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Das Moos des Jahres seit 2005

Erstmals hat die Bryologisch-lichenologische Arbeitsgemeinschaft für Mitteleuropa (BLAM) für 2005 ein Moos des Jahres gewählt. Die Entscheidung fiel dabei auf das Silber-Birnmoos.

Für die Jahre sind dies:

Jahr Reptil - Amphibie wissenschaftlicher Name
2005 Das Silber-Birnmoos Bryum argenteum
2006 Das Quellmoos Fontinalis antipyretica
2007 Das Polsterkissenmoos Grimmia pulvinata
2008 Das Hübsche Goldhaarmoos Orthotrichum pulchellum
2009 Das Graue (Gemeine) Weißmoos Leucobryum glaucum
2010 Das Gemeine Widertonmoos Polytrichum commune
2011 Das Tännchenmoos Thuidium abietinum
2012 Das Grüne Koboldmoos Buxbaumia viridis
2013 Das Brunnenlebermoos Marchantia polymorpha
2014 Das Wimpern-Hedwigsmoos Hedwigia ciliata
2015 Das Leuchtmoos Schistostega pennata
2016 Das Mittlere Torfmoos Sphagnum magellanicum

Das "Mittlere Torfmoos" oder "Magellans Torfmoos" ist das Moos des Jahres 2016.

Hochmoore stellen ganz besondere Lebensräume dar, die durch ihren eigenen, aus Regenwasser gespeisten Wasserhaushalt und speziell durch die hier herrschenden sehr niedrigen ph-Werte (in der Regel unter 3,5) und das fast vollständige Fehlen von freien Nährsalzen nur von wenigen Organismen besiedelt werden können. Wichtigster Bestandteil der Flora sind dabei die Torfmoose (Sphagnum). Diese sterben nach unten hin ab und bilden eine immer mächtiger werdende Torfschicht, die letztlich das Grundwasser vom Moorkörper trennt. Die lebenden und ein Teil der abgestorbenen Torfmoose wirken dann wie ein Schwamm, der das Regenwasser festhält. Ein wichtiger und teilweise der Hauptbestandteil der Hochmoor-Torfmoose ist das Mittlere Torfmoos (Sphagnum magellanicum), unser Moos des Jahres 2016.

Das Mittlere Torfmoos ist das Moos des Jahres 2016 (Bild: Wolfgang von Brackel / BLAM e.V.) Das Mittlere oder Magellans Torfmoos ist mit seiner großen, tief purpurroten Bulten sicher eines unserer schönsten Torfmoose. Es ist in Mitteleuropa weit verbreitet, jedoch auf Hochmoore, Hochmoorheiden und -wälder beschränkt.
Mittleres Torfmoos aus dem Rottenbachmoor in Oberfranken Bild: Wolfgang von Brackel / BLAM e.V.

Aussehen

Das Mittlere Torfmoos bildet große Bulten von bis zu einem Meter Durchmesser und darüber, die in der Sonne rötlich, weinrot oder tief purpurn gefärbt sind, im Schatten dagegen meist mehr oder weniger grün bleiben. Die Einzelpflanzen zeigen den typischen Aufbau eines Torfmooses: an einem Stämmchen wachsen etwa im Zentimeterabstand Büschel von 4 (-5) Ästen, von denen 2 (-3) abstehen, die anderen dem Stämmchen dicht anliegen.

Am Stämmchenende treten die jungen, noch kurzen Äste zu Köpfchen zusammen. ... Das Mittlere Torfmoos wird auch Magellans Torfmoos genannt (Bild: Heike Hofmann / BLAM e.V.)
Bild: Heike Hofmann / BLAM e.V. Mittleres Torfmoos - Detailansicht des Köpfchens

... Die Äste wie das Stämmchen sind mit kleinen Blättchen besetzt, wobei die Stämmchenblätter breit rechteckig, die Astblätter breit oval sind. Als Angehörige der Sektion Sphagnum hat die Art große, hohle und breite Blättchen, die die Äste als wurmförmig geschwollen erscheinen lassen. Keine andere Art der Torfmoose zeigt diese Kombination aus kräftigen Pflanzen mit wurmförmigen Ästen und der purpurroten Färbung.

Das Mittlere Torfmoos kann große Bulten ausbilden (Bild: Christian Schröck / BLAM e.V.) Das Torfmoos bildet große Bulten, die in der Sonne faszinierende Farben zeigen.
Das Mittlere Torfmoos Bild: Christian Schröck / BLAM e.V.

Lediglich grüne Schattenformen können Anlass zu Verwechslungen geben, insbesondere mit den anderen Arten der Sektion Sphagnum. Im Zweifelsfall hilft nur ein Querschnitt der Astblätter. Sphagnum magellanicum ist durch die zentrale Lage der kleinen, grünen Zellen (Chlorozyten) gekennzeichnet, die ganz von den großen hyalinen Zellen (Hyalozyten) eingeschlossen werden.

