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Die Lebendigen Seen des Jahres seit 2011

Der Globale Nature Fund (GNF) kürt jährlich am Weltwassertag, dem 22. März einen "Lebendigen See Deutschland". Diese Auszeichnung macht zugleich auf Seen und Feuchtgebiete als wertvolle Ökosysteme und einzigartige Naturschätze aufmerksam. Die Initiative beruht auf den langjährigen und erfolgreichen Erfahrungen der internationalen Aktion "Bedrohter See des Jahres". Verbunden mit Aktivitäten rund ums Jahr, trägt die Aktion zur Lösung von Problemen an Seen und in Feuchtgebieten bei. Die Wahl zum See des Jahres erfolgt im Rahmen des 2009 gegründeten Netzwerks "Lebendige Seen Deutschland.

Die bisherigen Lebendigen Seen des Jahres sind:

Jahr Lebendiger See Bundesland
2011 Der Plauer See Mecklenburg-Vorpommern
2012 Der Stechlin See Brandenburg
2013 Der Mindelsee Baden-Württemberg
2014 Der Chiemsee Bayern
2015 Der Schweriner See Mecklenburg-Vorpommern
2016 Der Bodensee Baden Württemberg / Bayern
2017 Das Steinhuder Meer Niedersachsen

Anlässlich des Weltwassertages am 22.März ernennen die internationale Umweltstiftung Global Nature Fund (GNF) und das Nezwerk Lebendige Seen Deutschland (NLSD) das Steinhuder Meer zum "Lebendigen See des Jahres 2017". Mit dieser Auszeichnung betonen die Netzwerkpartner die ökologische Bedeutung des Sees und der mit dem See verbundenen Lebensräume für den Natur- und Artenschutz und die vorbildliche Zusammenarbeit von behördlichem und verbandlichem Naturschutz.


Das Steinhuder Meer - Lebendiger See des Jahres 2017

 Das Steinhuder Meer und die umliegenden Moorbereiche umfassen eine Fläche von rund 7.100 ha. Davon sind etwa 3.000 ha Wasserfläche, womit das Steinhuder Meer der größte See Niedersachsens und zugleich Nordwestdeutschlands ist. Entstanden ist das Steinhuder Meer mit dem Ende der letzten Eiszeit vor rund 12.000 Jahren.
Das Steinhuder Meer ist mit einer Ausdehnung von etwa 8 x 4,5 Kilometer und durchschnittlich nur 1,5 m Tiefe, ein Flachsee. Es wird überwiegend durch Grundwasser gespeist und hat nur einen Abfluß im Westen, den Meerbach. Zwischen der Anlage seiner beiden künstlichen Inseln liegen nicht nur Jahrhunderte sondern auch Beweggründe, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die Insel Wilhelmstein, ließ Graf Wilhelm zwischen 1761 und 1765 als Inselfestung und Militärakademie aufschütten, dagegen hält die Badeinsel am Südufer von 1975 was sie verspricht.


Abendstimmung am Steinhuder Meer (Bild: Wilfried Rave) Trotz der großen Fläche hat das Steinhuder Meer nur eine durchschnittliche Wassertiefe von 1,5 Meter, maximal 3 Meter. ...
Abendstimmung am Steinhuder Meer Bild: Wilfried Rave


... Dadurch reagiert der See sehr sensibel auf Nährstoffeinträge. Gespeist wird der See überwiegend aus Grund- und Regenwasser. Als Abfluss dient der über ein Wehr gesteuerte Meerbach, der in die Weser mündet.

Seit dem Jahr 2000 brüten Seeadler, seit 2006 auch der Fischadler am See. Wir möchten Ihnen eine Reihe von Vogelarten einmal vorstellen, die am Steinhuder Meer (wieder) heimisch sind.

