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Die bisherigen "Bäume des Jahres"

Im Oktober jeden Jahres bestimmt das Kuratorium "Baum des Jahres", in dem die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) e.V. Mitglied ist, den Baum des Jahres für das darauffolgende Jahr.

Jahr Art botanisch
1989 Die Stiel-Eiche Quercus robur L.
1990 Die Buche Fagus sylvatica L.
1991 Die Sommerlinde Tilia platyph yllos Scop.
1992 Die Bergulme Ulmus glabra Huds. emend.Moss
1993 Der Speierling Sorbus domestica L.
1994 Die Eibe Taxus baccata L.
1995 Der Spitzahorn Acer platanoides L.
1996 Die Hainbuche Carpinus betulus L.
1997 Die Eberesche Sorbus aucuparia
1998 Die Wildbirne Pyrus communis L.
1999 Die Silberweide Salix alba L.
2000 Die Sandbirke Betula pendula Roth
2001 Die Esche Fraxinus excelsior L.
2002 Der Wacholder Juniperus communis L.
2003 Die Schwarzerle Alnus glutinosa L.
2004 Die Weißtanne Abies alba MILL
2005 Die Rosskastanie Aesculus hippocastanum L.
2006 Die Schwarzpappel Populus nigra L.
2007 Die Waldkiefer Pinus sylvestries L.
2008 Die Walnuss Juglans regia L.
2009 Der Bergahorn Acer pseudoplatanus L.
2010 Die Vogel-Kirsche Prunus avium
2011 Die Elsbeere Sorbus torminalis
2012 Die Europäische Lärche Larix decidua
2013 Der Wildapfel Malus sylvestris
2014 Die Trauben-Eiche Quercus petraea
2015 Der Feldahorn Acer campestre
2016 Die Winter-Linde Tilia cordata
2017 Die Fichte Picea abies
2018 Die Ess-Kastanie Castanea sativa
2019 Die Flatter-Ulme Ulmus laevis

Die Flatter-Ulme ist der Baum des Jahres 2019


Die Flatterulme, die auch "Flatterrüster" genannt wird, gehört in die Ordnung der Rosenartigen.


Wer die buschigen Blüten der Flatter-Ulme einmal im Wind hat tanzen sehen, weiß woher die Art ihren Namen hat. 2019 rückt die Baum des Jahres Stiftung damit eine Ulmenart ins Licht der Öffentlichkeit die bisher wenig bekannt ist. Umso spannender ist ihr vielseitiges Potential - insbesondere im urbanen Bereich. Dieses mit Verve in Szene zu setzen ist auch eine Aufgabe der Deutschen Baumkönigin 2019, Caroline Hensel. Mit Bundesministerin Julia Klöckner hat die Baum des Jahres Stiftung 2019 eine engagierte neue Schirmherrin.


Der Baum des Jahres 2019 - die Flatter-Ulme (Bild: Dr. Rudolf Fenner) Die Gattung Ulmus ist mit 45 Arten vorwiegend in den gemäßigten Breiten der Nordhalbkugel verbreitet. In der heimischen Flora kommen drei Arten neben der Flatter-Ulme, die Berg- und die Feld-Ulme vor.
Flatter-Ulme bei Glave in Mecklenburg-Vorpommern Bild: Dr. Rudolf Fenner


Spricht man von Ulmen denken die meisten wohl zuerst an das Ulmensterben im vergangenen Jahrhundert. Doch wo Berg- und Feld-Ulme insbesondere durch ihren dramatischen Rückgang traurige Berühmtheit erlangt haben, zeigt die Flatter-Ulme ein ganz anderes Gesicht. Ulmus laevis unterscheidet sich nicht nur botanisch deutlich von ihren bekannteren Schwestern, sie erwies sich auch gegen die Ulmenkrankheit als deutlich widerstandsfähiger. Dass die Flatter-Ulme dennoch eine seltene Baumart in Deutschland ist hat in erster Linie mit dem Verlust ihres Lebensraumes zu tun. An diesem ist der Mensch nicht unschuldig: Flussauen und überflutete Gebiete sind landwirtschaftlichen Flächen gewichen, Flüsse begradigt und Feuchtgebiete trocken gelegt. Die wasserbegleitende Flatter-Ulme ist heute am ehesten noch in größeren Flusstälern wie dem Oberrheingraben, entlang der Donau und in der Rhein-Main-Ebene anzutreffen.


