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Die Libellen des Jahres seit 2011

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND), sowie die Fachgesellschaft der Libellenkundler und die Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen (GdO) wählten erstmals 2011 die "Libelle des Jahres".

Jahr Libelle wissenschaftlicher Name
2011 Die Feuerlibelle Crocothemis erythraea
2012 Die Blaugrüne Mosaikjungfer Aeshna Cyanea
2013 Die Speer-Azurjungfer Coenagrion hastulatum
2014 Die Kleine Moosjungfer Leucorrhinia dubia
2015 Die Gefleckte Heidelibelle Sympetrum flaveolum
2016 Gemeinde Binsenjungfer Lestes sponsa

Die Gemeine Binsenjungfer ist die Libelle des Jahres 2016.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen (GdO) haben die Gemeine Binsenjungfer (Lestes sponsa) zur "Libelle des Jahres 2016" gekürt.
Unmittelbar bedroht ist die Gemeine Binsenjungfer noch nicht, doch sind ihre Bestände vielerorts erkennbar rückläufig. Sie lebt in den verschiedensten Biotopen, benötigt dabei jedoch Gewässer mit einem stabilen Wasserstand. Stark schwankende Wasserstände sowie ein frühes oder gar komplettes Austrocknen ihrer bevorzugten Gewässer schaden ihr.

Die Gemeine Binsenjungfer ist die Libelle des Jahres 2016 - hier ein Männchen (Bild: Günter J. Loos / BUND) Der Lebensraum der Gemeinen Binsenjungfer sind die Binsenbestände stehender Gewässer. In Moorgewässern ist sie oft sehr zahlreich anzutreffen.
Die Gemeine Binsenjungfer ist die Libelle des Jahres 2016 - hier ein Männchen Bild: Günter J. Loos / BUND

Im Zuge der Klimaerwärmung treten stark schwankende Wasserstände immer häufiger auf, insbesondere an großen Flüssen wie der Elbe oder dem Rhein. Nicht nur, dass auch deren Nebenflüsse und die Flussauen austrocknen, auch die von Libellen bevorzugten Tümpel, Teiche, Seen, Moore, Wassergräben und langsam fließende Bäche fallen häufiger trocken. Das führt dazu, dass sich die Larven der Gemeinen Binsenjunger nicht mehr rechtzeitig zur ausgewachsenen Libelle entwickeln und sterben. Im Südwesten Deutschlands ist bereits ein Rückgang des Vorkommens der Gemeinen Binsenjungfer nachweisbar.

Zuordnung der Gemeinen Binsenjungfer

Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Libellen (Odonata)
Unterordnung: Kleinlibellen (Zygoptera)
Familie: Teich- oder Binsenjungfern (Lestidae)
Gattung: Teich- oder Binsenjungfern (Lestes)
Art: Gemeine Binsenjungfer (Lestes sponsa)

 Merkmale

Die gemeine Binsenjungfer ist wie die anderen Arten der Gattung Lestes grün-metallisch gefärbt und die Männchen weisen eine Blaubereifung am Anfang und Ende des Hinterleibs auf. Sie ist der Schwesterart der Glänzenden Binsenjungfer (Lestes dryas) - sehr ähnlich und von ihr am besten durch die unterschiedlich geformten unteren Hinterleibsanhänge zu unterscheiden. Die der Gemeinen Binsenjungfer sind gerade, die der Glänzenden Binsenjungfer löffelförmig und nach innen gebogen (Lupe benutzen!).
Bei den Weibchen erreicht der Legeapparat das Ende des 10. Segmentes bei L. sponsa, bei L. dryas überragt er dieses.

Sie erreichen eine Körperlänge von knapp vier Zentimetern und eine Flügelspannweite von zu 50 Millimetern. Ihr Flug ist eher langsam. Sitzen sie, dann sind ihre Flügel meist - eigentlich untypisch für die heimischen Kleinlibellen - auseinandergeklappt.

Da sie eine typische Sommerart ist, liegt ihre Hauptflugzeit zwischen Ende Juni und September und kann sich bis Oktober erstrecken.

Die Gemeine Binsenjungfer - Erscheinungsbild metallisch-grün - dann handelt es sich um ein Weibchen (Bild: Günter J. Loos / BUND)
Bild: Günter J. Loos / BUND Erscheinungsbild metallisch-grün - ein Weibchen

Verbreitung und Schutz

Die Gemeine Binsenjungfer ist eurosibirisch verbreitet und kommt in ganz Mittel- und Nordeuropa, dem Vereinigten Königreich und Irland vor und man findet sie bis zum Polarkreis, womit sie die am weitesten nach Norden verbreitete Lestide ist. Nach Osten ist die Art über Südsibirien und die Mongolei bis nach Japan verbreitet und meist ist sie auch die häufigste Art ihrer Gattung.

In Deutschland kommt L.sponsa praktisch flächendeckend vor und es finden sich nur wenige Verbreitungslücken, wie im Oberrheingraben und in einigen Mittelgebirgen. Auch auf den Inseln kommt die Art vor, so werden neben den Ost- und Nordfriesischen Inseln auch die Ostseeinseln Fehmarn, Peol, Hiddensee und Rügen besiedelt. In Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern gibt es einige Regionen, für die Nachweise bzw. Meldungen ab Mitte der neunziger Jahre fehlen, so zum Beispiel in Teilbereichen der Oberrheinebene, sowie des nördlichen Alpenvorlandes. In Nord- und Mitteldeutschland dagegen liegen Nachweise der Gemeinen Binsenjungfer nahezu flächendeckend auch bis heute vor, doch auch hier sind ihre Bestände in einigen Regionen deutlich rückläufig.

