HW4
Greifvögel
Streuobst
Biotoppflege
Ornithologie
Insekten
Sie sind hier: Insekten > Waldgebiet des Jahres

 

Die Waldgebiete des Jahres seit 2012
 

Bisherige Waldgebiete des Jahres:

Jahr Waldgebiet
2012 Der Meulenwald
2013 Der Solling
2014 Der Schönbuch
2015 Der Berliner Grunewald
2016 Der Küstenwald Usedom
2017 Der Frankenwald
2018 Der Wermsdorfer Wald
2019 Die Urbanen Wälder Rhein / Ruhr
2020 Die Ivenacker Eichen

Das "Waldgebiet des Jahres 2019" sind die Urbanen Wälder an Rhein und Ruhr


Der Bund Deutscher Forstleute (BDF) - die Vertretung aller Forstleute in Deutschland - verleiht den Titel "Waldgebiet des Jahres" im Jahr 2019 an die Urbanen Wälder Rhein / Ruhr. Der Bundesvorstand des BDF wählte diese Wälder, weil sie in der Metropolregion eine überaus wichtige Rolle spielen und urbane Wälder in der Zukunft noch essentieller werden. Darüber hinaus gelingt es hier in besonderer Weise, die forstliche Nutzung in Einklang mit dem Naturschutz und der Erholungsnutzung zu bringen. Der BDF will mit der Auszeichnung vor allem auch den vor Ort tätigen Forstleuten danken, deren Tätigkeit ein überaus hohes Maß an sozialer Kompetenz, Dialogbereitschaft und Toleranz erfordert. In den Wäldern von Rhein und Ruhr handelt es sich nicht um einen in sich geschlossenen Waldkomplex, sondern um einen Kulturraum mit vielfältigen, häufig eher kleinflächigen Wäldern, die von einer Vielfalt an Funktionen, Standorten, Eigentümern, Nutzern und Interessierten gekennzeichnet sind.


Birken auf einer Industriebrache / Urbane Wälder an Rhein und Ruhr (Bild: Oliver Balke Regionalforstamt Ruhrgebiet/NRW) Nirgendwo sonst wurde der Wald durch die Einwirkungen des Menschen so stark beeinflusst und verändert wie in einem Ballungsraum. Ganz besonders gilt das für den Wald im Ballungsraum an Rhein und Ruhr. ...
Birken auf einer Industriebrache / Urbane Wälder an Rhein und Ruhr Bild: Oliver Balke Regionalforstamt Ruhrgebiet / NRW


... Und dennoch ist gerade im Ballungsraum auch der durch menschlichen Einfluss veränderte Wald noch die natürlichste Lebensgrundlage. Und genau dieser Wald wird in 2019 mit der Ernennung zum "Waldgebiet des Jahres" besonders geehrt. Denn in keinem anderen Wald wird das Können der Försterinnen und Förster so gefordert wie hier!

Zum ersten Mal fällt diese Wahl nicht auf einen bestimmten, eng umgrenzten und historisch einheitlich gewachsenen Wald, sondern auf alle Wälder einer großzügig abgegrenzten Region. Nirgendwo sonst ist der Wald, seine Eigentümerinnen und Eigentümer, seine Funktionen, seine Besucherinnen und Besucher, seine Försterinnen und Förster, seine Schützer und Nutzer so bunt, vielfältig und aufregend wie hier.

Waldverteilung im Raum

Der Ballungsraum an Rhein und Ruhr ist geprägt durch 24 Großstädte (über 100.000 Einwohner). Diese Urbanität bestimmt das Bild des bevölkerungsreichsten Bundeslandes, auch wenn lediglich ein Viertel der Landesfläche damit abgedeckt ist.

