen sich Limonaden und Gelees aromatisieren.

Bienen produzieren einen hellen, klaren, milden und dank des hohen Fruktosegehalts über Jahre nicht kristallisierenden Honig. Meist wird er unter dem irreführenden Namen Akazienhonig vermarktet. Mehr als die Hälfte des im robinienreichen Brandenburg geernteten Honigs stammt in guten Jahren von Robinien.


Schmetterlingsblüten in vielblütigen, sehr dichten, hängenden, bis 15 cm langen Trauben. Einzelblüten mit gelblichem Kelch und weißer, etwa 15 - 20 mm langer Krone, angenehm duftend, wertvolle Bienenweide, in manchen Jahren sehr reichlich entwickelt. Blüten der Robinie darüber hinaus ist sie eine wertvolle Bienenweide (Bild: Andreas Gomolka)
Bild: Andreas Gomolka Blüten der Robinie - wertvolle Bienenweide


Die Platzgreifende

Ein eindrückliches Beispiel ihrer Ausbreitung sind die zum Teil flächig mit Robinien bestandenen Berliner kriegsbedingten Trümmerschuttflächen und Nachkriegsbrachen wie die stillgelegten Gleisanlagen. Da in Berlin besonders viele Robinien in Parks und Gärten sowie entlang von Straßen und Bahntrassen stehen, konnte die Robinie sich viele dieser innerstädtischen Kriegsbrachen schnell und komplett erobern. Sie wurde hier also zu dem Pionier, der sie ja auch in ihren heimatlichen Wäldern in den Appalachen auf von Feuer oder Sturm verwüsteten Flächen ist. Allerdings mit einem wesentlichen Unterschied: Dort werden diese Robinien-Pionierflächen nach zwanzig, dreißig Jahren von anderen, schattentoleranten Baumarten durchwachsen und die Robinien nach und nach wieder zurückgedrängt. Solch eine natürliche Regulierung scheint in Mitteleuropa nicht möglich zu sein. Die Berliner Robinienwälder sind auch nach nun über sechzig Jahre noch immer Robinienwälder. Es gibt bislang keinen Hinweis, ob irgendeine heimische Baumart in der Lage ist, die Dominanz der Robinie dort zu brechen.

Die Robinie ist sehr lichtbedürftig. In die hiesigen, überwiegend dichten Wälder kann die Robinie, selbst wenn sie am Waldrand vorkommt, nicht eindringen - es sei denn über angrenzende Brandflächen, Windwürfe, Insektenkalamitäten oder Kahlhiebe. Bedrohlich ist sie aber für sonnenbeschienene, insbesondere trockene und stickstoffarme Standorte wie Mager- und Trockenrasen, warm-trockene Hanglagen, Binnendünen oder sehr lichte natürliche Kiefernbestände auf sandigen Böden. Alle diese Orte sind heute seltene und wegen ihrer speziell angepassten Pflanzen- und Tierwelt schützenswerte Lebensräume. Hat die Robinie erst einmal solche Plätze besetzt, ist es um die Schutzwürdigkeit dieser Gebiete geschehen. Sie einfach abzusägen bringt den gegenteiligen Effekt, da dann ihre Stubben und Wurzelbrut um so stärker austreiben. Und selbst wenn es mit viel Aufwand gelingen sollte, die Bäume inklusive Wurzelbrut zu entfernen - der Boden ist längst von den Robinien mit Stickstoff angereichert worden. Und damit ist ein wesentliches Charakteristikum dieser heute selten gewordenen Standorte, die Stickstoffarmut des Bodens, auf lange Sicht dahin. Die Robinie wurde daher vom Bundesamt für Naturschutz als invasive Baumart eingestuft.


Blühende Robinie in der Feldflur (Bild: Andreas Roloff) Die schöne Robinie - eingeführt aus botanischem Interesse und Liebhaberei - ist ein eindrucksvolles Beispiel für Fluch und Segen nichteinheimischer, aber inzwischen längst etablierter Arten.
Blühende Robinie in der Feldflur Bild: Andreas Roloff


Zunächst war sie höchstwillkommen bei der Rückgewinnung von jahrhundertelang übernutzten und verödeten Landstrichen und Wäldern. Da nun heute solche nährstoffarmen Landschaftsbereiche selten geworden sind, versucht man, diese Standorte wegen ihrer spezifischen Biodiversität zu erhalten. Dabei möchte man die Robinie eher auf Distanz wissen. Denn sie kann, wenn sie auf diese Flächen gelangt, diese Versuche zunichte machen.

Spitzenholz

Indianer stellten aus dem sehr zähen und elastischen Holz der Robinie ihre Bögen her. In Europa wurde diese Eigenschaft für Grubenholz genutzt, das sich erst deutlich verformt und knarrt, ehe es bricht und so neben seiner Stützfunktion auch vor drohenden Stolleneinbrüchen warnen konnte.

Schon sehr früh wurde auch die besondere Härte und gewöhnlich hohe Witterungsbeständigkeit des Robinienholzes erkannt. Kein anderes Holz aus Europa ist über Jahrzehnte ohne jegliche Imprägnierung derart resistent. Zunächst wurde diese Eigenschaft für Rebstöcke, Zaun- und Weidepfähle genutzt. Heute wird es auch im Wasser-, Boots- und Brückenbau sowie für Lärmschutzwände eingesetzt. Spielplätze werden mit Robinienstämmen gestaltet. Bei Gartenmöbeln, Terrassendielen und anderen Gartenhölzern ist Robinienholz die ideale, oft auch haltbarere Alternative zu all den Tropenhölzern, die derzeit für den Outdoor-Bereich angeboten werden. Das gelbgrünliche, sich später bräunlich verfärbende Kernholz wird wegen seiner schönen Maserung auch im Möbelbau eingesetzt. Wegen seines überaus hohen, alle heimischen Hölzer übertreffenden Heizwertes ist das Robinienholz auch als Energieholz von besonderem Interesse.


