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Die Libellen des Jahres seit 2011

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND), sowie die Fachgesellschaft der Libellenkundler und die Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen (GdO) wählten erstmals 2011 die "Libelle des Jahres".

Jahr Libelle wissenschaftlicher Name
2011 Die Feuerlibelle Crocothemis erythraea
2012 Die Blaugrüne Mosaikjungfer Aeshna Cyanea
2013 Die Speer-Azurjungfer Coenagrion hastulatum
2014 Die Kleine Moosjungfer Leucorrhinia dubia
2015 Die Gefleckte Heidelibelle Sympetrum flaveolum
2016 Die Gemeine Binsenjungfer Lestes sponsa
2017 Die Gemeine Keiljungfer Gomphus vulgatissimus
2018 Die Zwerglibelle Nehalennia speciosa

Die Zwerglibelle ist die Libelle des Jahres 2018

Der BUND und die Gesellschaft der deutschsprachigen Odonatologen (GdO) haben die Zwerglibelle (Nehalennia speciosa) zur "Libelle des Jahres 2018" gekürt. Der Umweltverband und die Libellenkundler geben damit zum siebten Mal in Folge die "Libelle des Jahres" bekannt, um auf die Vielfalt der Arten und ihre Bedrohung aufmerksam zu machen. Von den 80 heimischen Libellenarten stehen neben der Zwerglibelle 48 Arten auf der Roten Liste der gefährdeten Insekten.


Die Libelle des Jahres 2018 ist - die Zwerglibelle (Bild: Michael Post / GdO) Die Zwerglibelle steht stellvertretend für eine Gruppe von Libellenarten, die sehr selten und sehr spezialisiert an besondere Moorlebensräume gebunden sind.
Die Zwerglibelle ist die Libelle des Jahres 2018 Bild: Michael Post / GdO


Mit nur 26 mm Körperlänge ist die Zwerglibelle die kleinste unter den heimischen Libellen. "Die Zwerglibelle braucht unseren Schutz. Sie steht stellvertretend für eine Gruppe von Libellenarten, die extrem selten und an spezielle Lebensräume in Mooren gebunden sind", sagte Silvia Bender, Expertin für Biodiversität beim BUND. Als Art, die laut Roter Liste als "Vom Aussterben bedroht" gilt, braucht die Libelle des Jahres 2018 besonderen Schutz. Dazu gehört auch die Ausweisung weiterer Schutzgebiete. Dazu sagte Klaus-Jürgen Conze, Libellenkundler bei der GdO: "Die Zwerglibelle ist in der Öffentlichkeit leider weitgehend unbekannt. Dies hat aber weniger mit ihrer geringen Körpergröße zu tun, sondern liegt an ihren oft sehr begrenzten Lebensräumen, die zudem oftmals in Schutzgebieten liegen und öffentlich nicht zugänglich sind".

Neben der natürlichen Seltenheit verschärft sich die Situation der Zwerglibelle - und ökologisch verwandten Arten - durch eine Gefährdung ihrer Lebensräume. Faktoren wie der Klimawandel und der Eintrag von Schadstoffen in die Umwelt führen zu einem immer weiteren Schrumpfen der Populationen. "Diese Libelle ist an spezielle Pflanzen und Vegetationseinheiten gebunden, die im Falle einer Überdüngung verloren gehen, da sie von nährstoffliebenden Pflanzen verdrängt werden", erklärte die BUND-Artenexpertin Bender.


