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Die Waldgebiete des Jahres seit 2012
 

Bisherige Waldgebiete des Jahres:

Jahr Waldgebiet
2012 Der Meulenwald
2013 Der Solling
2014 Der Schönbuch
2015 Der Berliner Grunewald
2016 Der Küstenwald Usedom
2017 Der Frankenwald
2018 Der Wermsdorfer Wald

Das "Waldgebiet des Jahres 2018" ist der Wermsdorfer Wald

Der Bund Deutscher Forstleute (BDF) - die Vertretung aller Forstleute in Deutschland - verleiht den Titel Waldgebiet des Jahres im Jahr 2018 an den Wermsdorfer Wald.

Der Bundesvorstand des BDF wählte diesen Wald, weil es hier in besonderer Weise gelingt, die forstliche Nutzung in Einklang mit dem Naturschutz und der Erholungsnutzung zu bringen. Der BDF will mit der Auszeichnung auch den vor Ort tätigen Forstleuten danken, die diesen täglichen Spagat meistern und die vielfältigen Ansprüche an den Wermsdorfer Wald von und für die Region, wie z.B. als Erholungswald, als Hort der biologischen Vielfalt oder Arbeitsstätte und Holzlieferant, managen.


Das Waldgebiet des Jahres 2018, ist der Wermsdorfer Wald (Bild: Uwe Lange) Die Auszeichnung "Waldgebiet des Jahres" erhalten vorbildlich und in allen Bereichen nachhaltig bewirtschaftete Ökosysteme. Nicht nur für die Forstleute, sondern auch für die Freunde und Partner des Waldes sowie die Politiker und Bürger der Region ist eine solche Auszeichnung Grund zur Freude, da sie regional wie überregional auf großes Interesse stößt.
Das Waldgebiet des Jahres 2018 - der Wermsdorfer Wald Bild: Uwe Lange


Heute kann sich der Wermsdorfer Wald, als erster Wald im Freistaat Sachsen, über den Titel für das Jahr 2018 freuen. Der Wermsdorfer Wald hat dabei eine echte Besonderheit, die ihn unverwechselbar und zur Rarität macht: Unweit von Leipzig ist er eines der wenigen größeren zusammenhängenden Waldgebiete. Nicht zuletzt ist der "Wermsdorfer Wald" mit seinen markanten Eichen und Buchen, den hohen Baumwipfeln, mit seinen großen Teichflächen, den vielen Senken und Hügeln natürlich auch ein ganz besonders schöner Wald. Die Auszeichnung gilt aber natürlich nicht nur dem Wald selbst, sondern insbesondere der erfolgreichen Arbeit der Forstleute und Waldeigentümer vor Ort und ihrer ausgewogenen Erfüllung aller gesellschaftlichen Ansprüche an den Wald sowie einer zukunftsweisenden Vernetzung mit zahlreichen Partnern für einen lebendigen Wald.


Die Auszeichnung zum Waldgebiet des Jahres soll auch das bereits jahrzehntelange Engagement für den Waldumbau von Nadel- zu Laubholz herausstellen. Naturnahe und verantwortungsvolle Waldbewirtschaftung (Bild: Uwe Lange)
Bild: Uwe Lange Naturnahe und verantwortungsvolle Waldbewirtschaftung


"Wir gratulieren den Gewinnern ganz herzlich. Sie leisten eine hervorragende Arbeit", so Ulrich Dohle, Bundesvorsitzender des BDF. "Die Forstleute des Wermdorfer Wald bewirtschaften "Ihren" Wald naturnah und verantwortungsvoll und sorgen mit zahlreichen Partnern für den nachhaltigen Schutz, eine sorgfältige Pflege und ermöglichen so die vielfältige Nutzung", so Dohle weiter. "Besonders bemerkenswert ist das bereits jahrzehntelange Engagement für den Waldumbau von Nadel- zu Laubholz, der Einsatz von regionalen  Dienstleistern sowie der Absatz des Holzes vorwiegend vor Ort".