Die Waldverteilung dieses Ballungsraumes zeigt, dass der Wald zwar sehr verstreut, aber immer in unmittelbarer Umgebung der Menschen gelegen ist. Jedermann kann ihn also nutzen und tut dies auch. Mit der Nähe und den Sozialfunktionen verbunden ist die hohe emotionale Bindung der Menschen an den Wald. Dies bedeutet auch eine große gesellschaftliche Verantwortung der Waldeigentümer auf der einen und der Stadtpolitik und -planung auf der anderen Seite.


Die Wälder der Region zwischen Rhein und Ruhr stehen auf einer Vielzahl an Standorten, da sich die Geologie hier stark unterscheidet. Das führt dann zu unterschiedlichen sogenannten forstlichen Wuchsgebieten.  Waldgebiet des Jahres - Himmelsleiter - Wälder an Rhein und Ruhr (Bild: Michael Boerth Regionalforstamt Ruhrgebiet/NRW)
Bild: Michael Boerth  Regionalforstamt Ruhrgebiet / NRW  Waldgebiet des Jahres - Himmelsleiter - Wälder an Rhein und Ruhr 


Grob lassen sich folgende Gebiete unterscheiden:

Wuchsgebiet  Wie entstanden (Geologie)  Hauptsächliche Waldtypen 
Westfälische Bucht  Flussablagerungen  Buchenwälder 
  Eiszeitliche Dünen mit vereinzelter Hügellandschaft Buchenwälder + Eichen- & Birkenwälder, 
    Hainbuchenwälder 
Niederrheinisches Tiefland  Flussablagerungen  Buchenwälder 
Niederrheinische Bucht  Sand und Schotter (aus Flussablagerungen)  Eichenwälder mit Birke und Buche 
Bergisches Land  Kalkstein  (reiche) Buchenwälder 
Sauerland  Kalkstein, Karbon  Buchenwälder 


Eine besondere Rolle spielen im Ruhrgebiet und am Rand Braunkohle-Tagebaugebietes die durch Menschen veränderten Industrie-Standorte (Halden, Bergsenkungsgebiete, Industriebrachen).

Diese spielen für die Industrie-Nachfolgelandschaft eine enorme Rolle. Es handelt sich durchweg um Sekundärböden. Durch Waldentwicklung findet dort aber innerhalb weniger Jahrzehnte auch eine Waldbodenentwicklung (aus zweiter Hand) statt.


Langsam entwickelt sich ein Wald inmitten von Industriebrachen (Bild: Michael Boerth Regionalforstamt Ruhrgebiet/NRW)  "Baum ab - Nein danke!" hört man hier oft von Waldschützern oder solchen, die sich dafür halten. Doch der Wald weiß gar nicht, wem er alles dienen soll: dem Eigentümer als Einkommensquelle, dem Erholungssuchenden als Ort der Freizeitgestaltung oder als Pantoffelwald, dem Naturschützer als manchmal letzten Zufluchtsort eines relativ natürlichen Ökosystems, dem Wissbegierigen als Quelle der Forschung, dem Erziehenden und Lehrenden als Freiluftklassenzimmer. Was für den Eigentümer selbstverständlich ist, kann für den Naturschützer Frevel an der Natur sein. Ein breites Spektrum! 
Wald entwickelt sich inmitten der Industriebrachen  Bild: Michael Boerth Regionalforstamt Ruhrgebiet / NRW 


Bei den urbanen Wäldern Rhein / Ruhr handelt es sich nicht um einen in sich geschlossenen Waldkomplex, sondern um einen intensiv genutzten Kulturraum mit vielfältigen, häufig eher kleinflächigen Wäldern, die von einer Vielfalt an Funktionen, Standorten, Eigentümern, Nutzern und Interessierten gekennzeichnet sind. Durch die Lage im Ballungsraum sind die Waldflächen immer nah an den Menschen gelegen. Sie sind beliebter Erholungsraum für die urbane Bevölkerung, was zu einer hohen emotionalen Bindung der Menschen an den Wald führt und damit eine hohe soziale Verantwortung der Waldeigentümer, Bewirtschafter und auch der Stadtplaner bedingt. Hier wird die ganze Palette forstlicher Aufgabenfelder im Alltag der Forstleute abgerufen. Gleichzeitig ist der Wald wichtigster Rückzugsraum für den Naturschutz, was eine immense Verantwortung bedeutet.

