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Der Wanderfalke (Falco peregrinus) - der schnelle Jäger


Den Himmel auf langen, spitzen Flügeln durchschneidend, ist der rasante Wanderfalke eine Beutegreifer ohnegleichen. Er bewohnt Europa vom unwirtlichen Hochland bis zu zerklüfteten Küsten. Wir haben hier wenige Bruten unterhalb von Autobahnbrücken oder hohen Gebäuden.


Der Wanderfalke gehört zu den geschicktesten Jägern (Bild: Gunther Zieger) Wanderfalken besitzen auf der Oberseite ein dunkelblaugraues Gefieder. Die Unterseite ist auf weißem bis cremefarbenem Grund überwiegend dunkel quergebändert, mit Ausnahme des vorderen Halses und der oberen Brust.
Typisch für die Art ist jedoch der schwarze Bartstreif.
Der Wanderfalke gehört zu den geschicktesten Jägern Bild: Gunther Zieger


Als ich zum ersten Mal einen Wanderfalken sah, stand ich nur staunend da, um diesen schnellsten Greif bei einer Attacke auf eine Stadttaube, die nur wenige Augenblicke dauerte, bestaunen zu können. Ein derart eleganter Jäger, war mir bis dato nicht begegnet. Er ist der schnellste Jäger der Welt, der beinahe bei uns ausgerottet wurde. Vor dem Stoß auf die Beute beschleunigt dieser Falke mit kräftigen Flügelschlägen und sie können von schräg oben mit angelegten Flügeln herabstürzend für Sekunden wohl über 200 Stundenkilometer, manche meinen bis über 300, wer hat dies aber je gemessen, erreichen.

Hier können Sie die Stimme des Wanderfalken hören


Vor allem in Europa sind in den 1950er und 1960er Jahren viele Bestände zusammengebrochen, oder gänzlich erloschen. Ursachen lagen einerseits in langlebigen Pestiziden, die sich über die Beutetiere, Wanderfalken sind reine Vogeljäger, in den Wanderfalken anhäuften und die Eierschalen zu dünn werden ließ, so dass kaum noch junge Wanderfalken schlüpfen konnten. Auch Schwermetalle und PCBs spielten wohl eine Rolle. Andererseits und dies muss auch einmal klar ausgedrückt werden, eine gnadenlose Verfolgung des Wanderfalken, z.B. durch Taubenzüchter (auch heute werden immer noch Fälle bekannt). Auch der Raub von Jungvögeln für Falkner gerade für arabische Länder und die Störungen an den Brutplätzen.


Wanderfalken ernähren sich fast ausschließlich von Vögeln. Weit über 200 Arten sind allein in Mitteleuropa als Beute nachgewiesen worden. Vogelarten, wie etwa Star, Amsel, Krähen, Stadttauben oder Elstern werden am häufigsten geschlagen. In Mitteleuropa sind das ganze Jahr über Wanderfalken zu beobachten (Bild: Gunther Zieger)
Bild: Gunther Zieger In Mitteleuropa sind das ganze Jahr über Wanderfalken zu beobachten


Anhand der Gefiederzeichnung können die Geschlechter beim Wanderfalken nicht ünterschieden werden, nur anhand der Größe. Denn das Weibchen, ist ca. ein Drittel größer, erreichen eine Körperlänge von 51 Zentimetern. Etwa ab Januar beginnt die Balz. Wanderfalken bauen als Felsbrüter keine Nester. Sie nutzen kleine Höhlen oder Felsvorsprünge, Steinbrüche oder hohe Gebäude. Oder sie benutzen verlassene Nester von Kolkrabe oder Reiher. Außerdem nehmen sie, wie ich es hier in Ochsenfurt gemacht habe, spezielle Wanderfalkennistkästen in bestimmter Höhe, gerne an.


Einbau eines speziellen Falkennistkastens im BayWa-Turm in über 40 m Höhe (Bild: Thomas Langhirt) Nach wie vor, bei uns, ein seltener Greifvogel, der Wanderfalke. Um eine Lücke zwischen zwei Vorkommen zu schließen, haben wir in über 40 m Höhe, einen speziellen Nistkasten für Wanderfalken eingebaut.
Einbau eines speziellen Falkennistkastens im BayWa Turm in über 40 m Höhe Bild: Thomas Langhirt


Beutegreifer an der Spitze der Nahrungskette, darunter gehört auch der Wanderfalke, reagieren sehr empfindlich auf chemische Schadstoffe, die sie mit ihrer Beute zusammen aufnehmen. Ihr drastischer Bestandsrückgang ging speziell auf Pestizide wie das DDT zurück. In einem meiner alten Vogelbücher aus den 1980er Jahren ist zu lesen, dass "von den rund 400 Paaren, die 1950 in Westdeutschland brüteten, wohl nur noch 10 Prozent davon leben". Die letzten Horste wurden tagein, tagaus bewacht um diesem imposanten Greifvogel das Überleben zu sichern. Heute haben wir in Bayern wieder 230 BP (2009) vielleicht liegt der Bestand mittlerweile noch höher. Eines seiner Hauptverbreitungsgebiete in Bayern ist das unterfränkische Maintal.