Tiere des Steinhuder Meer - der Seeadler (Bild: Gunther Zieger) Seit dem Jahr 2000 brüten wieder Seeadler am Steinhuder Meer.
Tiere des Steinhuder Meer - der Seeadler Bild: Gunther Zieger


Der Seeadler

Als größte Greifvögel Nordeuropas (Länge 77 - 92 cm; Flügelspannweite bis 2,45 Meter) beeindrucken diese Adler jeden Betrachter. Das Brutgebiet des Seeadlers reicht von Südgrönland über das gesamte nördliche Europa und Asien bis an die Pazifikküste.Wassernähe ist eine wichtige Voraussetzung im Lebensraum des Seeadlers. Aber er brütet auch in der Tundra, an felsigen Meeresküsten, an großen Binnenseen der Waldgebiete, aber auch in der Steppe und sogar im Hochgebirge. Die nordischen Brutvögel wandern nach Süden. In Europa reicht das Gebiet der regelmäßigen Wintergäste mindestens bis an den Nordrand der Alpen und in die Ebenen Südosteuropas.
Vielseitig ist auch die Nahrung. Mittelgroße bis große Wirbeltiere machen den Hauptbestandteil seiner Nahrung aus, etwa See- und Süßwasserfische, die bis zu mehreren Kilogramm schwer sein können, Vögel von Küken der Nestflüchter bis zu Gänsen und Reihern. Von der Maus bis zu Fuchs und Reh. In Europa spielen Fische im Frühjahr eine Rolle, im Sommer und Winter sind es vor allem dann die Wasservögel.
Die oft riesigen Nester stehen in Mitteleuropa in der Regel auf hohen Bäumen. Erst mit fünf Jahren haben Seeadler Aussicht auf eine erfolgreiche Brut. Viele Paare leben in Dauerehe. Beide Geschlechter brüten, jedoch sitzt das Weibchen mehr auf den Eiern, das Männchen sorgt für die Nahrung.
Seit den 1980er Jahren brütet der Seeadler, lokal, auch in Bayern. Mit 6 - 7 BP ist er allerdings ein sehr seltener Brutvogel.


Das Steinhuder Meer ist mit knapp 30 Quadratkilometern der größte See Niedersachsens und Nord-West-Deutschlands. Der See wird umgeben von einer malerischen Landschaft mit Feuchtwiesen, Mooren, Dünen und Wäldern. Er ist aber auch ein Paradies für Wassersportler, Badegäste, Wanderer, Radfahrer, Segler und Surfer. Das macht diese Region zu einem attraktiven Ausflugs- und Urlaubsziel, vor allem für Tagestouristen der nahe gelegenen Landeshauptstadt Hannover.


Fischadler konnten aich aufgrund zahlreicher effektiver und gut geplanter Schutzmaßnahmen nach Jahrzehnten Abwesenheit am Steinhuder Meer wieder ansiedeln. Tiere des Steinhuder Meer - der Fischadler (Bild: Gunther Zieger)
Bild: Gunther Zieger Tiere des Steinhuder Meer - der Fischadler



Der Fischadler

Der Fischadler ist bekannt für seine beeindruckende Jagdtechnik. Er taucht im Sturzflug ins Wasser und greift mit seinen mächtigen Klauen nach Fischen, die nahe an der Oberfläche schwimmen. Als einziges Mitglied seiner Familie ist der Fischadler (Länge: 55 - 58 cm, bei einer Flügelspannweite von bis zu 170 cm) einer der auffälligsten Greifvögel.
Der Fischadler lebt fast ausschließlich von Fischen. Es kann schon vorkommen, dass dieser Adler bei einem Stoßflug  auch zwei Fische auf einmal erbeutet. Dabei kann der Fischadler, zum besseren Packen der Beute, die innere Zehe nach hinten drehen. Dieser Adler schlägt seine Klauen so fest in seine Beute, dass es schon vorgekommen ist, dass große Fische einen Fischadler unter Wasser gezogen und damit ertränkt haben.
Der Fischadler brütet in Europa, Asien, Afrika und Nordamerika. Im Winter zieht er meistens aus den nördlichen Regionen in gemäßigtere, südliche Breiten. Die in Europa brütenden Vögel ziehen nach Afrika, südlich der Sahara.
In Mitteleuropa kommt der Fischadler nur in Deutschland und Polen vor. Die Art dehnt auch ihr Verbreitungsgebiet wieder aus und hat unter anderem Schottland (wohl ab 1954), Zentral-Frankreich (ab 1985), bei uns in Deutschland Thüringen und Rheinland-Pfalz (ab 2003) sowie Niedersachsen (ab 2004) wiederbesiedelt. Der deutsche Bestand stieg von etwa 70 Paaren um 1975 auf 470 Paare (2004), ist aber nach wie vor weitgehend auf den Nordosten Deutschlands beschränkt.
Auch in Bayern ist der Fischadler zurückgekehrt. Inzwischen brüten wieder 5 -10 BP in Bayern, alle bekannten Brutpaare brüten auf künstlichen Nisthilfen.


