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Die Zootiere des Jahres seit 2016

Zootier des Jahres ist eine Artenschutzkampagne in Deutschland, die von der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz e.V. (ZGAP), der Deutschen Tierparkgesellschaft e.V. (DTG) und der Gemeinschaft deutscher Zooförderer e.V. (GdZ) 2016 im Tierpark Nordhorn ins Leben gerufen wurde. Gewählt wird das Zootier des Jahres von der ZGAP. Bei der Wahl zum jeweiligen "Zootier des Jahres" berücksichtigt die ZGAP Tierarten, die hochbedroht sind. Mit einem Motivplakat und zwei Schutzprojektplakaten machen viele Zoos und andere Einrichtungen auf die jeweilige Kampagne aufmerksam.

Gemeinsame Aktion für bedrohte Tierarten
Artenschutzkampagne für bedrohte Tierarten

Jahr Zootier wissenschaftlicher Name
2016  Leopard Panthera pardus
2017 Kakadus Cacatuidae
2018 Scharnierschildkröte Cuora spp.
     


Das "Zootier des Jahres 2018" ist die Scharnierschildkröte!

Einige asiatische Schildkrötenarten sind im Freiland bereits ausgerottet oder nur noch in geringen Beständen vorhanden. Dieses Schicksal teilen auch die Vertreter der Gattung der Scharnierschildkröten (Cuora spp.), zu der 13 Arten zählen. Vor allem der Lebensraumverlust, besonders aber der exzessive Handel als Nahrungsmittel oder als vermeintliche Medizin macht den Beständen der Scharnierschildkröten sehr zu schaffen.


Die Scharnierschildkröte - Zootier des Jahres 2018 (Bild: R.Wirth, Münster) Die seltene Scharnierschildkröte ist das Zootier des Jahres.
Mit der Wahl solle auf die Bedrohung der Population in freier Wildbahn aufmerksam gemacht werden, so die Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz.
Zootier des Jahres 2018 ist die Scharnierschildkröte Bild: R. Wirth, Münster


Um auf die Gefährdung dieser Schildkrötenarten aufmerksam zu machen, wählte die Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz e.V. (ZGAP) die Scharnierschildkröte zum "Zootier des Jahres 2018". Dadurch werden die Nachzuchtbemühungen in Zoologischen Gärten und Schutzprojekte in den südostasiatischen Ursprungsländern zum Fortbestand besonders betroffener Arten unterstützt.
In Zusammenarbeit mit der "Deutschen Tierpark-Gesellschaft e.V." (DTG), dem "Verband der Zoologischen Gärten e.V." (VdZ) und der "Gemeinschaft der Zooförderer e.V." (GDZ) werben die teilnehmenden Zoos, Zoo-Freundeskreise, Naturschutzorganisationen und andere Partner verbandsübergreifend für den Erhalt dieser gefährdeten Tierarten. Vor allem aber sammeln sie Geld um mit konkreten Maßnahmen zum Erhalt dieser Schildkröten beizutragen.

Bei der Wahl zum jeweiligen "Zootier des Jahres" berücksichtigt die ZGAP Tierarten, deren Bedrohung bisher nicht im Fokus der Öffentlichkeit steht. Schon mehrfach wurden Arten unbeachtet ausgerottet - einfach, weil das Wissen über sie nicht ausreichend war oder weil die dringende Notwendigkeit, sich für ihren Erhalt einzusetzen nicht genug Anklang in Naturschutzkreisen und in den Medien fand. Das soll sich mit der Ernennung zum "Zootier des Jahres 2018" für die Scharnierschildkröte ändern.


Schildkröten spielen in der südostasiatischen Kultur eine besondere Rolle: sie gelten als Glücksbringer und Symbole für ein langes Leben. Diese eigentlich positiven Eigenschaften werden den Schildkröten aber zum Verhängnis. Die Gattung der Scharnierschildkröten umfasst 13 Arten (Bild: Benny Trapp)
Bild: Benny Trapp Die Gattung der Scharnierschildkröten umfasst 13 Arten, hier C. zhoui


Die Kampagne "Zootier des Jahres" hat das Ziel, die Artenschutzarbeit der Zoos mit den Bemühungen von Projektteams vor Ort zu vereinen, um so die Ausrottung der im Fokus stehenden bedrohten Arten möglichst effektiv zu verhindern. Ohne den Einsatz vieler Zoos und Tierparks, als treibende Kraft der Erhaltungszuchten und wichtige Bildungsorte mit Millionen von Besuchern jährlich, wäre das Überleben vieler Tierarten nicht möglich. Wichtige Beispiele zeugen vom Erfolg, den die Zoos auf dem Gebiet des Artenschutzes bereits erzielten: mehr als 50 Tierarten waren in der Natur ausgerottet und konnten in Menschenhand gerettet werden.