Artenschutz

Waldbesitzende müssen im Rahmen jeglicher forstlicher Bewirtschaftung besondere biotop- und artenschutzrechtliche Belange berücksichtigen. Dem Biotop- und Artenschutz ist in den letzen Jahren ein so hoher Stellenwert zugekommen, dass Forstwirtschaftsmaßnahmen grundsätzlich einer diesbezüglichen Vorabprüfung bedürfen.

Eine ständige Fortbildung dazu ist unumgänglich, wenn man im und für den Wald arbeitet und plant. Hier gilt es, dass die öffentliche Hand sein Fortbildungsangebot ständig aktualisiert. Andernfalls ist es vor allem dem privaten Waldbesitz nicht möglich, Vorschriften und Schutzkategorien und Schutzgebietsausweisungen oder Planungen dazu aktuell abrufen zu können. Hier liegt auch ein wichtiger Informationsauftrag der den Waldbesitz betreuenden Beratungsorganisation.

Bildung für nachhaltige Entwicklung

Wals ist natürlich auch ideal für die Umweltbildung. Sie ist sehr notwendig, da sich viele Menschen immer weiter von der Natur entfremden, obwohl sich diese direkt vor ihrer Haustür befindet.

Am besten lässt sich diese Distanzierung im Kinder- und Jugendlichenalter aufhalten: Waldführung mit Kindergartengruppen, Wald-Thementage in der Schule, die Waldjugendspiele, aber auch dort stattfindender Schul- und Vereinssport sind sehr geeignet. Die Forstverwaltungen bieten dazu einiges an, häufig gibt es auch eigens dafür ausgebildete Waldpädagogen.


Dieses Bild könnte auch für den Waldumbau stehen: dieser ist eine forstwirtschaftliche Maßnahme, die eine massive Änderung der Waldbilder, insbesondere der Baumartenzusammensetzung und der Altersklassenverhältnisse zur Folge hat. In der Regel ist das Ziel, die Erschaffung von Waldbeständen mit natürlichen Strukturen und Lebensabläufen. Meist sollen einschichtige, standortsfremde Nadelwälder durch waldbauliche Maßnahmen hin zu strukturierten, standortsgerechten Laub- und Mischwäldern entwickelt werden. Unterricht im Wald z.B. Holzfällung für den Waldumbau (Bild: Kirstin Nieland)
Bild: Kirstin Nieland Unterricht im Wald: Holzfällung


Die Gründe für den Waldumbau sind vielfältig: Größtes Interesse gilt der Funktionsgerechtigkeit der Wälder. Diese betreffen wirtschaftliche Aspekte ebenso wie soziale und ökologische. Daher wird Waldumbau immer auch im Kontext der Nachhaltigkeit gesehen.

Baumarten- und Altersverteilung


Welche Bäume und wie alt?
Mehr als Zweidrittel der Baumarten im Waldgebiet des Jahres 2019 sind Laubbäume, meistens Eichen und Buchen. Die häufigsten Nadelbäume sind Kiefern und Lärchen. Gebietsweise unterscheiden sich die Baumartenanteile aber deutlich:
Teilräume / Ruhr- Nieder- Kölner Berg- Sauer- Urbane NRW
Baumarten gebiet rhein Tiefeben land land Wälder
Eiche 23% 28% 25% 19% 27% 24% 16%
Buche 21% 14% 15% 30% 22% 21% 18%
Esche / Ahorn 8% 9% 15% 11% 15% 10% 6%
Birke, Erle, Pappel 18% 27% 15% 15% 8% 17% 12%
Laubholz 70% 78% 70% 75% 72% 72% 52%
Fichte, Tanne 8% 2% 15% 16% 21% 11% 36%
Kiefer, Lärche 22% 20% 15% 9% 7% 17% 12%
Nadelholz 30% 22% 30% 25% 28% 28% 48%


