HW4
Greifvögel
Streuobst
Biotoppflege
Ornithologie
Insekten
Sie sind hier: Insekten > Wildbiene des Jahres

 

Die Wildbienen des Jahres seit 2013

Warum die Wildbiene des Jahres?

Wildbienen spielen im Naturhaushalt eine Schlüsselrolle. Sie sorgen gemeinsam mit der Honigbiene wie keine anderen Insekten für die Bestäubung unserer Wild- und Kulturpflanzen.
Viele Wildbienen sind heute in hohem Maße bedroht, weil ihre Lebensräume vielfach verloren gegangen sind und Pestizide in der Landwirtschaft zu erheblichen Bestandsverlusten geführt haben.
Wildbienen gehören trotz ihrer hohen Artenzahl von über 500 allein in Deutschland zu den weithin unbekannten Wesen unserer Tierwelt. Das soll sich ändern!
Mit der "Wildbiene des Jahres" machen der Arbeitskreis Wildbienen-Kataster am Stuttgarter Naturkundemuseum und die Landesanstalt für Bienenkunde sowie die Imkerverbände Badens und Württembergs auf das Schicksal einer Art aufmerksam, deren Lebensweise besonders spannend und die auch für Laien gut zu erkennen ist.

Gehen wir also auf die Suche nach der Wildbiene des Jahres, lernen wir ihre Lebensweise kennen und kümmern wir uns um ihren Schutz!

Jahr Wildbiene wissenschaftlicher Name
2013 Die Zweifarbige Schneckenhausbiene Osmia bicolor
2014 Die Garten-Wollbiene Anthidium manicatum
2015 Die Zaunrüben-Sandbiene Andrena florea
2016 Die Bunte Hummel Bombus sylvarum
2017 Die Knautien-Sandbiene Andrena hattorfiana
2018 Die Gelbbindige Furchenbiene Halictus scabiosae

Die Gelbbindige Furchenbiene ist die "Wildbiene des Jahres 2018".

Das Kuratorium "Wildbiene des Jahres" hat für 2018 eine auffällige Biene gewählt. Die Weibchen der Gelbbindigen Fruchenbiene (Halictus scabiosae) sind mit ihren rund 14 Millimetern Körpergröße und den markanten ockergelben Querbinden auf dem Hinterleib kaum zu übersehen. Die etwa gleich großen Männchen sind schlanker und tragen sehr lange schwarze Antennen.
Man findet die Gelbbindige Furchenbiene regelmäßig an den Blütenständen von Korbblütlern, z.B. von Flockenblume, Ferkelkraut und häufig von Disteln. Die Weibchen erscheinen ab Ende April, die Männchen im Juni. Die Brutvorsorge funktioniert grundlegend anders als bei den typischen Solitärbienen. Während dort die Weibchen jeweils allein ein Nest versorgen, ist Halictus scabiosae durch eine soziale Lebensweise mit Teamarbeit charakterisiert.


Eine wärmeliebende Art die sich mehr und mehr nach Norden ausbreitet (Bild: Hans Richard Schwenninger) Aussehen
Die Gelbbindige Furchenbiene ist durch ihre namengebenden ockergelben Querbinden auf dem Hinterleib und durch die ihre Körpergröße von bis zu 14 mm (Weibchen) leicht zu erkennen. Auch die Längskerbung auf dem letzten Segment des Hinterleibes ist bei den weiblichen Tieren dieser großen Art gut zu sehen. ...
Drei Weibchen der Gelbbindigen Furchenbiene Pollen sammelnd auf einer Blüte der Gewöhnlichen Kratzdistel Bild: Hans Richard Schwenninger


... Diese Furche tragen zwar alle Vertreterinnen der Bienengattung Halictus, bei den kleinen Arten fällt dieses Merkmal aber kaum auf. Die Männchen von Halictus scabiosae sind etwa gleich groß wie die Weibchen aber viel schlanker gebaut und tragen sehr lange schwarze Antennen, die am Ende gebogen sind. Auch sie sind kaum zu übersehen, wenn sie in den Blüten nach Nektar suchen.