Um den Nutzungsdruck auf den See und die besonders sensiblen Lebensräume in seiner Umgebung durch die zahlreichen Touristen und Tagesausflügler während der Hochsaison zu reduzieren, wurde ein ausgeklügeltes Konzept für einen nachhaltigen Tourismus entwickelt. Zu den vielen wichtigen Maßnahmen, die bisher umgesetzt wurden, zählen zum Beispiel die Winterfahrverbote und die Verlagerungen von Wegen. Die Besucherströme durch den Naturpark Steinhuder Meer werden nach dem Honigtopfprinzip gelenkt und auf ausgewählte, weniger empfindliche Gebiete konzentriert: Vom Rundweg aus ist es über Erlebnispfade und Aussichtspunkte möglich, die Naturschätze behutsam zu erleben. Sensiblere Lebensräume bleiben somit ungestört. Eine intensive Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildungskampagnen führten nach anfänglicher Kritik zur Akzeptanz der neuen Regeln in der Bevölkerung.


Ruhiger Tag am Steinhuder Meer (Bild: Wilfried Rave) Ein ausgeklügeltes Konzept, für das Steinhuder Meer, musste her um allen gerecht zu werden, Naturschutz und Erholung.
Ruhiger Tag am Steinhuder Meer Bild: Wilfried Rave


Der Naturpark Steinhuder Meer gilt mittlerweile als bundesweit anerkanntes Vorzeigemodell für vorbildliche, erfolgreiche Besucherlenkung. Zweimal erhielt er die Auszeichnung "Qualitäts-Naturpark". Der Naturpark Steinhuder Meer, die Steinhuder Meer Tourismus GmbH, das Regionale Umweltbildungszentrum (RUZ), Steinhuder Meer und die Ökologische Schutzstation Steinhuder Meer e.V. (ÖSSM) stellen jährlich ein gemeinsames Naturerlebnisangebot zusammen, zu welchem auch BUND und NABU mit Exkursionen und Vorträgen beitragen. Das Steinhuder Meer ist damit ein Beispiel dafür, dass behördlicher Naturschutz und Verbandsnaturschutz viel erreichen, wenn eine Zusammenarbeit funktioniert. Der Stationstisch, an dem alle beteiligten Behörden der Landkreise, Region Hannover und des Landes seit 1991 vier Mal im Jahr zusammensitzen, ist dafür ein Beleg.


Keine andere europäische Ente trägt einen derart breiten, im vorderen Drittel noch erweiterten Schnabel, der dieser Ente auch den deutschen Namen gegeben hat. Tiere des Steinhuder Meer - die Löffelente (Bild: Gunther Zieger)
Bild: Gunther Zieger Tiere des Steinhuder Meer - die Löffelente