Mit dem hohen Anteil an Laubholz sind die Wälder zwischen Rhein und Ruhr odentlich für den Klimawandel gewappnet. Die sehr häufigen Eichen, Buchen und Birken stellen die natürliche Bewaldung der Region dar, also was ohne das Tun des Menschen von alleine wächst. Vor allem die Birke besiedelt als erste Baumart Brachflächen (wie aufgegebene Industrieareale und Abraumhalden) und lässt so Wald entstehen, wo vorher keiner war.

Die nicht gut an den Klimawandel angepasste Fichte ist immerhin noch jeder zehnte Baum des Gebietes. Sie wird weiter zurückgedrängt werden. Vielleicht sind die ähnlich aussehenden Douglasien, eine Nadelbaumart aus Nordamerika, zukünftig eine stabile Alternative zur Fichte.


Entstehender Birkenwald auf einer Industriebrache (Bild: Burkhard van Gember) Ein noch junger Birkenwald auf einer Industriebrache ist prägnant im Ruhrgebiet. Die angesprochenen neuen Wälder auf früheren Industrie- und Bergbauflächen sind natürlich noch nicht besonders alt, aber trotzdem sehr wertvoll.
Entstehender Birkenwald auf einer Industriebrache Bild: Burkhard van Gember


Die Stadtwälder hingegen sind meistens alt und es wurde kaum dort eingegriffen, da die Bevölkerung nur wenig Durchforstungen wünscht. Fällt aber kein Licht auf den Boden (wie z.B. bei gefällten Bäumen), können sich dort auch keine kleinen Baumarten ansamen. Leider können von alten und dadurch morschen oder kranken Bäumen immer wieder Äste herunterfallen, was eine ständige Gefahr für die Bevölkerung darstellt.

Schutzgebiete im Wald

Wald spielt im Rahmen der Ausweisung von Schutzgebieten für den Naturschutz eine herausragende Bedeutung. Dies gilt im urbanen Umfeld zumindest ebenso wie im ländlichen Raum - vielleicht sogar noch gravierender, da der Waldbesucher als zusätzlicher "Stress- und Störfaktor" für Biotop- und Artenschutz auftritt. Aufgabe der Forstleute im Rhein / Ruhr - Gebiet ist hier einen Ausgleich der Interessen zu finden.


Solche abgestorbenen Bäume müssen stehen bleiben - diese sind nicht tot, sondern ein einmaliger Lebensraum für eine Unzahl von Tieren und Pflanzen.
Stehendes Totholz ist selten, bietet aber meist eine größere Vielfalt an Standortfaktoren und ist daher ökologisch wertvoller als lebendes
.
Totholz liegend oder stehend - Lebensraum für viele Insekten und Höhlenbrüter (Bild: Thomas Langhirt)
Bild: Thomas Langhirt Biotope für sich - Totholz und Totholzbäume


Totholz wird in der Ökologie und insbesondere im Biotop- und Artenschutz als Sammelbegriff für abgestorbene Bäume oder deren Teile verwendet. Grob unterteilt wird dabei zwischen stehendem Totholz, also noch nicht umgefallenen abgestorbenen Bäumen oder deren Teilen und liegendem Totholz, das bereits auf dem Erdboden liegt.


Die EU hat mit ihrem Programm "Natura 2000" ein zusammenhängendes ökologisches Netz von Schutzgebieten in ihren Mitgliedsstaaten geschaffen, das der Erhaltung der natürlichen Lebensräume und der gefährdeten wildlebenden Tiere und Pflanzen dienen soll. Die in NRW hiernach ausgewählten Gebiete sind als FFH-Gebiete (Flora-Fauna-Habitat) oder Vogelschutzgebiete (VSG) ausgewiesen und haben fast alle den Schutzstatus als Naturschutzgebiet (NSG).


