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Die Seevögel des Jahres seit 2014

Der Verein Jordsand e.V. aus Ahrensburg (Schleswig-Holstein) ernennt jedes Jahr den "Seevogel des Jahres"



Der Austernfischer war der erste "Seevogel des Jahres" aus dem Jahre 2014


Jahr Seevogel Familie wissenschaftlicher Name
2014 Austernfischer Austernfischer Haematopus ostralegus
2015 Brandseeschwalbe Seeschwalben Thalasseus sandvicensis
2016 Basstölpel Tölpel Morus bassanus
2017 Eisente Entenvögel Clangula hyemalis
2018 Sandregenpfeifer Regenpfeifer Charadrius hiaticula
2019 Eiderente Entenvögel Somateria mollissima


Die Eiderente ist der Seevogel des Jahres 2019


Der Verein Jordsand zum Schutz der Seevögel und der Natur e.V. hat die Eiderente zum "Seevogel des Jahres 2019" gewählt. Der Brutbestand dieser großen Meeresente ist in Europa innerhalb der letzten 27 Jahre um mehr als 40 Prozent zurückgegangen und auch die Zahlen überwinternder Eiderenten im Wattenmeer und an der Ostsee nehmen deutlich ab. "Dennoch ist der attraktive Vogel in unseren Schutzgebieten an Nord- und Ostseeküste als Brut- und Rastvogel zu beobachten", betont Ina Brüning, Geschäftsführerin des Vereins Jordsand. Besonders beeindruckend sei die Zunahme der Brutpaare auf der Insel Greifswalder Oie bei Rügen, einem Schutzgebiet des Vereins Jordsand, wo die Zahl der brütenden Weibchen in den letzten zehn Jahren von Null auf zuletzt 36 angestiegen ist. "Ein echter Erfolg des Naturschutzes!", so Ina Brüning.


Eiderenten-Pärchen - Seevogel des Jahres 2019 (Bild: Harro H. Müller)  Die gewöhnliche Eiderente verbringt das Leben außerhalb der Brutzeit auf dem Meer, taucht im eisigen, sturmgepeitschten Wasser nach Nahrung und schläft in den wogenden Wellen. Keine andere Ente ist so sehr mit dem Meer verbunden. 
Eiderenten-Pärchen - Seevogel des Jahres 2019 Bild: Harro H. Müller 


Die Eiderente hat ihren Lebensraum weit verbreitet in den gemäßigten und insbesondere arktischen Breiten der nördlichen Hemisphäre. Der globale Bestand umfasst etwa 3,3 - 4,0 Millionen Individuen, europaweit leben ca. 1,6 - 1,9 Millionen Eiderenten. In Deutschland brütet die Eiderente mit mehr als 95 Prozent des Bestandes hauptsächlich an der Nordseeküste, die Ostsee ist seit 1985 ebenfalls Brutgebiet. Außerdem beherbergt Deutschland mit mehr als 400.000 Individuen einen großen Anteil des Winterbestandes (40 Prozent der biogeographischen Population) und hat deshalb eine besondere Verantwortung zum Erhalt der Art. Der deutsche Brutbestand macht dagegen mit 1000 - 1400 Brutpaaren einen vergleichsweise kleinen Anteil aus, in den Jordsand-Schutzgebieten gab es 2017 mindestens 235 Brutpaare.


In mehreren Unterarten brütet die Eiderente an den arktischen Küsten und Inseln rund um den Nordpol von Westeuropa bis an die Beringstraße und vom westlichen Alaska bis Grönland.
Nach Süden reicht das Brutvorkommen bis an die Nordseeküste Deutschlands und der Niederlande.
Weltweites Vorkommen der Eiderente
  Weltweites Vorkommen der Eiderente


Übersetzt bedeutet der wissenschaftliche Name der Eiderente Somateria mollissima "die Allerweichste mit dem schwarzen Körper". An Land wirkt die Eiderente eher ungeschickt, ist dafür aber ein guter Schwimmer und Taucher. Bei ihren Tauchgängen nach Muscheln, Schnecken und Krebstierchen taucht sie gewöhnlich bis zu einer Wassertiefe von sechs Metern, beoachtet wurden aber auch schon Tauchgänge bis zu 50 Meter.


Ordnung Familie Gattung Art
Entenvögel (Anseriformes) Entenverwandte (Anatidae) Eiderenten Eiderente


Die Eiderente hat eine Körperlänge von durchschnittlich 58 Zentimetern, ihr Körpergewicht beträgt ca. 2,2 Kilogramm. Aufgrund der hohen Schnabelwurzel, die direkt in die Stirn übergeht, wirkt der Kopf der Eiderente keilförmig. Im Flugbild ist sie von kräftiger Gestalt, an dickem und kurzem Hals sowie der auffallenden Kopfform ist sie deutlich zu erkennen.