Flatter-Ulmen können 250 Jahre alt werden. Mit 50 - 75 Jahren haben sie ihre endgültige Höhe erreicht.  Ulmenbestand in einem Feuchtwald im Revier Behlendorf in Schleswig-Holstein (Bild: Dr. Rudolf Fenner) 
Bild: Dr. Rudolf Fenner  Ulmenbestand in einem Feuchtwald Revier Behlendorf in Schleswig-Holstein


Rettungsfloß Flatter-Ulme?

Alle drei heimischen Ulmenarten mögen feuchte Standorte. Die Flatter-Ulme allerdings ist besonders "nah am Wasser gebaut". Seit der letzten Eiszeit ist sie Teil unseres Ökosystems und hat sich unter verschiedensten Klimabedingungen bewährt. "Wir brauchen Baumarten die den Herausforderungen klimatischer Veränderungen gewachsen sind", sagt die Deutsche Baumkönigin Caroline Hensel bei der Ausrufung im Berliner Zoo. Ulmus laevis kann bei der Revitalisierung von Bach- und Flussauen eine entscheidende Rolle einnehmen. Für Arten, die auf Ulmen angewiesen sind, ist die Flatter-Ulme ein regelrechtes Rettungsfloß. Auch im urbanen Bereich gibt es geeignete Standorte auf denen der Baum des Jahres 2019 als widerstandsfähiger, attraktiver Stadtbaum punkten könnte: Viele Parks verfügen über Seen und wassergeprägte Bereiche die ein geeignetes Biotop darstellen. "Nach Jahrhunderten der Lebensraumzerstörung ist es Zeit die Flatter-Ulme neu ins Bewusstsein von Städteplanern und Forstleuten zu holen", so Hensel.


Ausrufung Baum des Jahres 2019 in Berlin (Bild: "Baum des Jahres Dr. Silvius Wodarz Stiftung")  Mit Bundesministerin Julia Klöckner und der Deutschen Baumkönigin Caroline Hensel beim Einpflanzen einer Flatter-Ulme. 
Ausrufung des Baumes des Jahres 2019 in Berlin Bild: Baum des Jahres Stiftung 


Zwei Frauen für die Flatter-Ulme

Mit Bundesministerin Julia Klöckner und der Deutschen Baumkönigin 2019 Caroline Hensel hat die Flatter-Ulme gleich zwei engagierte Frauen hinter sich. Die Baum des Jahres Stiftung freut sich mit Frau Klöckner ab 2019 eine neue Schirmherrin gewonnen zu haben. Caroline Hensel wird als Botschafterin für die Stiftung und die Flatter-Ulme in ganz Deutschland unterwegs sein. "Ich freue mich auf das Jahr. Mein Ziel ist es neues Bewusstsein für die Flatter-Ulme als Teil unserer urbanen Landschaft zu schaffen. Dafür setze ich mich ein", erklärt die angehende Försterin Hensel.

Hintergrundinformation

Der Volksmund nennt Ulmen auch Rüster. Die Flatter-Ulme ist ein hochgewachsener Baum (ca. 35 Meter) der Feuchtwälder und Flussauen. Zusammen mit Stiel-Eiche, Esche, Berg-Ahorn und Feld-Ulme prägt sie dort die sogenannten Hartholz-Auenwälder. Sie hält dauerhaft feuchten Böden und längere Überflutungsperioden problemlos aus. Ganz besonders: Die Flatter-Ulme bildet als einzige heimische Baumart Brettwurzeln aus. (Diese kennt man sonst von Urwaldriesen und dienen einer höheren Stabilität.) Auch wenn die Flatter-Ulme die Nähe des Wassers liebt, kommt sie auch auf trockeneren Standorten gut zurecht. Ihre Zweige dienten früher dem Vieh als Winterfutter, wenn es um die Verarbeitung ihres Holzes geht ist die Flatter-Ulme jedoch eher eine Diva. Das Holz punktet mit schöner Musterung und Zähigkeit, lässt sich jedoch schwer bearbeiten.