Totholz ist Lebensraum - Konsolenpilze am Totholzbaum (Bild: Thomas Langhirt) Totholz wird durch eine Vielzahl von Organismen genutzt, die sich im Laufe der Evolution an diesen Lebensraum angepasst haben.
Totholz ist Lebensraum - Konsolenpilze am Totholzbaum Bild: Thomas Langhirt


Je nach Holzart und Zersetzungsgrad (Verfallsprozess) sind etwa 600 Großpilzarten und rund 1350 Käferarten an der vollständigen Remineralisierung eines Holzkörpers beteiligt. Zwischen Pilzen und Insekten bestehen unterschiedlichste Abhängigkeiten. Insekten übertragen Pilzsporen auf den Holzkörper, die Pilze können wiederum Nahrungsquelle und Teillebensraum für Insekten sein. Ein Kreislauf voller Leben - Biotop und Lebensraum für sich.


Die "Natura-2000-Gebiete" sind in vielen Fällen auch waldbezogen, wobei vor allem die rechtsrheinischen Flächen zum großen Teil sogar ausgesprochene Waldschutzgebiete sind. Nimmt man die natürlich waldarmen Großschutzgebiete der Flussniederungen, vor allem des Rheins, heraus, wird deutlich, dass der größte Flächennutzungsanteil der FFH-Gebiete Wald ist.


Dies führt dazu, dass jeder Totholztyp (ob liegend oder stehend, Stamm-Kronenholz oder Holzart) mit seiner eigenen Flora und Fauna assoziiert ist. Es entstehen Lebensgemeinschaften in der Rinde, im Holz, im Baummulm, in Baumhöhlen und in Sonderstrukturen wie Saftflüssen, Ameisennestern oder Brandstellen.

Einer der Vogelarten der den Lebensraum Totholz und Baum (mit größerem Umfang) als Lebensraum nicht nur nutzt, sondern für ihn auch existentiell darstellt, ist der Schwarzspecht. Er ist auf alte Wälder angewiesen und nach ihm kommen viele andere.
Höhlen- oder Spechtbaum - ein Biotop für sich (Bild: Björn Neckermann)
Bild: Björn Neckermann Höhlenbaum - Lebensraum einer Vielzahl von Tieren


Entsprechend einer Entschließung des Europäischen Parlamentes vom 03.02.2009 zur Ausweisung von Wildnisgebieten in Europa soll ein Netzwerk unberührter Natur geschaffen werden. Diese Gebiete sind Teil des Programms zur Verbesserung der Biodiversität im Lande und damit teilweise bereits als FFH-Gebiet oder in anderer Form ausgewiesen. Der größte Teil ist Wald. Wildnisgebiete sollen gleichzeitig Konzentrationsräume für Umweltbildungsaktivitäten werden. Sie sind im gefragten Raum schwerpunktmäßig im landeseigenen Wald zu finden.


Schwarzspecht mit Nachwuchs - seine gezimmerte Höhle in einer Buche (Bild: Maximilian Dorsch) Der Schwarzspecht ist mit seinen bis 47 cm Länge der größte Specht Europas. Die Geschlechter sind gut zu unterscheiden: Beim Männchen ist der gesamte Scheitel (wie im Bild) kräftig rot, beim Weibchen bleibt die Rotfärbung auf den Hinterkopf beschränkt.
Schwarzspecht mit Jungen - Höhle in einer Buche Bild: Maximilian Dorsch



Der Schwarzspecht ist ein Brutvogel von nadel- und Mischwäldern mit Beständen alter Buchen oder Kiefern, in denen er seine Bruthöhle zimmert. Gelegentlich brütet der scheue Specht in der Nähe von Siedlungen und mitunter auch in großen Stadtparks. In Deutschland kann man den Schwarzspecht in fast allen größeren Waldgebieten das ganze Jahr über beobachten, so lange es noch die alten Wälder mit einem bestimmten Baumumfang gibt.