Hochzeit bei der Gemeinen Binsenjungfer (Bild: Günter J. Loos / BUND) Nach dem Schlupf vergehen ca. 2 Wochen, dann sind die Tiere geschlechtsreif und verpaaren sich in der Regel am Gewässer.
Paarung der Gemeinen Binsenjungfer Bild: Günter J. Loos / BUND

Lestes sponsa ist in allen Höhenlagen Deutschlands zu finden und besiedelt neben der Norddeutschen Tiefebene auch die Mittelgebirge und kommt selbst in den Alpen bis auf über 1000 Metern ü.NN noch bodenständig vor, wobei ihre Vorkommen dann auch spärlicher werden und auch nicht mehr sehr kopfstark sind.

Die Gemeine Binsenjungfer ist (noch) nicht gefährdet, da sie auch ein breites Spektrum an Lebensräumen besiedelt, doch könnte sie zukünftig von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sein. Sie benötigt Gewässer mit reichlich Vegetation am Ufer und einem einigermaßen stabilen Wasserstand und sowohl schwankende Wasserstände, als besonders auch das frühe und komplette Austrocknen ihrer Wohngewässer schaden ihr.

Paarungsrad der Gemeinen Binsenjungfer (Bild: Günter J. Loos / BUND) Die Eier der Gemeinen Binsenjungfer überwintern. Die Larven schlüpfen ab Mitte Mai, sie halten sich an Wasserpflanzen in der Nähe des Ufers auf. Im selben Sommer schlüpfen die Libellen.
Paarungsrad der Gemeinden Binsenjungfer Bild: Günter J. Loos / BUND

Aufgrund der immer häufiger werdenden Witterungsextreme v.a. mit warmen und trockenen Frühjahren könnte dies zukünftig ein Problem für die Art werden. Daneben scheint sie die Eu- und vor allem Hypertrophierung ihrer Wohngewässer nicht zu vertragen.

Von den 81 heimischen Libellenarten stehen aktuell 30 auf der Roten Liste und weitere fünf auf der Vorwarnliste.

Lebenszyklus und Fortpflanzung

Üblicherweise schlüpft Lestes sponsa ab Mitte Mai, die Hauptschlupfzeit ist dann in der ersten Junihälfte. Ihre Flugzeit - sie ist eine typische Sommerart und die Hauptflugzeit ist zwischen Ende Juni und September . kann sich bis in den Oktober erstrecken, der späteste Nachweis ist der 7.11.1999 (Baden-Württemberg). Nach dem Schlupf vergehen ca. zwei Wochen, dann sind die Tiere geschlechtsreif und verpaaren sich in der Regel am Gewässer.

Die besiedelten Wohngewässer der Gemeinen Binsenjungfer sind sehr unterschiedlich, z.B. Tümpeln, Teichen, Seen und auch Morrgewässern, Gräben (die im Frühjahr nicht ausgemäht werden sollten) und langsam fließenden Bächen. Die Bestände gehen auch bei der Gemeinen Binsenjungfer zurück (Bild: Günter J. Loos / BUND)
Bild: Günter J. Loos / BUND Männchen der Gemeinen Binsenjungfer

Die Eiablage erfolgt in ein breites Spektrum an Pflanzen, vor allem in Binsen, Seggen, Waldsimse ect., daneben auch in Süßgräser, wie Flutendem Schwaden, Rohrglanzgras oder Schilf. Die Karven schlüpfen noch im selben Jahr aus den Eiern und überwintern, je nach Biotop und den klimatischen Rahmenbedingungen durchlebt sie 9 bis 11 Larvalstadien bis zum Schlupf. Die durchschnittliche Lebensdauer eines Tieres wurde einmal mit 23 Tagen ermittelt, die maximale mit 49 Tagen, dabei sollen die Tiere auch recht ortstreu sein.

Lebensraum und Lebensweise

Die von der Gemeinen Binsenjungfer besiedelten Wohngewässer sind sehr unterschiedlich und sie kommt in verschiedenen Typen von Stillgewässern vor: in Tümpeln, Teichen, Seen und auch Moorgewässern, daneben noch in Gräben und auch an langsam fließenden Bächen. Bedingung ist aber, dass die Gewässer besonnt sind und eine reichhaltige Ufervegetation aus Binsen und Seggen etc. haben. Stark beschattete oder vegetationsfreie Gewässer werden ebenso gemieden, wie ganz neu angelegte, vegetationsfreie Gewässer oder schnell fließende Bäche oder Flüsse.

Nahrung

Die Gemeinde Binsenjungfer ernährt sich vor allem von kleinen bis sehr kleinen Insekten, wie Fliegen, Mücken, Blattläusen, die sie im Fluge erbeutet oder von der Vegetation abliest. Dabei halten sich die Tiere direkt in der Ufervegetation oder den benachbarten vegetationsreichen Biotopen auf.

Auch die Larven ernähren sich räuberisch, unter anderem von kleinen Krebschen (z.B. Daphnia, Cyclops), Wasserinsekten und Würmchen und sicher aufgrund ihres schnellen Wachstums auch einen "guten Appetit haben".


Seit 2011 wird die "Libelle des Jahres" von der Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen (GdO) und dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ausgewählt, um auf die Vielfalt und Schönheit der heimischen Libellenfauna und ihre Bedrohung aufmerksam zu machen. Von den 81 heimischen Libellenarten finden sich 48 Arten auf der aktuell noch gültigen Roten Liste gefährdeter Libellen.


Herzlichen Dank an Frau Nehle Hoffer, BUND-Libellenexpertin für den Pressetext, sowie die Erlaubnis die Bilder von Herrn Günter J. Loos veröffentlichen zu dürfen.


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- letzte Aktualisierung: Freitag, 09. Dezember 2016 -