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Die Stauden des Jahres seit 2000

Eine Aktion Staude des Jahres ist eine Aktivität des Bund Deutscher Staudengärtner im Zentralverband Gartenbau:

Jahr Staude wissenschaftlicher Name
2000 Fetthenne Sedum
2001 Glockenblume Campanula
2002 Astern Aster
2003 Gartensalbei Salvia x memorosa
2004 Storchschnabel Geranium
2005 Anemone (Windröschen) Anemone nemorosa
2006 Phlox (Flammenblume) Phlox
2007 Der Ehrenpreis Veronica
2008 Die Sonnenbraut Helenium
2009 Die Funkie Hosta
2010 Die Katzenminze Nepeta
2011 Die Fetthenne Sedum
2012 Der Knöterich Polygonum (und Aconogonon, Bistorta, Fallopia, Persicaria)
2013 Die Wolfsmilch Euphorbia
2014 Die Elfenblumen Epimedium
2015 Die Segge Carex
2016  Die Iris Iris (pseudacorus)
2017 Die Bergenie Bergenia

Die Staude des Jahres 2017: Die Bergenie - die lange unterschätzte

Rosen, Schneeglöckchen, Taglilien - es gibt Pflanzen, derentwegen werden weite Reisen unternommen, Feste veranstaltet und Gesellschaften gegründet. Es gibt Pflanzen, die sind unauffälliger, aber treu und unkompliziert und werden deshalb hochgeschätzt. Und es gibt die Bergenie (Bergenia). Attraktiv in Blatt und Blüte, vielseitig, unkompliziert und verlässlich und noch dazu in zahlreichen wintergrünen Varianten erhältlich - mit diesen Eigenschaften hätte jede andere Staude längst einen eigenen Fanclub. Die Bergenie jedoch war lange Zeit ein klarer Fall von "verkanntes Genie".

Jedes Blütenbüschel ein kleines Sträußchen - die Bergenie - Staude des Jahres 2017 (Bild: GMH / G.Gieseler) "David" (Bergenia Hybride) schmückt sich ab April mit leuchtend rosaroten Blüten. Ein reizvoller Kontrast zu den vom Winter noch rot-grün verfärbten Blättern.
Jedes Blütenbüschel ein kleines Sträußchen Bild: GMH / G.Gieseler


"Und das nur aufgrund eines Missverständnisses", bedauert Annemarie Eskuche von der gleichnamigen Staudengärtnerei im niedersächsischen Ostenholz. "Die Bergenie galt jahrzehntelang als Schattenpflanze und wurde entsprechend zusammen mit Prachtspieren (Astilbe), Farnen und Schattengräsern an wirklich dunkle Plätze unter Bäumen gepflanzt.


"Wintermärchen (Bergenia purpurascens) wird gerade mal 20 bis 30 cm hoch, aber ihre fantastische Blattfärbung nach dem ersten Frost ist nicht zu übersehen. Wintermärchen - ein Leuchtfeuer von Farben (Bild: GMH / Andre Staude)
Bild: GMH / Andre Stade Ein Leuchtfeuer der Farben - die Sorte "Wintermärchen"

Ihre Heimat ist das südwestliche Sichuan, das östliche und südliche Xizang, das nördliche Yunnan, das nördliche Bhutan, das nordöstliche Indien und das nördliche Myanmar, Nepal und Sikkim.


Dort fühlt sich jedoch eigentlich nur die Kaschmir-Bergenie (Bergenia ciliata) richtig wohl, eine der wenigen nicht wintergrünen Arten. Alle anderen Bergenien vertragen zwar lichten Schatten, entwickeln sich aber umso besser, je sonniger sie stehen.

