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Die Weichtiere des Jahres seit 2003

Am 21.September 2002 wurde in Erding bei München das Kuratorium "Weichtier des Jahres" gegründet. Durch Pressearbeit, Internetpräsenz und einem DIN A 4 Faltblatt soll jedes Jahr ein Weichtier des Jahres vorgestellt werden.

Jahr Deutscher Name wissenschaftlicher Name
2003 Bauchige Windelschnecke Vertigo moulinsiana
2004 Gemeine Kahnschnecke Theodoxus fluviatilis
2005 Tigerschnegel Limax maximus
2006 Gemeine Flussmuschel Unio crassus
2007 Maskenschnecke Isognomostoma isognomostomos
2008 Das Mäuseöhrchen Myosotella myosotis
2009 Husmanns Brunnenschencke Bythiospeum husmanni
2010 Gemeine Schließmundschnecke Alinda biplicata
2011 Die Zierliche Tellerschnecke Anisus vorticulus
2012 Die Schlanke Bernsteinschnecke Oxyloma elegans
2013 Die Europäische Auster Ostrea edulis
2014 Die Knoblauch-Glanzschnecke Oxychilus alliarius
2015 Die Mantelschnecke Myxas glutinosa
2016 Die Große Erbsenmuschel Pisidium amnicum
2017 Die Schöne Landdeckelschnecke Pomatias elegans

Das Kuratorium "Weichtier des Jahres" hat für 2017 Die Schöne Landdeckelschnecke ausgewählt.

Die Schöne Landdeckelschnecke - als Weichtier des Jahres 2017 - zeichnet sich durch zwei auffällige Besonderheiten aus: Zum einen handelt es sich bei diesem bis zu 15 mm großen Tier um die größte in Mitteleuropa lebende Landdeckelschnecke, zum anderen ist sie die einzige einheimische Schnecke, die nicht einfach kriecht, sondern vielmehr recht flott "schreitet".


Die Schöne Landdeckelschnecke ist das Weichtier des Jahres 2017 (Bild: Vollrath Wiese / Haus der Natur - Cismar) Im Gegensatz zu landbewohnenden Lungenschnecken haben die Deckelschnecken die Augen an der Basis der Fühler.
Die Schöne Landdeckelschnecke ist das Weichtier des Jahres 2017 Bild: Vollrath Wiese / Haus der Natur - Cismar


Möglich wird diese außergewöhnliche Fortbewegung durch eine Längsfurche in der Fußsohle, so dass linke und rechte Fußhälfte abwechselnd vorwärts geschoben werden können. Dieser besondere "Laufstil" ist für die gesamte Familie der Pomatiidae (ca. 100 Arten) und auch für die nahe verwandten Annulariidae (ca. 700 Arten) typisch, die ihre Verbreitungsschwerpunkte jedoch in den Tropen und Subtropen haben.

Die Landdeckelschnecken sind nah mit den Strandschnecken (Littorinoidea) verwandt. Bereits in der Oberkreide haben sie ihren Lebensraum an den Meeresküsten verlassen und sich an das Landleben angepasst. Dabei wurde die Kieme reduziert, das Dach der Mantelhöhle dient als Lunge und es gibt kein freischwimmendes Larvenstadium mehr.

In Übereinstimmung mit ihren Verwandten ist die Schöne Landdeckelschnecke trotz ihrer Verbreitung in unseren gemäßigten Breiten wärme- und feuchteliebend. In Versuchen wurde ein Temperaturoptimum von 25 bis 30°C festgestellt und die Winterstarre wird erst ab Temperaturen von 10 - 12 °C beendet. Gleichermaßen motiviert nur eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit die Tiere, ihr sonst fest durch den Deckel verschlossenes Gehäuse zu öffnen und Aktivität zu entfalten. Dagegen kann die Schöne Landdeckelschnecke dank ihres Deckels lange Trockenphasen von mehreren Monaten gut überdauern.

Das Verbreitungsgebiet ist anscheinend durch die winterliche 2°C-Isotherme begrenzt und umfasst Küstenländer des Mittelmeerraumes und des Atlantiks sowie das südliche Mitteleuropa mit isolierten Vorkommen in Dänemark, an der Schwarzmeerküste und dem Bosporus.

