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Die Stadtpflanzen des Jahres - seit 2017


Anlässlich seines 10-jährigen Bestehens ruft der Bochumer Botanische Verein die "Stadtpflanze des Jahres" als Bestandteil der "Natur des Jahres" ins Leben. Ab sofort wird somit jährlich eine Pflanze benannt, deren Lebensraum entscheidend durch urbane Standorte geprägt wird. Dies werden Arten sein, die schwerpunktmäßig in Städten vorkommen und/oder besonders häufig bzw. typisch in urbanen Lebensräumen auftreten. Dazu gehören einerseits Pflanzen, die am ursprünglichen Naturstandort selten oder bedroht sind und in Städten einen Ersatzlebensraum finden sowie andererseits Pflanzen, die ausgehend von innerstädtischen bzw. anthropogener Aktivität (z.B. Gärten, Verkehr, Industrie) einen deutlichen Verbreitungsschwerpunkt in der besitzen.

Den Auftakt der Reihe macht im Jahr 2017 das Schmalblättrige Greiskraut (Senecio inaequidens), das sich auch im Logo des Bochumer Botanischen Vereins wiederfindet. Es handelt sich dabei um eine leicht zu erkennende Art, die zu den häufigsten und charateristischten Pflanzen des Ruhrgebiets zählt und zudem eine interessante Einwanderungsgeschichte und -biologie hat.


Jahr Stadtpflanze des Jahres Wissenschaftlicher Name
2017 Das Schmalblättrige Greiskraut Senecio inaequidens
2018 Die Ackerröte Sherardia arvensis
2019 Der Klebrige Alant Dittrichia graveolens
2020 Das Gelblichweiße Ruhrkraut Helichrysum luteoalbum


Viele Pflanzen und Tiere ziehen in die Stadt, weil ihnen die Lebensumstände auf dem Land nicht mehr zusagen. Dabei findet man gelegentlich auch Arten, die mittlerweile sehr selten sind oder zwischenzeitlich sogar in der Region als ausgestorben galten. Eine dieser Arten ist das Gelblichweiße Ruhrkraut (Helichrysum luteoalbum). Es wuchs früher im Flachland, insbesondere in Heidegebieten und hat in den 1990er Jahren plötzlich angefangen, sich in Städten und Pflasterritzen einzufinden.


Das Gelblichweiße Ruhrkraut ist die Stadtpflanze des Jahres 2020 (Bild: Dr.Armin Jagel) Helichrysum luteoalbum - fruchtend - aufgenommen in Bochum, Ruhr-Universität.

Helichrysum = Pflanzengattung der Strohblumen die zur Familie der Korbblütler gehören.

Das Gelblichweiße Ruhrkraut, oder Gelbweiße Strohblume, oder nur Gelbes Ruhrkraut gehört zur Familie der Korbblütler.

Das Gelblichweiße Ruhrkraut kommt in ganz Europa vor und ist in alle gemäßigten Zonen der Welt verschleppt worden.

Blütezeit ist Juni bis September. Die Samen haben einfache Schirme und werden vom Wind verweht.

Das Gelblichweiße Ruhrkraut - Stadtpflanze des Jahres 2020 Bild: Armin Jagel


Das Gelblichweiße Ruhrkraut ist eine ein- oder zweijährige Art mit einer kräftigen Wurzel, die dicht weißwollig-filzig behaart ist. Oft sind die Pflanzen unverzeigt oder aber auch vom Grund reich verzweigt, insbesondere bei kräftigen Pflanzen oder wenn sie Tritt ausgesetzt sind. Das etwa erbsengroße Blütenköpfchen wird umgeben von fast vollständig häutigen Hüllblättern. Mehrere Köpfchen (etwa 4 - 12) stehen dicht zusammen in Knäulen, an deren Basis 1 - 2 Tragblätter stehen können. Die Blüten sind gelb und besonders beim Verblühen an der Spitze oft rötlich. Zur Fruchtreife spreizen die Hüllblätter weit ab und geben die nur 0,6 mm langen Achänen (mit Achänen - altgriechisch für "klaffen", wird in der Botanik eine Form von nussähnlichen Schließfrüchten bezeichnet) frei. Der Pappus (Pappus - griechisch pappos = Großvater - bezeichnet man die zu Haaren, Borsten oder Schuppen umgebildeten Kelchblätter bei Vertretern der Pflanzenfamilie der Korbblütler) besteht aus etwa 2 mm langen, hinfälligen weißen Borsten.

Von Carl von Linne (1707 - 1778) wurde das Gelblichweiße Ruhrkraut im Jahr 1753 (Gnaphalium luteo-album) genannt und dieser Name wurde seitdem überwiegend verwendet, wobei heute der Bindestrich weggelassen wird. In den letzten 20 Jahren wechselte die Art dann dreimal ihren wissenschaftlichen Namen. Die Zurodnung zu Helichrysum beruht maßgeblich auf molekularen Untersuchungen, wonach die zwischenzeitlich abgegliederten Gattungen in Helichrysum eingeschlossen werden müssen. Jedenfalls solange, bis aufgrund neuerer Untersuchungen und Bewertungen eine andere Ansicht veröffentlich wird, die als "Standard" definiert wird und mehrheitlich Akzeptanz findet.