Der Wermsdorfer Wald ist durch eine große Vielzahl gekennzeichnet (Bild: Uwe Lange) Der ca. 4.100 Hektar große Staatswald ist in drei Landeswaldreviere Horstsee, Wermsdorf und Collm (von Westen nach Osten) aufgeteilt.
Der Wermsdorfer Wald ist durch eine große Vielfalt gekennzeichnet Bild: Uwe Lange


Der Wermsdorfer Wald ist durch eine große Vielfalt gekennzeichnet. Zum einen ist er für die regionale Forst- und Holzbranche ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Zum anderen ist er als großes, unzerschnittenes Waldgebiet Rückzugsraum seltener und bedrohter Arten, wie z.B. den Seeadler, Uhu und Schwarzstorch.


Als größte Greifvögel Nordeuropas beeindrucken Seeadler jeden Betrachter. Mit fast zweieinhalb Meter Flügelspannweite, ist das schon ein gewaltiger Vogel. Bedrohte Arten im Wermsdorfer Wald - der Seeadler (Bild: Gunther Zieger)
Bild: Gunther Zieger Tiere des Wermsdorfer Waldes - der Seeadler (Haliaeetus albicilla)


Der Seeadler:

Trotz der Anzeichen von Bestandserholung in einigen Brutgebieten gilt der Seeadler nach wie vor als ein gefährdeter Brutvogel Europas. Die größten Bestände leben in Norwegen und Russland. In Schottland hat man den Seeadler wieder eingebürgert.
Wassernähe ist eine wichtige Voraussetzung im Lebensraum des Seeadlers. Abgesehen davon, ist er aber erstaunlich vielseitig. Er brütet in der Tundra, an großen Binnenseen der Waldgebiete, in der Steppe, oder an felsigen Meeresküsten. Seine Jagdgründe sind die Meeresküsten, Seen und Flüsse und große Überschwemmungsgebiete. Bevorzugt werden vogelreiche Seen, Inseln und Küsten. Nordische Brutvögel wandern nach Süden.
Sein Speiseplan ist vielseitig und reicht von der Maus bis zu Fuchs und Reh. Es werden aber auch Küken von Wasservögeln erbeutet, genauso wie Gänse und Reiher. Aber See- und Süßwasserfische sind die Hauptbeute des Seeadlers.

Länge: 77 - 92 cm; Flügelspannweite: 200 - 245 cm.
Gewicht: 4100 g bei Männchen; 5500 g bei Weibchen.
Brutzeit: Ende Februar im Süden, bis Mitte Mai im Norden; 1 Jahresbrut.
Gelegegröße: zumeist zwei mattweiße und schwach glänzende Eier.
Brutdauer: zumeist 38 - 42 Tage.
Nestlingszeit: zumeist 80 - 90 Tage; mit ca. 70 Tagen die ersten Flüge.

Die oft riesigen Nester stehen in Mitteleuropa in der Regel auf hohen Bäumen, in Nordeuropa auch auf Felsen. Erst mit etwa fünf Jahren haben Seeadler Aussicht auf Bruterfolg. Viele Paare leben in Dauerehe. Beide Geschlechter brüten, das Weibchen sitzt jedoch mehr auf den Eiern. In den ersten Lebenswochen der Jungen bleibt das Weibchen bei den Nestlingen, das Männchen sorgt dafür für die Nahrung. Erst später fliegt auch das Weibchen auf die Jagd.


Der Ruf des Seeadlers - ein Naturschauspiel im Wermsdorfer Wald (Bild: Gunther Zieger) In Bayern ist der Seeadler ein immer noch seltener Brutvogel, mit etwa 7 - 10 Brutpaaren.
Ruf des Seeadlers - in der Balzzeit hoch und gellend Bild: Gunther Zieger


Dieses fein verzahnte Zusammenspiel zwischen Naturschutz und Waldwirtschaft ist das Ergebnis der vorbildlichen Arbeit der Forstleute im Forstbezirk Leipzig von Sachsenforst. Die Zusammenarbeit mit den Naturschutzverbänden ist ausgesprochen gut. Aber auch das wirtschaftliche Verständnis für Sägeindustrie, Waldbesitzende und forstliche Unternehmer ist ausgeprägt. Die Forstleute sehen sich hier als Dienstleister des ländlichen Raums.