Wanderfalkenpaare binden sich fürs Leben und brüten normalerweise auf hohen, unzugänglichen Klippen und Felsen. Sie nehmen jedoch auch diese Nistkästen an. Männchen und Weibchen kehren oft jedes Jahr an den gleichen Nistplatz zurück. Diesen Ausblick hat der Wanderfalke, wenn er dieses "Zuhause" annimmt. (Bild: Thomas Langhirt)
Bild: Thomas Langhirt Diesen Ausblick hat unser Wanderfalke wenn er dieses "Zuhause" annimmt.


Vögel sind die hauptsächliche Beute des Wanderfalken, von kleinen Singvögeln wie Feldlerche, bis hin zur Ringeltaube, Krähe, Elster und Stadttaube. Im Winter werden Möwen und Enten erjagt. Die meisten Vögel erjagt der Wanderfalke, indem er sich mit angelegten Flügeln aus der Höhe auf sie herabstürzt. Hier kann er dann über 200 Stundenkilometer erreichen.

In Mitteleuropa sind das ganze Jahr über Wanderfalken zu beobachten. Im Norden und im Osten Europas ist die Zugneigung größer, so dass im Winter in Mitteleuropa, skandinavische Brutvögel vorkommen.


Ein halbes Jahr nach Einbau des Nistkastens, zog der Wanderfalke ein (Bild: Thomas Langhirt) Die Eiablage beginnt ab Ende März. Im allgemeinen werden zwei bis vier Eier gelegt. Das Bebrüten beginnt, nachdem das letzte Ei gelegt wurde und wird überwiegend vom Weibchen übernommen.
Während der Brutzeit müssen die Wanderfalken oft sehr weit fliegen um Nahrung zu finden. Oft sind es dann auch verletzte oder schwache Vögel die dann erbeutet werden.
Ein halbes Jahr nach dem der Nistkasten angebracht wurde, zog der Wanderfalke ein Bild: Thomas Langhirt


Merkmale des Wanderfalken:

Länge: ca. 39 - 50 cm; Terzel ist um ein Drittel kleiner als das Weibchen.
Flügelspannweite: ca. 95 - 115 cm;
Gewicht: ca. 550 - 1500 g;
Brutzeit: März im Süden, im Norden später, etwa bis Juli - 1 Jahresbrut;
Gelegegröße: 2 - 4 (ausnahmsweise sechs) rahmfarbene oder rostbräunliche, gewöhnlich durch dichte, feine rote oder kastanienbraune Flecken, glatte und glanzlose, Eier;
Brutdauer: ca. 29 - 32 Tage;
Nestlingszeit: 35 - 42 Tage - Bettelflugperiode 3 - 4 Wochen.
Verhalten: Einzelgänger;
Lebenserwartung: Wildvögel können rund 20 Jahre alt werden.


Junge Wanderfalken haben eine bräunliche Oberseite und sind unterseits auf gelbbraunem Grund kräftig längs gestreift. Junge Wanderfalken warten auf Nahrung (Bild: Gunther Zieger)
Bild: Gunther Zieger Junge Wanderfalken warten auf Nahrung


Wissenswertes und Interessantes:

Während des Zweiten Weltkriegs wurden Wanderfalken gezielt abgeschossen, um zu verhindern, dass sie die Brieftauben erbeuten, die Mitteilungen beförderten.
Das Männchen der Wanderfalken wird Terzel genannt, weil es um ein Drittel kleiner ist als das Weibchen.
In Nordamerika wird der Wanderfalke häufig "Entenhabicht" genannt, weil er sich im Winter von Enten ernährt.
Die Augen des Wanderfalken sind größer und schärfer als die des Menschen und können ihre Beute aus einer Höhe von 300 Metern ausmachen.
Sein wissenschaftlicher Name: peregrinus, ist das lateinische Wort für Fremder oder Wanderer.
Im Jahr 1971 wurde der Wanderfalke zum "Vogel des Jahres" gekürt.


Es bleibt zu hoffen, dass wir diesen eleganten Jäger der Lüfte noch sehr lange in, oder über Ochsenfurt erleben dürfen und die Menschen begreifen, dass auch der Wanderfalke seinen Platz im Gesamtgefüge unserer Natur besitzt.


Vielen Dank an meine Fotografen, Herrn Thomas Langhirt und Herrn Gunther Zieger für ihre Schnappschüsse.

  

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- letzte Aktualisierung: Samstag, 03. Oktober 2020 -
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