Das Brutkleid des männlichen Vogels ist am Rücken sowie an der Brust überwiegend weiß. An der Brust ist das Gefieder leicht rosafarben überhaucht. Der Bauch, die Flanken, die Bürzelmitte, der Schwanz, die Ober- und Unterschwanzdecke sowie die Kopf-Oberseite sind schwarz gefiedert. Am Nacken ist das Gefieder dagegen hell moosgrün. Die Nackenfedern sind leicht verlängert, so dass sie eine kleine Holle bilden. Der Schnabel des Erpels ist im Prachtkleid gelbgrün, ansonsten blaugrau bis grüngrau. Als Ruhekleid trägt das Männchen dagegen ein dunkelbraunes Gefieder, das stellenweise mit weißen Gefiederpartien durchsetzt ist.


Weibchen brüten teilweise schon im zweiten Lebensjahr, mitunter erst im vierten (Bild: Gunther Zieger) Das Weibchen trägt während des gesamten Jahres ein eher unauffälliges dunkel- bis gelblichbraunes Gefieder, durch das sich am Körper dichte schwarze Gefiederbänder ziehen.
Weibchen brüten teilweise schon im zweiten Lebensjahr, mitunter erst im vierten. Bild: Gunther Zieger


Der Hals und der Kopf des Eiderenten-Weibchens sind dagegen stärker einfarbig braun. Der Schnabel der Eiderente ist beim Weibchen eher dunkelgrün.
Jungvögel beider Geschlechter gleichen in ihrer Gefiederfärbung den Weibchen. Sie sind jedoch etwas dunkler in ihrer Gefiederfarbe und weniger stark gebändert. Junge Erpel tragen das voll ausgebildete Prachtkleid des Männchens im 3. oder 4. Lebensjahr.

Gelegentlich nistet die Eiderente in Moorgebieten oder gar im Wald, aber in der Regel wählt sie einen Ort nahe der Gezeitenlinie. An bevorzugten Plätzen, auf kleinen Inseln, wo keine Feinde wie Füchse oder Ratten leben, nisten Eiderenten manchmal in großen Kolonien. Die Nester liegen allerdings immer mehrere Meter auseinander. Jeder Vogel verteidigt eifersüchtig seinen Nistbezirk. Ist der Nistplatz erwählt, gehen Erpel und Ente in der Regel getrennte Wege. Der Erpel mausert sich und sie baut ein Nest aus Gras und Seetang. Mit Dunen, die dieser Entenart fast zum Verhängnis wurde, die das Weibchen sich aus ihrer Brust ausrupft, kleidet sie das Nestgebilde aus, als Wärmeschutz für die Eier. Nur selten verläßt sie das Nest, wenn doch bedeckt sie die Eier mit den Dunen, um sie den Blicken von Räubern, wie etwa den Raubmöwen, zu entziehen. Die meiste Zeit jedoch sitzt sie regungslos beim Brüten und ist durch ihr unauffälliges Gefieder nur schwerlich zu entdecken.

Die schwarzen, bedunten Entenküken sind nur kurz nach dem Schlüpfen auf den Beinen und werden nach wenigen Stunden von der Mutter zum Meer geführt. Sie springen sofort in die Brandung, um die ruhigere See weiter draußen zu erreichen.

Nur wenige Wäschestücke können es, was Wärme und geringes Gewicht betrifft, mit einer Eiderdaunendecke aufnehmen. Im hohen Norden, wo Wärmeschutz absoluten Vorrang hat, waren die Daunen von der Eiderente schon immer ein hochgeschätztes Gut. Dies trug den Eiderenten seit jeher ungewöhnlich hohes Ansehen ein. Ein Island-Besucher schrieb einmal im Jahre 1780 über die Eiderente, dass sie "von großem Nutzen für die Bevölkerung ist, die sie als eine Art Kleinod betrachtet und man hört nur selten, dass ein kluger Mann sie schießt oder tötet".
In Skandinavien uns auf Island werden die Eiderenten angeregt, künstlich errichtete Nistplätze aufzusuchen. Jede Eiderente produziert genug Daunenfedern, um jährlich zwei Nester damit auszukleiden. Dem Nest wird ein Teil der Daunen entnommen, gleich nach der Eiablage. Die Eiderente ersetzt sie sofort wieder und nachdem die Jungen das Nest verlassen haben, werden durch die Sammler alle Daunen aus dem Nest geholt. Um eine Decke mit Daunen zu füllen, benötigt man die Menge von bis zu einhundert Nestern.