Als einzige der heimischen Gehölze zeigt sie Anklänge einer Brettwurzelbildung. Ihr Holz lässt sich allerdings nur schwer bearbeiten.  Die Flatter-Ulme kann ausgeprägte Brettwurzeln bilden - Revier Behlendorf in Schleswig-Holstein (Bild: Dr. Rudolf Fenner) 
Bild: Dr. Rudolf Fenner  Die Flatter-Ulme bildet Brettwurzeln aus -  Revier Behlendorf Schleswig-Holstein


Historie und Ulmenkrankheit

Über hundert Jahre ist es her, dass eine der dramatischten und bis heute andauernden Baumkrankheiten in Nordwesteuropa ihren Anfang nahm: die Holländische Ulmenkrankheit. Sie ist ein eindrückliches Beispiel, welche Kollateralschäden beim weltweiten Holzhandel passieren können. Der Erreger, ein mikroskopisch kleiner Pilz, eingeschleppt mit Hölzern von Ulmen aus dem ostasiatischen Raum. Der Pilz löst im Holz der Ulmen Verstopfungen der Wasserleitungsbahnen aus und lässt so zunächst einzelne Kronenäste, letzlich aber meist die gesamte Baumkrone vertrocknen. 1925 hatte die Epidemie Deutschland erreicht und sich bis Mitte der Dreißigerjahre quer durch ganz Europa von England bis zum Ural ausgebreitet. Anfang der Dreißigerjahre überquerte dieser Pilz - diesmal mit einer Schiffsladung von europäischem Ulmenholz - den Atlantik und wütet seitdem unter den Ulmen in Nordamerika.

Mitte der Sechzigerjahre, als man in Europa längst davon ausging, dass die Epidemie weitgehend abgeklungen sei, kehrte dieser Pilz - diesmal in einer deutlich aggressiveren Version - mit einer Ladung Funierstämmen kanadischer Ulmen über England zurück nach Europa. Und auch aus Russland kommend tauchte hier eine weitere, stärker infektiöse Pilzvariante auf.

Heute hat diese Ulmenkrankheit kaum noch ausgewachsene Feld-Ulmen übrig gelassen. Auch die Berg-Ulmen erreichen immer seltener ein höheres Alter.


Etwa 170 Jahre alte Flatter-Ulmen in Landshut (Bild: Almut Kroehling) Ulmen, vor allem die Feld-Ulme, sind bei uns vom Ulmensterben stark bedroht. Übertragen wird der Pilz durch zwei Käfer, den Kleinen- und den Großen Ulmensplintkäfer.
Etwa 170 Jahre alte Flatter-Ulmen in Landshut Bild: Almut Kroehling


Doch bei der Flatter-Ulme, der dritten in Mitteleuropa heimischen Ulmenart, ist das offensichtlich anders. Dieser hochgewachsene Baum der Feuchtwälder und Flussauen erscheint weitgehend immun gegen diese Krankheit. Selbst jahrhundertealte Exemplare zeigen sich überraschend vital. Es gibt zahlreiche höchst eindrucksvolle Beispiele, wo Flatter-Ulmen in unmittelbarer Nachbarschaft von infizierten und absterbenden Feld-Ulmenbeständen stehen, aber selbst keinerlei Symptome der Ulmenkrankheit erkennen lassen. Diese scheinbare Immunität ist allerdings in erster Linie eine indirekte Resistenz. Sie rührt vor allem daher, dass die Flatter-Ulme von den Hauptüberträgern dieser Pilzkrankheit, dem Großen und dem Kleinen Ulmensplintkäfer, in Ruhe gelassen wird. Diese Käfer fliegen sie nicht an. Sie erkennen sie schlicht nicht als Ulme, da sich ihre Rinde in Struktur und Inhaltsstoffen deutlich von der der anderen beiden mitteleuropäischen Ulmenarten unterscheidet.