Schon sehr früh wurde die besondere Härte und ungewöhnliche hohe Witterungsbeständigkeit des Robinienholzes erkannt. Robinie - Spitzenholz wurde auch für Rebstöcke verwendet da keine Imprägnierung nötig (Bild: Andreas Roloff)
Bild: Andreas Roloff Robinie - Spitzenholz wurde auch für Rebstöcke verwendet da keine Imprägnierung nötig


und in Zukunft?

Mit Blick auf die fortschreitende Klimaerwärmung könnte die Robinie nun nach über 200 Jahren erneut zum Hoffnungsträger werden. Ist sie doch erstaunlich hitze- und trockenheitstolerant, wächst ungewöhnlich schnell und ihr Holz ist Spitzenreiter unter den heimischen Hölzern, was Langlebigkeit und Energiegehalt betrifft. Es wird auch bereits geforscht, getestet und nach geeigneten Varianten gesucht. Es geht dabei um Kurzumtriebsplantagen auf landwirtschaftlichen Grenzertragsböden und auf Flächen, die der Braunkohletagebau hinterlassen hat. Und es geht auch um effizientere Nutzungsmodelle für solche Robinienbestände, die bereits in den Wäldern seit langem vorhanden sind, aber die holzwirtschaftlichen Erwartungen bislang enttäuscht haben.


Alte Robinie vor dem Schloss in Strehla - Sachsen (Bild: Andreas Gomolka) Auf ein Alter von 280 - 320 Jahren geschätzte Robinie vor dem Schloß in Strehla (Sachsen) - vermutlich die älteste Robinie Deutschlands.
Alte Robinie vor dem Schloss in Strehla (Sachsen) Bild: Andreas Gomolka


Steckbrief - Robinie


Die Robinie zu erkennen ist im Grunde sehr einfach. Fällt der Blick auf einen Stamm mit grauer, ungewöhnlich grober, tief gefurchter Borke, dann muss man nur noch kurz nach oben schauen. Sieht man dann zarte gefiederte Blätter oder - im blattlosen Winterhalbjahr - in der Krone hängende, schwarz-braune Hülsenfrüchte, dann reicht das in den allermeisten Fällen zur Identifizierung.

Trotzdem hier noch der ausführliche Steckbrief zur Robinie - eindeutige Erkennungsmerkmale sind fett gedruckt

Habitus
sommergrüner Baum mit lockerer, mäßig dicht belaubter, gelegentlich schirmartiger Krone. Im Einzelstand Wuchshöhe bis 25 Meter, innerhalb eines Baumbestandes auch über 30 Meter. Höchstalter 150 Jahre, 200 Jahre und mehr sind seltene Ausnahmen.

Stamm
meist frühzeitg verzweigt und selten geradstämmig.

Rinde
tief gefurchte, längsrissige, gelegentlich netzförmig aufgerissene Borke, äußerlich grau, in den Furchen meist leuchtend rötlich-braun.

Zweige
je zwei langlebige, bis zu 5 cm lange Dornen an den Blattstielansätzen (
umgewandelte Nebenblätter)

Blätter
wechselständige, 20 - 30 cm lange, unpaarig gefiederte Blätter mit 5 bis 12 kurzgestielten, glattrandigen, länglich-elliptischen oder eiförmigen, 2 - 5 cm langen Fiederblättchenpaaren. Blattunterseite graugrün, Blattstiel 3 - 4 cm lang, am Grunde knotig verdickt. Fiederblättchen bei direkter Besonnung nach oben, nachts nach unten geklappt. Austrieb oft erst Anfang Mai. Herbstlicher Blattabwurf ohne rechte Herbstfärbung.

Blüte
etwa ab 6 Jahren. Große, lockere, bis zu 25 cm lange, hängende Blütentrauben mit süßlich riechenden, weißen Schmetterlingsblüten von Ende Mai bis Anfang Juni.

Frucht
5 - 10 cm lange, zunächst braune, später schwarz-braune Hülsenfrüchte mit 4 - 10 bohnenförmigen Samen. Ab Oktober reif, Fruchtstände verbleiben oft in großer Zahl über den Winter und auch länger am Baum ("Wintersteher").


Ausrufung des 32. Baum des Jahres - der Robinie. Ausrufung Baum des Jahres - mit Schirmherrin Julia Klöckner (Bild: Claudia Schulze)
Bild: Claudia Schulze Ausrufung Baum des Jahres - mit Schirmherrin Julia Klöckner


Ende 2018 ist Stiftungsgründer Dr. Silvius Wodarz verstorben. Er hinterlässt in der Baum des Jahres Stiftung, aber auch für die Forstwirtschaft eine Lücke. Stefan Meier ist seit Herbst 2018 neuer Stiftungspräsident. Die deutsche Baumkönigin Charlotte Baumann setzt sich 2020 für einen ausgewogenen Diskurs zu ihrer Patenart, der Robinie, ein. Eine engagierte Unterstützerin findet sie in Schirmherrin Julia Klöckner.


Vielen Dank an Herrn Stefan Meier, BDJ Stiftung, Präsident, für das Überlassen des Pressetextes, sowie die Möglichkeit die Bilder von Frau Claudia Schulze, Herrn Andreas Roloff, Herrn Andreas Gomolka, Herrn Rudolf Fenner zeigen zu dürfen. Wenn Sie mehr wissen wollen, über den Baum, bzw. die Bäume des Jahres, dann hier: www.baum-des-jahres.de


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- letzte Aktualisierung: Donnerstag, 27. Februar 2020 -
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