Der Wald und die Landschaft sind geprägt von dem Nordsächsischen Platten- und Hügelland. Ein Hotspot an Flora und Fauna - die Seen im Wermsdorfer Wald (Bild: Uwe Lange)
Bild: Uwe Lange Im Süden grenzen die mit Teichwirtschaft betriebene Horst- und der Döllnitzseen an den Forst.


Als anerkannte Fachleute sind sie ein wichtiger Ansprechpartner für die Bevölkerung: Als "Lieferant" von Brennholz, als ausgleichendes Element zwischen Naturschutz und Naturnutzung und als Bewahrer von Kultur- und Denkmalschätzen, die durch die jahrhundertelange Waldbewirtschaftung in der Region geformt wurden.

Der Leiter des Forstbezirkes Leipzig, Andreas Padberg, ist stolz auf die Ehrung: "Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung und sehen darin unsere Arbeit hier in der Region bestätigt. Sie ist Beleg, dass die integrative Forstwirtschaft die unterschiedlichen Ansprüche an den Wald vereinen kann. Zum Wohl des Menschen und des Ökosystems Wald."


Hier findet auch der stressgeplagte Mensch einen Erholungsort (Bild: Uwe Lange) Es ist ein Spagat: Einerseits das Ökosystem Wald in seiner Gänze zu erhalten, andererseits ist der Wald auch Erholungsort für die Menschen aus der Umgebung, aber auch Wirtschaftsfaktor.
Der Wald als Ruheoase für Erholungssuchende Bild: Uwe Lange


Der Wermsdorfer Wald befindet sich in Sachsen in der geographischen Mitte zwischen der ehemaligen Residenzstadt Dresden und der Messestadt Leipzig. Im Nordosten des Forstbezirkes Leipzig gelegen, umfasst er etwa 5.100 ha. Die namensgebende Stadt Wermsdorf wird hufeisenförmig von diesem fast durchgängigen Waldgürtel umfasst.

Im Wermsdorfer Wald gibt es zahlreiche Tiere und seltene Pflanzen und Gewächse. Die Fauna umfasst bei den Säugetieren neben Damwild, Rehwild, Fuchs auch das Schwarzwild.


Das Wildschwin gehört zur Familie der altweltlichen oder Echten Schweine aus der Ordnung der Paarhufer. Tiere des Wermsdorfer Waldes - das Wildschwein (Bild: Maximilian Dorsch)
Bild: Maximilian Dorsch Tieres des Wermsdorfer Waldes - das Wildschwein (Sus scrofa)


Das Wildschwein:

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Art reicht von Westeuropa bis Südost-Asien. Durch Einbürgerungen in Nord- und Südamerika, Australien sowie auf zahlreichen Inseln ist es heute fast weltweit verbreitet.
Das Wildschwein hat seinem Abkömmling, dem Hausschwein, eine Menge Wesenszüge vererbt - insgesamt ist das Wildschwein jedoch schlanker, zäher und wendiger als sein gezähmter Verwandter.
Wie das Hausschwein ist das Wildschwein überwiegend ein Vegetarier. Es hat aber eine sehr abwechslungsreiche Kost, wie Eicheln, Bucheckern, Wurzeln, Knollen, Früchte, Blätter und Farne. Aber es wird auch tierische Kost, wie Frösche und Mäuse nicht verschmäht.
Der Schwanz des Wildschweins ist nicht geringelt wie der des Hausschweins. Er hängt gerade herunter und wird zum Verjagen von Insekten benutzt. Auch kann man an ihm die jeweilige Laune des Tieres ablesen.
Frischlinge werden mit Längsstreifen auf dem Rücken und an den Seiten geboren, damit sie im Wald eine bessere Tarnung haben. Sie verlieren diese Tarnung mit etwa sechs Monaten und bekommen dann ein rotbraunes Übergangskleid. Mit einem Jahr wächst ihnen dann das feste, schwarzbraune Fell der Erwachsenen.
Jeder Frischling hat seine eigene Zitze, an der er saugt. Die Erstgeborenen suchen sich in der Regel eine Zitze nahe am Kopf der Bache, wo sie eher ihre Beachtung finden können und sicherer vor Tritten sind.


