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Die Gemüse / Kulturpflanzen des Jahres seit 1999
Eine Aktion des Vereins zur Erhaltung der Nutzenpflanzenvielfalt (VEN)
Durchgeführt seit dem Jahre 1999:

Jahr Gemüse wissenschaftlicher Name
1999 Puffbohne Vicia faba
2000 Gartenmelde Atriplex hortensis
2001

Tomate

Lycopersicon esculentum
2002 Flaschenkürbis, Kalebasse Lagenaria siceraria
2003 Kartoffel Solanum tuberosum
2004 Körnerbohne
Da die Nutzung der Kerne der Bohnensorten weitgehend in Vergessenheit geraten ist.
Gattung: Phaseolus
2005 Zichorie Cichorium intybus
2006 Kopfkohl Brassica oleracea
2007 / 2008 Gartensalat  
2009 / 2010 Erbse  
2011 / 2012 Pastinake Pastinaca sativa
2013 / 2014 Lauch und Zwiebeln Allium
2015 / 2016 Chili und Paprika Capsicum
2017 / 2018 Steckrübe Brassica napus ssp. napobrassica

Der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt e.V. (VEN) hat die Steckrübe oder Kohlrübe (Brassica napus ssp. napobrassica L. zum "Gemüse der Jahres 2017 / 2018" gekürt.

Die Steckrübe oder Kohlrübe ist vom VEN als Gemüse des Jahres für die Jahre 2017 / 2018 auserkoren worden. Wir möchten die Menschen dazu ermuntern, sich in den kommenden zwei Jahren vermehrt der Steckrübe anzunehmen, in Garten und Küche zu experimentieren und das Wissen über dieses klassische Gemüse in die Welt zu tragen. Die Steckrübe ist ein Gemüse mit Tradition, aber auch mit Zukunft. Als Anregung hat die AG Gemüse des Jahres den VEN einen großen Fundus an Informationen u.a. zur Züchtungsgeschichte, Sortenvielfalt, Kultivierung im Garten und Saatgutvermehrung zusammengetragen.

Die Steckrübe, Kohlrübe oder Wrucke ist als Gemüse fast in Vergessenheit geraten (Bild: Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt e.V. (VEN) Die Steckrübe, Kohlrübe, Wrucke oder Wruke ist ein traditionelles Gemüse insbesondere des nördlichen Europas, wo sie auch in kühlem Klima gut gedeiht und mit ihrem mitunter zarten, süßlichen Aroma und guter Lagerfähigkeit vielfältig verwendbar ist.
Die Steckrübe ist das Gemüse des Jahres für die Jahre 2017 / 2018 Bild: VEN e.V:


Nicht von ungefähr wird sie auch als Ananas des Nordens bezeichnet. Zugleich hat sie aber aufgrund der Erinnerung an eine Geschichte verheerender Katastrophen bis heute einen schlechten Ruf. Als "Steckrübenwinter" ist insbesondere der Jahreswechsel 1916/17 während des ersten Weltkriegs in die Geschichte eingegangen. Nach einer massiven Missernte von Karoffeln und unter der Seeblockade durch die Westmächte wurden - nachdem die Schweine selbst bereits geschlachtet waren - die eigentlich als Viehfutter angebauten Kohlrüben an die hungernde Bevölkerung verteilt. Auch im Hungerwinter 1946/47 wurde wieder auf Steckrübenrationen zurückgegriffen. Erst seit wenigen Jahren gewinnt die Steckrübe wieder an kulinarischer Bedeutung. Da ihr Anbau unkompliziert ist und sie weder Agrarchemie noch lange Transporte aus wärmeren Regionen benötigt, ist sie ein modernes, klimaschonendes Nahrungsmittel.

Botanik, Züchtungsgeschichte, Kulturformen

Die Steckrübe ist eine Unterart oder Varietät der Art Raps (Brassica napus L.). Das bedeutet, dass Steckrüben botanisch gesehen eigentlich Rapssorten sind, die Rüben ausbilden. Aufgrund von Chromosomenanalysen weiss man, dass Raps als Kreuzung aus den Arten Kohl (Brassica oleracea L.) und Rübsen, bzw. Stoppel- oder Mairüben (Brassica rapa L.) entstanden ist. Da sich Brassica napus im Prinzip nicht mehr mit den Elternarten kreuzt, handelt es sich um eine neue biologische Art. Diese ist bemerkenswerterweise nicht durch natürliche Evolution, sondern in der Kultivierung durch den Menschen entstanden.

Die klassische Kreuzungszüchtung hat also ganz ohne Gentechnik vollkommen neue Kulturpflanzen erzeugt - ein Beispiel für die hohe Kultur der Pflanzenzüchtung schon vor 300 Jahren und ihr großes Potenzial. Im Laufe der Zeit wurden innerhalb der biologischen Art des Rapses sehr verschiedene Kulturformen herausgezüchtet. Dazu gehören der Ölraps zur Speiseölgewinnung, der Schnittkohl als Blattgemüse und eben auch die Steckrübe als Viehfutter und Lagergemüse für das Winterhalbjahr.

