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Die Tiere des Jahres seit 1992

Urheber dieser Proklamation ist die Schutzgemeinschaft Deutsches Wild (SDWi) e.V., welche die Vergabe seit 1992 vergibt. Die Wahl solle auf große Tierarten aufmerksam machen, die "auf natürlichem Wege in ihre deutsche Heimat zurückkehren".
In den vergangenen Jahren waren das:

Jahr Wildtier wissenschaftlicher Name
1992 Die Fledermaus Rufigolaris
1993 Die Wildkatze Felis silvestris
1994 Der Rothirsch Cervus elaphus
1995 Der Apollofalter Parnassius apollo
1996 Der Feldhamster Cricetus cricetus
1997 Der Alpensteinbock Capra ibex
1998 Die Gelbbauch- und Rotbauchunke Bombina bombina u. B.variegata
1999 Der Fischotter Lutra lutra
2000 Die Äskulapnatter Elaphe longissima
2001 Der Feldhase Lepus capensis
2002 Das Rotwild Cervus elephus
2003 Der Wolf Canis lupus
2004 Der Siebenschläfer Glis glis
2005 Der Braunbär Ursus arctos
2006 Der Seehund Phoca vitulina
2007 Der Elch Alces alces
2008 Der Wisent Bison bonasus
2009 Der Igel Erinaceus europaeus
2010 Der Dachs Meles meles
2011 Der Luchs Lynx lynx
2012 Die Gämse Rupicapra rupicapra
2013 Das Mauswiesel Mustela nivalis
2014 Der Wisent Bison bonasus
2015 Der Feldhase Lepus europaeus
2016 Der Feldhamster Cricetus cricetus

Der Feldhamster ist das "Wildtier des Jahres 2016"

Nach 20 Jahren ist es endlich wieder soweit - der Feldhamster wird "Tier des Jahres 2016"! Auf Initiative der AGF und der Deutschen Wildtier Stiftung wurde unserem gemeinsamen Vorschlag, den Titel an den Feldhamster zu vergeben, von der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild erfreulicherweise zugestimmt.

Leider ist unser Feldhamster selten geworden (Bild: Arbeitsgemeinschaft Feldhamsterschutz) Anlässlich der Ausrufung zum "Tier des Jahres" soll der Feldhamster einmal mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt werden
Der Feldhamster ist selten geworden Bild: Arbeitsgemeinschaft Feldhamsterschutz


In den letzten zwanzig Jahren sind die Feldhamsterbestände europaweit dramatisch zusammen gebrochen und vielerorts ist der bunte Nager bereits vollständig aus unseren Feldern verschwunden. Nur wenige Glückliche können heutzutage von sich sagen einem Feldhamster begegnet zu sein. Die versteckt lebende Art, die einst als Schädling der Landwirtschaft verfolgt wurde, ist heute weitgehend aus der Erinnerung der Bevölkerung verschwunden.

Rot eingezeichnet, das Verbreitungsgebiet des Feldhamsters Ursprünglich war der Feldhamster nur in Osteuropa und Westasien verbreitet. Durch die sich ausbreitende Landwirtschaft hat er sich im Westen bis nach Belgien und im Osten bis zum Altai-Gebirge und zum Yenisei angesiedelt.
Vorkommen des Feldhamsters  

Der Feldhamster ist aufgrund seines possierlichen Aussehens und seiner auffälligen Färbung vielen Menschen bekannt, auch wenn er in der jüngeren Vergangenheit aufgrund seiner vorwiegenden Dämmerungs- und Nachtaktivität sowie der Seltenheit in Mittel- und Westeuropa kaum mehr in freier Natur beobachtet werden kann. Seine Verbreitung in der Alten Welt überspannt jedoch ein beachtliches Areal von den Niederlanden und Belgien im Westen bis nach Kasachstan und Russland, wo die Ostgrenze seines Vorkommens bis an den in der Mongolei entspringenden Fluss Yenisei reicht.