Der Schwarzspecht ist sehr scheu, aber ein ausgeprägter Rufer, denn sein häufig zu hörender Flugruf "Prrü-prrü-prrü" ist im Wald nicht zu überhören. Nach der Landung ruft er sein "kliöööh". Außerdem ist im Frühjahr sein Trommelwirbel nicht zu überhören. Dabei ist die Schlagfolge langsam, der Wirbel dauert gut 2 - 3 Sekunden. Bereits ab Januar hört man das Trommeln sowie ein lautes "Kwikwikwikwi", den Reviergesang.

Die Schwerpunkte der europäischen Brutverbreitung liegen in Osteuropa, Deutschland und Polen. Er fehlt auf Island, Irland und Großbritannien, sowie weiten Teilen Norwegens und Nordskandinaviens.

Schwarzspechte können bis zu 340 g auf die Waage bringen. Ihre Brutzeit beginnt im April bis Mai, zum Teil erst Anfang Juni. Es gibt nur eine Jahresbrut, mit 3 - 5 weißen, glatten und glänzenden Eiern. Die Brutdauer beträgt bei den Schwarzspechten zwischen 12 - 14 Tagen. Die Nestlingszeit kann 27 - 28, bei Kälte bis zu 31 Tagen dauern.

Seine Nahrung besteht vor allem aus großen, im Holz lebenden Ameisen, wie der Rossameise, sowie Larven holzbohrender Käfer, wie der Borken- und Bockkäfer. Daneben auch andere Insekten, Spinnen und auch Beeren, wie z.B. Kirschen.
Für die Brut und Jungenaufzucht zimmern Schwarzspechte jedes Jahr eine neue, oft hoch gelegene Höhle, meist in über 80-jährigen Buchen (Stammumfang) oder Kiefern. Dabei benötigen sie je nach Baumart zwischen 3 - 4 Wochen um eine neue Höhle zu zimmern. Da sie jedes Jahr sich eine neue "Wohnung" zimmern, hat dies eine große Bedeutung für andere im Wald lebende Tiere.


In Europa wurden 58 Tierarten festgestellt, die Schwarzspechthöhlen entweder als echte Nachnutzer oder als Höhlenkonkurrenten nutzen. Unter den Vögeln sind das vor allem Hohltaube, Dohle und Star, verschiedene Eulenarten sowie Gänsesäger und Schellente. Auch für Fledermäuse, unter ihnen einige äußerst gefährdete Arten, ist der Schwarzspecht ein wichtiger Höhlenlieferant. Auch andere Säugetiere wie etwa das Eichhörnchen, Bilche und Baummarder verwenden Schwarzspechthöhlen als Brut- oder Schlafhöhlen.
Daneben wurden Insekten wie die Hornisse, Bienen, Hummeln und Wespen als Bewohner von Schwarzspechthöhlen festgestellt. Als echte Höhlenkonkurrenten, bei denen der Schwarzspecht im Regelfall selbst bei frisch gezimmerten Höhlen, das Feld räumen muss, treten vor allem Dohle, Marder, Raufußkauz und Waldkauz auf. Gegenüber der Hohltaube, dem Star und kleineren Singvogelarten, wie dem Kleiber, oder kleineren Spechten, wie Grün- oder Grauspecht und Mittelspecht, behauptet sich meist der Schwarzspecht.


