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Die Seevögel des Jahres seit 2014

Der Verein Jordsand e.V. aus Ahrensburg (Schleswig-Holstein) ernennt jedes Jahr den "Seevogel des Jahres"



Der Austernfischer war der erste "Seevogel des Jahres" aus dem Jahre 2014


Jahr Seevogel Familie wissenschaftlicher Name
2014 Austernfischer Austernfischer Haematopus ostralegus
2015 Brandseeschwalbe Seeschwalben Thalasseus sandvicensis
2016 Basstölpel Tölpel Morus bassanus
2017 Eisente Entenvögel Clangula hyemalis

Die Eisente ist der Seevogel des Jahres 2017

Die Eisente ist der Seevogel des Jahres 2017. Der farbenfrohe Meeresvogel ist ein Wintergast aus dem Norden und rastet jedes Jahr in großen Trupps vor allem in der Ostsee. Die einst häufige Tauchente wird jedoch seit einigen Jahren immer seltener, teilte der Verein Jordsand zum Schutz der Seevögel und der Natur in Ahrensburg mit.

Eisente-Pärchen - Seevogel des Jahres 2017 (Bild: Harro H. Müller / Verein Jordsand) Die Eisente verbringt ihr ganzes Leben auf dem Meer. Im Sommer kommt sie zum Brüten ins Inland. Ihre Brutgebiete gehören zu den nördlichsten aller nordischen Entenarten.
Eisente-Pärchen - Seevogel des Jahres 2017 Bild: Harro H.Müller / Verein Jordsand

"Die Eisente wurde als Seevogel des Jahres 2017 gewählt wegen der erschreckenden Erkenntnis, dass die noch vor kurzem weltweit häufigste Meeresente heute dramatische Bestandseinbrüche aufweist", sagte der Vereinsvorsitzende Eckart Schrey. Dies gelte insbesondere für die hierzulande überwinternde Population aus Nordosteuropa und Westsibirien.

Die Gründe für den Rückgang seien nur unzureichend bekannt. "Maßgeblich sind aber neben Gefahren im Brutgebiet auch das Ertrinken in Stellnetzen der Fischerei, knappere Nahrungsressourcen durch Muschelfischerei sowie Sand- und Kiesabbau und der zunehmende Schiffsverkehr", erklärte Schrey. Ein neues Problem seien Offshore-Windanlagen, die als Barriere im Meer wichtige Rastgebiete zerschneiden. Auswirkungen des Klimawandels bis in die Eismeerregionen kommen vermutlich hinzu. Zudem wird die Ente vor allem in Russland sowie in Finnland und Dänemark noch gejagt.

Die Eisente ist die einzige Entenart, bei der beide Geschlechter dreimal im Jahr das Gefieder wechseln. Der größte Teil des Bestandes überwintert auf dem Meer (Bild: Gunther Zieger)
Bild: Gunther Zieger Der größte Teil des Bestandes überwintert auf dem Meer

Der Gesamtbestand in den Brutgebieten von Nordeuropa bis Westsibirien wird auf 1,6 Millionen Vögel geschätzt. Im Jahr 2002 waren es noch 4,6 Millionen, also ein rapider Schwund binnen 14 Jahren. Der Weltbestand, zusätzlich mit Ostsibirien, Nordamerika, Grönland und Island, sank von über 7 Millionen auf jetzt 3,5 Millionen. Deshalb stufen internationale Fachgremien die Art auch als in ihrem Bestand gefährdet und regional sogar als stark gefährdet ein.

An den Küsten Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein überwintern bis zu 315.000 Eisenten. Schwerpunkte der Vorkommen sind die Seegebiete vor der Insel Rügen und der Halbinsel Zingst, der Greifswalder Bodden und die Pommersche Bucht. In der westlichen Ostsee verzeichnen die Kieler und Lübecker Bucht größere Bestände. An der Nordsee und im Binnenland bis zum Bodensee tauchen die Meeresvögel nur selten auf.

Feldbeobachtungen:

Die Eisente ist leicht zu erkennen. Keine andere Ente weist die gleiche Farbverteilung und geringe Größe, den hübschen Kopf, die hohe Stirn und den kurzen Schnabel auf. Sie ist die einzige Ente mit dunklen Flügeln und großen weißen Abzeichen an Rumpf und Kopf. Der spitze Schwanz ist besonders im Flug gut zu erkennen.
Eisenten kommen im Spätherbst in großer Zahl zum Überwintern an die Ostsee. Die meisten von ihnen erscheinen zwischen Ende Dezember und Februar. Bis Anfang Mai sind sie wieder nach Norden in ihre Brutgebiete aufgebrochen.
Man kann sie gelegentlich in kleiner Anzahl auch auf Seen im Binnenland sehen.