Frischlinge in ihrer sicheren Mulde geschützt durch ihre Zeichnung (Bild: Maximilian Dorsch) Frischlinge haben bis zum Alter von sechs Monaten Längsstreifen auf dem Rücken, die ihnen im Wald eine gute Tarnung gegen Feinde verschaffen. Das Nest, eine Mulde im Boden, meist gut versteckt im Unterholz. Das Weibchen baut den "Wurfkessel" aus Gras und Zweigen.
Frischlinge in ihrer sichern Mulde und durch ihre Streifen gut getarnt Bild: Maximilian Dorsch


Durchschnittlich liegt das Waldgebiet zwischen 150 bis 220 m ü.NN. Der landschaftsprägende Collmberg am Nordostrand erhebt sich mit 313 m ü.NN deutlich über die Region. Die Landschaft um Wermsdorf wurde maßgeblich im Zeitalter des Pleistozäns geformt und bildet einen durch Forst-, Land- und Fischereiwirtschaft geprägten repräsentativen Ausschnitt des Nordsächsischen Platten- und Hügellandes.


Wie wichtig der Wermsdorfer Wald als Naturhaushalt und Naherholung ist, wird dann deutlich, dass dieser in einer eher waldarmen Region liegt. Einmaliges Erlebnis - Abendstimmung über dem See (Bild: Uwe Lange)
Bild: Uwe Lange Abendstimmung über See und Wermsdorfer Wald


Die geologische Basis ist dabei ein Deckenerguss von Pyroxen-Quarzporphyr, welcher durch Löß und Lößlehm überlagert wird. Das Waldgebiet wird betriebsorganisatorisch nach Besitzarten eigentumsrein vom Staatsbetrieb Sachsenforst, Forstbezirk Leipzig, bewirtschaftet bzw. betreut.
Der ca. 4.100 Hektar große Staatswaldanteil ist in die drei Landeswaldreviere Horstsee, Wermsdorf und Collm (v.W. n.O.) aufgeteilt. Die Fläche des Privatwaldes beläuft sich auf ca. 905 Hektar, wobei es sich hier vorrangig um kleinstrukturierten Waldbesitz in einer Größe zwischen einem und drei Hektar handelt.


Bedrohte Tiere im Wermsdorfer Wald - der Schwarzstorch (Bild: Gunther Zieger) Ganz anders als Weißstörche brüten Schwarzstörche vor allem in ungestörten offenen Waldlandschaften, in Europa besonders in naturnahen Laub- und Mischwäldern.
Tiere des Wermsdorfer Waldes - der Schwarzstorch (Ciconia nigra) Bild: Gunther Zieger


Der Schwarzstorch:

In Europa haben sich die kleinen Bestände in den letzten Jahrzehnten erholt. Man kann sogar eine Tendenz der Ausbreitung nach Westen feststellen. Doch noch immer wird der Schwarzstorch durch intensive Waldwirtschaft, Straßenbau, Störungen aller Art und das Verschwinden von Nahrungsbiotopen gefährdet.
Man hat aber auch seit langem Möglichkeiten genutzt, bedrohten Teilpopulationen wirksam zu helfen. Sei es durch Schutz und Anlage von Nahrungsteichen, oder die Erhaltung von Nistplätzen gegen waldbauliche Eingriffe und Störungen gerade in Horstnähe. Zur einer großen Gefahr gehört natürlich auch die Bedrohung bei den jährlichen Wanderungen in die Überwinterungsgebiete und zurück. Schwarzstörche sind Langstreckenzieher. Sie überwintern südlich der Sahara. Der Äquator wird nicht überflogen.
Dass diese Art wieder etwas zunimmt, ist daraus zu ersehen, dass man vor allem Jungstörche als Durchzugsgäste erleben kann. Eines meiner schönsten Naturerlebnisse, war die Begegnung mit einem Jungstorch, der mich bis auf 20 Meter an sich herangelassen hat. Er ist wohl vorher noch nie einem Menschen begegnet.