Knalleffekt in Pink - auch das ist Bergenie (Bild: GMH / G.Gieseler) Einem pinkfarbenen Leuchtturm gleich erhebt sich die überaus robuste Sorte "Eroica" (Bergenia Hybride) über einen Wald aus frischgrüner Steppen-Wolfsmilch (Euphorbia seguieriana ssp. niciciana).
Knalleffekte - einem pinkfarbenen Leuchtturm gleich die Sorte "Eroica" Bild: GMH / G.Gieseler

Die Bergenien (Bergenia) auch Wickelwurzen genannt, sind eine Pflanzengattung aus der Familie der Steinbrechgewächse (Saxifragaceae). Die Bergenia-Arten sind in den zentral- und ostasiatischen Gebirgen beheimatet.

Super Solisten und tolle Teamplayer

Dass sich Bergenien am liebsten auf sonnigen Flächen tummeln, überrascht nicht, wenn man ihre Herkunft kennt: Die robusten Stauden mit den festen Blättern, den fleischigen Blütenstängeln und den in üppigen Büscheln erscheinenden Blütenglocken stammen aus Gebirgsregionen in Ostasien. Dort wachsen die meisten Arten auf Kies- und Geröllflächen mit einigermaßen frischer, nährstoffreicher Erde.

Die bis zu 50 cm hohe Sorte "Monte Rosa" (Bergenia Hybride) türmt wahre Berge an Blüten und attraktivem Laub an. Apart heben sich die dunkelroten Kelchblätter von den tiefrosafarbenen Blüten ab. Bergenien sind wild in Zentralasien beheimatet (Bild: GMH / G.Gieseler)
Bild: GMH / G.Gieseler Die bis zu 50 cm hohe Sorte "Monte Rosa"

Bergenien-Arten sind in Zentral-Asien verbreitet, von Afghanistan über den Himalaya bis in die Volksrepublik China und wachsen vorwiegend in mittleren und höheren Gebirgslagen. Sieben Arten sind in China beheimatet, davon drei nur dort.

"Entsprechend sollten sie auch im Garten verwendet werden, dann sind sie unschlagbar robuste, ganzjährig schöne Strukturpflanzen und blühen überreich", empfiehlt Annemarie Eskuche. Im Beet bilden Bergenien beispielsweise den passenden Kontrast zu zarten Gräsern und grazilen Stauden wie der Sterndolde (Astrantia), auch in Kombination mit verschiedenen Wolfsmilcharten (Euphorbia), Storchschnabel (Geranium) und Astern kommen sie gut zur Geltung.

Bergenien passen hervorragend zu Ziergräsern (Bild: GMH / Bettina Banse) "Beliebt sind Bergenien aber auch als elegante Einfassungsstauden, denn sie kaschieren Beetränder, ohne zu Stolperfallen zu werden.
Die breiten Bergenienblätter passen sehr gut zu Ziergräsern Bild: GMH / Bettina Banse

Die Bergenien-Arten wurden früher in die Gattung Steinbrech (Saxifraga), Sektion Saxifraga sect. Megasea eingeordnet. Der Gattungsname Bergenia wurde 1794 von Conrad Moench in Methodus Plantas Horti Botanici et Agri Marburgensis erstveröffentlicht. Typusart ist Bergenia bifolia Moench, heute ein Synonym von Bergenia crassifolia (L.) Fritsch. Der wissenschaftliche Gattungsname Bergenia ehrt den deutschen Mediziner und Botaniker Karl August von Bergen.

An Teichen fügen sie sich außerhalb der Sumpfzone harmonisch in die Uferbepflanzung ein. Und in Steingärten oder Pflanzgefäßen können sie sich einzeln oder in Gruppen endlich einmal richtig in Szene setzen".

Empfangskomitee: Auch als flächige Pflanzung überzeugen Bergenien rund ums Jahr. Attraktive Findlinge erinnern an die gebirgige Heimat der pflegeleichten Stauden und bringen Ruhe ins Bild. Auch als flächige Pflanzung überzeugen Bergenien (Bild: GMH / Bettina Banse)
Bild: GMH / Bettina Banse Auch als flächige Pflanzung überzeugen Bergenien

Als frostharte Bodendecker, Steingartenpflanzen oder Zierstauden werden Bergenien-Sorten in Parks und Gärten gepflanzt. Da sich mehrere Arten leicht miteinander kreuzen lassen, findet man als Zierpflanzen Hybriden.