Und so entgeht die Flatter-Ulme als Einzige der für die anderen Ulmenarten so fatalen Infektion. Wird sie doch mal infiziert, dann zeigt sich, dass sie auch gewisse eigene, wenn auch nicht vollkommene Resistenzmechanismen gegen den Pilz hat. Der Krankheitsverlauf ist weniger gravierend und endet selten tödlich. Doch auch ihre Existenz ist in Deutschland keineswegs gesichert. In sieben Bundesländern gilt sie laut Roter Liste als gefährdet. In Nordrhein-Westfalen sogar als stark gefährdet. Ursache ist der starke Verlust ihrer natürlichen Lebensräume im Verlauf der letzten zwei Jahrhunderte.

Natürliche Verbreitung der Flatter-Ulme

Die Flatter-Ulme, die die letzte Eiszeit vermutlich im Balkan überdauert hat, ist schon vor 10.000 Jahren nach Mittel- und Osteuropa zurückgekehrt. Ihr heutiges Hauptverbreitungsgebiet ist das kontinentalere Osteuropa. Bei uns in Deutschland ist sie lediglich in den östlichen Bundesländern gut verbreitet - besonders stark in Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Im übrigen Deutschland ist sie deutlich seltener und längst nicht überall, am ehesten noch in den größeren Flußtälern anzutreffen - in der Rhein-Main-Ebene, im Oberrheingraben und entlang der Donau.
Ihre westliche Verbreitungszone durchzieht - noch deutlich vor der Küstenlinie der Nordsee und des Atlantiks - Westdeutschland, Belgien und Frankreich. In Skandinavien, Großbritannien und im mediterranen Südeuropa kommt die Flatter-Ulme - außer in Albanien - von Natur aus nicht vor.


In Deutschland kommt die Flatter-Ulme nur in den östlichen Bundesländern flächig vor. Ansonsten ist sie aber auch im Rhein-Main-Gebiet anzutreffen. Natürliche Verbreitung der Flatter-Ulme (Grafik: EUFORGEN)
Grafik: EUFORGEN Natürliche Verbreitung der Flatter-Ulme


Straßen- und Stadtbaum

Auch wenn sie die Nähe des Wassers liebt - die Flatter-Ulme kann auch auf trockeneren Standorten ganz gut zurechtkommen. Schon im Barock gehörten Ulmen zusammen mit den Linden zu den beliebtesten Alleebäumen. In Osteuropa, ihrem Hauptverbreitungsgebiet, ist die Flatter-Ulme auch heute noch ein häufiger Alleenbaum. Aber auch in Nordostdeutschland kann man noch durch so einige Flatter-Ulmenalleen fahren. Die Flatter-Ulme hält auch das trockenwarme Stadtklima gut aus. Und sie ist recht tolerant gegenüber Luftverschmutzung, Streusalz und Bodenverdichtung. Sie könnte daher - auch als Ersatz für die längst weggestorbenen Feld- und Berg-Ulmen - wieder häufiger an Straßen, auf Plätzen und in Parks innerhalb von Städten angepflanzt werden.

Rekordbaum

Auf etwa 400 - 500 Jahre wird sie geschätzt, die Flatter-Ulme hinter der Kirche auf dem ehemaligen Friedhof in Gülitz, einem kleinen Ort im Nordwesten Brandenburgs. Noch beeindruckender ist ihr Stammumfang von fast 10 Metern (genauer: 9,87 m).
Sie ist damit nicht nur Deutschlands dickste Flatter-Ulme, sondern Deutschlands dickste Ulme überhaupt. Ein paar dicke Feldsteine - Reste der ehemaligen Friedhofsmauer - sind in der Basis des mächtigen, stark knolligen Stamms eingewachsen.