Länge: 95 - 100 cm; Flügelspannweite: 185 - 205 cm.
Gewicht: ca. 3000 g.
Brutzeit: gewöhnlich Mitte April bis Mitte Mai; 1 Jahresbrut.
Gelegegröße 3 -5 weiße und glatte Eier.
Brutdauer: ca. 32 - 40 Tage.
Nestlingszeit: ca. 60 - 70 Tage, noch bis 14 Tage Rückkehr zum Nest (Fütterung und Übernachtung).

Mit etwa drei Jahren werden Schwarzstörche geschlechtsreif. Die Partner halten eine Brutsaison über zusammen, treffen sich aber wohl als Folge ausgeprägter Ortstreue zumindest über Jahre am Brutplatz wieder.
Die bisher ältesten Ringvögel sind über 18 Jahre alt geworden. Beide Geschlechter wechseln sich in der Bebrütung des Geleges ab und füttern auch gemeinsam die Jungen. In den ersten Wochen bleibt aber immer ein Partner zur Betreuung und Bewachung der Jungen am Nest.
Wasserinsekten, kleine Fische, Amphibien bilden die Hauptnahrung. Mäuse oder Reptilien spielen keine so große Rolle.
In Bayern ist der Schwarzstorch ein seltener Brutvogel, mit vielleicht 150 - 170 Brutpaaren.



Ganz anders als beim Weißstorch zieht es den Schwarzstorch nicht in Menschennähe. Da diese Art sehr anfällig auf Störungen reagiert, benötigt der Schwarzstorch bei uns ungestörte Waldlandschaften mit sauberen Fließgewässern. Junge Schwarzstörche im Horst warten auf ihre Eltern (Bild: Thomas Stephan)
Bild: Thomas Stephan Junge Schwarzstörche warten auf etwas "Nahrhaftes"


Die restliche Waldfläche steht im Eigentum von Kirchen und Körperschaften. Zuständig für die Betreuung und Beratung der Privatwaldbesitzer und der Kommunen im Wermsdorfer Wald ist das Privat- und Körperschaftswaldrevier Hubertusburg. Das Waldbild des Wermsdorfer Waldes hat sich in den vergangenen Jahrhunderten mehrfach stark gewandelt, je nachdem, ob gerade die Jagd oder die Holznutzung im Vordergrund der jeweiligen Landesherren stand.


Totholz ist Lebensraum für viele Insekten- und Käferarten (Bild: Uwe Lange) Als Totholz wird stehendes oder liegendes abgestorbenes Holz bezeichnet. Das können ein einzelner Ast, ein abgestorbener Baum oder alle Übergänge dazwischen sein.
Totholz ist nicht tot, sondern Lebensraum vieler Insekten- und Käferarten Bild: Uwe Lange


Das Totholz:

Wenn man sich mit dem Begriff "Totholz" etwas näher beschäftigt, wird man feststellen, wie paradox der Begriff "Totholz" im Grunde ist und das gleich in zweifacher Hinsicht. Denn auch "lebendes" Holz besteht zu einem Großteil aus bereits abgestorbenen, also toten Zellen. Nach dem Absterben des Holzes beginnt eine Besiedlung mit Tausenden von verschiedenen Arten, die sich z.B. bei der Eiche über Jahrhunderte hinziehen kann. So betrachtet, ist lebendes Holz deutlich "töter" als Totholz!

Mit Milben und Bärtierchen dicht besiedelte Moospolster und bizarre Bartflechten verwandeln einen abgestorbenen Baum in ein märchenhaftes Wesen. Jeder Zentimeter des Holzes wird nach und nach von hauchfeinen Pilzhyphen durchwuchert, die trotz ihrer Zartheit von den feinen Stechrüsseln der Rinderwarzen besaugt werden. Eine Erzwespe befreit sich mühsam aus der leergefressenen Hülle eines Borkenkäfers, um sofort von einer Springspinne erbeutet zu werden, die wiederum einem hungrigen Kleiber ins Auge sticht. Die Larve der Riesenholzwespe weidet unermüdlich den Pilzrasen in ihren Fraßgängen ab, mit dessen Sporen das Holz bei der Eiablage vom Weibchen abgeimpft wurde. Drei Zentimeter über ihr ist die Holzschlupfwespe dabei, ihren Legestachel zielsicher durch das massive Holz zu treiben, um ihr Ei in der ahnungslosen Riesenholzwespenlarve abzulegen. In kleinen, wassergefüllten Mulmhöhlen filtrieren Schwebfliegenlarven Bakterien und Pilze.