Der etwa 43 cm große Waldkauz ist kräftig gebaut, hat einen runden Kopf und schwarze Augen. Der Waldkauz profitiert von den verlassenen Schwarzspechthöhlen in Wäldern mit altem Baumbestand (Bild: Maximilian Dorsch)
Bild: Maximilian Dorsch Der Waldkauz - ein Profiteur von Schwarzspechthöhlen in Wäldern mit altem Baumbestand



Der Waldkauz brütet in älteren Laub- und Mischwäldern sowie in Dörfern, Stadtparks und Friedhöfen mit großen Laubbäumen. Waldkäuze sind sehr standorttreu, sogar die reviersuchenden Jungvögel entfernen sich in der Regel kaum mehr als 50 km von ihrem Geburtsort. Die Brut findet meist in einer geräumigen Baumhöhle, seltener in einem Nistkasten statt. Mitunter ziehen die Käuze ihre Jungen auch in einem Kirchturm oder einem alten Greifvogelnest auf. Waldkäuze leben in Dauerehe. In vielen Gegenden Deutschlands ist der Waldkauz die häufigste Eule. In harten Wintern oder schlechten Mäusejahren hat diese Eule aber große Verluste zu verzeichnen. Übrigens ist es nicht ratsam, einem Waldkauz-Nistplatz zu nahe zu kommen. Sie greifen auch den Menschen an und so mancher Vogelfreund, oder-forscher hat hierbei schon ein Auge verloren.

Die Brutzeit bei Familie Waldkauz beginnt im März, manchmal schon im Februar. Meistens gibt es eine Jahresbrut, gelegentlich auch zwei. Das Gelege besteht zumeist aus 3 - 5 weißen, glatten und schwach glänzenden Eiern. Die Brutdauer besteht aus 28 - 29 Tage pro Ei. Die Nestlingszeit: Die Jungeulen verlassen mit 29 - 35 Tagen als Ästlinge das Nest. Zu diesem Zeitpunkt sind sie noch nicht flugfähig. Dies werden sie erst mit ca. 7 Wochen.

Die Nahrung besteht aus kleinen Säugetieren und Vögel bis zu 300 g. Häufig werden Feld- und Waldmäuse erbeutet, auch Drosseln, Stare und Meisen, ebenso kleinere Eulen wie Raufuß- und Sperlingskauz. Gelegentlich werden auch Frösche und Kröten, sogar Regenwürmer und Käfer aufgelesen. Der Waldkauz muss sich aber selbst in Acht nehmen, vor allem vor Uhu und Habicht, sowie Baum- und Steinmarder.

Übrigens: Zur Erzeugung von Gruselstimmung, verwendet man in Kriminalfilmen häufig den Reviergesang des Männchens, sein so schön schauriges "Huuu-huhuhu-huu.


Die Bedeutung des Schwarzspechtes als Höhlenlieferant wurde sehr anschaulich, während der Erstbesiedlung Bornholms eingehend studiert. Hier gelang 1966 der erste Brutnachweis. Bis Mitte der 1980er Jahre brüteten auf der Ostseeinsel 36 Paare, zusätzlich wurden einige Nichtbrüter festgestellt. Insgesamt wurden in dieser Zeit fast 2000 Höhlen gezimmert. Während dieser 20 Jahre nahm der Dohlenbestand signifikant zu, Hohltaube und Raufußkauz wurden als neue Brutvogelarten kartiert.


Abgestorbener Baum - nicht tot sondern Lebensraum (Bild: Michael Schiller) Viele Tiere und Pflanzen, die auf Totholz angewiesen sind, stehen auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten. Diese Arten sind in ihrer Lebensweise hochgradig auf bestimmte Zerfalls- und Zersetzungsphasen von Holz angewiesen. Pilze, Flechten, Moose, Farne und viele Insektenarten, wie etwa Ameisen, Hautflügler und Schmetterlinge, finden hier ihre Habitatnische. Der überwiegende Teil unserer 1000 Wespen- und Bienenarten ist auf Alt- und Totholz angewiesen.
Abgestorbener Baum - Lebensraum Bild: Michael Schiller


Die nächste Kategorie einer Schutzgebiets-Ausweisung ist die als Naturschutzgebiet. NSGe im siedlungsnahen Raum haben die Chance - aber auch die Aufgabe - Naturschutz im Wald erlebbar zu machen und damit Verständnis für natürliche Abläufe zu vermitteln. Hier können neben Naturschutzzielen auch Ziele der Umweltbildung miteinander verknüpft werden. Auch hier zeigt sich die besondere Bedeutung des urbanen Umfeldes für den Natur- und Artenschutz. Der Naturschutz im Metropolewald hat aber eine scharfe Flächenkonkurrenz, v.a. mit der Erholungsnutzung. Eine herausragende Aufgabe der Forstpartie ist diesen Interessenausgleich zu moderieren.