Hier ist die älteste Flatter-Ulme Deutschlands zu sehen in Gülitz Brandenburg (Bild: Andreas Gomolka) Wie von einem ständigen Gezeitenwechsel ausgewaschen wirkt das gigantische Wurzelwerk, der 400 - 500 Jahre alten Flatter-Ulme in Gülitz. Was eigentlich unter die Erde gehört, zeigt sich hier weithin oberirdisch. Als einzige heimische Baumart bildet die Flatter-Ulme ein Brettwurzelwerk aus. Sie ist die dickste Ulme Deutschlands.
Älteste Flatterulme Deutschlands in Gülitz Bild: Andreas Gomolka


Kulturgeschichtliches - Nutzung

Schon seit prähistorischen Zeiten hat der Mensch Ulmen gezielt genutzt. Aus ihrer Rinde ließ sich viel und guter Bast gewinnen, feiner noch und weicher als der der Linden, deren Nutzung als Bastlieferant am verbreitesten war. Die Bastfasern der Flatter-Ulme sind besonders leicht aus der Rinde herauszulösen. Die eiweißreichen Blätter der Ulmen wurden als besonders hochwertiges Viehfutter genutzt. Zu diesem Zweck wurden die Ulmen geschneitelt, das heißt: Ihr wurden belaubte Zweige noch vor dem Herbst abgeschnitten, getrocknet und im Winter dann verfüttert. Und bereits in der Steinzeit wurden Jagdböden vorrangig aus dem zähelastischen Holz der Ulmen hergestellt.

Ob damals schon für die jeweiligen Nutzungen spezielle Ulmenarten bevorzugt wurden, ist nicht bekannt. Aber selbst in der Neuzeit wurde bei der Verarbeitung von Ulmenholz - in der Holzbranche meist Rüster genannt - nicht immer groß unterschieden, von welcher Ulmenart das Holz stammte. Wenn doch, dann galt allerdings in der Regel das Holz der Flatter-Ulme als am schwierigsten und verlustreichsten in der Verarbeitung. Es reißt leicht, lässt sich schwer spalten und ist recht zäh. Es war daher insgesamt wenig geschätzt. Gefragt war es allerdings - gerade wegen seiner Zähigkeit - für den Bau von Gerätschaften mit hoher mechanischer Beanspruchung - für Mühlen, Glockenstühle, Räder, Karren, Kutschen oder auch für Skier.


Das Holz der Flatter-Ulme gilt als schwierig in der Verarbeitung. Holzschale gefertigt aus dem Holz der Flatter-Ulme (Bild: Günther Wallner)
Bild: Guenther Wallner Holzschale aus dem Holz der Flatter-Ulme


Ulmenholz findet aber auch Abnehmer in der Möbel- und Kunsttischlerei und zwar wegen der interessanten Farbunterschiede zwischen Kern- und Splintholz. Doch auch in dieser Branche wird das Holz der anderen beiden Ulmenarten vorgezogen. Es ist viel kontrastreicher, dunkel schokoladenbraun oder auch rötlich braun im Kern und gelblich hell im Splint. Die Flatter-Ulme dagegen kommt lediglich mit einem etwas müden, hellgrauen bis gelbbraunen Kernholz daher. Aber wenn - und das kommt bei Flatter-Ulmen sehr viel häufiger vor - sich im Stammholz dank zahlreicher ruhender Knospen, immer wieder austreibender, aber vergänglicher Wassertrieben und mit der Zeit entstehender Knollen höchst dekorative Maserungen herausgebildet haben, dann ist so ein Flatter-Ulmenstamm besonders teuer und begehrt - für Tafelungen, Möbel, Pfeifenköpfe und teures Schreibwerkzeug.

Namensgeschichten

Ulmen hießen bei uns im Mittelalter Elmboum oder einfach Elm. Im Englischen heißen sie auch heute noch so. Doch bereits im 12. Jahrhundert, vermutlich unter Einfluss des Lateinischen - dort heißt dieser Baum Ulmus - veränderte sich der Name zum Ulmboum. Und spätestens seit dem 15. Jahrhundert ist der heutige Name Ulme üblich. Rüster ist ein weiterer, ebenfalls heute gebräuchlicher Name für Ulmen, vor allem, wenn von dem Holz dieser Bäume die Rede ist. Er ist allerdings erst seit dem 16. Jahrhundert belegt und seine Herkunft ist ungeklärt. Den amüsant klingenden Namen Flatter-Ulme verdankt diese Baumart ihren kleinen, in Büscheln an den Zweigen hängenden Blüten und Früchten. Diese sind, anders als bei den anderen beiden heimischen Ulmenarten, deutlich lang gestielt und flattern deshalb, wenn's weht.

