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Die Insekten des Jahres seit 1999

Liste der Insekten des Jahres:

Das Insekt des Jahres wird erst seit 1999 von einem Kuratorium aus acht Institutionen ernannt. Verantwortliche Organisation ist die Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft. Seit 2006 gemeinsam mit den Österreichischen Insektenkundlern.
Bisher waren dies:

Jahr Name wissenschaftlicher Name
1999 Die Florfliege Chrysoperla camea
2000 Goldglänzender Rosenkäfer Cetonia aurata
2001 Die Plattbauch-Segellibelle Libellula depressa
2002 Der Zitronenfalter Gonepteryx rhamni
2003 Die Feldgrille Gryllus campestris
2004 Die Hain-Schwebfliege Episyrphus balteatus
2005 Die Steinhummel Bombus lapidarius
2006 Der Siebenpunkt-Marienkäfer Coccinella septempunctata
2007 Die Ritterwanze Lygaeus equestris
2008 Das Krainer Widderchen Zygaena carniolica
2009 Die Gemeine Blutzikade Cercopis vulnerata
2010 Der Ameisenlöwe Myrmeleon formicarius
2011 Die Große Kerbameise Formica exsecta
2012 Der Hirschkäfer Lucanus cervus
2013 Die Gebänderte Flussköcherfliege Rhyacophila fasciata
2014 Die Goldschildfliege Phasia aurigera
2015 Der Silbergrüne Bläuling Polyommatus coridon
2016 Der Dunkelbraune Kugelspringer Allacma fusca

Der Dunkelbraune Kugelspringer ist das Insekt des Jahres 2016

Der Dunkelbraune Kugelspringer aus der Gruppe der Springschwänze wurde in der Bundesgeschäftsstelle des NABU zum "Insekt des Jahres 2016" gekürt.
Das Kuratorium, zu dem auch Prof. Dr. Thomas Schmitt vom Senckenberg Deutschen Entomologischen Institut Müncheberg gehört, prämierte das winzige Insekt, weil es wesentlich zur Bodenfruchtbarkeit und Humusbildung beiträgt und hilft das Schutzgut "Boden" zu erhalten. Die Schirmherrschaft der Auszeichnung übernahm Prof. Dr. Thomas Scholten, Präsident der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft.

Bis zu 200.000 Springschwänze können sich in einem Quadratmeter Boden befinden - einer von ihnen ist auch der Dunkelbraune Kugelspringer (Allacma fusca). "Böden sind für uns eine unverzichtbare Lebensgrundlage. Insekten sind maßgeblich an der Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit beteiligt. Das diesjährige Insekt des Jahres, der Dunkelbraune Kugelspringer, steht somit stellvertretend für diese große Gruppe von Organismen", begründet Prof. Dr. Thomas Schmitt, Direktor des Senckenberg Deutschen Entomologischen Institut in Müncheberg und Mitglied des Auswahl-Kuratoriums die Entscheidung.

Der Dunkelbraune Kugelspringer ist das Insekt des Jahres 2016 (Bild: Andreas Stark, Ampyx-Verlag) Der gerade mal vier Millimeter große im Boden lebende Dunkelbraune Kugelspringer, ernährt sich von pflanzlichen und tierischen Zerfallsstoffen. Er kommt in feuchten Laub- und Mischwäldern vor und ist fast überall häufig.
Insekt des Jahres 2016 - Der Dunkelbraune Kugelspringer Bild: Andreas Stark, Ampyx-Verlag

Das ausgezeichnete Insekt ernährt sich von pflanzlichen und tierischen Zerfallsstoffen und trägt so zur Humusbildung im Boden bei - das Resultat sind fruchtbare Böden. "Der Dunkelbraune Kugelspringer ist wirklich klein und sieht etwas unscheinbar aus, aber wenn man sich mit seinem Verhalten genauer beschäftigt, so dringt man in eine fremde und faszinierende Welt ein", erläutert Schmitt. Die kleinen Insekten besitzen beispielsweise am hinteren Segment ihres Körpers ein Sprungorgan, das wegen seines gabelförmigen Aussehens als "Furca" bezeichnet wird. Fühlen sich die Tiere gestört, schnellt die Furca nach hinten und katapultiert den Kugelspringer in einem Salto - je nach Körperschwerpunkt - nach vorne oder hinten. Der Sprung kann mehrmals hintereinander ausgeführt werden, dabei beträgt die Sprungweite das Mehrfache der Körperlänge.

Auch das Liebesleben der kleinen Krabbler ist ungewöhnlich: Das wesentlich kleinere Männchen von Allacma fusca legt eine oder mehere Spermienhaufen - Spermatophoren - ab, welches das Weibchen dann alleine aufnimmt. Häufig werden dabei die Spermatophoren dicht nebeneinander gelegt und bilden kleine Zäune - kommt kein Weibchen vorbei werden die Spermien nach einer Wartezeit von acht bis zehn Stunden vom Männchen wieder gefressen.

Fühlen sich die kleinen Insekten bedroht, "retten" sie sich mit Hilfe eines Sprungorgans. Sein genaues Verbreitungsgebiet ist noch gar nicht bekannt (Bild: Andreas Stark, Ampyx-Verlag)
Bild: Andreas Stark, Ampyx-Verlag Der Dunkelbraune Kugelspringer ist in Europa weit verbreitet

Der Dunkelbraune Kugelspringer ist in Europa weit verbreitet, insbesondere in feuchten Wäldern und in der Streuschicht von Gebüschen oder Totholz findet man die flugunfähigen Sechsbeiner. Nachweise der Art gibt es aber auch aus Mooren, Höhlen, Wiesen, Dünen sowie Nestern von Kleinsäugern. "Das genaue Verbreitungsgebiet ist noch nicht bekannt", ergänzt Schmitt und fährt fort: "Obwohl Springschwänze, zu denen auch der Dunkelbraune Kugelspringer gehört, von hoher Bedeutung für Ökosystemdienstleistungen sind, ist vieles von ihnen noch nicht bekannt. Zudem gibt es kaum mehr Spezialisten, welche die über 8.000 Arten überhaupt noch unterscheiden können. Hier zeigt sich ganz deutlich, dass wir mehr und nicht weniger Taxonomen brauchen. Nur wenn wir unsere Umwelt mit ihren Arten kennen, können wir sie erhalten und auch unsere eigenen Lebensgrundlagen schützen!".

Das Insekt des Jahres wird seit 1999 ausgerufen. Die Idee hierzu stammte vom Prof. Dr. Holger Dathe, damaliger Leiter des Senckenberg Deutschen Entomologischen Instituts in Müncheberg. Ein Kuratorium, dem namhafte Insektenkundler und Vertreter wissenschaftlicher Gesellschaften und Einrichtungen angehören, wählt jedes Jahr aus zahlreichen Vorschlägen ein Insekt aus.
Der Schirmherr Prof. Dr. Thomas Scholten, Präsident der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft zur diesjährigen Entscheidung: "Ich gratuliere dem Kuratorium 'Insekt des Jahres' herzlich zur Wahl des Dunkelbraunen Kugelspringers und wünsche uns allen auch im kommenden Jahr viel Erfolg beim Schutz und Erhalt unserer Böden mit allen darin und darauf lebenden Organismen."


Vielen Dank an Frau Judith Jördens, Pressestelle, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung für den Pressetext und die Möglichkeit die Bilder von Herrn Andreas Stark, Ampyx-Verlag, zeigen zu dürfen.



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- letzte Aktualisierung: Donnerstag, 22. Dezember 2016 -