In der zoologischen Systematik zählt der Feldhamster zu der Ordnung der Nagetiere, in der Familie der Wühler. Mit bis in die Gegenwart vorkommenden weiteren Arten, die ausschließlich in der Alten Welt - hier in Europa und Asien - vorkommen, gehört er zur Unterfamilie der Hamster und ist der einzige rezente Vertreter der Gattung Cricetus, der Großhamster. Passend zur Gattung ist der Feldhamster mit einem durchschnittlichen Gewicht von 200 bis 500 g (Ausnahmen bis 900 g) der größte heute noch existierende Vertreter der Unterfamilie der Hamster und erreicht eine Länge von bis zu 30 cm, wobei er einen unbehaarten, relativ kurzen Schwanz hat.

Ursprünglich war der Feldhamster nur in Osteuropa und Westasien anzutreffen. Infolge der sich ausbreitenden Landwirtschaft hat er sich im Westen bis nach Belgien und im Osten bis zum Altai-Gebirge und zum Yenisei angesiedelt. Der Feldhamster lebt überwiegend auf Feldern und Weideland (Bild: Manfred Sattler)
Bild: Manfred Sattler Der Feldmaster hat kurze Beine und lebt überwiegend auf Feldern und Weideland

Alle Hamster sind gute Baumeister, wobei sich ihr Geschick auf eine intensive Grabtätigkeit fokussiert. Beim Feldhamster bestehen die "Standart-Höhlensysteme" aus Ausgängen, Eingängen, die steil abfallen und als Falllöcher bezeichnet werden sowie im Inneren aus einer Wohnkammer, einer Vorratskammer und einer Kloake.

Feldhamster sind Winterschläfer, was sich als Notwendigkeit in der kontinentalen Heimat mit langen und kalten Wintern ergibt. Die Diapause beginnt meist im Oktober und endet zum Anfang April, wobei im Herbst und zum Frühjahr hin ein kurzfristiger Wechsel aus Wach- und Schlaftagen zu beobachten ist. Während des Mittwinters dauern die Schlafphasen mehrere Tage und die Hamster sind im mehrtägigen Rhythmus nur einige Stunden wach zur Nahrungsaufnahme aus der Vorratskammer.

Die eingetragenen Mengen in die Vorratskammer können mehrere Kilogramm betragen (bis 34 kg). Meist sind es jedoch zwischen 1 und 2 kg. Durch dieses Verhalten fanden die Feldhamster auch Eingang in unseren Sprachgebrauch, wo wir von "Hamsterkäufen" oder "hamstern" sprechen. Auch seine "Hamsterbacken" sind sprichwörtlich, da er die dehnbaren Backentaschen nutzt, um Nahrung in seinen  Bau einzutragen. Seine Vorratsnahrung besteht dabei wesentlich aus Getreidekörnern aber auch Erbsen, sofern sie angebaut werden.

Trotz vornehmlicher vegetarischer Kost ernähren sich Hamster als Allesfresser, auch wenn der Anteil tierischer Nahrung unter 10% Biomasseanteil liegt. Zu tierischer Beute zählen Insekten und deren Larven, Würmer aber auch ein beachtliches Spektrum an Wirbeltieren, das von Amphibien, Eidechsen, Mäusen über Jungvögel bis zu Junghasen reichen kann und belegt ist. Kannibalismus tritt beim Feldhamster bei Nahrungsmangel und gleichzeitig höchsten Populationsdichten auf.

Auffällig bunt wirkt der Feldhamster mit seinen gelbbraunen und rötlichen Deckhaaren auf dem Rücken sowie an Hals und Kopf, wo markante weiße Flecken im Bereich der Backen, am Hals und hinter den Vorderläufen charakteristisch sind. Die Bauchseite ist schwarz mit weißen Pfoten. Verkehrtfärbung nennt sich das Charakteristikum, dass bei einem Wildtier, die Bauchseite dunkler gefärbt ist als die Oberseite, was bei den meisten Tieren nicht der Fall ist. Ähnliches findet sich z.B. noch beim Dachs und beim Iltis uind wie alles in der Evolution hat auch dieses einen besonderen Sinn.