Mehr als 1400 Käferarten und ihre Larven besiedeln jede nur denkbare ökologische Nische im Holz. Zahlreiche Mücken- und Fliegenlarven leben als Müllabfuhr von Kot und Mulm in den Fraßgängen anderer Insekten. Wildbienen legen ihre mit Nektar und Blütenstaub gefüllten Brutzellen in verlassenen Käferfraßgängen an, wo sie von Goldwespen oder Buntkäfern parasitiert werden. Die Rossameise nagt mit ihren kräftigen Kiefern ihr bis zu zehn Meter hohes Nestsystem in das Holz und löst damit begeisterte Besuche des Schwarzspechts aus. Spechthöhlen beherbergen - abgesehen von ihren ursprünglichen Besitzern - eine Reihe von Höhlenbrütern wie Meisen, Sperlinge, Kleiber, Dohlen, Stare, Hohltaube und Fledermäusen.

Waldkauz, Steinkauz, Raufußkauz und Fledermäuse starten von dort ihre Beutezüge. Siebenschläfer, Haselmaus und Gartenschläfer, Baummarder sowie Mäuse suchen dort Unterschlupf. Unter in Stammhöhlen erbauten Hornissennestern entstehen nährstoffreiche Abfallhaufen aus Beuteresten, Kot, abgestorbenen Larven, Puppen und Insekten. Dort haben sich Spezialisten wie der Hornissenkäfer angesiedelt. Auch die Larven bestimmter Fliegenarten durchleben dort ihre Entwicklungszyklen, vorausgesetzt, sie werden nicht von Kurzflügelkäferlarven parasitiert. Mulmhöhlen in alten Eichen beherbergen jahrhundertelang die Creme de la Creme unter den Totholzbewohnern. Eremit (oder Juchtenkäfer), Hirschkäfer, Nashornkäfer, Balkenschröter, Buchenspießbock, Rehschröter und Eichenwidderbock.

Wohin man blickt, überall stößt man auf eine schier grenzenlose Artenfülle. Totholz ist Leben pur, Leben in überschäumender Fülle. Wenn man allen beteiligten Lebewesen einen Klang zuteilen könnte, würde aus jedem Stamm eine ganz individuelle, tosende Symphonie erklingen. Totholz ist eine Welt der Wunder, die von der Wissenschaft erst in Ansätzen erforscht wurde.
Wenn wir all diese Lebewesen nicht verlieren wollen, müssen wir dieses Biotop "Totholz" schützen, indem wir Totholzbäume, -stämme oder -äste nicht entfernen sondern dort liegen lassen, wo diese eben liegen.


Aktuell bildet der Wermsdorfer Wald einen sächsischen Waldbaumschwerpunkt. Ziel ist es, vor allem die labilen Fichtenrelikte in standortsgerechte, stabile und vor allem naturnahe Laubholzmischbestände zu überführen. ... Herbst ist eingekehrt im Wermsdorfer Wald - Farbenpracht ist angesagt (Bild: Uwe Lange)
Bild: Uwe Lange Herbst ist im Wermsdorfer Wald eingekehrt - eine Farbenpracht wohin man schaut


... Diese Bestockung entspricht der potentiell natürlichen Waldvegetation für dieses Gebiet. Typisch für den Wermsdorfer Wald sind aufgrund der Löß- und Lößlehmüberlagerungen wechselfeuchte Böden mit häufig oberflächennahen Stauhorizonten. Dies führt dazu, dass gerade Fichten, aber auch Laubbäume oft nur oberflächennahe Wurzelsysteme ausbilden können. Eichen und Kiefern sind aufgrund der Ausbildung von Pfahlwurzeln noch am ehesten in der Lage, diese Stauhorizonte zu durchbrechen.