Was tun?

Auch wenn wir die Hoffnung nicht aufgeben sollen, dass die Holländische Ulmenkrankheit irgendwann wieder abklingen wird - ausgewachsene Feld- und Berg-Ulmen werden vorerst weiter aus unserer Landschaft verschwinden. Und mit ihnen werden auch zahlreiche, auf Ulmen spezialisierte Lebewesen - vor allem Insekten Spinnen und Pilze - ihren Lebensraum verlieren. Der zu den Bläulingen gehörende Ulmen-Zipfelfalter ist dafür das bekannteste Beispiel. Es ist daher dringend nötig, den Bestand der Flatter-Ulmen in Deutschland nicht nur zu erhalten, sondern ihn auch zu erhöhen. Denn der Flatter-Ulme als einzige weitgehend resistente Ulmenart kommt die Rolle des Ersatzlebensraumes für alle diese bedrohten Arten zu.


Flatter-Ulmen in einem Feuchtwald (Bild: Kay Hohlfeld) Die Flatterulme ist ein bis zu 30 Meter hoher Laubbaum mit breiter, gewölbter Krone. Die Wurzelanläufe am Stammfuß starker Bäume sind oft brettartig verbreitert.
Flatter-Ulmen in einem Feuchtwald Bild: Kay Hohlfeld


Bruch- und Auenwälder sind heute laut Bundesnaturschutzgesetz, aber auch EU-weit geschützt. Sie müssen erhalten werden. Es gibt darüber hinaus Bestrebungen, trockengelegte Feuchtwald-Standorte wieder zu vernässen und ehemalige Überflutungsräume in den Flußtälern wieder zu öffnen und der natürlichen Dynamik des Flusses zu überlassen. Das wäre die beste Art, mehr Lebensraum auch für die Flatter-Ulme zu schaffen. Dies sollte mehr forciert und gefördert werden. Die Flatter-Ulme könnte hier sogar noch eine weitere Ersatzfunktion übernehmen. Denn sowohl die Eschen als auch die Schwarz-Erlen, die zwei häufigsten Begleitbaumarten der Flatter-Ulme auf den Feuchtwaldstandorten, sind derzeit erheblich von Pilzkrankheiten heimgesucht und kommen für eine Renaturierung vorerst schwerlich in Frage.

Da lange angenommen wurde, dass alle heimischen Ulmen von der Ulmenkrankheit stark betroffen seien, wurden in den urbanen Bereichen seit etwa einhundert Jahren auch so gut wie keine Flatter-Ulme mehr nachgepflanzt. Mit den Erfahrungen von heute sollten nun aber die Möglichkeiten, die Flatter-Ulme in die Städte, in die Parks und an die Straßen zurückzubringen, genutzt werden.


Das Erkennen, ob es sich um eine Flatter-Ulme handelt ist im Frühjahr, von März bis Mai, am einfachsten. Denn dann hängen die Blüten in Büscheln an den Zweigen und können, daher auch ihr Name, locker im Wind flattern. Flatter-Ulme - alter Solitärbaum in der Elbtalaue (Bild: Andreas Roloff)
Bild: Andreas Roloff Flatter-Ulme - alter Solitärbaum in der Elbtalaue


