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Die Einzeller des Jahres seit 2007

Im Mai 2007 hat die Deutsche Gesellschaft für Protozoologie auf einer Tagung in Salzburg einen Einzeller des Jahres gewählt. Mit ihrer Wahl wollten die Wissenschaftler darauf aufmerksam machen, dass die große Gruppe der Einzeller eine wichtige Rolle für die Ökosysteme der Erde spielt.

Der Einzeller des Jahres wird von der Deutschen Gesellschaft für Protozoologie bestimmt.

Die bisherigen Einzeller des Jahres

Jahr Name (deutsch) wissenschaftlicher Name
2007 Pantoffeltierchen Paramecium
2008 keine Nennung  
2009   Tetrahymena
2010 Augentierchen Euglena
2011 Schleimpilz-Art Dictyostelium discoideum
2012   Acanthamoeba
2013 Sonnentier Actinophrys sol
2014 Trompetentier Stentor
2015 Vampiramöben Vampyrella
2016   Trichomonas vaginalis
2017   Diaphanoeca grandis

Der Einzeller des Jahres 2017 - Diaphanoeca grandis

Zum zehnten Jubiläum hat die Deutsche Gesellschaft für Protozoologie einen besonderen Protisten zum "Einzeller des Jahres" gekürt.

Der diesjährige Einzeller des Jahres - Diaphanoeca grandis - wird von Dr. Frank Nitsche, Universität Köln, vorgestellt.

Diaphanoeca grandis ist der Einzeller des Jahres 2017 (Aufnahme: LM / Deutsche Gesellschaft für Protozoologie) Morphologie

Choanoflagellaten besitzen eine einzigartige Form - bei allen Arten findet sich ein Zellkörper (Protoplast), der eine einzelne Geißel (Flagellum) trägt, die von einem Kragen umgeben wird. Dieser Kragen besteht aus vielen einzelnen so genannten Mikrovilli und hat die Funktion eines Filters.
Die Besonderheit bei Diaphanoeca grandis (Ordnung Acanthoecida) ist das Körbchen (Lorica), das die Zelle umgibt. Die einzelnen Stäbchen (Costae) bestehen aus reinem Silizium und bilden in ihrer einmaligen Anordnung die arttypische Lorica. Jede Art (ca. 120) aus dieser Ordnung besitzt daher eine charakteristische, einzigartige Lorica.
Diaphanoeca grandis ist der Einzeller des Jahres 2017 Aufnahme: LM / Deutsche Gesellschaft für Protozoologie

Ökologie

Durch ihren Aufbau sind die mikroskopisch kleinen Organismen hocheffiziente Filtrierer. Durch Schlagen der Geißel erzeugen sie einen Wasserstrom, der durch den Kragen gefiltert wird, jedoch nicht wie anfänglich angenommen in den Kragen hinein sondern an seiner Außenseite. Ihre Nahrung besteht zum größten Teil aus Bakterien, die sie in großen Mengen fangen und so einen wichtigen Teil zum mikrobiellen Nahrungsgewebe beitragen.
Man findet Choanoflagellaten in allen aquatischen Bereichen - von Süßwasser bis zu Salzwasser. Selbst im Boden trifft man auf Dauerstadien.
Diaphanoeca grandis ist eine Art, die in polaren bis kühl gemäßigten Regionen der Erde zu finden ist. Vor allem in der Arktis und Antarktis spielt sie eine große Rolle.

Geschichte

Diaphanoeca grandis wurde erstmals 1929 beschrieben (Ellis), die ersten Choanoflagellaten bereits 1866 von James Clark. Erst 1965 wurde zu den beiden Familien Codosigidae und Salpingoecidae eine dritte Familie hinzugefügt, die Acanthoecidae, zu der Diaphanoeca zählt.
Diaphanoeca grandis wurde erstmals 1929 beschrieben (Aufnahme: EM / Deutsche Gesellschaft für Protozoologie)
Aufnahme: EM / Deutsche Gesellschaft für Protozoologie Diaphanoeca grandis wurde erstmals 1929 beschrieben


Bei den acanthoeciden Choanoflagellaten ist die Lorica ein eindeutiges Artmerkmal. Bezogen auf andere Formen der Choanoflagellaten erkannte man im weiteren Verlauf der Forschung aber, dass das Aussehen alleine, auf das die Artbeschreibung hauptsächlich beruhte, nicht ausreichend ist.

Verwandtschaft

Bereits im Jahr der Erstbeschreibung 1866, erkannten Wissenschaftler die Ähnlichkeiten zwischen Schwammzellen (Choanocyten und Choanoflagellaten) und folgerten daraus ein nahes Verwandtschaftverhältnis zwischen den einzelloigen Choanoflagellaten und den mehrzelligen Schwämmen, die echte Tiere sind. Erst im 21. Jahrhundert konnte mit Hilfe molekularbiologischer Methoden der Nachweis erbracht werden, dass der letzte gemeinsame Vorfahre von Einzellern (Protisten) und Mehrzellern (Tieren) ein Choanoflagellaten ähnlicher Protist war.

Diaphanoeca grandis (Choanoflagellat) (Aufnahme: Norris 1965) Forschung

Wegen ihrer Verwandtschaft zu den Tieren und der Fähigkeit kolonien zu bilden, stehen Choanoflagellaten im Fokus der Evolutionsforschung hinsichtlich der Entstehung der Mehrzelligkeit.
Diaphanoeca grandis (Choanoflagellat) Aufnahme: Norris 1965


Dazu wurde zum einen das gesamte Genom von zwei Arten sequenziert und nach Genen untersucht, die eine Rolle bei mehrzelligen Organismen spielen. Zum anderen wurde die Gene untersucht, die zum Beispiel bei der Koloniebildung aktiv sind. Dabeu wurden viele Gene wiedergefunden, die auch bei höheren Tieren und dem Menschen eine Rolle in der Zell-Zell-Kommunikation und Transport spielen.

 
Text und Bilder erstellt von Dr. Frank Nitsche im Auftrag der Deutsche Gesellschaft für Protozoolgie (DGP).

Möchten Sie mehr über die Lebensweise der Einzeller wissen: www.protozoologie.de


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- letzte Aktualisierung: Donnerstag, 03. August 2017 -