Schildkröten sind weithin bekannte und beliebte Tiere. Doch nur wenige Menschen kennen die hauptsächlichen Ursachen für die Bedrohung vieler Schildkrötenarten: das Absammeln aus der Natur für den lokalen und internationalen Wildtierhandel macht sie zu einer der gefährdetsten Wirbeltiergruppe. Je seltener Schildkrötenarten werden, desto höhere Preise werden für die noch verbleibenden Individuen gezahlt. Die Entnahme der Schildkröten aus der Natur bewirkte, dass einzelne Arten nur noch aus der Haltung in menschlicher Obhut bekannt sind und schon lange nicht mehr in freier Wildbahn beobachtet werden konnten. Zoos und Tierparks setzen sich für den Schutz bedrohter Lebensräume ein (in situ-Schutz) und sind zudem die wichtigsten Akteure, um Erhaltungszuchten bedrohter Arten aufzubauen und langfristig zu sichern (ex situ-Schutz). Teilweise kann nur durch diese Erhaltungszucht in Menschenhand die endgültige Ausrottung von Tierarten verhindert werden, bis sich die Freilandsituation durch parallellaufende Schutzbestrebungen wieder stabilisiert.


Im Allwetterzoo in Münster werden neun Scharnierschildkrötenarten gezüchtet (Bild: R.Wirth, Münster) Für die Aktion "Zootier des Jahres 2018" wurden zwei sehr wichtige Scharnierschildkröten-Schutzprojekte ausgewählt. 
Im Allwetterzoo werden neun Scharnierschildkrötenarten gezüchtet  Bild: R. Wirth, Münster


Für die Aktion "Zootier des Jahres 2018" wurden zwei sehr wichtige Scharnierschildkröten-Schutzprojekte ausgewählt. Zum einen ein Nachzuchtprojekt im Internationalen Zentrum für Schildkrötenzucht (IZS) im Allwetterzoo Münster, das momentan neun Scharnierschildkrötenarten züchtet und zum anderen ein Projekt, das für den Erhalt von Scharnierschildkröten in Kambodscha eintritt.

Die beiden Projekte im Überblick:

Internationales Zentrum für Schildkrötenschutz (IZS) - Münster, Deutschland

Das Internationale Zentrum für Schildkrötenschutz (IZS) im Allwetterzoo Münster bedeutet für viele Schildkrötenarten die Chance auf eine Rettung in letzter Minute.

Schildkröten, insbesondere die Scharnierschildkröten, sind traditionell Bestandteil der chinesischen Medizin und Küche. Die wenigen Zuchtanlagen in Südostasien können den stetig steigenden Bedarf bei weitem nicht decken. Inzwischen werden daher im gesamten südostasiatischen Raum und mittlerweile weit darüber hinaus - bis hin nach Südamerika und Afrika - Schildkröten der Natur entnommen, um die Nachfrage der südostasiatischen Märkte zu decken.

Jährlich werden so viele Millionen Individuen - darunter auch stark bedrohte Arten - auf den Märkten zum Verkauf angeboten. Fast alle relevanten Arten stehen kurz vor der Ausrottung oder werden in ihren natürlichen Lebensräumen gar nicht mehr gefunden.


Aufkleber - Zootier des Jahres 2018 
Da von vielen Arten nur noch wenige Individuen existieren, wurde im Jahr 2003 das Internationale Zentrum IZS eingeweiht. 


Da von vielen Arten nur noch wenige Individuen existieren, wurde im Jahr 2003 das Internationale Zentrum für Schildkrötenschutz als Erhaltungszuchtstation eingeweiht. Das Zentrum ist ein Gemeinschaftsprojekt des Allwetterzoos, der ZGAP und der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde e.V. (DGHT). Ziel ist die Erhaltung und Vermehrung akut bedohter südostasiatischer Schildkrötenarten, der Aufbau stabiler Populationen für Erhaltungszuchten inklusive des langfristigen Zieles, die Arten in der Natur zu stabilisieren und "best practice" Erkenntnisse über ihre Haltung und Zucht zu sammeln und zu veröffentlichen.