Zuordnung der Zwerglibelle

Ordnung: Libellen (Odonata)
Unterordnung: Kleinlibellen (Zygoptera)
Familie: Schlanklibellen (Coenagrionidae)
Gattung: Zwerglibellen (Nehalennia)
Art: Zwerglibelle (Nehalennia speciosa)

 
Obwohl Libellenkundler schon viel über die Lebensweise der Zwerglibelle wissen, gibt ihnen die Art noch immer Rätsel auf. Oft sind ihre Populationen auf sehr kleine Flächen begrenzt, weil die Zwerglibelle an spezielle Lebensräume gebunden ist. Obwohl die Vorkommen insgesamt nur wenige Individuen umfassen, können sie sehr stabil sein und über Jahre Bestand haben. "Es stellt sich uns immer noch die Frage, ob und wie die zierliche Art neue Standorte besiedelt", erklärte der Libellenkundler Conze. "Auf Grundlage historischen Datenmaterials können wir den Rückgang der Zwerglibelle nachweisen. Gleichzeitig kommt es erfreulicher Weise auch heute immer noch zu Neu- oder Wiederfunden, wie ein Beispiel in Sachsen vor wenigen Jahren zeigt". Allerdings ohne das klar festzustellen war, ob es ein Neufund ist oder die Art am Standort vielleicht über Jahre übersehen bzw. schlicht nicht gesucht wurde. Es ist für uns alle daher sehr wichtig, dass es breitere Feldforschung von Experten zum nachhaltigen Schutz der Zwerglibelle und weiterer, vergleichbarer Arten gibt.


Die Flugzeit dieser Libellenart beginnt Mitte Mai und endet im September, wobei die Häufigkeit und größte Dichte, in den Monaten Juni und Juli ihren Höhepunkt erreicht.

Ihr Lebensraum sind die Großseggenrieder, Seggen-Schwingrasen, Flachmoore, auch flutendes Torfmoos oder ähnliche Biotope.

Die Tiere halten sich sehr versteckt in der Vegetation auf. Die Paarung dauert etwa drei Stunden. Ihr geht ein Werbetanz voraus, sie wird oft vom Männchen durch heftige Schläge des Hinterleibs beendet. Die Eiablage wird, ähnlich wie bei den Pechlibellen, vom Weibchen allein vollzogen, sie erfolgt bevorzugt in Seggen. Ein Untertauchen ist nicht bekannt.
Hochzeit bei der Zwerglibelle - es muss ihr ein Überleben gesichert werden (Bild: Michael Post / GdO)
Bild: Michael Post / GdO Paarungsrad der Zwerglibelle


In Deutschland kommt die Zwerglibelle aktuell nur (noch) in sechs Bundesländern vor: Bayern, Baden-Württemberg, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Sachsen. In vier weiteren Bundesländern (Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein) ist sie verschollen und aus den restlichen Bundesländern gibt es auch keine historischen Hinweise auf ein Vorkommen.

In Polen und im Baltikum, sowie in Weißrussland befinden sich größere Vorkommen, da es dort noch mehr geeignete Lebensräume für diese Art gibt. Aus Westösterreich und er Schweiz sind einzelne Nachweise bekannt. Auch in den benachbarten Niederlanden gelang 2015 ganz überraschend ein Nachweis einer kleinen Population im Osten des Landes. Der letzte Nachweis davor lag über 100 Jahre zurück.

Die Dynamik und Stabilität der Populationen sowie die Mechanismen möglicher Ausbreitung sind dringliche Fragestellungen für die Forschung zum nachhaltigen Schutz der Zwerglibelle und weiterer vergleichbarer Arten.

Die Zwerglibelle steht auch symbolisch dafür, dass es bei den heimischen Libellen begründeten Forschungsbedarf für Experten gibt, auch wenn die betroffenen Arten für die meisten von uns unsichtbar bleiben.

Seit 2011 küren die Gesellschaft für deutschsprachige Odonatologen (GdO), der Verband der Libellenkundler und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die "Libelle des Jahres", um auf die Vielfalt der Arten und auf Bedrohungen aufmerksam zu machen.

Von den 80 heimischen Libellenarten stehen 48 auf der Roten Liste gefährdeter Insekten.


Herzlichen Dank an Frau Nehle Hoffer, BUND-Libellenexpertin für den Pressetext, sowie die Erlaubnis die Bilder von Herrn Michael Post veröffentlichen zu dürfen.


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- letzte Aktualisierung: Mittwoch, 17. Oktober 2018 -
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