Ein Junghamster vor seinem sicheren Bau (Bild: Manfred Sattler) Der Hamster, in erster Linie ein Pflanzenfresser, ernährt sich aber auch von kleinen Säugern, Insekten und Eidechsen.
Junghamster vor dem Bau Bild: Manfred Sattler

Der Feldhamster wird von zahlreichen Beutegreifern als Nahrungstier genutzt, weshalb er interessante Feindvermeidungs- bzw. Abwehrstrategien entwickelt hat. Zum einen stürzt er sich, wenn er sich nahe genug am Fallloch befindet, bei Gefahr in seinen Bau. Dies gelingt aufgrund seiner eher mäßig schnellen Fortbewegungsfähigkeit, die seinen kurzen Beinen geschuldet ist, jedoch nicht in allen Fällen, wenn er sich z.B. auf Nahrungssuche befindet. Angesichts kritischer und oftmals lebensbedrohlicher Situationen haben Feldhamster verschiedene Strategien entwickelt, um Fressfeinde abzuschrecken oder in die Irre zu führen. Bleibt die Flucht in den Bau unmöglich, richten sich die Wühler auf ihren Hinterbeinen auf, blasen ihre Backen auf und wirken so größer. Untermauert wird die Abwehrhaltung durch lautes Knurren und Zischen, was die Gegner einschüchtern soll. Letztlich zeigen Feldhamster in solchen Situationen ihre prominenten Schneidezähne, die sogar bewegt werden können. Erzielt dieses Abschreckverhalten nicht das Ablassen des Feindes von seiner avisierten Hamsterbeute, wirft sich der Nager auf den Rücken und zeigt seine schwarze Bauchseite, die in Verbindung mit den weißen Pfoten das Maul eines großen Beutegreifers imitieren soll, wobei die weißen Pfoten Fangzähne vortäuschen.

Körpermaße
Länge: 20 - 27 cm; Schwanz 5 - 7 cm;
Gewicht: ca. 200 - 500 g.
Fortpflanzung
Geschlechtsreife: Weibchen sind mit 2,5 - 3 Monaten empfängnisfähig.
Paarungszeit: April bis Juli.
Trächtigkeitsdauer: 17 - 19 Tage.
Wurfgröße: 5 -12 Junge.
Säugezeit: 3 Wochen.
Lebensweise
Verhalten: einzelgängerisch; lebt in einem komplexen Tunnelsystem unter der Erde.
Nahrung: Gräser, Samen, Hülsenfrüchte, Blätter, Insekten, kleine Wirbeltiere.
Lebenserwartung: 4 Jahre.
Verwandte Arten
Es gibt vier Gattungen mit zwölf Arten von Hamstern. Der Feldhamster ist die einzige Art seiner Gattung.

Trotz der ausgeklügelten Feindvermeidung finden Feldhamster häufig ein Ende durch eine Vielzahl an Beutegreifern unter denen sich viele Generalisten finden. Damit ist es für die Beutegreifer nachrangig für das eigene Überleben, ob Feldhamster häufig, selten oder gar nicht mehr vorkommen. Füchse, verschiedene Marderartige (auch Mauswiesel), die Neozoen Waschbär und Marderhund, Greifvögel, Eulen und Rabenvögel, deren Populationen sich in den vergangenen Jahrzehnen in unseren Kulturlandschaften häufig positiv entwickelt haben, sind wichtige natürliche Prädatoren des Feldhamsters. Leider steuert auch mancher Mensch durch seine egozentrische Freizügigkeit in der Haltung von Hunden und Katzen, die sich regelmäßig frei in der Landschaft bewegen dürfen und sich im Falle von verwilderten Hauskatzen auch unkontrolliert fortpflanzen, zu teilweise erheblichen Verlusten von Hamstern bei. Mehrere Studien zur Mortalität bei Feldhamstern in Deutschland und auch Frankreich kommen zu dem Schluss, dass Prädatoren die wesentlichste Todesursache darstellt. Darüber hinaus sind Feldhamster bei entsprechender Vorkommensdichte Opfer des Straßenverkehrs oder werden auf Feldwegen und bei landwirtschaftlichen Arbeiten im Feld überfahren.