Der Schwerpunkt der Zuchtbemühungen, unter der fachlichen Anleitung der ausgewiesenen Experten Elmar und Ingrid Meier, liegt auf der Gattung Ciora, den Scharnierschildkröten. Von den 13 bekannten Arten werden neun im Zentrum so erfolgreich gezüchtet, dass Tiere bereits an andere Institutionen und Haltungen abgegeben werden konnten, um weitere Zuchtgruppen aufzubauen. Herausragend sind die Erfolge bei der Zhous-Scharnierschildkröte (Cuora zhoui), von der 70% des bekannten Weltbestandes in Münster geboren wurde und mittlerweile die weltweit erste F2-Generation geschlüpft ist.


Wissenswertes & Interessantes:

Die Scharnierschildkröten gehören in die Ordnung: Schildkröten - Familie: Altwelt-Sumpfschildkröten - Gattung: Scharnierschildkröten und haben den wissenschaftlichen Namen: Cuora.

Der Panzer der Scharnierschildkröten wird zwischen 11,5 und 35 cm lang. Zwischen den Zehen der gut ausgebildeten Extremitäten befinden sich Schwimmhäute. Durch ein Scharnier im Bauchpanzer können die Scharnierschildkröten den Bauchpanzer vorne und hinten nach oben klappen, um den Panzer zu verschließen.

Im Alter von sechs bis acht Jahren werden Scharnierschildkröten geschlechtsreif. Das Weibchen kann bis zu zehn Eier legen, aus denen nach 70 - 140 Tagen die Jungtiere schlüpfen. Typischerweise legen die meisten Cuora-Arten kleine Gelege mit meist zwei, manchmal ein oder drei Eiern, andere Arten wiederum legen in einem Gelege vier bis sieben, selten bis zu zehn Eier. Die Eier sind im Verhältnis zur Körpergröße sehr groß. Während der Fortpflanzungsperiode legen die Weibchen je nach Art ein bis drei Gelege.


Das Angkor Centre for Conservation of Biodiversity (ACCB) wurde 2003 als eine der ersten Artenschutzstationen in Kambodscha gegründet.  Tierärztin vom Angkor Centre ACCB (Bild: Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz e.V. ZGAP)
Bild: Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz e.V. (ZGAP)  ACCB - Tierärztin in Kambodscha


Angkor Centre for Conservation of Biodiversity (ACCB) - Kambodscha

Das Angkor Centre for Conservation of Biodeversity (ACCB) wurde 2003 als eine der ersten Artenschutzstationen in Kambodscha gegründet. Unweit der berühmten Tempelanlage von Angkor Wat gelegen widmet es sich der Aufnahme und Pflege ausgewählter einheimischer Tiere und, sofern möglich, deren späteren Auswilderung unter Einhaltung entsprechender internationaler Standards. Es dient zudem als Schulungs- und Weiterbildungszentrum  für die lokale Bevölkerung, Schüler, Studenten, Angestellte der Naturschutzbehörden und Besucher.

Feldarbeit des ACCB in Kambodscha (Bild: Zoologische Gesellschaft für Arten und Populationsschutz e.V. ZGAP)  Durch die Unterstützung der "Zootier des Jahres"-Kampagne sollen möglichst gute Bedingungen für die Auswilderung und das anschließende Monitoring der Tiere geschaffen werden. 
ACCB - Feldarbeit in Kambodscha  Bild:  Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz e.V. (ZGAP) 


Ziel ist es, das Umweltbewusstsein zu steigern und Kompetenzen im Bereich Naturschutz- und Umweltmanagemant aufzubauen sowie die nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen zu fördern. Auch die Durchführung von in situ-Naturschutzmaßnahmen und naturschutzrelevanter (Freiland-)Forschung in Kambodscha, sowie die Bereitstellung von Informationen für das zukünftige Management der Naturschutzgebiete zählt zu den Aufgaben.

Eine der Arten, die sehr erfolgreich im ACCB unter naturnahen Bedingungen gezüchtet wird, ist die Amboina-Scharnierschildkröte (Cuora amboinensis). Da bereits über 100 Jungtiere großgezogen wurden, kann nun darüber nachgedacht werden, die Tiere in einem gut geschützten Gebiet unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten auszuwildern.


Vielen Dank an Frau Viktoria Michel, Mag. med. vet., Projektkoordinatorin "Zootier des Jahres" für den Pressetext und die Möglichkeit die Bilder von R. Wirth, Münster und Benny Trapp veröffentlichen zu können.


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- letzte Aktualisierung: Samstag, 17. März 2018 -
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