Ein Teppich vom Mittleren Totfmoos im Schwarzen Moor in Unterfranken in der typischen Vergesellschaftung mit Moosbeere, Rosmarinheide und Sonnentau (im Bild oben und rechts) Das Mittlere Torfmoos ist eine Charakterart der Hochmoore (Bild: Wolfgang von Brackel / BLAM e.V.)
Bild: Wolfgang von Brackel / BLAM e.V. Das Mittlere Torfmoos ist eine Charakterart der Hochmoore.

Vorkommen, Verbreitung und Gefährdung

Die Art ist circumpolar in beiden Hemisphären (von lateinisch "circum" = "herum". Bezeichnet, die Verbreitung von Arten innerhalb einer oder mehrerer Klimazonen rund um den Erdball) verbreitet und kommt von der borealen Region bis in die Subtropen vor. In Mitteleuropa ist sie weit verbreitet und kommt von der Ebene bis ins Hochgebirge vor. Wegen ihrer engen Bindung an die Hochmoore kommt sie im Norden in den Resten der ehemals großen Hochmoorgebiete der Norddeutschen Tiefebene vor, im Süden vor allem in den Gebirgslagen und im regen- und moorreichen Alpenvorland.Sphagnum magellanicum ist eine Charakterart der nach ihr benannten Sphagnetalia magellanici, der rein vom Regenwasser gespeisten Hochmoore. Daneben findet sie sich gelegentlich in Kesselmooren oder in Moorwäldern. Über sehr sauren Sandsteinböden (Buntsandstein) kann sie etwa in Kiefernwäldern oder -forsten am Aufbau kleinflächiger "Hochmooranflüge" beteiligt sein. Allgemein sind die Standorte durch ein konstant hohes Wasserangebot sehr niedrigen ph-Wert sowie geringen Mineralgehalt gekennzeichnet.

In der Roten Liste Deutschlands wird das Mittlere Torfmoos als gefährdet eingestuft (Bild: Michael Jeschke / BLAM e.V.) Im Bild: Sphagnum magellanicum mit Sphagnum angustifolium aus dem Haspelmoor (Lkr. Fürstenfeldbruck
Das Mittlere Torfmoor ist gefährdet Bild: Michael Jeschke / BLAM e.V.

Das Mittlere Torfmoos wird in der Roten Liste Deutschlands als "gefährdet" eingestuft, wobei in den einzelnen Bundesländern große Unterschiede bestehen. So gilt es etwa im alpinen Teil Bayerns als ungefährdet. In der Bundesartenschutzverordnung ist es wie alle Torfmoose unter den "besonders geschützten Arten" aufgeführt. In der Schweiz gilt es als "potenziell gefährdet" und ist gemäß der Natur- und Heimatschutzverordnung in der ganzen Schweiz geschützt.In Österreich wird es wegen der noch größeren Vorkommen in den Alpen nur als "regional gefährdet" eingestuft. EU-weit ist es im Anhang V der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (Natura 2000) verzeichnet ("Tier- und Pflanzenarten von gemeinschaftlichem Interesse, deren Entnahme aus der Natur und Nutzung Gegenstand von Verwaltungsmaßnahmen sein können").

Das Überleben des Mittleren Torfmooses steht und fällt mit dem Schutz von Hochmooren. Können die Hochmoore erhalten werden ist auch das Überleben des Mittleren Torfmooses gesichert (Bild: Christian Schröck / BLAM e.V.)
Bild: Christian Schröck / BLAM e.V. Sein Überleben hängt mit der Erhaltung von Hochmooren untrennbar zusammen

Hoffnung macht, dass Hochmoore inzwischen durch Ländergesetze weitgehend geschützt sind und auch in der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie als "Natürliche Lebensräume von gemeinschaftlichem Interesse, für deren Erhaltung besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen" aufgeführt sind: Der bei weitem überwiegende Teil der Hochmoore zumindest Süddeutschlands ist inzwischen in das Natura 2000-Schutzgebietssystem aufgenommen worden.

Seltene Aufnahme auf einem Mittleren Torfmoos - Besuch einer Waldeidechse (Bild: Heike Hofmann / BLAM e.V.) Biologie

Sphagnum magellanicum ist wie alle Torfmoose dazu befähigt, große Mengen von Wasser aufzunehmen und innerhalb der Bulten für längere Zeit zurückzuhalten.
Sphagnum magellanicum mit einer Waldeidechse Bild: Heike Hofmann / BLAM e.V.