Ölraps

In größerem Maßstab wurde der Ölraps (Brassica napus ssp. napus) seit dem 16. und vor allem im 17. Jahrhundert zunächst in Holland und später auch in Deutschland angebaut, allerdings vorrangig als technisches und Leuchtöl sowie als Rohstoff für die Seifenherstellung. Als Speiseöl konnte Rapsöl aufgrund des hohen Anteils an Erucasäure nicht mit den damals in Mitteleuropa vorherrschenden Ölfrüchten Lein und Schlafmohn mithalten. Erst in den 1970er Jahren verfügte man über erucasäurefreie sog. Nullsorten, die als Basis für hochwertige Speiseöle dienen. In den 1980er Jahren wurde zusätzlich der Gehalt an Senfölen minimiert, so dass nun die Pressrückstände als wertvolles Tierfutter verwendet werden können (Doppelnullsorten). Dies war einer der letzten spektakulären Erfolge der klassischen Pflanzenzüchtung vor Einführung der Gentechnik. Allerdings hatte die jahrzehntelange extreme Auslese zu einer starken genetischen Verarmung des Rapses geführt. Als eine Methode, hier wieder eine größere Variabilität zu erreichen, wird auf die künstliche Resynthese aus den Elternarten Kohl und Rübsen gesetzt. Heute ist Raps eine der wichtigsten Ölfrüchte weltweit und ein Beispiel für die Verheißungen und Risiken moderner biotechnologischer Verfahren bis hin zur Gentechnik.

Schnittkohl / Kohlraps

Der Schnittkohl oder Kohlraps (B. napus ssp. pabularia (DC.) Janchen) diente traditionell als leicht zu kultivierendes Blattgemüse im Spätherbst und zeitigen Frühjahr. Geerntet werden die Blattrosetten vor dem Aufstängeln zur Blüte. Es gibt aber auch Sorten, die ähnlich dem Grünkohl über den Winter stehen können. Heute ist der Schnittkohl nahezu vollständig in Vergessenehit geraten. Zu den wenigen in den letzten Jahren wiederentdeckten Sorten gehören "Russischer Roter" und "Bremer Scheerkohl".
Seit den 1950er Jahren wird an der Neusynthese weiterer Gemüse-Raps-Formen aus den Elternarten gearbeitet. Die z.B. brokkoliähnlichen oder kopfbildenden Resynthese-Rapse sind bisher vor allem in Asien bekannt.

Die ältesten Nachweise der Steckrübe stammen aus dem 17. Jahrhundert und verweisen auf Skandinavien als Ursprungsregion. Daher auch die im Englischen bis heute übliche Bezeichnung "swede". Ob die Steckrübe aus älteren Rapsformen gezüchtet worden ist oder auf eine unabhängige Kreuzung von Kohl mit Stoppelrüben zurückgeht, bleibt dabei bislang ungeklärt. Eine alte Zeichnung der Steckrübe deren reiche Sortenvielfalt verschollen ist (Zeichnung: Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt e.V. (VEN)
Bild: Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt VEN e.V. Zeichnung einer Steckrübe

Unterscheiden lässt sich die Steckrübe von der eng verwandten Stoppel- oder Mairübe anhand ihres bläulich bereiften Laubes, der oberen, den Spross nur halb umfassenden Blätter und des gestreckten Blütenstandes, bei dem die geöffneten Blüten über den Knospen stehen. Bei Rübsen und Stoppelrübe (B.rapa) hingegen sind die Rosettenblätter glänzend grün, die oberen Blätter umfassen den Spross ganz und der Blütenstand wirkt etwas gestaucht, da die geöffneten Blüten unter den Knospen stehen.

Die ebenfalls auf den ersten Blick ähnliche Runkelrübe gehört in eine ganz andere Pflanzenfamilie und ist mit der Roten Beete und der Zuckerrübe verwandt.

Sortenkunde

Traditionell dienen bei uns die weißfleischigen Steckrübensorten als Winterfutter für das Vieh und die gelbfleischigen Sorten der Gemüsenutzung. Obwohl letztere im Geschmack meist milder sind, gibt es auch weißfleischige Sorten mit sehr gutem Aroma. Die gelbe Färbung ist durch Carotinoide bedingt. Neben Unterschieden im Aroma und der Farbe des Fruchtfleisches gibt es auch unterschiedliche Färbungen der Außenhaut (gelblich, grün, violett) und eine gewisse Formenvielfalt.

Obwohl die Steckrübe in Deutschland traditionell ein weit verbreitetes Gemüse gewesen ist, sind heute etwa 90% der Sorten aus den 1920-1950er Jahren leider verschollen. Hierzu gehören z.B. alte Formen mit sehr ausgeprägtem Hals, wie die "Pommersche Kannenwrucke", oder als sehr aromatisch beschriebene Sorten, wie die flachrunde "Gelbe Apfel". In den skandinavischen und den englischsprachigen Ländern sowie in Osteuropa hingegen gibt es glücklicherweise noch eine erhebliche Sortenvielfalt zu entdecken.

Einige der bei uns bekannteren Steckrübensorten sind "Wilhelmsburger", "Hoffmanns Gelbe" und "Niko". "Wilhelmsburger" stammt von 1897 und ist noch heute die bei uns am weitesten verbeitete Sorte für den Privatanbau. Sie ist orangegelb im Inneren, mit grünem Kopf, recht widerstandsfähig gegen Mehltau und hat einen intensiven Geschmack. Ebenfalls eine alte gelbfruchtige Sorte ist "Hoffmanns Gelbe". "Niko" dagegen ist weißfleischig mit grünem Kragen und feinem Atoma. Neben samenfesten Sorten gibt es mittlerweile auch Hybridzüchtungen, die sich mit ihren gewünschten Eigenschaften allerdings nicht weitervermehren lassen.

Weitere Informationen erhalten Sie unter: Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt e.V., www.nutzpflanzenvielfalt.de

Vielen Dank an Herrn Alexander Artmann, vom AG Gemüse des Jahres im VEN für die Übersendung des Pressetextes, sowie des Bildes und der Zeichnung.



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- letzte Aktualisierung: Montag, 24. Juli 2017 -