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Das Moos des Jahres seit 2005

Erstmals hat die Bryologisch-lichenologische Arbeitsgemeinschaft für Mitteleuropa (BLAM) für 2005 ein Moos des Jahres gewählt. Die Entscheidung fiel dabei auf das Silber-Birnmoos.

Für die Jahre sind dies:

Jahr Reptil - Amphibie wissenschaftlicher Name
2005 Das Silber-Birnmoos Bryum argenteum
2006 Das Quellmoos Fontinalis antipyretica
2007 Das Polsterkissenmoos Grimmia pulvinata
2008 Das Hübsche Goldhaarmoos Orthotrichum pulchellum
2009 Das Graue (Gemeine) Weißmoos Leucobryum glaucum
2010 Das Gemeine Widertonmoos Polytrichum commune
2011 Das Tännchenmoos Thuidium abietinum
2012 Das Grüne Koboldmoos Buxbaumia viridis
2013 Das Brunnenlebermoos Marchantia polymorpha
2014 Das Wimpern-Hedwigsmoos Hedwigia ciliata
2015 Das Leuchtmoos Schistostega pennata
2016 Das Mittlere Torfmoos Sphagnum magellanicum
2017 Das Weiche Kamm-Moos Ctenidium molluscum

Das "Weiche Kamm-Moos" (Ctenidium molluscum) ist das Moos des Jahres 2017

Die Besiedlung von Kalkfelsen - insbesondere der steilen und besonnten Partien - stellt für die meisten Pflanzen und andere photosynthetisch aktive Organismen eine kaum zu meisternde Herausforderung dar. Fehlender Wurzelraum, Nährstoffarmut, Trockenheit und starke Sonneneinstrahlung ermöglichen es nur einigen Spezialisten, hier Fuß zu fassen. Während Ritzen und Spalten auch noch von einigen Blütenpflanzen erobert werden können, finden sich an den mehr oder weniger glatten Wänden nur noch Moose, Flechten, Cynobakterien und einige wenige Algen.

Das Weiche Kamm-Moos ist das Moos des Jahres 2017 (Bild: Michael Lüth) Das Weiche Kamm-Moos überzieht großflächig Kalkfelsen vorwiegend in Wäldern und gehört mit seinem grün-goldenem Glanz und der feinen Fiederung zu unseren schönsten Moosen.
Weiches Kamm-Moos an einer Felswand Bild: Michael Lüth


Unter den Moosen sind dies vor allem polsterförmig wachsende Arten der Gattungen Kissenmooes (Grimmia) und Spalthütchen (Schistidium), während mattenbildende Arten zumindest kleine Ansatzpunkte in Form von Spalten, Ritzen oder Verebnungen und eine gewisse Beschattung benötigen. Zu letzteren gehört das Weiche Kamm-Moos (Ctenidium molluscum), unser Moos des Jahres 2017.

Die Lebensgemeinschaften von Kalkfelsen sind in ganz Mitteleuropa außerhalb der Alpen bedroht und bedürfen eines besonderen Schutzes. Das Weiche Kamm-Moos gehört zu der Lebensgemeinschaft der Kalkfelsen (Bild: Michael Lüth)
Bild: Michael Lüth Weiches Kamm-Moos (Ctenidium molluscum)

Aussehen

Ctenidium molluscum bildet große Matten, die gelbgrün bis gelbbraun gefärbt sind, einen seidigen Glanz aufweisen und eine Ausdehnung von über einem Meter erreichen können. Die Einzelpflanzen erinnern durch dichtstehende, regelmäßig angeordnete Seitenästchen an kleine Farnwedel. Die Astblättchen sind gleichmäßig in eine scharfe Spitze ausgezogen, am Rand deutlich gesägt und sichelförmig einseitswendig gekrümmt. Die Rippe ist, wie auch bei den etwas größeren und breiteren Stämmchenblättern, kurz und doppelt oder fehlend.

Das Weiche Kamm-Moos kommt auf der gesamten Nordhalbkugel vor (Bild: Michael Lüth) Das Weiche Kamm-Moos ist auf der gesamten Nordhalbkugel verbreitet und kommt von den Kanarischen Inseln bis über den Polarkreis vor.
Weiches Kamm-Moos (Ctenidium molluscum) Bild: Michael Lüth

Unter den dicht beasteten Arten mit sichelförmigen Blättchen kann es allenfalls mit dem Federmoos (Ptilium crista-castrensis) verwechselt werden, das aber deutlich faltige Blättchen besitzt und in der Regel auf sauren Substraten (Rohhumus) vorkommt. Bei dem größeren Üppigen Kamm-Moos ( Ctenidium procerrimum = Hypnum p.) sind die Blattränder nicht gesägt.

Die Laubblätter des Weichen Kamm-Mooses sind dicht und einfach gefiedert, dies führt zu einer charakteristischen Dreiecksform der einzelnen Wedel. In Mitteleuropa ist diese Art von der alpinen Stufe bis an die Küste bekannt (Bild: Heike Hofmann)
Bild: Heike Hofmann Weiches Kamm-Moos (Ctenidium molluscum)

Vorkommen, Verbreitung und Gefährdung

Die Art ist auf der gesamten Nordhalbkugel verbreitet und kommt von den Kanarischen Inseln bis über den Polarkreis vor. In Mitteleuropa ist sie von der alpinen Stufe bis an die Küste bekannt, mit einer deutlichen Bevorzugung der Kalkgebirge. Ihren Schwerpunkt hat sie an Kalkfelsen, hier vor allem an leicht geneigten Flächen, tritt aber auch an anderen basenführenden Gesteinen oder sekundär an Betonmauern auf.

