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Die Libellen des Jahres seit 2011

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND), sowie die Fachgesellschaft der Libellenkundler und die Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen (GdO) wählten erstmals 2011 die "Libelle des Jahres".

Jahr Libelle wissenschaftlicher Name
2011 Die Feuerlibelle Crocothemis erythraea
2012 Die Blaugrüne Mosaikjungfer Aeshna Cyanea
2013 Die Speer-Azurjungfer Coenagrion hastulatum
2014 Die Kleine Moosjungfer Leucorrhinia dubia
2015 Die Gefleckte Heidelibelle Sympetrum flaveolum
2016 Die Gemeine Binsenjungfer Lestes sponsa
2017 Die Gemeine Keiljungfer Gomphus vulgatissimus

Die Gemeine Keiljungfer ist die Libelle des Jahres 2017

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen (GdO) haben die Gemeine Keiljungfer (Gomphus vulgatissimus) zur "Libelle des Jahres 2017" gekürt.
Diese stehe stellvertretend für eine Gruppe von Libellenarten, die sehr stark von intakten Fließgewässern abhängig sind. Zwar habe sich die Wasserqualität in Bächen und Flüssen bundesweit leicht verbessert und immer mehr Gewässer würden renaturiert. Jedoch befänden sich nach wie vor nur sieben Prozent der deutschen Flüsse und Bäche in einem "guten" oder "sehr guten" ökologischen Zustand.

Die Gemeine Keiljungfer ist die Libelle des Jahres 2017 und gehört zu den Großlibellen (Bild: Günter J. Loos / BUND) Die Gemeine Keiljungfer, hier ein Männchen, ist an kleinen Bachläufen ebenso zu sehen, wie in großen Flussauen. Allerdings befindet sich nach wie vor nur ein kleiner Teil dieser Gewässer in einem guten oder sehr guten Zustand.
Die Gemeine Keiljungfer ist die Libelle des Jahres 2017 und gehört zu den Großlibellen Bild: Günter J. Loos / BUND

"Die Gemeine Keiljungfer kommt sowohl in schmalen Bachläufen als auch in großen Flussauen vor. Schwierigkeiten bereiten ihren Larven zu starke und plötzlich auftretende Strömungen, die zum Beispiel entstehen, wenn die Einzugsgebiete von Fließgewässern versiegelt werden. Dadurch können ganze Larvenjahrgänge abdriften und sterben", sagte der Libellenexperte Jürgen Ott. Auch dauerhafte Gewässerverschmutzungen könnten die Larven schädigen. Zu schaffen mache der Libellenart auch von Schiffen ausgelöster Wellenschlag, dem etliche Tiere an viel befahrenen Flüssen wie dem Rhein zum Opfer fallen.

Die Gemeine Keiljungfer ist eine gedrungene, kräftig gebaute Libelle mit einer Flügelspannweite von 6 - 7 cm und einer Körperlänge von etwa 5 cm. Der für die Gattung namensgebende Keil ist eine Verdickung der letzten Segmente des Hinterleibs und nur bei den Männchen ausgeprägt. Weibchen der Gemeinen Keiljungfer (Bild: Günter J. Loos / BUND)
Bild: Günter J. Loos / BUND Ein Weibchen der Gemeinen Keiljungfer

Das Hauptverbreitungsgebiet von Gomphus vulgatissimus erstreckt sich von der französischen Atlantikküste bis in den Osten zur Grenze von Europa, dem Uralgebirge. Nordwärts reicht es bis Mittelfinnland und südwärts bis fast zum Mittelmeer. Es wurden auch Tiere der Art in Griechenland gefunden. Auf den britischen Inseln ist die Gemeine Keiljungfer als einzige ihrer Gattung bodenständig, was bedeutet, dass sich die Art dort erfolgreich reproduziert.
Die Höhenverbreitung beschränkt sich meist auf tiefere Lagen unter 600 m, vereinzelt können Fortpflanzungsgewässer bis etwa 750 m gefunden werden. Einzelne, vagabundierende Individuen wurden allerdings in der Schweiz bereits in bis zu 1400 m nachgewiesen.