Adrett und anpassungsfähig

Die Gartenszenerie beleben, das können Bergenien wirklich und zwar rund ums Jahr - das bekanntlich im Winter beginnt. Der hat bei Bergenien seinen ganz besonderen Reiz: Sobald der erste Frost seinen eisigen Atem über die glänzenden Blätter gehaucht hat, erglühen sie in den herrlichsten Rottönen. Dieser wunderschöne Anblick bleibt auch dann noch erhalten, wenn sich je nach Art und Sorte von März bis Ende Mai feste Stängel mit großen weißen, rosafarbenen, pinken oder purpurroten Glockenblüten aus der Erde schieben. ...

Schon einzelne Bergenien werden zum Blickfang (Bild: GMH Annemarie Eskuche) ... "Erst danach werden die alten Blätter allmählich braun und sollten herausgezogen werden, damit die frischgrünen neuen richtig zur Geltung kommen", rät Eskuche.
Schon einzelne Bergenien werden im Herbst und Winter zum Blickfang Bild: GMH / Annemarie Eskuche

Im Englischen werden die Bergenien oft Pigsqueak (=Schweinequiek) genannt. Dieser kuriose Name leitet sich von dem Geräusch ab, das beim Aneinanderreiben frischer Blätter entsteht.

Der einzige Nachteil an den hiesigen Wintern: Sie bringen nur selten eine schützende Schneedecke. "Sehr früh blühende Sorten sind daher spätfrostgefährdet und sollten nur an geschützten Stellen gepflanzt werden". Das macht aber gar nichts, denn das Sortiment hält zahlreiche später blühende, aber äußerst attraktive Sorten bereit.

Zu den breiten Bergenienblättern passen Ziergräser, Farne und andere Stauden ,mit eher schlanken, in die Höhe strebenden Strukturen. Auch zwischen Farnen kommen Bergenien zur Geltung (Bild: GMH / Annemarie Eskuche)
Bild: GMH / Annemarie Eskuche Zu den breiten Bergenienblättern passen Ziergräser.

Bergenien werden gern von Dickmaulrüsslern heimgesucht. Die Blätter sind dann vom Rand her angefressen und ausgebuchtet.

"Pink Dragonfly" ist wegen der spannenden Farbkombination einer meiner Favoriten: Über dem leuchtend roten Herbstlaub öffnen sich zartrosafarbene Blüten, die nach einiger Zeit in Lachsrosa umschlagen", schwärmt die Staudengärtnermeisterin. Auch "Joker" (rosa, dezente Herbstfärbung), "Oeschberg" (pink, intensive Herbstfärbung) und "Eroica" (pinkviolett, im Herbst rotgrün mit leuchtend roter Blattunterseite) zählen zu ihren Lieblingssorten. "Außerdem die rosafarbene Sorte "Herbstblüte", die sieht nicht nur toll aus, sondern blüht außerdem ab August ein weiteres Mal", freut sich Annemarie Eskuche. Wer weiß, das mit dem Fanclub für die Bergenie könnte letztlich doch noch klappen.

Bergenien punkten auch in Pflanzgefäßen (Bild: GMH / G.Gieseler) Bergenien punkten auch in Pflanzgefäßen, wie dieses Beispiel einer prächtig entwickelten "Pink Dragonfly" beweist. Die erst zartspäter lachrosafarbenen Blüten öffnen sich ab April.
Bergenien punkten auch in Pflanzgefäßen Bild: GMH / G.Gieseler

Die Gattung Bergenia umfasst je nach taxonomischem Konzept zwischen sieben und zwölf Arten:
Kaschmir-Bergenie (Bergenia ciliata) - deren Heimat sind die gemäßigten Gebiete des Himalajas von Kaschmir bis Bhutan, Assam und das östliche Afghanistan.
Herzblättrige Bergenie oder Altai-Herzblatt-Bergenie (
Bergenia cordifolia) - Die Heimat ist Russland.
Dickblatt-Bergenie (
Bergenia crassifolia) - Ihre Heimat ist Xinjiang, das nördliche Korea, die nördliche Mongolei und Russland.

