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Gestein des Jahres seit 2007

Das Gestein des Jahres wird jeweils von einem Expertengremium unter Leitung des Brufsverbands Deutscher Geowissenschaftler (BDG) ausgewählt, mit dem Ziel, Gesteine, die aufgrund ihrer geologischen Entstehung und wirtschaftlichen Bedeutung bemerkenswert sind, in das öffentliche Bewusstsein zu rücken.

Die bisherigen Auszeichnungen zum "Gestein des Jahres" sind:

Jahr Gestein
2007 Granit
2008 Sandstein
2009 Basalt
2010 Kalkstein
2011 Tuff
2012 Quarzit
2013 Kaolin
2014 Phonolith
2015 Gneis
2016 Sand
2017 Diabas
2018 Steinkohle
2019 Schiefer

Vom Schlamm zum Schiefer - das Gestein des Jahres 2019

Der Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler (BDG) erklärt den Schiefer zum Gestein des Jahres 2019. Schiefer ist schon seit der Antike ein beliebter Werkstoff, nach ihm wurden ganze Gebirgszüge, Nossen-Wilsdruffer Schiefergebirge (Sachsen), Thüringer Schiefergebirge und das Rheinische Schiefergebirge, benannt.

Schiefertafel und Schiefergriffel, mit denen sich noch bis in das letzte Jahrhundert hinein Generationen von Schulkindern an Buchstaben und Zahlen ausprobierten, kennt man heute nur noch aus Museen. Als edle und beständige Dacheindeckung wird das Gestein jedoch nicht so schnell zu verdrängen sein. Auch der Loreleyfelsen bei St. Goarshausen, der berühmte Schieferfelsen im UNESCO Welterbe Oberes Mittelrheintal, wird seine Bedeutung immer behalten und hat schon Heinrich Heine inspiriert.


Mit der Nominierung sollen die unterschiedlichen Facetten des Schiefers erklärt werden (Poster: Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie) Die Schiefervorkommen in Deutschland entstanden vor etwa 300 Millionen Jahren in den geologischen Perioden des Devon und Karbon.
Wenn man von Schiefer spricht, dann ist meistens der Tonschiefer gemeint Poster: Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie


Tonschiefer entsteht aus dem Sediment Tonstein durch eine Metamorphose, bei der Temperatur und Druck nicht so weit ansteigen, dass es zum Aufschmelzen des Gesteins kommt, aber weit genug, um eine Deformation zuzulassen. Durch einen gerichteten Druck werden die Tonsteinschichten gefaltet und es kristallisieren neue Tonminerale senkrecht zur Stauchrichtung aus. Diese neuen Minerale bilden die Schieferungsebenen. Durch die Schieferung besitzt das Gestein eine hervorragende Spaltbarkeit und wird daher gerne als Baustoff verwendet.

Tonschiefer besteht zum Großteil aus dem Glimmermineral Serizit und aus Chlorit. Neben diesen können auch größere oder kleinere Mengen von Quarz- und Feldspatkörnern sowie Kleinstmengen an Schwermineralen wie Rutil oder Pyrit im Tonschiefer vorhanden sein. Häufig findet man auch Fossilien, jedoch sind diese meist durch die Deformation verzerrt oder komplett zerstört. Das gilt jedoch nicht für sogenannte "Mikrofossilien", deren Größe zwischen einem Millimeter und wenigen Hundertstel Millimeter liegt. Anhand dieser kann das Gestein datiert werden. Die Schiefervorkommen in Deutschland entstanden vor etwa 300 Millionen Jahren in den geologischen Perioden des Devon und Karbon.

Tonschiefer kann in verschiedenen Farben auftreten. Die Farbe ist dabei abhängig vom Mineralbestand. Grüner Tonschiefer besitzt einen hohen Anteil Chlorit, beim roten Tonschiefer ist Hämatit beigemengt und schwarzer Tonschiefer ist reich an Bitumen - also an verfestigtem, organischem Material. Bituminöser Tonschiefer besitzt wasserabweisende Schieferungsflächen, weshalb er häufig zu Dachziegeln, Wand- und Bodenbedeckungen verarbeitet wird. Aufgrund der Verwendung als Dachziegel hat sich für diesen Schiefer der Begriff "Dachschiefer" etabliert.

Wie wird Schiefer gewonnen?