Im Bereich des Nordatlantiks und seiner Nebenmeere haben die einst sehr gefährdeten Brutbestände wieder zugenommen. Dies ist wohl darauf zurück zuführen, dass es einen gesetzlichen Schutz für die Eiderente gibt, der das Eier- und Dunensammeln verbot oder streng reglementierte.


Eiderenten wandern in der Regel nicht sehr weit und sind höchstens Kurzstreckenzieher. Manche halten den Winter über sogar in nordischen Meeren aus. In Europa liegen die Hauptwinterquartiere an den Küsten Mittel- und Nordwesteuropas. Aber auch in das Binnenland gelangen Eiderenten im Winterhalbjahr.
So gelangte wohl auch ein Erpel bis an den Main und blieb auch einen Sommer über hier. 
Eiderenten-Gruppe über Norderoog (Bild: Harro H. Müller) 
Bild: Harro H. Müller  Eiderenten-Gruppe über Norderoog


"Die Eiderente ist heute einer Vielzahl von Bedrohungen ausgesetzt", gibt Ina Brüning zu Bedenken. "Und viele der Gefährdungen sind menschgemacht". In den Überwinterungsgebieten macht sich eine abnehmende Nahrungsmenge und -qualität aufgrund des Klimawandels bemerkbar. So wird eine allgemeine Nahrungsverknappung beobachtet, etwa durch die Muschelfischerei, aber auch durch abnehmende Nahrungsquantität und -qualität aufgrund des Klimawandels. In der Ostsee können warme Sommer - wie im letzten Jahr - zu Sauerstoffmangel führen und Muschelbestände reduzieren. Störungen, z.B. durch Fischerei oder Freizeitaktivitäten halten die Tiere von der Nahrungssuche ab und verursachen höhere energetische Kosten durch Fluchtbewegungen. Lebensraum auf dem Meer geht verloren oder bleibt nur noch eingeschränkt nutzbar, wo intensiver Schiffsverkehr, Rohstoffabbau und die Errichtung von Offshorebauwerken betrieben wird. Schleichende Verölung und Pestizide setzen die Körperkonstruktion herab oder führen direkt zum Tod.


Eiderente (Somateria mollissima)

Länge: ca. 50 - 71 cm;
Flügelspannweite: ca. 80 - 108 cm;
Gewicht: 1915 - 2215 g;
Brutzeit: Anfang Mai im Süden, bis Mitte Juni im Norden; 1 Jahresbrut.
Gelegegröße: zumeist 4 - 6 hellgrüne, oliv, gräulich oder bläuliche, glatte Eier, mit schwachem Glanz.
Brutdauer: 25 - 28 Tage;
Nestlingszeit: die Küken sind Nestflüchter. Das Weibchen führt. Mit 65 - 75 Tagen flugfähig. Oft schon ab dem 50ten Tag selbstständig.
Nahrung: Muscheln, Schnecken und Krebstiere, Seesterne. 
Alter / Sterblichkeit: 15 Jahre
Gefahren: Greifvögel, Fuchs, Möwen und der Mensch.


Die Nahrung der Eiderenten besteht größtenteils aus Tieren, die am Boden seichter Meeresabschnitte leben, also Muscheln, Krebstiere oder Stachelhäutern. Dabei werden mancherorts vor allem die Vorkommen der Miesmuschel gezielt ausgebeutet, was den Ärger der Muschelfischer hervorruft. Muscheln passender Größe werden als Ganze verschlungen. An sehr seichten Stellen gelangen Eideranten auch mit dem Kopf unter Wasser schwimmend oder gründelnd an ihre Beute. Im Watt suchen sie auch zu Fuß nach Nahrung. Die Küken leben von kleinen Muscheln und können später selbst schnell bewegliche Krebstiere fangen. Bei der Eiderente spielen Fische in der Ernährung eher eine untergeordnete Rolle. Auch sind Pflanzenteile für die Nahrung unbedeutend.