Die Fortpflanzungszeit des Feldhamsters beginnt im Spätfrühling und zieht sich bis zum Sommer. In dieser Zeit kann das Weibchen dreimal werfen. Von April an dringen die Männchen in die Baue der Weibchen ein, von wo sie aber gleich nach der Paarung wieder vertrieben werden.
Fünf bis 12 nackte Junge werden nach der 17 bis 19-tägiger Tragzeit in einer Nestkammer geboren. Die jungen Feldhamster wiegen jedes nur vier bis sechs Gramm bei ihrer Geburt. Doch schon innerhalb einer Woche fangen sie an, Gras zu knabbern. Ihre Augen öffnen sich im Alter von zwei Wochen, bis dahin ist ihnen auch ein dichtes Fell gewachsen.
Obwohl die Jungen nur sehr kurze Zeit bei der Mutter bleiben - sie werden nach drei Wochen entwöhnt - umhegt sie sie intensiv. Wenn Gefahr droht, kann sie die Jungtiere ins Maul nehmen und sie zum Transport in die Backentaschen stopfen oder sie an der zahnlosen Stelle zwischen Schneide- und Backenzähnen tragen.

Feldhamsterweibchen können bereits mit zweieinhalb Monaten die ersten Jungen werfen, so dass der erste Wurf eines jeden Jahres bereits im Spätsommer schon wieder eigene Junge haben kann.

Der Feldhamster muss als Vertreter der r-Strategie, d.h. die Art muss durch eine hohe Nachkommenzahl pro Fortpflanzungsperiode und eine frühe Geschlechtsreife eine hohe Mortalitätsrate kompensieren. Nur eine große Nachkommenzahl sichert den Bestand (Bild: Manfred Sattler)
Bild: Manfred Sattler Des Feldhamsters Nachwuchs

So ist die derzeitige Gefährdung des Feldhamsters ursächlich auf Umstellungen der Landwirtschaft mit zunehmend industrialisierter Produktionstechnik und Veränderungen im Feldfruchtanbau zurückzuführen. Schon wenige Tage nach der Ernte erfolgt die Weiterbearbeitung der Felder und moderne Erntemaschinen lassen zudem kaum Ausfallgetreide übrig.

So ist die Fortexistenz des Feldhamsters auf Projekte einzelner Organisationen angewiesen. Die Deutsche Wildtierstiftung sowie die Arbeitsgemeinschaft Feldhamsterschutz bemühen sich um Maßnahmen. Dabei lassen Landwirte gegen Zahlung von Kompensationsmitteln Getreidestreifen stehen, um Rückzugs- und Nahrungsräume zu gewährleisten. Für die nächste Förderperiode im Agrarsektor der EU, die im Jahr 2020 beginnt, sollten solche oder ähnliche Maßnahmen zur Routine werden, denn davon würden auch viele andere Arten der Feldflur sehr profitieren. Ein Umdenken in der Art der "Ökologisierung" der Landwirtschaft wäre wünschenswert, bedarf aber noch erheblicher politischer Arbeit, wobei die Wirtschaftlichkeit für die Landwirtschaftsbetriebe ebenso im Vordergrund zu stehen hat. Maßnahmen für den gesellschaftlich gewollten Artenschutz können nur von Familien in den Betrieben umgesetzt werden, wenn gleichzeitig die wirtschaftliche Last der Landwirtschaft verringert wird, denn eine Akzeptanz für die Artenschutzmaßnahmen ist unabdingbar für Erfolge.

Wissenswertes und Interessantes:

Wenn die Feldhamster ihre Backentaschen voll mit Nahrung gefüllt haben, reichen diese bis zu den Schulterblättern.
In einem Hamster-Vorratslager wurden einmal 60 Kilogramm Körner, Samen, Hülsenfrüchte und Wurzeln gefunden.
Feldhamster sind gute Schwimmer. Man sagt, sie seien besonders schwimmfähig, da sie im Wasser ihre Backentaschen mit Luft aufblasen.
Die Feldhamster gehören zu den meisterforschten kleinen Säugetieren. Der erste wissenschaftliche Bericht über den Hamster wurde bereits im Jahre 1774 veröffentlicht.
Der Feldhamster gehört zur großen Familie der Wühler, zu der auch Wühlmäuse, Bisamratten, Lemminge und Rennmäuse zählen. Alles in allem gibt es rund 2000 verschiedene Arten von Wühlern.

 
ORDNUNG FAMILIE GATTUNG & Art
Nagetiere Wühler Cricetus cricetus


Vielen Dank an Frau Weingarten von der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild für den Pressetext, sowie an Herrn Manfred Sattler von der Arbeitsgemeinschaft Feldhamsterschutz für die zur Verfügung gestellten Bilder.


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- letzte Aktualisierung: Dienstag, 04. Oktober 2016 -