Im nördlichen Teil ihres Areals ist die Art streng auf kalkreichen Untergrund angewiesen und besiedelt lichtdurchflutete Wälder und Gebüsche sowie deren Ränder, bisweilen auch offeneres Grasland und Sanddünen. Dabei muss zumindest in den nördlicheren Breiten der Oberboden so locker sein, dass sich die Schnecken im Winter oder in Trockenphasen eingraben können.

Wichtigste Nahrung der Schönen Landdeckelschnecke ist trockenes Laub, aber auch anderes totes Pflanzenmaterial bis hin zu vermoderndem Holz wird gefressen. Offensichtlich ist die Schnecke auch in der Lage Zellulose zu verdauen, denn in einem Experiment wurden die Tiere über lange Zeit erfolgreich ausschließlich mit Filterpapier gefüttert.


Das Gehäuse misst 13-18 x 9-12 mm, mit 4,5 bis fünf Umgängen. Die Umgänge nehmen regelmäßig zu und sind stark gewölbt. Die Oberfläche weist ein Gittermuster auf, die Grundfarbe variiert von hellgelb bis hellrot. Die Mündung kann durch ein verkalktes "Operculum" (lat. Deckelchen) - dies ist ein horniger oder kalkiger Deckel, den die Schnecke an der Oberseite ihres Fußes trägt. Damit wird die Mündung des Gehäuses verschlossen. Die Schöne Landdeckelschnecke ist 12 - 15 mm groß (Bild: Ira Richling)
Bild: Ira Richling Die Schöne Landdeckelschnecke ist 12 - 15 mm groß 


Aufgrund ihres charakteristischen Aussehens und ihrer Größe ist die Art in der heimischen Fauna unverwechselbar. Hinzu kommt der auffällige verkalkte Deckel, der bei lebenden Tieren auf der Fußoberseite hinter dem Gehäuse fest mit dem Körper verwachsen ist. Von "normalen" Landschnecken unterscheiden sich die Deckelschnecken mit einer unabhängigen Evolutionsgeschichte neben dem Deckel am auffälligsten durch die Position der Augen an der Fühlerbasis und das Fehlen der unteren kurzen Tastfühler.

Wie ihre meeresbewohnenden Vorfahren und im Gegensatz zu den "typischen" Landschnecken, den Lungenschnecken, ist die Schöne Landdeckelschnecke getrenntgeschlechtlich. Statistisch sind Männchen tendenziell kleiner, jedoch ist dies nicht so deutlich, als dass man daran einzelne Tiere ihrem Geschlecht zuordnen könnte. Von Frühjahr bis Herbst kann man Tiere bei der Paarung beobachten, jedoch wurden Eier bisher nur im Herbst gefunden. Diese werden als zwei Millimeter große Kugeln einzeln in den Boden abgelegt und ein erhärtender Schleimüberzug sorgt dafür, dass Bodenpartikel anhaften und die Eier tarnen. Der Großteil der Jungtiere schlüpft erst im Frühjahr und hat dann bei einer Größe von zwei Millimetern etwa zwei Embryonalwindungen. Die Schöne Landdeckelschnecke kann vier bis fünf Jahre alt werden.

Gefährdung

In weiten Teilen ihres Verbreitungsgebietes ist die Art aufgrund vielfältiger Gefährdungen im Rückzug wie z.B. in Großbritannien, Deutschland und der Schweiz, in Randbereichen teilweise bereits "Vom Aussterben bedroht" wie in Irland. In Deutschlands Roter Liste ist sie als "gefährdet" eingestuft.
Hauptursachen für diesen Rückgang sind Habitatzerstörung durch Baumaßnahmen, Intensivierung der Landwirtschaft und des Weinbaus mit den Folgen von erhöhtem Dünger- und verbreitetem Biozideinsatz, Zerstörung oder Zerfall von Trockenmauern, Umwandlung von Laubwäldern und Waldsäumen sowie in kalkärmeren Lebensräumen durch Bodenversauerung.


Vielen Dank an Herrn Dr. Vollrath Wiese - Haus der Natur, Cismar - für den überlassenen Pressetext (Ira Richling und Klaus Groh) und die Erlaubnis die Bilder von HausderNatur / Klein und Richling / Klein zeigen zu dürfen!


Wenn Sie mehr über dieses interessante Fachgebiet wissen möchten: www.mollusca.de


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- letzte Aktualisierung: Mittwoch, 07. Februar 2018 -
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