Flatter-Ulmen erkennen

Die Unterscheidung der drei heimischen Ulmenarten wird nicht selten als schwierig dargestellt. Auch Carl von Linne, der Begründer der heutigen Pflanzensystematik, hatte 1753 alle europäischen Ulmen noch unter einem Artnamen zusammengefasst. Tatsächlich geistern auch heute immer mal wieder fälschliche Artzuweisungen durch die Baumliteratur. Aber eigentlich kann nur die Unterscheidung zwischen Feld- und Berg-Ulmen gelegentlich schwierig werden. Denn zwischen diesen beiden Ulmenarten gibt es keine Kreuzungsbarrieren. Und so kommen in Gebieten, wo beide Arten vertreten sind, auch entsprechende Bastarde durchaus häufig vor. Mehr noch: Da auch diese Bastarde nicht steril sind, sondern sich weiterhin untereinander und auch mit den beiden Ausgangsarten kreuzen können, gibt es eine Fülle von Varianten, die in der Tat keine eindeutige Zuordnung zu einer der beiden Arten zulässt. Doch bei der Flatter-Ulme ist auch das entschieden anders. Sie ist erstens mit keiner der beiden anderen heimischen Ulmenarten kreuzbar. Es gibt also auch keine verwirrenden Hybridformen. Und sie hat zweitens ein paar sehr klare Erkennungsmerkmale.


Flatter-Ulmen - Luitpoldpark Ingolstadt (Bild: Rudolf Wittmann) Diese Brettwurzeln bildet die Flatter-Ulme besonders ausgeprägt auf flachgründigen, nassen Böden, zur Erhöhung ihrer Standfestigkeit aus.
Flatter-Ulmen - Luitpoldpark, Ingolstadt Bild: Rudolf Wittmann


Am einfachsten ist es, sie im Frühjahr - von März bis Mai - zu erkennen, wenn sie noch vor dem Blattaustrieb blüht und während des Blattaustriebs fruchtet. Denn die in Büscheln an den Zweigen hängenden Blüten und Früchte sitzen auf dünnen, bis zu vier Zentimeter langen Stielen und können - daher ja ihr Name - locker im Wind flattern. Die Blüten und Früchte der anderen beiden heimischen Ulmenarten sind dagegen relativ kurz oder ungestielt und entsprechend unbeweglich. Sehr spezifisch sind auch die auffälligen, unter europäischen Baumarten einmaligen Brettwurzeln. Die Flatter-Ulme bildet sie besonders ausgeprägt auf flachgründigen, vor allem aber auf nassen Böden zur Erhöhung ihrer Standfestigkeit aus. Diese ausladenden Wurzelanläufe dienen aber möglicherweise auch zur besseren Sauerstoffversorgung der Wurzeln bei Hochwasser.

Steckbrief - Flatter-Ulme

Weitere spezifische Merkmale der Flatter-Ulme sind im folgenden Steckbrief fett hervorgehoben.

Habitus

Die Flatter-Ulme erreicht Wuchshöhen von über 30 Meter, unter günstigen Bedingungen auch 40 Meter und mehr, im Einzelstand bildet sie meist eine weit ausladende Krone.


Stamm

Er bildet oft auffällige, am Stammfuss hochziehende Brettwurzeln aus. Alte Flatter-Ulmen können einen Stammumfang von über neun Meter erreichen.
Flatter-Ulme am Ismaninger Speicher (Bild: Rudolf Wittmann)
Bild: Rudolf Wittmann Flatter-Ulme am Ismaninger Speicher


Rinde

Die Rindenfarbe der Flatter-Ulme hat ein helles Graubraun, ihre Struktur ist längsrissig und flach geschuppt.


Struktur der Rinde von Flatter-Ulmen (Bild: Andreas Roloff) Die Borke ist graubraun, längsrissig, dünnschuppig und abblätternd
Struktur der Rinde von Flatter-Ulmen Bild: Andreas Roloff


Knospen

Sie sind schlank, kegelförmig spitz mit zimtbraunen, dunkel umrandeten Knospenschuppen, wodurch ein charakteristisches Streifenmuster entsteht.

Blätter

Der Austrieb ist etwa ab Mitte April. Sie haben eine ausgezogene Blattspitze und sind am Blattgrund stark asymetrisch. Die größeren Zähne des doppelgesägten Blattrandes sind stark zur Blattspitze hin gekrümmt. Die Blattnerven laufen parallel und sind normalerweise nicht gegabelt - wenn doch, dann nur im unteren Drittel des Blattes. (Zur Bestimmung sollten nur Blätter von Kurztrieben aus der Laubkrone, nicht von Langtrieben, Wasserreisern oder Stockausschlägen gewählt werden). Gelbfärbung im Oktober. Abwurf bis Anfang November.