Die Löffelente

Die Löffelente ist eingeselliger Vogel und lebt auf seichten Süßwasserseen und in Überschwemmungsgebieten, besonders an Stellen, an denen dichtes Schilf und Gras die Ufer säumen. Die Löffelente verfügt in ihrem großen, breiten Schnabel über einen besonders hoch entwickelten Seihapparat. Daher ist ihre bevorzugte Art der Nahrungsaufnahme das Durchschnattern der Wasseroberfläche. Der Seihapparat ist so fein, dass die Ente sogar Plankton filtern kann. Die Nahrung besteht hauptsächlich aus kleinen Krebs- und Weichtieren, Insekten und Samen von Wasserpflanzen.
Wenn die Löffelente allein auf Nahrungssuche geht, schwimmt sie häufig in engen Kreisen, so erzeugt sie einen Strudel, durch den Nahrung vom See- oder Teichgrund aufgewirbelt wird.
Frühjahr und Herbst sind die günstigtsten Zeiten, Löffelenten zu beobachten, da ihre Zahl durch die rastenden Zugvögel aus Nordeuropa dann zunimmt. Mit Ausnahme von tiefen, bewuchsarmen Stauseen und natürlichen Seen kann man die Ente von März bis Oktober vielerorts in Mitteleuropa begegnen. Viele Flachlandgewässer können die Ente zum Verweilen einladen. Sie ist zwar weltweit verbreitet, jedoch nicht sehr zahlreich.
Beim Auffliegen vom Boden erzeugen die Flügel der Löffelente ein typisches, rasselndes Geräusch, das möglicherweise zum Markieren des Reviers dienen soll. Man hat bei Löffelente Fluggeschwindigkeiten von bis zu 85 km pro Stunde nachgewiesen.
Die Löffelente ist überwiegend ein Zugvogel, die in warmen, wintermilden Gebieten überwintern. Dies sind vor allem Bereiche Westeuropas, des gesamten Mittelmeergebiets, aber auch das tropische Afrika, hier vor allem die tropischen Feuchtgebiete Westafrikas. In Mitteleuropa beobachtet man eine zunehmende Neigung den Winter über hier zu bleiben.
Auch in Bayern ist die Schnatterente Brutvogel, wenn auch ein seltener. Ihr Schwerpunktvorkommen liegen in den mittelfränkischen und oberpfälzer Teichgebieten. Ihr Bestand wird auf 440 - 700 BP geschätzt.



Tiere des Steinhuder Meer - fliegender Löffelenten-Trupp (Bild: Olav Krüger) Im Flugbild fallen die hellgrauen Vorderflügel, sowie der von den Armschwingen gebildete metallgrüne Spiegel, auf.
Der dunkelgraue Schnabel wird bis zu 7 cm lang.
Tiere des Steinhuder Meer - fliegender Löffelenten-Trupp Bild: Olav Krüger


Die Erfolge der Entwicklung können sich sehen lassen: In 2000 siedelte sich das erste Seeadlerpaar an. Im selben Jahr brüteten Kraniche erstmals seit 100 Jahren am Steinhuder Meer. Die Zahl der rastenden Wasservögel, zu Beginn der 1990er Jahre auf dem Tiefststand, hat sich inzwischen verfünffacht. Fischadler, Wachtelkönig und Flussseschalbe konnten sich aufgrund zahlreicher effektiver und gut geplanter Schutzmaßnahmen nach Jahrzehnten Abwesenheit wieder ansiedlen und der Rückgang von Bekassine, Kiebitz, Ringelnatter, Moorfrosch, Krebsschere & Co. konnte gestoppt werden.


Die Bekassine, ein langschnäbeliger Watvogel, ist in Europa und Amerika beheimatet. Sie wird auch Sumpfschnepfe und Himmelsziege genannt als Anspielung auf ihr "Meckern" während der Balz. Tiere des Steinhuder Meer - die Bekassine (Bild: Olav Krüger)
Bild: Olav Krüger Tiere des Steinhuder Meer - die Bekassine