Mit 36 bis 47 Zentimetern Größe und 685 bis 800 Gramm Gewicht (Männchen sind größer als Weibchen) zählt die Eisente zu den kleinen Entenarten. Das Federkleid wechselt in den Mauserstadien von mehr Weiß- zu Schwarz- und Braunanteilen bis hin zu einem elegant-puristischen Mix von silbergrauschwarz-weiß-braun. Bei den Männchen fallen zudem die bis zu 13 Zentimeter langen Federspieße des Schwanzes auf. Beginnend von Mai bis Juni werden auf kleinen Süßgewässern in der Tundra binnen gut drei Wochen 5 - 9 Eier ausgebrütet. Der älteste Ringvogel wurde 21 Jahre alt. Die Tauchente frisst Muscheln, Mollusken, Krebstiere, kleine Fische, Fischlaich und Insektenlarven.

Die verlängerten Schwanzfedern des Erpels werden bis zu 13 Zentimeter lang (Bild: Axel Halley / Verein Jordsand) Die Eisente ist wohl der "Startaucher" unter den zehn in Mitteleuropa auftretenden Taucherentenarten. Sie kann bis zu 60 Sekunden unter Wasser bleiben und auf der Suche nach kleinen Fischen, Weichtieren, Krebsen und ähnlicher Beute bis zu 50 Meter tief tauchen.
Die verlängerten Schwanzfedern des Erpels werden bis zu 13 Zentimeter lang Bild: Axel Halley / Verein Jordsand

Um den Niedergang auch dieser Seevogelart zu stoppen, fordert der Verein Jordsand strikte Schutzanstrengungen. Eckart Schrey: "Es müssen schnellstmöglich Schutzgebietsverordnungen erlassen und Managementpläne entwickelt werden, die ein gefahrloses Überwintern bei uns sicherstellen. Die in unserer Verantwortung liegenden Rast- und Nahrungsgebiete dieser anmutigen kleinen Ente müssen endlich ausreichend geschützt werden".

Auch Eisenten brüten in der Arktis von Island bis Nordostsibirien und von Alaska bis Grönland. In Europa reicht ihr Brutgebiet bis in den Süden Skandinaviens. Verbreitungsgebiet der Eisente
  Verbreitungsgebiet der Eisente

Der wissenschaftliche Name der Eisente lautet Clangula hyemalis und beschreibt sie so als lauten Wintervogel vor allem Dank der fast geschwätzigen melodischen Rufe der Männchen. Sie werden manchmal mit dem Klang von Dudelsäcken verglichen. In Amerika brachte das dem Vogel den volkstümlichen Namen "Old Squaw" ein, also so geschwätzig wie Inuit-Frauen. Der englische Name ist Long-tailed Duck.

Merkmale der Eisente:

Größe: Männchen 58 - 60 cm; Weibchen 36 - 47 cm;
Flügelspannweite: ca: 73 - 79 cm;
Gewicht: 685 - 800 g;
Geschlechtsreife: ab dem 2 - 3 Lebensjahr;
Brutzeit: Ende Mai im Süden, bis Juli im Norden; 1 Jahresbrut;
Gelegegröße: 5 - 9 glatte, gelbliche mit schwacher olivfarbener Tönung, oder mehr grünliche, Eier;
Brutdauer: 24 - 29 Tage;
Nestlingszeit: Nestflüchter, nur die Weibchen führen die Jungen. Oft Kindergärten aus mehreren Bruten. Mit 35 - 40 Tagen flügge.
Nahrung: Muscheln, Krebstiere, Insekten. Am Brutplatz Mückenlarven.
Lebenserwartung: Ältester Ringvogel 21 Jahre und 2 Monate. Sterblichkeit unklar.
Verwandtschaft: Zur Unterfamilie der Tauchenten gehören die Eiderente und die Trauerente.

Verbreitung

Häufigste und am weitesten verbreitete Entenart der Tundrazone Eurasiens und Nordamerikas. Brütet in Europa in Island, im nördlichen Skandinavien bis in das arktische Russland.

Lebensraum

Brütet vorwiegend auf kleinen Süßgewässern in der Tundra. In Bereichen mit tundraähnlichen Bedingungen auch an der Küste und auf vorgelagerten, küstennahen Inseln brütend. Außerhalb der Brutzeit auf küstennahen Brack- und Salzgewässern. Bevorzugt Flachgründe bis 20 m Wassertiefe.

Bestand

Weltbestand 3,1 bis 3,7 Millionen Individuen. Brutbestand in Europa Teil der Westsibirien-Nordeuropa-Population: Mitte der 2000er 690.000 - 750.000 Brutpaare, aktuell wesentlich niedriger. 90% aller Eisenten in Europa überwintern in der Ostsee, davon bis zu 350.000 Vögel in Deutschland.

Wissenswertes & Interessantes

In Nordamerika heißt die Eisente Oldsquaw. Offenbar vergleicht man ihre Rufe mit dem Gesang alter Indianerfrauen.
Besonders in Sibirien wurden Eisenten von jeher zum Verzehr gejagt.
Kurz nachdem das Weibchen mit dem Bebrüten der Eier begonnen hat, verlassen die Männchen die Brutgebiete und versammeln sich an den Küsten und Seen, um zu mausern.
Manche Weibchen müssen ihre Jungen zur Mauser veranlassen, bevor sie überhaupt flügge sind.
Es kann vorkommen, dass zwei Enten ihre Eier in dasselbe Nest legen. Das gemeinsame Gelege kann dann bis zu 17 Eier umfassen.

