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Die Pflanzengesellschaften des Jahres seit 2019

Die Floristisch-soziologische Arbeitsgemeinschaft e.V. (FlorSoz) ruft jedes Jahr die Pflanzengesellschaft des Jahres aus. Für das Jahr 2019 ist dies erstmals die Glatthaferwiese.

Damit sollen erstmalig nicht nur Einzelarten, sondern ganze Lebensgemeinschaften in das öffentliche Interesse gerückt werden.

Die Floristisch-soziologische Arbeitsgemeinschaft stellt sich vor:

Unsere Mitglieder beschäftigen sich beruflich in Wissenschaft und Praxis oder in ihrer Freizeit mit der Flora und Vegetation Mitteleuropas und damit verknüpften ökologischen und naturschutzfachlichen Aspekten. Ein wichtiges Ziel der FlorSoz ist die wissenschaftliche und praxisrelevante Fortbildung der rund 1.100 Mitglieder. Die FlorSoz steht allen Interessierten offen.


Jahr Pflanzengesellschaft
2019 Die Glatthaferwiese
   


Traditionelle Nutzung und typische Arten

Noch vor drei Jahrzehnten waren artenreiche und bunt blühende Wiesen in den Flach- und Hügelländern Deutschlands weit verbreitet.

Solche Wiesen auf frischen bis mäßig trockenen Standorten werden wegen des regelmäßig auftretenden Glatthafers in der pflanzensoziologischen Systematik als Glatthaferwiesen bezeichnet. Gemeinsam mit hochwüchsigen Gräsern wie dem Glatthafer kommen auch auffällig blühende Wiesenblumen wie zum Beispiel Wiesen-Glockenblume, Wiesen-Storchschnabel, Scharfer Hahnenfuß, Kleiner Klappertopf, Wiesen-Platterbse und Wiesen-Margerite vor.

Diese Frischwiesen wurden traditionell nur mäßig gedüngt und zweimal pro Jahr zur Heugewinnung gemäht.

Die Glatthaferwiese ist die erste Pflanzengesellschaft des Jahres (Bild: A. Schwabe) Artenreiche Glatthaferwiesen waren noch vor drei Jahrzehnten in vielen Regionen Deutschlands weit verbreitet. Nebenstehendes Bild zeigt eine Wiese im mittleren Schwarzwald im Jahr 1982.
Die Pflanzengesellschaft des Jahres 2019 ist die Glatthaferwiese Bild: A. Schwabe


Ökosystemleistungen der Glatthaferwiesen

Glatthaferwiesen sehen nicht nur schön aus, sie bieten auch Lebensräume für viele Tierarten. Damit stellen sie die Basis vieler Nahrungsnetze dar. Auch viele Bestäuber (z.B. Wildbienen, Schwebfliegen, Schmetterlinge) finden dort Nektar bzw. Pollen.

Extensiv genutzte Wiesen binden im Boden Kohlenstoff und tragen zur Erosionsminderung bei.

Aufgrund der hohen Biodiversität und zahlreicher Ökosystemleistungen sowie wegen ihrer Schutzbedürftigkeit wurden sie als Lebensraumtyp in die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU aufgenommen.

Frühere und aktuelle Gefährdungen der Glatthaferwiesen

Die Mitglieder der Floristisch-soziologischen Arbeitsgemeinschaft haben bei ihren Kartierungen seit Jahren die Artenverarmung in den Frischwiesen dokumentiert. Wesentliche aktuelle Gefährdungsursache ist die Intensivierung der Wiesennutzung. Durch zu intensive Düngung und zu häufige Mahdtermine, z.T. auch durch Umwandlung in intensiv genutzte Mähweiden, kommt es zur Dominanz von Gräsern, während die bunt blühenden Kräuter nach und nach verschwinden.

Insbesondere auf kleineren Wiesenparzellen, die oft noch besonders artenreich sind, wird die Nutzung aufgegeben, was ebenfalls zum Verlust der Artenvielfalt führt. In den vergangenen Jahrzehnten wurden auch viele Wiesen umgebrochen und als Ackerland genutzt.

Bild einer Glatthaferwiese mit Wiesen-Storchschnabel, Wiesen-Margerite und Scharfem Hahnenfuß in einem Park in Bernburg/Sachsen-Anhalt. Glatthaferwiese mit großer Artenvielfalt an Flora und Fauna (Bild: S. Tischew)
Bild: S. Tischew Glatthaferwiese mit großer Artenvielfalt an Flora und Fauna


Schutz und Wiederherstellung von Glatthaferwiesen

Neben der Wiedereinführung einer Nutzung in brachgefallenen Wiesen oder einer Nutzungsextensivierung spielt zukünftig auch die Wiederherstellung artenreicher Frischwiesen eine bedeutende Rolle. Hierfür sollten nur Arten aus den jeweiligen Naturräumen verwendet werden, die entweder aus zertifizierter Wildpflanzenvermehrung stammen oder auf artenreichem Grünland über Direkternte gewonnen wurden. Auch in Städten und Dörfern können naturnah angelegte Frischwiesen in Grünanlagen, Parks oder privaten Gartenflächen zur Förderung der biologischen Vielfalt beitragen.

Die Floristisch-soziologische Arbeitsgemeinschaft

Jedes Jahr im Frühsommer findet eine mehrtägige Fachtagung mit Vorträgen, Diskussionen und vor allem Exkursionen an wechselnden Orten statt. Wissenschaftliche Ergebnisse werden in der Zeitschrift TUEXENIA und der Reihe Synopsis der Pflanzengesellschaften Deutschlands publiziert.

Wenn Sie mehr über die Arbeit von FlorSoz in Erfahrung bringen möchten, über Fachtagungen, Vorträge und Exkursionen, dies finden Sie unter www.tuexenia.de


Vielen Dank an Frau Prof.Dr. Sabine Tischew, Naturschutz und Landschaftsplanung der Hochschule Anhalt, Bernburg, für die Möglichkeit den Pressetext und eines Ihrer Bilder zu veröffentlichen, sowie ein Bild von A. Schwabe online stellen zu können.




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- letzte Aktualisierung: Freitag, 30. August 2019 -
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