Die Bekassine

Die Bekassine ist aufgrund der Lebensraumzerstörung bei uns selten geworden. Sie lebt meistens einzelgängerisch, verborgen in Sumpfgebieten und auf Feuchtwiesen.
Gallinago gallinago ihr lateinischer Gattung- und Artname steht für die eurasische Nominatform, die von Island und den Britischen Inseln über das europäische Festland bis in das asiatische Kamtschatka, brütet.
In der Regel ist die Bekassine auf Nahrungssuche (Insekten, Würmer, Schnecken, kleine Krebstiere) in Feuchtgebieten des Binnenlands anzutreffen. Im Frühjahr und Herbst treten viele Bekassinen aus Nordeuropa bei uns auf. Bei rauher Witterung suchen die Vögel auch an der Küste nach Nahrung.
"Bekassine" kommt aus dem Französischen: "becasse" bedeutet Schnepfe und leitet sich von "bec" (Schnabel) ab.
Die Bekassine und andere, meistens langbeinige Vögel, die in ihrer Lebensweise an Feuchtgebiete angepasst sind, werden auch als "Limikolen" bezeichnet, was "Watvögel" heißt.
Die Länge einer Bekassine kann 28 cm messen, die Schnabellänge kommt mit 6 - 7,5 cm dazu. Sie kann eine Lebenserwartung von bis zu 10 Jahren erreichen.
Da sie bevorzugt in der Dämmerung auf Nahrungssuche geht, hat sie große Augen, um in der Dämmerung besser zu sehen.
Beim Balzflug saust dieser Vogel manchmal aus 70 Metern Höhe herab.
Die Bekassine bringt angeblich ihre Küken aus einer Gefahrenzone, indem sie mit den Jungen zwischen den Zehen wegfliegt.
Der europäische Gesamtbestand der Bekassine wird zwischen 930.000 - 1.900.000 BP angenommen.
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde ihr Bestand in Deutschland mit 6.200 nis 9.800 BP angenommen. Die Bekassine ist in Deutschland laut der Roten Liste "vom Aussterben bedroht".
In Bayern ist die Bekassine ein sehr seltener Brutvogel, mit ca. 600 - 900 BP. Ihr Verbreitungsschwerpunkt liegt in Bayern in Mittel- und Unterfranken.



Tiere des Steinhuder Meer - bei der Bekassine sitzen die großen Augen sehr weit oben am Kopf (Bild: Olav Krüger) Europäische Bekassinen sind Mittel- und Kurzstreckenzieher, in Westeuropa auch Standvögel. Das Winterquartier beginnt bereits im Nordseegebiet. Nördliche Populationen ziehen dagegen bis Afrika südlich der Sahara.
Tiere des Steinhuder Meer - bei der Bekassine sitzen die großen Augen sehr weit oben am Kopf Bild: Olav Krüger


Innovative, wissenschaftlich begleitete Wiederansiedlungsprojekte, zum Teil mit Projektpartnern wie dem NABU Landesverband Niedersachsen, der Region Hannover, den Landkreisen Nienburg und Schaumburg sowie dem Land Niedersachsen, machten es möglich, dass heute wieder Laubfrosch, Karausche, Europäischer Nerz, Moorenten und Europäische Sumpfschildkröte im oder am See leben.


Der Wachtelkönig ist häufiger zu hören als zu sehen, denn er verbirgt sich die meiste Zeit im hohen Bodenbewuchs. Auch bei Gefahr fliegt er nicht auf, sondern läuft einfach unbemerkt davon. Tiere des Steinhuder Meer - der Wachtelkönig (Bild: Steffen Fahl)
Bild: Steffen Fahl Tiere des Steinhuder Meer - der Wachtelkönig