Kennzeichen

Kleine Meeresente mit rundem Kopf und kurzem stumpfen Schnabel. Flügel einfarbig dunkel, recht schmal und zugespitzt. Mittlere Steuerfedern der adulten Männchen bis 13 cm lang. Hinsichtlich der Färbung ausgeprägter Geschlechtsdimorphismus. Beide Geschlechter im Herbst / Winter mehr weißes, im Frühjahr / Sommer dunkelbraunes Gefieder. Komplexe Gefiedermauser mit 4 Mauserphasen pro Jahr.

Im Prachtkleid sind die Erpel dieser hochnordischen Entenart leicht zu erkennen (Bild: Mathias Mähler / Verein Jordsand) Aber nur im Winter zeigen sie sich im überwiegend weißen, mit schwarzer Zeichnung und Gefiederpartien durchsetzten Gefieder.
Im Prachtkleid sind die Erpel dieser hochnordischen Entenart leicht zu erkennen Bild: Mathias Mähler / Verein Jordsand

Brut

Die Eisente ist ein Einzelbrüter. Sie wird geschlechtsreif ab dem 2 - 3 Lebensjahr. Monogame Saisonehe. Legebeginn ab Mai, im Norden ab Juni. Brutdauer: 24 - 29 Tage. Gelegegröße: 5 - 9 Eier. 1 Jahresbrut. Nestlingszeit: 35 - 40 Tage. Nur Weibchen führen die Jungen, oft Kindergärten aus mehreren Bruten.

Alter / Sterblichkeit

Generationslänge: 4 Jahre. Ältester Ringvogel 21 Jahre und 2 Monate. Sterblichkeit unklar.

Nahrung

Nahrungserwerb durch Tauchen bis zum Gewässergrund. Tauchtiefe abhängig vom Nahrungsgebiet. Tauchzeit 15 - 40 Sekunden. Zur Brutzeit v.a. Insektenlarven, aber auch Fischlaich, Crustaceen (Krebstiere) und Mollusken (Weichtiere, wie Schnecken). Im Winter vorwiegend Muscheln, z.T. Fischlaich, kleinere Fische, Polychaeten (Vielborster = eine Klasse der Ringelwürmer) und Crustaceen. Im Frühjahr im Greifswalder Bodden und in Pommerscher Bucht v.a. Heringslaich.

Verhalten

Zur Brutzeit einzeln oder kleine Gruppen. Außerhalb der Brutzeit sehr gesellig, z.T. Trupps von tausenden Vögeln. Im Binnenland selten und meist einzeln. Auffallend große Fluchtdistanz gegenüber Schiffen.

Wanderungen

Überwiegend Kurzstrecken- und Teilzieher. Sommerlicher Mauserzug der Männchen. Zug in die Winterquartiere ab Oktober, v.a. im November / Dezember. Heimzug ab Februar und im Laufe des März / April. Brutvögel aus Skandinavien überwintern vor der Küste Norwegens. Überwinterer in der Ostsee brüten vorwiegend in Nordrussland. Kleine Wintervorkommen vor der Nordseeküste Deutschlands und der Niederlande sowie an der Küste Großbritanniens. Brutvögel Islands und Grönlands überwintern im Nordatlantik. Sibirische und nordamerikanische Vögel überwintern in großer Zahl im Nordpazifik.

Gefahren

Zahlreiche anthropogene Gefährdungen: Verfangen und Ertrinken in Stellnetzen, Störungen durch Schiffsverkehr, Beeinträchtigung und Zerstörung von Nahrungsgründen durch Muschelfischerei sowie Sand- und Kiesabbau, Gefährdung durch Ölverschmutzung. Weitere Gefahren durch technische Hindernisse: Kollisionsrisiko z.B. an Offshore-Windkraftanlagen, Beleuchtung von Bauwerken, Zerschneidung und Verkleinerung des Lebensraumes.

Verfolgung

Jagd in der EU zumeist verboten. Jagd in Europa noch in Dänemark, Finnland und v.a. in Russland.

Schutzstatus

IUCN Red List: gefährdet. HELCOM: stark gefährdet. Grund ist der rezente (gegenwärtig auftretende) starke Rückgang in der Ostsee.


Vielen Dank an Verein JORDSAND zum Schutze der Seevögel und der Natur e.V., für den Pressetext und an Herrn Sebastian Conradt, Chefredaktion Seevögel, für die Möglichkeit Bilder von Herrn Harro H. Müller, Herrn Axel Halley und Herrn Mathias Mähler veröffentlichen zu können. Herr Gunther Zieger steuerte ebenso ein Bild bei. Vielen Dank.


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- letzte Aktualisierung: Mittwoch, 13. Dezember 2017 -
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