Mit Dünger blühen Bergenien auf

"Bergenien stammen zwar aus dem Hochgebirge und vertragen erstaunlich viel Trockenheit, aber sie freuen sich trotzdem über einen nährstoffreichen Boden und etwas Wasser, wenn es lange nichr geregnet hat", fasst Annemarie Eskuche von der gleichnamigen Gärtnerei die wichtigsten Pflegetipps zusammen.

Ein Platz im Halbschatten oder Schatten ist wie geschaffen für die Kaschmir-Bergenie (Bergenia ciliata). Im Winter ziehen die attraktiven Blätter ein und machen Platz für Vorfrühlingsblüher wie den Winterling. Die Kaschmir-Bergenie mag einen Platz im Schatten (Bild: GMH / G.Gieseler)
Bild: GMH / G.Gieseler Die Kaschmir-Bergenie mag einen Platz im Schatten

Bergenia emeiensis - ihre Varietäten kommen nur im zentralen und westlichen Sichuan in Höhenlagen zwischen 1600 und 4200 Meter vor.
Bergenia pacumbis - ihre Heimat ist das südliche Xizang, das westliche Yunnan, Afghanistan, Bhutan, das nordöstliche Indien, Kaschmir, Nepal, Pakistan und Sikkim.


Gedüngt wird im März und, etwas zurückhaltender, noch einmal im Juni, entweder mit Kompost oder mit einem Volldünger (nach Packungsanleitung dosiert). Gegen die in manchen Gärten auftretenden Dickmaulrüssler helfen Nützlinge, nämlich Nematoden der Gattung Heterorhabditis bacteriophora.

Einige Bergenien-Arten sind endemisch und müssen geschützt werden (Bild: GMH / G.Gieseler) Rustikale Keramik passt gut zu den robusten Bergenien. Wichtig für ein gutes Gedeihen sind humoses Substrat und ein ausreichend großes Wasserabzugsloch am Topfboden. Bei geschlossenen Gefäßen eine 3-5 cm hohe Drainageschicht aus Blähton einplanen.
Rustikale Keramik passt einfach zu den Bergenien. Bild: GMH / G.Gieseler

Bergenia scopulosa - Es ist ein Endemit in Höhenlagen zwischen 2500 und 3600 Meter nur in Qin Ling im südlichen Shaanxi.
Himalaja-Bergenie (
Bergenia stracheyi) - Ihre Heimat ist das südwestliche Xizang, östliche Afghanistan, nördliche Indien, Kaschmir, Nepal, westliches Pakistan und Tadschikistan.
Bergenia tianquanensis - Es ist ein Endemit in Höhenlagen zwischen 2200 und 3300 Meter nur in Tianquan Xian im zentralen Sichuan.

Einen besonderen Pflegetipp brachte die Staudengärtnermeisterin von einer Reise nach Südengland mit: "Eigentlich teilt man Bergenien, wenn sie nach einigen Jahren weniger reichblütig werden und sich die Rhizome aus der Erde schieben. Stattdessen kann man die Rhizome aber auch einfach mit einem Messer anschneiden oder - das ist die grobe Tour für große Pflanzungen - mit einem scharfen Spaten ins Rhizom stechen. Dort treiben sie dann frisch aus und blühen wieder überreich".


Vielen Dank an Frau Tina Banse vom Bund deutscher Staudengärtner (BdS), für das Überlassen der Texte und der  Bilder von G.Gieseler, Andre Stade, Bettina Banse und Annemarie Eskuche.


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- letzte Aktualisierung: Mittwoch, 13. Dezember 2017 -
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