Der Wachtelkönig

Der Wachtelkönig ist ein Wiesenvogel, der vor allem in Feuchtgebieten und - weniger häufig - in angesäten Feldern vorkommt. Der Tag des einzelgängerischen Vogels beginnt in der Abenddämmerung und kann in milden, trockenen Nächten bis in die frühen Morgenstunden währen.
Erst so allmählich tastet man sich an die Kenntnis zur Lebensweise dieses versteckt lebenden, zur Familie der Rallen gehörenden Vogels heran. Die intensive Wachtelkönigforschung hat erst in den 1990er Jahren durch intensive internationale Zusammenarbeit Fahrt aufgenommen. Unzureichend ist auch, das Wissen über die Verbreitung und den Brutbestand dieses Vogels. Der Wachtelkönig wird heute als weltweit bedrohter Vogel eingestuft. In fast allen Ländern Mittel- und Westeuropas nehmen die Bestände ab.
Der Wachtelkönig ist in der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands als "stark gefährdet" eingestuft.
Das Brutgebiet liegt ganz in den Mittelbreiten und reicht von Westeuropa bis Sibirien in das Gebiet nordwestlich des Baikalsees. Bereits das Mittelmeer ist bis auf kleine Restvorkommen nicht mehr besiedelt.
Wachtelkönige sind Langstreckenzieher, die in Afrika vom Äquator an südwärts überwintern, die allermeisten in Ost- und Südafrika. Mitteleuropäische Vögel scheinen Schleifenzieher zu sein, doch ist das Zugverhalten dieser Art noch nicht restlos geklärt. Die Ankunft in den mitteleuropäischen Brutgebieten ist selten vor Anfang Mai, der Wegzug beginnt im August.
Der Name Wachtelkönig ist wohl auf frühere Vorstellungen zurückzuführen. Man nahm an, dass der Wachtelkönig der Anführer der Wachteln sei. So wurde dieser in früheren Zeiten oft zusammen mit Wachteln gefangen und da er etwas größer als die Wachtel ist (27 - 30 cm) wurde er von den Bauern und den Jägern als "König der Wachteln" bezeichnet.
Auch in Bayern kommt der Wachtelkönig vor. Seine Verbreitungsschwerpunkte liegen in der Rhön, den Tälern der Fränkischen Saale, Aisch und Altmühl. Daneben auch im oberbayerischen Donaumoos, der Regentalaue und den ausgedehnten Niedermooren im Voralpinen Hügel- und Moorland. Er ist in Bayern ein sehr seltener Brutvogel mit ca. 300 - 400 BP. Eine vollständige Erfassung dieser Art ist aufgrund der Nachtaktivität sehr schwierig.



Tiere des Steinhuder Meer - einst war wohl der Wachtelkönig ein recht häufiger Vogel (Bild: Steffen Fahl) Mit dem lateinischen Art- und Gattungsnamen (Crex crex) hat der schwedische Naturforscher Linne, das auffallendste Merkmal, nämlich den stereotypen, schnarrenden und klangarmen Gesang des Männchens, charakterisiert.
Tiere des Steinhuder Meer - einst war wohl der Wachtelkönig ein recht häufiger Vogel. Bild: Steffen Fahl


Naturvielfalt am Steinhuder Meer

Am Steinhuder Meer befinden sich wertvolle Erlenbruchwälder, Röhrichte, Sümpfe, Feuchtwiesen und auch renaturierte Hochmoorflächen. In der Kombination sind diese Lebensräume hier an der Schnittstelle des niedersächsischen Berg- und Tieflandes Heimat für eine besonders hohe Zahl von Tier- und Pflanzenarten, z.B. sind bereits über 280 Vogelarten nachgewiesen worden.


Der Ziegenmelker ist die "Schwalbe der Nacht" und ein anmutiger Jäger der Lüfte. Nachts fliegt er in Insektenschwärme hinein und fängt sich seine Beute mit großer Geschicklichkeit.  Tiere des Steinhuder Meer - der Ziegenmelker (Bild: Fotonatur.de / Holger Duty)
Bild: Fotonatur.de / Holger Duty Tiere des Steinhuder Meer - der Ziegenmelker



Der Ziegenmelker

Der Ziegenmelker bewohnt Heideland, Sanddünen und verschiedene Waldbiotope, bei uns vorwiegend lichten Kiefernwald. Im Mai trifft er dort ein und zieht Ende des Sommers wieder weg. Er ist zwar ein nachtaktiver Vogel, jedoch in der Dämmerung leicht zu erkennen, besonders das Männchen, wenn es beim Balzflug seine weißen Abzeichen präsentiert und ruft. Der anhaltende, schnurrende Gesang ist typisch für diesen Vogel und nur nachts zu hören. Tagsüber ruhen Ziegenmelker bewegungslos und mit fast geschlossenen Augen auf einem Zweig oder am Boden, ihr wirkungsvolles Tarngefieder, lässt sie für uns zu einem Stück Holz oder Rinde werden.
Die Familie der Nachtschwalben ist in Europa durch zwei Arten, neben dem Ziegenmelker noch den Rothals-Ziegenmelker, vertreten. 
Während in Osteuropa und in den Mittelmeerländern die Bestände noch weitgehend stabil sind oder nur leicht abnehmen, gibt es besonders in Mittel- und Nordwesteuropa nur noch Inselvorkommen. Grund dafür sind vor allem der Mangel an geeigneten Lebensräumen und die Vernichtung der Großinsekten durch Pestizideinsatz.
Die europäischen Ziegenmelker ziehen spätestens Mitte Oktober in ihre afrikanischen Winterquartiere südlich der Sahara bis zur Südspitze.
In Bayern ist der Ziegenmelker nur noch ein sehr seltener Brutvogel mit inselartigem Vorkommen. Sein Bestand wird auf  90 - 160 BP angenommen.