Zuordnung der Gemeinen Keiljungfer

Ordnung: Libellen (Odonata)
Unterordnung: Großlibellen (Anisoptera)
Familie: Flussjungfern (Gomphidae)
Gattung: Keiljungfern (Gomphus)
Art: Gemeine Keiljungfer (Gomphus vulgatissimus)

 Die Larven der Gemeinen Keiljungfer, sind nachtaktiv und graben sich in den Boden ein, um auf Nahrung wie Bachflohkrebse, Kaulquappen oder die Larven anderer Insekten zu lauern. Diese erbeuten sie mit ihrer stark verlängerten Unterlippe, die für Libellen typischen "Fangmaske". Der Entwicklungszyklus der Larven umfasst mehr als zehn Stadien und beträgt zwei, drei oder vier Jahre. Die Dauer des Entwicklungszyklus ist dabei wahrscheinlich nicht von der geographischen Lage bzw. dem Klima abhängig, sondern vom Gewässertyp. Eine zweijährige Entwicklung ist wohl nur in großen Strömen mit warmen Flachwasserbereichen möglich. Mittlerweile existieren sogar Belege für eine einjährige Entwicklung der Larven in neu angelegten Kleingewässern, was allerdings gewiss einen seltenen Ausnahmefall darstellt.


Charakteristisch für diese Art sind weit auseinander liegenden Komplexaugen (Bild: Günter J. Loos / BUND) In Deutschland ist die einst weit verbreitete Art heute sehr selten geworden, sodass sie nur noch inselartig vorkommt. In Brandenburg besiedelt die Gemeine Keiljungfer noch einige Fließgewässer im Nuthe-Urstromtal.

Hier ist ein Männchen zu sehen.
Charakteristisch bei dieser Art sind die weit auseinander stehenden Komplexaugen Bild: Günter J. Loos / BUND

Unmittelbar nach dem Schlüpfen sind beide Geschlechter von schwarz-gelber Farbe. Die Flügelmale (Pterostigmata) der Art sind schwarz. Bei jungen Imagines (Imago - ist das aus den Jungstadien hervorgegangene geschlechtsreife Insekt) trifft dies auch auf die Flügelvorderkante zu. Bis die Tiere erwachsen sind, hat sich diese gelb gefärbt. Während die Weibchen diese Färbung größtenteils beibehalten, wechselt das Gelb der Männchen mit Erreichen der Geschlechtsreife zu einem olivgrünen Farbton. Die Thoraxseiten (Brustpanzer oder Brustkorb) weisen nur schmale schwarze Streifen auf und haben die gleiche Farbe wie das Abdomen (Bereich zwischen Brustkorb und Becken). Ein weiteres sicheres Bestimmungsmerkmal sind die vollkommen schwarzen Beine über die innerhalb dieser Gattung nur die Gemeine Keiljungfer verfügt.

Vor der Eiablage setzen sich die Weibchen auf Steine oder Pflanzen, heben den Hinterleib an und pressen einen Eiklumpen aus, den sie an der Wasseroberfläche abstreifen. Weibchen an einer Blütenpflanze (Bild: Günter J. Loos / BUND)
Bild: Günter J. Loos / BUND Weibchen der Gemeinen Keiljungfer an einer Blütenpflanze


Ende April oder Anfang Mai schlüpfen die Libellen an den Ufern kleiner und großer Fließgewässer und sind meist nur bis Mitte August zu beobachten. "Die Gewässer in Deutschland sind keineswegs so sauber, wie offizielle Gewässergüte-Messungen es vermuten lassen. Außerdem werden sie nicht flächendeckend kontrolliert. Gerade in Deutschland sind Fließgewässer oft mit einem Cocktail aus Medikamentenrückständen und Pestiziden belastet, der Tiere und Gewässerpflanzen schädigt", sagte der BUND-Naturschutzexperte Dennis Klein.

Seit 2011küren die Gesellschaft für deutschsprachige Odonatologen (GdO), der Verband der Libellenkundler und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die "Libelle des Jahres", um auf die Vielfalt der Arten und auf Bedrohungen aufmerksam zu machen.

Von den 81 heimischen Libellenarten stehen 36 auf der Roten Liste


Herzlichen Dank an Frau Nehle Hoffer, BUND-Libellenexpertin für den Pressetext, sowie die Erlaubnis die Bilder von Herrn Günter J. Loos veröffentlichen zu dürfen.


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- letzte Aktualisierung: Sonntag, 01. Juli 2018 -
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