Blätter: Wechselständig, zweizeilig angeordnet. Stiel 5 - 8 mm lang. Spreite elliptisch mit ausgezogener Spitze, 6 - 15 cm lang. Basis asymetrisch, doppelt gesägt, die größeren Zähne meist nach vorne gerichtet, anfangs beidseitig weich behaart, später oberseits kahl, schwach glänzend, unterseits hell- bis graugrün, mehr oder weniger bleibend weichhaarig. Blätter der Flatter-Ulme (Bild: Kay Hohlfeld)
Bild: Kay Hohlfeld Blätter der Flatter-Ulme


Blüte

Blüten werden meist erst ab einem Alter von 35 - 40 Jahren ausgebildet. Blütezeit ist manchmal schon im Spätwinter, meist aber von Ende März bis Anfang April, deutlich vor dem Blattaustrieb. Es sind lockere, lang gestielte (bis zu 4 cm lang), zwittrige Einzelblüten in vielblütigen Büscheln. Sie haben filzige, weiße, zweilappige Narben und - etwas später - rotviolette Staubbeutel. Blüten werden hauptsächlich durch Wind bestäubt. Insekten kommen aber auch vorbei.


Blüten der Flatter-Ulme (Bild: H. Schachner) Blüten hängen in Büscheln an den Zweigen. Blüten mit filzig-weißen Narben und noch wachsenden violettroten Staubblättern.
Blüten der Flatter-Ulme Bild: H. Schachner


Frucht

Es sind lang gestielte, kleine Nussfrüchte, die von einem flachen, ringförmigen und am äußeren Rand silbrig bewimperten Flügel umrahmt sind. ("Scheibendrehflieger"). Die noch jungen Früchte sind grün und fotosynthetisch aktiv. Sie reifen dann im Mai, wenn die Blätter austreiben und sind im reifen Zustand gelbbraun gefärbt. Sie werden durch Wind und Fließgewässer verbreitet.


Die Früchte sind 10 - 35 mm lang fädig gestielt, elliptisch, silbrig bewimpert, sonst aber kahl. Ringsum dünn geflügelt, 10 mm lang. Samenkörper ist im Fruchtzentrum. Früchte reifen erst nach dem Laubaustrieb. Früchte der Flatter-Ulme (Bild: Andreas Roloff)
Bild: Andreas Roloff Früchte der Flatter-Ulme


Helfen Sie mit: Viele alte und historisch bedeutsame Bäume der Berg- und Feld-Ulme sind in den letzten Jahren abgestorben. Bisher hat man noch kein anwendbares Mittel gegen die Ulmensplintkäfer gefunden und auch noch keine resistenten Ulmenrassen auslesen können. Die Flatter-Ulme ist vom Ulmensterben nicht betroffen. Sollte in Ihrer Stadt, Gemeinde, Kommune zu erfahren sein, dass Bäume angepflanzt werden sollen, so bringen Sie doch ein, Flatter-Ulmen anzupflanzen. Sollten entlang von Bächen, Flüssen, Säumen, aufgeforstet werden, so unterstützen Sie die Anpflanzung mit dem Hinweis, doch die Flatter-Ulme anzupflanzen. Dieser Baum gehört da auch hin, in die Auen- und feuchten Mischwälder unserer Landschaften.


Vielen Dank an Herrn Dr. Rudolf Fenner vom Kuratorium "Baum des Jahres",  für das Überlassen des Pressetextes, sowie die Möglichkeit die Bilder von ihm selbst und Andreas Roloff, H. Schachner, Kay Hohlfeld, Rudolf Wittmann, Günther Wallner, Andreas Gomolka und Almut Kroehling, sowie einer Grafik von EUFORGEN zeigen zu dürfen. Wenn Sie mehr wissen wollen, über den Baum, bzw. die Bäume des Jahres, dann hier: www.baum-des-jahres.de


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- letzte Aktualisierung: Mittwoch, 15. Mai 2019 -
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