Tiere des Steinhuder Meer - der Ziegenmelker geht nachts auf die Jagd und ruht tagsüber (Bild: Fotonatur.de / Holger Duty)  Der eigentümliche Name des lateinischen Gattungsnamen caprimulgus entstammt der irrigen Auffassung, dass die Art  in der Nacht an den Eutern von Ziegen saugen würde, die von Plinius dem Älteren in seiner Naturgeschichte verbreitet wurde. (lat. capra = Ziege - mulgere = melken.
Tiere des Steinhuder Meer - der Ziegenmelker geht nachts auf die Jagd und ruht tagsüber.  Bild: Fotonatur.de / Holger Duty 


Seit dem Jahr 2000 brüten Seeadler und Kraniche, seit 2006 auch Fischadler am See. Weitere wichtige Brutvogelarten, sind u.a. Knäk- und Löffelente, Bekassine, Großer Brachvogel, Rotschenkel, Flussseeschwalbe, Karmingimpel und Ziegenmelker. Fischotter, Europäischer Nerz, Knoblauchkröte, Moor- und Laubfrosch, Kammmolch, Karausche und Schlammpeitzger kommen ebenso vor wie alle sechs in Norddeutschland lebenden Reptilienarten. In den Gewässern wurden bislang über 40 Libellenarten gefunden. Vielerorts bereits ausgestorben sind die am Steinhuder Meer wachsenden Pflanzenarten  Fieberklee, Weichwurz und Krebsschere.

Über die Entstehung des Steinhuder Meeres gibt es mindestens zwei Theorien. Die eine besagt, dass die Gletscher der Eiszeit diese verhältnismäßig geringe Vertiefung herausgehobelt und dass sich in ihr dann das Schmelzwasser des Gletschers gesammelt hatte. ... Sonnenuntergang am Steinhuder Meer (Bild: Wilfried Rave)
Bild: Wilfried Rave Sonnenuntergang am Steinhuder Meer


... Eine andere Theorie behauptet, die große flache Wanne des Meeres sei in der Eiszeit durch einen nimmermüden fauchenden Eissturm aus dem damals trockenen Boden bei tief stehendem Grundwasser ausgeblasen worden. Erst in späteren Zeiten, als der Wassergehalt des Bodens anstieg, soll sich die Wanne gefüllt haben.

Auch über das Verhältnis des Steinhuder Meeres zu Nachbarflüssen, der Leine und der Weser, gibt es mindestens zwei Meinungen. Während die eine für richtig hält, dass sich einst das Wasser der Leine durch das Meer hindurch in die Weser ergoss, vertritt eine andere den Standpunkt, dass in Urzeiten das Weserhochwasser durch das Steinhuder Meer in das Leinetal und von dort zur Aller abgeflossen seí.

Es gibt noch viel zu forschen am Steinhuder Meer. Wichtig aber ist, dass unsere Natur mit ihrer so facettenreichen Vielfalt an Flora und Fauna einen wichtigen Platz hat sich zu entfalten und viele Arten einen Rückzugsort finden und gefunden haben und vielen anderen die Möglichkeit gibt, hier einen Platz zu finden. Dies zu erhalten, muss unser aller Aufgabe sein.

Für den Pressetxt herzlichen Dank an Global Nature Fund (GNF), Radolfzell
Vielen Dank an die Fotografen Wilfried Rave, Gunther Zieger, Olav Krüger, Steffen Fahl und Fotonatur.de/Holger Duty.


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- letzte Aktualisierung: Sonntag, 01. Juli 2018 -
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