Der Leiter des Regionalforstamts Ruhrgebiet, Reinhart Hassel, ist stolz auf die Ehrung: "Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung und sehen darin unsere Arbeit hier in der Region bestätigt. In der öffentlichen Wahrnehmung wird hier Waldbewirtschaftung oftmals als Frevel an der Natur empfunden. Freizeit- und Erholungsnutzung, Umweltbildung und Naturschutz treten in der Wertschätzung der Menschen an erste Stelle.

Die Wälder an Rhein und Ruhr sind durch ihre Lage im Ballungsraum, nicht nur die grüne Lunge der Städte, sondern auch Erholungs- und Erlebnisraum für viele Menschen. Dem Alltagsstress einmal entfliehen und auf dem Rücken eines Pferdes durch die Natur zu reiten, ist Erholung und Erlebnis pur. Wald - Erlebnis - Begegnung - Erholung - Wertstoff (Bild: Kirstin Nieland)
Bild: Kirstin Nieland Wald - einfach auch einmal die Seele baumeln lassen


Die Pflege des Waldes, die Verkehrssicherung und die Bedeutung des Wertstoffes Holz für die nordrhein-westfälische Wirtschaft und für das Einkommen der Waldbesitzer im Privatwaldland Nordrhein-Westfalen erfordern aber regelmäßige Eingriffe im Wald. Forstliche Bewirtschafter in den Urbanen Wäldern Rhein / Ruhr müssen daher neben ihrem forstfachlichen Können auch über besondere soziale Kompetenzen verfügen, wenn sie diesen Spagat zwischen allen geforderten Waldfunktionen meistern und in dieser Region erfolgreich agieren wollen. Zukünftig werden wir durch den Klimawandel noch mehr gefordert. Einen Vorgeschmack lieferte das Jahr 2018 mit den massiven Borkenkäferschäden, die sich wohl auch in 2019 noch fortsetzen".


Auch ein Teil des Waldgebiet des Jahres 2019 - Industriewaldentwicklung (Bild: Burkhard van Gember) 2019 zeigt der Ballungsraum an Rhein und Ruhr in Veranstaltungen, Veröffentlichungen und Projekten, welche enorme gesellschaftliche Bedeutung der Wald in diesem Ballungsraum mit seinen knapp 11 Millionen Menschen hat. Er wird auch zeigen, welche wichtige Aufgabe die Forstleute hier haben, den vielfältigen und gleichzeitig gestellten Ansprüchen aller am Wald Interssierten gerecht zu werden.
Waldgebiet des Jahres 2019 - Industriewaldentwicklung Bild: Burkhard van Gember



Vielen Dank an Herrn Reinhart Hassel, Leiter Regionalforstamt Ruhrgebiet, für den Pressetext und Zahlen, sowie die Möglichkeit  Bilder von Herrn Oliver Balke und Michael Boerth, vom Regionalforstamt Ruhrgebiet/NRW, Frau Kirstin Nieland und Herrn Burkhard van Gember zeigen zu dürfen. Vielen Dank auch an meine Fotografen Maximilian Dorsch, Thomas Langhirt, Björn Neckermann und Michael Schiller, für Ihre zur Verfügung gestellten Aufnahmen.



zurück


- letzte Aktualisierung: Mittwoch, 20. November 2019 -
Unsere Seiten sind optimiert für Internet Explorer 8.0 und Firefox 3.6 bei einer Auflösung von 1024x768 Pixel
© Umweltfreunde Würzburg - Ochsenfurt 2018