Bei Feuchtigkeit ist die Farbe des Kamm-Mooses kräftig grün (Bild: Heike Hofmann) Die Blattfarbe vom Kamm-Moos ist bei Feuchtigkeit kräftig grün, bei Trockenheit goldgrün bis goldbraun. Das Moos bildet dichte Rasen.
Die hier zu sehenden Sporenkapseln gehören zu einem anderen Moos Bild: Heike Hofmann

Sowohl hinsichtlich des Lichtgenusses wie auch des Wasserhaushalts bevorzugt sie mittlere Standorte, meidet also einerseits voll besonnte und andererseits tiefschattige Stellen, jeweils von mäßig trocken bis feucht. Sie gilt als Kennart des Verbandes Ctenidion molluci, dem sie auch den Namen gibt.

Neben Kalkfelsen vermag die Art auch kalkreiche Niedermoore zu besiedeln ... Hier ist das Weiche Kamm-Moos mit reifen Sporenkapseln zu sehen (Bild: Michael Lüth)
Bild: Michael Lüth Weiches Kamm-Moos mit reifen Sporenkapseln

... und war dort ehemals weit verbreitet. Sie ist jedoch heute von vielen dieser Standorte verschwunden oder mit ihnen zurückgegangen. Das "Weiche Kamm-Moos" wird in der Roten Liste Deutschlands auf der Vorwanrstufe geführt (V). In den einzelnen Bundesländern reicht die Einstufung entsprechend dem Süd-Nord-Gefälle von ungefährdet bis ausgestorben (0). In der Schweiz und in Österreich gilt die Art als nicht gefährdet.

In Deutschland steht das Weiche Kamm-Moos bereits auf der Vorwarnstufe (Bild: Walter Obermayer) In  der Roten Liste Deutschlands wird das Kamm-Moos auf der Vorwarnliste geführt.
Weiches Kamm-Moos (Ctenidium molluscum) Bild: Walter Obermayer

Während für die Vorkommen an Felsen der Gebirge kein Handlungsbedarf besteht, sollte in Deutschland auf den Schutz der wenigen natürlichen Vorkommen im Flachland und in den Flachmooren Wert gelegt werden.

Das Weiche Kamm-Moos kann dichte Rasen ausbilden (Bild: Wolfgang von Brackel) Biologie

Die Pflanzen sind zweihäusig und Sporogone sind in Mitteleuropa selten zu sehen.
Weiches Kamm-Moos aus der Fränkischen Alb in einem dichten Rasen Bild: Wolfgang von Brackel

Währen die vegetativen Stadien der Pflanze, wie bei vielen anderen Moosen auch, eine gewisse Schadstoffkonzentration tolerieren, wird die geschlechtliche Vermehrung schon bei geringeren Immisionsbelastungen gestört oder gar unterbunden.

Einzelne Pflänzchen des Weichen Kamm-Mooses mit regelmäßigen, dichtstehenden Ästchen und sichelförmig eingekrümmten Blättchen, vor allem an den Enden der Ästchen. Diese Moos-Art toleriert eine gewisse Schadstoffkonzentration (Bild: Wolfgang von Brackel)
Bild: Wolfgang von Brackel Einzelne Pflänzchen mit regelmäßigen, dichtstehenden Ästchen

So können in Reinluftgebieten, z.B. an der italienischen Westküste, durchaus noch Bestände mit reichlicher Bildung von Sporenkapseln beobachtet werden. Spezielle vegetative Verbreitungseinrichtungen sind nicht bekannt. So ist die Art insgesamt weitgehend darauf angewiesen, sich durch Bruchstücke von Pflanzen vegetativ zu verbreiten.

Moos - beliebtes Material von Floristen (Bild: Walter Obermayer) Parasiten & Medizin

Auf Ctenidium molluscum sind die beiden parasitischen Pilze Nectria voratella und Protoventuria echinospora beschrieben worden.
Einzelner Spross des Weichen Kamm-Mooses Bild: Walter Obermayer

Über eine medizinische Verwendung des Weichen Kamm-Mooses ist uns nichts bekannt. Dagegen ist es ein beliebtes Material von Floristen. Die ausgedehnten Matten des Weichen Kamm-Mooses lassen sich leicht als Ganzes von den Felsen entfernen und werden dafür verwendet, Dekorationsgegenstände mit natürlichem Grün zu überziehen.

Wegen der starken Bedrohung der Lebensgemeinschaft der Kalkfelsen sind diese im Anhang I der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU aufgeführt (LRT 8210, Kalkfelsen mit Felsspaltenvegetation). Diese Lebensraumtypen sind "Natürliche Lebensräume von gemeinschaftlichem Interesse, für deren Erhaltung besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen".

 
Herzlichen Dank an die Bryologisch-lichenologische Arbeitsgemeinschaft für Mitteleuropa e.V., (BLAM) besonders Herrn Wolfgang von Brackel, für den Pressebericht, und die Möglichkeit seine Bilder und die Bilder von Michael Lüth, Heike Hofmann, und Walter Obermayer zeigen zu dürfen.


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- letzte Aktualisierung: Mittwoch, 13. Dezember 2017 -
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