Zu Beginn erfolgte der Schieferabbau im Tagebau, später ging man unter Tage. Zwar ist anhand zahlreicher Bohrlöcher das Sprengen mit Schwarzpulver nachweisbar, allerdings musste der Stollen von den Bergleuten in der Regel mit Hammer und Meißel erschlossen werden.

Bereits unter Tage erfolgte eine Auslese und die Trennung von verwendbarem und unbrauchbarem Material. Das für nutzbar erklärte Material wurde mittels Grubenwagen nach außen transportiert und dort in dünne Tafeln gespalten. Von der bewegten Gesteinsmasse blieben lediglich 10 - 15% als Endprodukt übrig. Das Nebengestein konnte dann noch zum Teil für Bruchsteinmauern und für den Wegebau verwendet werden. Die Blütezeit des Schiefers begann ab 1860, als Bauordnungen die feuergefährlichen Strohdächer verboten und der Schiefer per Eisenbahn transportiert werden konnte.

Moderne Abbautechnik

Heute erfolgt der Schieferabbau vollmechanisiert mit Diamantsägen, die aus dem Berg Blöcke in exakten Rastern herausschneiden. Diese Blöcke werden mit Radladern auf Loren verlagert und dann durch einen Förderschacht über Tage transportiert.
In den Fertigungshallen werden die Blöcke dann zuerst wieder mit einer Diamantsäge zerkleinert, wodurch der Verschnitt minimiert werden kann. Das finale Spalten zu Platten mit einer Stärke von 5 mm und die Formgebung des Endproduktes erfolgen aber immer noch durch Handarbeit.

Schiefergewinnung in Deutschland

Der Schieferabbau reicht in Deutschland bis in das Mittelalter zurück. Traditionell werden mit dunklem Tonschiefer Dächer gedeckt sowie Giebel und Fassaden verkleidet. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts wurden zudem auch Schiefertafeln und Griffel produziert. In den 1960er Jahren wurde die Produktion von Griffelschiefer in Deutschland aber eingestellt.

Anfang der 1920er Jahre einigte sich die Schieferindustrie mit dem Dachdeckerhandwerk auf die Zusammenfassung der Schiefer-Abbaustätten in Förderregionen mit jeweils vergleichbaren Eigenschaften des Gesteins. Dadurch sollte ein transparenter Wettbewerb gewährleistet werden. Die daraus resultierenden Begriffe Moselschiefer, Thüringer Schiefer, Hunrücker Schiefer und Sauerländer Schiefer werden heute noch als Qualitätsangabe verwendet.

Auch heute existieren in Deutschland noch einige Schieferbergwerke. So wird etwa der Lotharheiler Schiefer im Bereich der Gemeinde Geroldsgrün in Oberfranken abgebaut. Im Hunsrück findet man das Schieferbergwerk Altlay, in dem durch Untertagegewinnung in einer Tiefe von etwa 120 Metern jahrhundertelang Schiefer abgebaut wurde. In NRW ist von den ehemals 100 Schieferbergwerken nur ein einziges übriggeblieben, das Verbundbergwerk Magog-Gomer-Bierkeller im Hochsauerlandkreis, dessen Schiefer unter dem namen "Fredeburger Schiefer" vermarktet wird. Die Grube Katzenberg bei Mayen/Eifel (Rheinland-Pfalz) wird im Jahr 2019 schließen.

Auch wenn das größte Dachschiefervorkommen bei Bad Fredeburg liegt, so ist der Moselschiefer derjenige mit der traditionell leistungsstärksten Produktion. Der Name leitet sich hier nicht von den Produktionssorten, sondern von dem Transportweg des Schiefers über die Mosel zum Niederrhein ab.

Das "Gestein des Jahres" wird seit 2007 von einem Fachkuratorium unter Federführung des Berufsverbandes Deutscher Geowissenschaftler ausgewählt. Mit der Nominierung zum Gestein des Jahres 2019 sollen die unterschiedlichen Facetten des Schiefers der breiten Öffentlichkeit nahegebracht werden. Der Schiefer folgt damit der Steinkohle, die als Gestein des Jahres 2018 auserkoren worden war.


Vielen Dank an Herrn Dr.Manuel Lapp, vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie und Frau Steffi Lasch für die freundliche Bereitstellung des Pressetextes, sowie die zur Verfügung gestellte Fachliteratur und eines Posterbildes.


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- letzte Aktualisierung: Sonntag, 27. Oktober 2019 -
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