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Das Fossil des Jahres seit 2008

Das Fossil des Jahres ist eine seit 2008 von der Paläontologischen Gesellschaft verliehene Auszeichnung eines bestimmten Fossils. Bei der Auswahl aus einer Reihe von Vorschlägen werden sowohl die wissenschaftliche Bedeutung als auch der Museumswert berücksichtigt, die Mitglieder der Paläontologischen Gesellschaft treffen die Wahl auf ihrer Jahrestagung. Die Gesellschaft verfolgt damit das Ziel, die Paläontologie stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.

Die bisherigen Fossile des Jahres

Jahr Fossil Museum
2008 Riesenammonit (Parapuzosia seppenradensis) LWL-Museum für Naturkunde in Münster
2009 Juravenator Jura-Museum in Eichstätt
2010 Riesen-Kalamiten Museum für Naturkunde in Chemnitz
2011 Drei Haie (Orthacanthus senckenbergianus) Naturhistorisches Museum (Schleusingen)
2012 Brachiosaurus brancai (heute Giraffatitan brancai) Museum für Naturkunde (Berlin)
2013 Gomphotherium von Gweng Paläontologisches Museum München
2014 "Schwäbisches Medusenhaupt" (Riesen-Seelilie) Universität Göttingen
2015 Riesentausendfüßer (Arthropleura armata) Zentrum für Biodokumentation (ZfB) in Landesweiler-Reden, Saarland
2016 Jurameer-Sprotte (Leptolepides sprattiformis) Bayer.Staatssmlg. f. Paläontologie u. Geol.
2017 Auster Pycnodonte (Phygraea) vesiculare Kreidemuseum Gummanz/Rügen MV
2018 Lepidodendron - der Schuppenbaum  

Fossil des Jahres 2018: Lepidodendron - der Schuppenbaum

Lepidodendron war vor etwa 320 bis 300 Millionen Jahren in Europa und Nordamerika sehr weit verbreitet. Vertreter dieser Gattung sind auf nahezu jeder Steinkohlenhalde zu finden. Reste dieser ausgestorbenen fossilen Pflanze, die zur Gruppe der Bärlappgewächse oder Lycopsiden gehört, sind so häufig, dass die Pflanze sogar auch einen deutschen Namen trägt: der Schuppenbaum. Der Name verweist auf die rautenförmigen Blattnarben auf der Oberfläche der Stämme und Äste, die ein wenig an Fischschuppen erinnern. Die Gattung Lepidodendron wurde nicht nur aufgrund der wissenschaftlichen, sondern auch aufgrund ihrer historischen Bedeutung zum Fossil des Jahres 2018 gewählt.

Die baumformigen Lycopsiden wuchsen an feuchten bis sehr feuchten Standorten. Sie waren dominant in den ausgedehnten Sumpfwäldern des Oberkarbons. Sie lieferten zu 80 bis 90% der Biomasse, die später in Steinkohle umgewandelt wurde.
Die Industrialisierung ab Mitte des 19.Jahrhunderts wäre ohne Steinkohle gar nicht möglich gewesen. Auch wenn der Kohlenbergbau in vielen europäischen Ländern bereits ein abgeschlossenes Kapitel ist, darf man nicht vergessen, dass diese Pflanzen den Kraftstoff geliefert haben, mit dem die industrielle Revolution angefeuert wurde. Ohne die karbonischen Sumpfwälder, deren tief in der Erde abgespeicherte Biomasse im Laufe der Zeit in Steinkohle umgewandelt wurde, wäre das Ruhrgebiet jetzt noch eine ländliche, stark durch Agrarwirtschaft geprägte Region. Gleiches gilt für viele andere Industrieregionen weltweit. Somit ist Lepidodendron nicht nur von wissenschaftlicher, sondern auch von historischer und indirekt auch von enormer wirtschaftlicher Bedeutung.

Baumförmige Bärlappgewächse

Alle heutigen Bärlappgewächse sind kleine, wenige Dezimeter hohe krautförmige Pflanzen, die auch in Deutschland mit mehreren, meist eher seltenen Arten vertreten sind. (Tannenbärlapp, Alpen Flachbärlapp, Gewöhnlicher Flachbärlapp, Sumpf-Bärlapp, gilt in Deutschland als "gefährdet")Sie haben kleine, nadelförmige, spiralig angeordnete und nur wenige Millimeter lange Blättchen. Die sporangientragenden Blättchen bilden eine Ähre oder stehen vereinzelt zwischen den sterilen Blättchen.

Ganz anders sahen die Formen aus dem Oberkarbon aus. Es waren große Bäume mit dicken Stämmen. Die Gattung Lepidodendron, die stellvertretend für die baumförmigen Lycopsiden zum Fossil des Jahres gewählt wurde, konnte eine Höhe von über 40 Metern erreichen. Die als Stigmaria beschriebenen Wurzelsysteme bestanden aus vier flach ausgebreiteten, sich mehrfach gabelig verzweigenden Achsen, die rund herum schlauchförmige Organe trugen, die die Wurzelfunktion übernahmen. Die Krone bestand aus mehrfach gabelig verzweigten Achsen. Bis über vier Meter lange Verzweigungssysteme aus der Baumkrone sind überliefert. Die Blätter der Stämme waren sehr schmal, lang und steif, die der Endverzweigungen nadelförmig. Die an den Seitenachsen ansitzenden Zapfen waren wenige Zentimeter bis gut einen Meter lang. Ein anderer, sehr weit verbreiteter baumförmiger Lycopside ist Sigillaria, der Siegelbaum. Bei Sigillaria, die eine Höhe von 10 bis 20 Metern erreichen konnte, sind die Blattnarben etwa sechseckig und stehen in Lingsreihen. Außerdem hatte Sigillaria keine echte Baumkrone. Das Stammende war höchstens zweimal gegabelt und die Zapfen waren direkt am Hauptstamm angeheftet. Die Stämme der baumförmigen Lycopsiden bestanden, anders als die überwiegend holzigen Stämme heutiger Bäume, zum größten Teil aus Rindengeweben. Der Holzanteil war nur sehr gering. Die äußere Rinde konnte beim weiteren Dickenwachstum des Stammes allerdings nicht mitwachsen und platzte ab, wie bei der heutigen Korkeiche.

Zur Erforschungsgeschichte

Baumförmige Lycopsiden sind schon sehr lange bekannt. Die Gattungen Lepidodendron und Sigillaria wurden beide bereits am Anfang des 19. Jahrhunderts anhand ihrer Stammabdrücke mit Blattnarben beschrieben. Da die einzelnen Teile und Organe dieser Pflanzen fast immer isoliert und praktisch niemals zusammenhängend gefunden werden, wurden sie ursprünglich zu separaten Gattungen gestellt. Erst im Nachhinein konnte rekonstruiert werden, welche Teile und Organe zusammengehören. Dennoch werden die separaten Namen immer noch für u.a. die Wurzelsysteme, Stämme, Entrindungsstadien der Stämme, Blätter, Zapfen und Sporen verwendet. Anatomisch erhaltene Reste aus Torfdolomitknollen haben erheblich zum besseren Verständnis der oberkarbonischen baumförmigen Lycopsiden beigetragen.


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- letzte Aktualisierung: Montag, 30. Juli 2018 -
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