Bedrohte Tiere im Wermsdorfer Wald - der Uhu (Bild: Olav Krüger) Der Uhu ist der größte unter den Vögeln der Nacht. Im Vergleich wirken die meisten anderen Eulenarten seines Verbreitungsgebiets wie Zwerge. Er ist ein geschickter Jäger, der eine Vielzahl von Tierarten erbeuten kann.
Tiere des Wermsdorfer Waldes - der Uhu (Bubo bubo) Bild: Olav Krüger


Der Uhu:

Der Uhu bewohnt verschiedenartige Lebensräume, von felsigen Wüsten bis zu Waldgebieten in gemäßigtem Klima. Er ist ein äußerst geschickter Jäger, der es sogar mit Tieren von der Größe eines Fuchses aufnimmt. Er benötigt zum Brüten ruhige Plätze, wie z.B. Höhlungen von Felswänden. In Wäldern nisten sie am Boden zwischen Baumwurzeln oder umgestürzten Baumstämmen.
Der Uhu, ist die weltweit größte Eulenart und ist in weiten Teilen Europas, Asiens und Nordafrika heimisch.

Länge: 65 - 75 cm; Flügelspannweite: 155 - 175 cm.
Gewicht: ca. 2,5 - 3 kg.
Geschlechtsreife: mit 2 - 3 Jahren.
Brutzeit: unterschiedlich, in der Regel Mitte März im Süden, Anfang Mai im Norden; 1 Jahresbrut.
Gelegegröße: 2 - 3 weiße, ziemlich glatte Eier.
Brutdauer: 31 - 36 Tage.
Nestlingszeit: 31 - 36 Tage, verlassen Bodennester mit 22 - 25 Tagen, Felsbruten und Baumhorste mit 5 - 7 Wochen.
Verhalten: territorial, standorttreu.
Lebenserwartung: 19 Jahre, im Zoo sogar 68 Jahre.

In seinem gesamten Verbreitungsgebiet macht der Uhu Jagd auf 110 verschiedene Säugetiere, darunter auch Ratten, damit erfüllt der Uhu einen wichtigen ökologischen Auftrag. Weiterhin auf mindestens 140 Vogelarten, darunter auch Krähen und Elstern.

Der Uhu macht Jagd auf andere Greifvögel in seinem Revier wie etwa Mäusebussarde, Turmfalken und Waldkäuze.
Ein Uhu wurde einmal dabei beobachtet, wie er mit einem erbeuteten Rotfuchs in den Fängen flog.
Der Uhu soll sogar von Jägern abgeschossene Vögel im Flug packen, bevor diese zu Boden fallen.
Wenn ein Uhu seine Beute nicht auf einmal fressen kann, versteckt er diese manchmal und kommt am nächsten Tag wieder.
Brütende Uhus wurden schon in Höhen von 4500 Metern gefunden.

In Bayern ist der Uhu ein noch immer seltener Brutvogel, mit etwa 420 - 500 Brutpaaren.


Die jungen Uhus öffnen ihre Augen nach sechs Tagen. Mit 16 Tagen können sie aufrecht stehen. Schon bald tragen sie das bräunlich-gelbe, gesprenkelte Gefieder (zweites Dunenkleid) das sie tarnt. Die Alttiere füttern ihren Nachwuchs gut und gerne fünf Monate lang (Bild: Olav Krüger)
Bild: Olav Krüger Die Alttiere füttern die flaumigen Jungen über fünf Monate lang