Lebensweise
Man findet die Gelbbindige Furchenbiene regelmäßig an den Blütenständen von Korbblütlern, wie schon oben beschrieben. Die Art ist allerdings nicht streng auf bestimmte Blüten spezialisiert. Die Weibchen erscheinen ab Ende April, die Männchen im Juni.
Das Nest wird in offenen Böden angelegt, die Nestbetreuung unterscheidet sich allerdings grundlegend von derjenigen typischen Solitärbienen. Während dort die Weibchen jeweils allein ein Nest versorgen, ist Halictus scabiosae durch eine soziale Lebensweise charakterisiert.

Mehrere begattete Weibchen überwintern in ihrem Geburtsnest und bilden im Frühling Weibchen-Gemeinschaften. Von diesen Tieren übernimmt das größte die Funktion der Königin in der Gemeinschaft, bleibt nun im Nest und legt als einziges Weibchen Eier. Die übrigen Weibchen sammeln Pollen und Nektar und legen so Vorräte in den Brutkammern an. In jeder Kammer legt die Königin ein Ei ab. Sie bewacht auch das Nest, während die restlichen Bienen der Gemeinschaft als Arbeiterinnen Nahrung sammeln.

Sonnenhungrig
Die Gelbbindige Furchenbiene hat ihren ursprünglichen Verbreitungsschwerpunkt im westlichen Mittelmeerraum und kam in Deutschland bis in die 1990er Jahre nur in den südlichen Bundesländern vor. In Baden-Württemberg lag ihre Hauptverbreitung zu dieser Zeit am südlichen Oberrhein. In den folgenden Jahren hat sich Halictus scabiosae immer weiter nach Norden und zudem in den Mittelgebirgen in höhere Lagen ausgebreitet. Die Art gilt als Indikator für das sich kontinuierlich erwärmende Klima, das zunehmend für Lebensräume trocken-warmer Prägung auch in nördlichen und vormals kühleren Regionen sorgt.

Damit steht Halictus scabiosae stellvertretend für etliche Insektenarten, die ihr Verbreitungsgebiet mehr und mehr nach Norden ausdehnen. Unter den Wildbienen gilt dies auch für die imposante Blauschwarze Holzbiene (Xylocopa violacea) und die winzige Südliche Goldfurchenbiene (Halictus submediterraneus). Diese Tiere sind "Botschafterinnen" der Klimaerwärmung, die durch ihre veränderte Verbreitung die aktuellen Umwälzungen in unserer Umwelt anzeigen.

Hilfe für die Gelbbindige Furchenbiene
Unsere Wildbiene des Jahres 2018 ist derzeit nicht akut in ihrem Bestand gefährdet, zumal sie ihr Verbreitungsgebiet auf der Suche nach wärmegeprägten Lebensräumen vergrößert. Sie ist allerdings auf ein vielfältiges Angebot an Nahrungspflanzen angewiesen. Der aktuelle Schwund an Blüten sowohl in der unbebauten (Agrar-)Landschaft als auch in unseren Siedlungen birgt ein hohes Gefährdungsrisiko. Die Erhaltung von blumenreichen Wiesen und Wegrändern, wie auch die Neuanlage von Blühflächen aus heimischen Wildpflanzen helfen nicht nur der Gelbbindigen Furchenbiene.

Zur Nestanlage braucht Halictus scabiosae offene Bodenstellen, die sie auch in unmittelbarer Nähe des Menschen besiedelt. Der Flugbetrieb an den Niststätten sorgt manchmal für Ängste gegenüber den vermeintlich stechenden Tieren. Sie sind jedoch vollkommen harmlos und für die Zeit der Nestversorgung sollten wir die geschützten Wildbienen nicht stören!


Herzlichen Dank an Herrn Hans Richard Schwenninger, Kuratoriumsmitglied und Sprecher des AK Wildbienen-Kataster, für den Pressetext und die Möglichkeit eines seiner tollen Aufnahmen von der Wildbiene des Jahres 2018 zeigen zu dürfen.


zurück



- letzte Aktualisierung: Dienstag, 16. Oktober 2018 -
Unsere Seiten sind optimiert für Internet Explorer 8.0 und Firefox 3.6 bei einer Auflösung von 1024x768 Pixel
© Umweltfreunde Würzburg - Ochsenfurt 2018