Dazu dienen ihres Zellinhaltes entleerte Zellen mit speziellen Poren, die sich sowohl in den Blättchen (Hyalozyten) als auch in der Rinde von Stämmchen und Ästen (Hyalodermis) finden. Das Anschmiegen eines Teils der Äste an den Stamm erzeugt eine Kapillarwirkung auch außerhalb der Zellen. Durch die Fähigkeit zur Aufnahme und Speicherung von (Regen-) wasser können sich Hochmoore über den Grundwasserspiegel erheben und ihr eigenes Wasserregime entwickeln. Torfmoose schaffen sich darüber hinaus auch die ihnen zusagende saure Umgebung, indem sie Metallionen einfangen und dafür Wasserstoffionen abgeben.

Sphagnum magellaicum, Zellnetz. Mikrophotos, drei Fokusebenen (s.rechtes Bild)
Eine tote Wasserspeicherzelle (Hyalozyte - mit rötlicher Linie gekennzeichnet), die durch ringförmige Wandverdickungen versteift ist, wird jeweils von mehreren lebenden Chlorophyllzellen (Chlorozyten - siehe mittlere Fokusebene) umgeben
Zellnetz von Spagnum magellanicum (Aufnahme: Walter Obermayer / BLAM e.V.)
Aufnahme: Walter Obermayer / BLAM e.V. Sphagnum magellanicum, Zellnetz

Das Mittlere Torfmoos hat wie etliche seiner Verwandten zum großen Teil die Fähigkeit verloren, sich geschlechlich fortzupflanzen. Sporenkapseln finden sich nur noch sehr selten, sollen aber in der Vergangenheit häufiger gewesen sein. So ist es weitgehend darauf angewiesen, sich durch Bruchstücke von Pflanzen vegetativ zu verbreiten. Spezielle vegetative Verbreitungseinrichtungen, wie zum Beispiel Brutkörper oder Brutfäden sind jedoch nicht bekannt.

Sphagnum magellanicum - in der Bildmitte eine Pore in einer Zelle (Aufnahme: Walter Obermayer / BLAM e.V.) Sphagnum magellanicum - in der Bildmitte eine Pore in einer Hyalozyte.
Sphagnum magellanicum Aufnahme: Walter Obermayer / BLAM e.V.

Parasiten & Medizin

Auf Torfmoosen sind eine Reihe von Pilzen gefunden worden, von denen speziell auf dem Mittleren Torfmoos Lichenopeltella palustris, Lycophyllum palustre und Pseudoplectania sphagnicola angegeben wurden. Die parasitische Pilzflora auf Torfmoosen ist jedoch bei weitem noch nicht erforscht.

Zwei Fruchtkörper der parasitischen Flechte Absconditella sphagnorum auf Torfmoosblättchen. Zwei Fruchtkörper einer parasitischen Flechte (Aufnahme: Wolfgang von Brackel / BLAM e.V.)
Aufnahme: Wolfgang von Brackel / BLAM e.V. Parasiten auf Torfmoos

Interessanterweise kommt auf Torfmoosen - auch auf dem Mittleren Torfmoos - mit Absconditella sphagnorum eine der (außerhalb von Gesteinshabitaten) wenigen parasitischen Flechten vor.

Torfmoose wurden früher als Wundverband eingesetzt (Bild: Heike Hofmann / BLAM e.V.) Torfmoose werden auch heute noch in der Medizin eingesetzt.
Sphagnum magellanicum, leicht ausgetrocknet Bild: Heike Hofmann / BLAM e.V.


In der Medizin wurden Torfmoose früher als Wundverband eingesetzt. Dank ihrer hohen Wasserspeicherkapazität und dem tiefen ph-Wert, der eine antiseptische Wirkung hat, waren sie dafür besonders geeignet. Diese Wundverbände haben namentlich im ersten Weltkrieg eine wichtige Rolle gespielt. Heute werden Torfmoose noch in Form von Hochmoortorf, der zum größten Teil aus unvollständig zersetzten Torfmoosen besteht, eingesetzt. Dieser wird zur Linderung verschiedenster Leiden seit langer Zeit in den Heilbädern als Moorbad oder Moorpackung eingesetzt. Etliche dieser Bäder konzentrieren sich im nordostbayerisch-böhmischen Raum (Marienbad, Karlsbad, Alexandersbad), wo große Moorflächen für diese Anwendungen abgebaut wurden.

Herzlichen Dank an die Bryologisch-lichenologische Arbeitsgemeinschaft für Mitteleuropa e.V., (BLAM) besonders Herrn Wolfgang von Brackel, für den Pressebericht, und die Möglichkeit seine Bilder und die Bilder von Heike Hofmann, Christian Schröck, Michael Jeschke, Walter Obermayer zeigen zu dürfen.


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- letzte Aktualisierung: Mittwoch, 23. November 2016 -