Heute dominiert durch das Wirken mehrerer Förstergenerationen Laubholz mit 51 Prozent. Mit einem aktuellen Hiebssatz von 5,4 Kubikmeter je Jahr und Hektar, werden etwa 60 Prozent des Holzzuwachses genutzt. Dies entspricht einer jährlichen Hiebsmenge von ca. 22.000 Kubikmeter Holz im Jahr, von denen 75 Prozent an regionale Holzabnehmer abgesetzt werden. Holzeinschlag und -rückung im Wermsdorfer Wald realisieren zu 80 Prozent durchschnittlich vier Forstunternehmen. Eben so hoch ist der Anteil von Forstdienstleistern, die bei Aufforstungs- und Kultursicherungsarbeiten zum Einsatz kommen. Im Bereich Walderschließung erfolgt der Wegebau ausschließlich über regionale Firmen, die jährliche Pflege des Wegenetzes erfolgt im Wesentlichen in Eigenregie. Alle zwei Jahre ist der Wermsdorfer Wald außerdem Austragungsort der Nordwestsächsischen Waldarbeitermeisterschaften. Die vielfältigen und langjährigen waldbaulichen Versuchsflächen der TU Dresden, Fachrichtung Forstwissenschaften Tharandt, sowie des Sachsenforstes sind unter Fachleuten und im Rahmen der jährlich stattfindenden Regionaltagung für private und körperschaftliche Waldbesitzer häufig besuchte Exkursionspunkte.

Nun ist es Winter geworden - Frost und Schnee halten Einzug (Bild: Uwe Lange) Der erste Frost und Schnee, es zieht Ruhe ein im Wald. Die Zeit, in der sich die Natur erholen kann. Viele Tiere des Waldes, verschlafen diese "stade" Zeit, oder wachen nur kurz auf, um etwas Nahrung zu sich zu nehmen.
Nun ist es Winter geworden im Wald Bild: Uwe Lange


Die Jagd wird im Wermsdorfer Wald vom Staatsbetrieb Sachsenforst auf einer Verwaltungsjagdfläche von 4416 ha in Regie ausgeübt. Hauptwildarten sind Rehwild und Schwarzwild. Auch Rotwild kommt vor und wird gemeinsam mit den umliegenden Revieren in der Rotwildhegegemeinschaft "Wermsdorfer Wald" bewirtschaftet. Ergebnis einer effizienten Bejagungsstrategie ist es, dass sich rund 70% der Kunstverjüngung ohne Zaun etablieren lassen. Die gesellschaftlichen Anforderungen an den Wermsdorfer Wald sind sehr vielfältig. Die wichtigsten Waldfunktionen sind Schutz der Natur, Schutz der Landschaft und Erholung. Die Bedeutung des Wermsdorfer Waldes für die Naherholung und den Naturhaushalt wird zusätzlich deutlich, wenn man berücksichtigt, dass er in einer ausgesprochen waldarmen Region liegt.

Im Zusammenspiel der natürlichen Gegebenheiten bietet der Wermsdorfer Wald durch eine flächenmäßige Strukturvielfalt wertvolle Lebensräume und Lebensstätten für verschiedene Arten der Flora und Fauna. Er liegt vollständig im Landschaftsschutzgebiet "Wermsdorfer Forst" und nahezu vollständig im Europäischen Vogelschutzgebiet "Wermsdorfer Teich- und Waldgebiet". Weiterhin beinhaltet der Wermsdorfer Wald vier verschiedene FFH-Gebiete und acht Flächennaturdenkmale. Das FFH-Gebeit "Wermsdorfer Waldteichketten" liegt vollständig innerhalb des Wermsdorfer Waldes und stellt mit 240 ha das größte FFH-Gebiet innerhalb des Waldgebiets dar.
Das "Waldgebiet an der Kolsterwiese" liegt mit einer Größe von 104 ha ebenfalls vollständig im Wermsdorfer Wald und ist gleichzeitig NSG und FFH-Gebiet. Hier ist auch eine Naturwaldzelle ausgewiesen, die neben weiteren Dauerbeobachtungs- und Versuchsflächen im Wermsdorfer Wald durch den Sachsenforst betreut wird.


Vielen Dank an Frau Christiane Wolfram vom Staatsbetrieb Sachsenforst, Leipzig, für den Pressetext und die Möglichkeit die Bilder von Herrn Uwe Lange zeigen zu dürfen. Vielen Dank auch an meine Fotografen Olav Krüger, Thomas Stephan, Gunther Zieger und Maximilian Dorsch.



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- letzte Aktualisierung: Sonntag, 01. Juli 2018 -
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