Die Eiderente ist ein robuster Vogel der mit den Unbillen des Meeres bestens fertig wird (Bild: Gunther Zieger)  Die Eiderente schläft auf gischtdurchnäßten, von Brandung umtosten Felsen. Auf dem Meer trotzen die Eiderenten den Stürmen, schnellen an den Wellenbergen empor und lassen sich mit an die Brust gedrückten Köpfen in die Wellentäler hinabfallen.
Die Eiderente ist ein robuster Vogel der mit den Unbillen des Meeres bestens fertig wird Bild: Gunther Zieger 


Auch auf anderen Wegen erleiden Eiderenten durch Menschenhand gewollt und ungewollt erhebliche direkte Verluste. In mehreren Ländern der Ostsee werden Eiderenten weiterhin bejagt. So werden in Dänemark jährlich an die 50.000 Eiderenten geschossen. In den Stellnetzen der Fischerei, die auch in den deutschen Meeresgebieten in großer Zahl gesetzt werden, ertrinken jährlich tausende von tauchenden Wasservögeln. Die häufigsten Opfer in der südwestlichen Ostsee: Eiderenten. "Vor dem Hintergrund der rückläufigen Eiderentenpopulation in der Ostsee fordert der Verein Jordsand endlich wirkungsvolle Maßnahmen zur Begrenzung des Beifangs!", so Ina Brüning.

Wissenswertes & Interessantes

Die erste Lebenswoche ist für die Eiderente auch die gefährlichste: In den wenigen Stunden zwischen dem Schlüpfen und dem Erreichen des Meeres fällt über die Hälfte der Brut Raubtieren oder Möwen zum Opfer.
Die Eiderente könnte den Anstoß zur Errichtung des ersten Vogelschutzgebietes gegeben haben. Von St.Cuthbert, einem Eremiten, der im siebten Jahrhundert lebte, heißt es, dass er die Eiderente auf den Farne-Inseln, seiner Heimat, unter Schutz stellte. Die Eiderente ist auch dort unter dem Namen St.Cuthbert-Ente bekannt.
Das Männchen folgt dem Weibchen zu dessen Brutplatz, der oft weit entfernt ist von dem Gebiet, im dem das Männchen einst geschlüpft ist. Bereits kurz nach der Eiablage gehen die Paare getrennte Wege.
Der Schwerpunkt des Brutgebietes der Eiderenten liegt auf Island, wo etwa 450.000 Paare brüten, sowie an der Ostsee, wo sich bis zu 600.000 Paare zur Brut versammeln.


Die Gefährdungen führen bei den Eiderenten zu einer reduzierten Fitness und erhöhter Mortalität, bis hin zu Massensterben. Auffällig und noch nicht abschließend geklärt ist die Abnahme des Anteils an Weibchen in den Populationen. Die Eiderente wird auf der Roten Liste der IUCN (International Union for Conservation of Nature) auf der Vorwarnliste geführt. In der Ostsee gilt sie nach Einschätzung der HELCOM als gefährdet.

Schutzstatus: IUCN Red List: potentiell gefährdet. HELCOM: Brut gefährdet. Rast stark gefährdet. Grund: Populationsrückgang seit den 1990er Jahren, in den wichtigsten Brutgebieten um bis zu 39% in 15 Jahren. Insgesamt wird der Rückgang innerhalb von drei Generationen (21 Jahre) auf über 30% geschätzt. Die Zahlen der Rastvögel insgesamt sind bis zu 61% zurückgegangen (1993 - 2014 21 Jahre, HELCOM Red List of Breeding Birds, HELCOM 2012), die Zahlen in den Jahren 1991 bis 2000 zeigten einen starken Rückgang, anschließend stiegen die Bestandszahlen im Ostseeraum zwischen 2000 - 2009, während sie im Wattenmeerraum sanken.

Seit über 100 Jahren hat sich der Verein Jordsand dem Schutz von Seevögeln an unseren Küsten verschrieben. Er betreut über 20 Schutzgebiete vorwiegend an Nord- und Ostsee, von Helgoland über das nordfriesische und hamburgische Wattenmeer, die Unterelbe, bis zur schleswig-holsteinischen und vorpommerschen Ostseeküste rund um Rügen. Zum mittlerweile sechsten Mal ernennt der Verein Jordsand einen seiner Schützlinge zum "Seevogel des Jahres". Nach dem Austernfischer (2014), der Brandseeschwalbe (2015), dem Basstölpel (2016), der Eisente (2017) und dem Sandregenpfeifer (2018) wurde auf der jährlich stattfindenen Gremiensitzung nun die Eiderente zum Seevogel des Jahres bestimmt.


Vielen Dank an Frau Ina Brüning, Geschäftsführerin, Verein JORDSAND zum Schutze der Seevögel und der Natur e.V., für den Pressetext und für die Möglichkeit die Bilder von Herrn Harro H. Müller auf unserer Seite zeigen zu dürfen.Vielen Dank auch an einen meiner Bildreferenten Herrn Gunther Zieger für seine zur Verfügung gestellten Bilder.


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- letzte Aktualisierung: Donnerstag, 27. Juni 2019 -
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