Inwieweit taxonomisch-nomenklatorische Wendungen dazu führen müssen, die betroffenen Arten auch im Deutschen umzubenennen, ist umstritten. Die einen folgen der Ansicht, dass auch deutsche Namen eindeutig sein sollten und daher auch jeder Gattung ein einziger Name zuzuordnen sein muss. ... Helichrysum luteoalbum vor dem Bergbaumuseum in der Bochumer Innenstadt (Bild: Dr.Armin Jagel)
Bild: Armin Jagel Helichrysum luteoalbum vor dem Bergbaumuseum in der Bochumer Innenstadt


... Demzufolge wurde für das Gelblichweiße Ruhrkraut die Namen "Gelbweißes Scheinruhrkraut" und "Gelbweiße Strohblume" eingeführt. Andere betrachten eine ständige Umbenennung deutscher Pflanzennamen als eine zu akademische Betrachtungsweise und weisen darauf hin, dass sich Volksnamen in der Bevölkerung eigenständig entwickelt haben und regional durchaus unterschiedlich sein dürfen. In Deutschland wird der name "Gelblichweißes Ruhrkraut" schon seit langem benutzt, deswegen wird es auch hier verwendet.

Das Gelblichweiße Ruhrkraut tritt in warmen und gemäßigten Gebieten der Alten Welt auf und ist in Europa und Afrika weit verbreitet. Nach Amerika wurde es verschleppt. Auch in Deutschland kommt es in vielen Regionen vor, ist aber nirgendwo häufig und tritt im Bergland deutlich zurück, oder fehlt dort ganz. So kommt es auch in Nordrhein-Westfalen überwiegend im Flachland vor und ist im Süderbergland und der Eifel selten. Einen deutlichen Schwerpunkt hatte die Art früher in den Heidesandgebieten und wuchs hier an feuchten Stellen an Gewässerrändern, in Gräben, in Ackerrinnen, auf feuchten gestörten Flächen der Heiden und Triften. Durch die zunehmende Kultivierung der Heiden ging die Art schon sehr früh zurück und galt in Westfalen in den 1950er Jahren als "vielleicht schon ausgestorben", in der ersten Roten Liste Nordrhein-Westfalens als vom Aussterben bedroht und in der 2.Auflage schließlich als erloschen. Heute ist die Art wieder in jeder Großlandschaft vertreten, nachdem sie 2014 auf einem Parkplatz in Bielefeld und damit auch im Weserbergland wiedergefunden wurde.


Helichrysum luteoalbum in Pflasterritzen auf dem Gelände der Ruhr-Universität in Bochum (Bild: Dr.Armin Jagel)  In den 1990er Jahren wurde die Art in Nordrhein-Westfalen wieder gefunden, was zum einen mit verstärkten Kartiertätigkeiten im Rahmen der Kartierung der Flora Nordrhein-Westfalens zu tun hatte, zum anderen damit, dass Naturschutzmaßnahmen Wirkung zeigten,  wie die Anlage neuer Heideweiher und Pflegemaßnahmen zum Offenhalten von Heidestandorten. ...
Helichrysum luteoalum in Pflasterritzen auf dem Gelände der Ruhr-Universität in Bochum Bild: Armin Jagel


... In jüngerer Zeit wurde die Art auch an Orten gefunden, an denen sie Jahrzehnte nicht mehr oder noch gar nicht beobachtet worden war, wie 2018 auf dem Boden des völlig ausgetrockneten Heideweihers am Heiligen Meer bei Hopsten / Kreis Steinfurt und 2015 auf einer feuchten Brachfläche auf dem Truppenübungsplatz in der Senne. Möglicherweise konnte das Gelblichweiße Ruhrkraut an Gewässern in den letzten Jahren auch deswegen einfacher entdeckt werden, weil die Ufer wegen der neuerdings häufiger auftretenden Sommerdürren großflächiger trocken liegen.

Zugleich mehrten sich seit den 1990er Jahren aber auch Funde der Art im Siedlungsbereich, ein Phänomen, das bisher für Helichrysum luteoalbum nicht beobachtet worden war. In Städten fand das Gelblichweiße Ruhrkraut als wärmeliebende Art besonders auf Bürgersteigen und Brachen Ersatzbiotope und profitierte dabei vermutlich von den dort höheren Temperaturen. Zunächst wurden solche Vorkommen kaum beachtet und gerne als unbeständig abgetan. Es schien unwahrscheinlich, dass eine Art der Heidegebiete in Städten Fuß fassen kann. Ein Vorkommen auf dem Gelände der Ruhr-Universität Bochum bewies aber schon sehr früh, dass sich das Gelblichweiße Ruhrkraut im Siedlungsbereich durchaus einbürgern kann. Hier wurde es bereits im Jahr 1990 am Audimax in Ritzen zwischen Kopfsteinpflaster gefunden und wächst dort immer noch. Dabei hat es sich in den 30 Jahren nicht nur halten können, sondern immer weiter ausgebreitet und das, obwohl es regelmäßig Säuberungsaktionen ausgeliefert war. Zunächst erfolgten diese manuell durch Auskratzen der Fugen, was sich als durchaus geeignete Pflegemaßnahme herausstellte, weil so immer offene Stellen vorhanden waren, die für die einjährige Art essenziell sind. Später ging man dazu über, die Pflasterritzen des Geländes maschinell oder mit Heißschaum zu reinigen, aber auch dadurch nehmen die Bestände des Gelblichweißen Ruhrkrauts keinen langfristigen Schaden. Der Grund, warum das Gelblichweiße Ruhrkraut erst seit jüngerer Zeit zur Stadtpflanze geworden ist, bleibt allerdings noch unklar.

Wer noch mehr wissen möchte über die Stadtpflanzen, oder auf das ausführliche Pflanzenporträt, dem empfehle ich die Webseite: www.botanik-bochum.de/jahrbuch/Pflanzenportraet_Helichrysum_luteoalbum.pdf


Vielen Dank an Frau Corinne Buch, 1.Vorsitzende, für den Pressetext und die Möglichkeit die Bilder von Herrn Dr.Armin Jagel veröffentlichen zu dürfen.


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- letzte Aktualisierung: Dienstag, 18. August 2020 -
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