Wiesenweihe
Greifvögel
Streuobst
Biotoppflege
Ornithologie
Insekten
Sie sind hier: Insekten | Naturparktier des Jahres

Naturparktier des Jahres seit 2003

Die Auszeichnung Naturparktier des Jahres wird seit 2003 vom Naturpark-Verein Holsteinische Schweiz verliehen. Mit dem Titel will dieser auf die Bedeutung der Naturparks in Deutschland für die Landschaft sowie für die darin lebende Flora und Fauna aufmerksam machen.

Die bisherigen Auszeichnungen zum "Naturparktier des Jahres" sind:

Jahr Naturparktier
2003 Laubfrosch
2004 Fischotter
2005 Großer Abendsegler
2006 Eisvogel
2007 Gebänderte Prachtlibelle
2008 Ringelnatter
2009 Dachs
2010 Rotmilan
2011 Nördlicher Kammmolch
2012 Uhu
2013 Kleine Maräne
2014 Schellente
2015 Wasserspitzmaus
2016 Kranich

Der Kranich (Grus grus) - der mit dem trompetenhaften Ruf - ist das Naturparktier des Jahres 2016

Zweimal im Jahr, nämlich in den Monaten September bis Oktober und im März zeigt sich im mittleren Deutschland das Schauspiel der ziehenden und rufenden Kraniche, die in Keilformation über Stadt und Land fliegen und von oder zu ihren Brutplätzen ziehen.
Die Winterquartiere, die von den Flugkeilen im Herbst angesteuert werden, liegen vor allem im Süden der Iberischen Halbinsel und in Nordwestafrika. Die Brutplätze des Kranichs liegen vor allem in Skandinavien und in Osteuropa. Die Bestandszahl für Westeuropa werden mit 60.000 bis 70.000 Brutpaaren angenommen. Die Tendenz für Westeuropa zeigt sich stabil und ansteigend.

Der Kranich ist das Naturparktier des Jahres 2016 (Bild: Gunther Zieger) Die über Mitteleuropa führende Westroute wählen vor allem die Brutvögel Skandinaviens und des Baltikums.
Kranichschwarm in Mecklenburg-Vorpommern Bild: Gunther Zieger

Hier ziehen die langbeinigen Kranichvögel auf einem breiten Korridor Main-Rhein westwärts in Richtung Frankreich weiter. Weiter östlich brütende Kraniche wählen die Baltikroute, die mehr südwärts ausgerichtet ist, über Ungarn ins Mittelmeergebiet und bis ins nördliche Ostafrika (Äthiopien und den Sudan).

Das Brutgebiet des Kranichs reicht heute vom östlichen Mitteleuropa nach Osten bis Mittelsibirien. Dabei markieren die Flüsse Weser und Aller die westliche, der 51. Breitengrad die südliche Grenze des Verbreitungsgebietes. An der Brandenburger Seenplatte sind die Kranichvögel sehr gut zu beobachten. Im Übrigen stammen die meisten der hier gezeigten Bilder unseres Naturfotografen Gunther Zieger aus Mecklenburg-Vorpommern.

Seine Bestandszahlen nehmen in Westeuropa zu. In Osteuropa sind sie stabil bis zunehmend. In Russland nehmen sie ab. Die Bestandszahlen für Westeuropa zeigen nach oben (Bild: Gunther Zieger)
Bild: Gunther Zieger Der elegante Kranich brütet vor allem in abgelegenen Feuchtgebieten Nordeuropas

Feuchtgebiete in der nördlichen Waldzone sind die typischen Brutgebiete des Kranichs, wie Hoch- und Waldmoore, Überschwemmungsflächen und Niedermoore. Bruchwälder, Feuchtwiesen und Seggenriede sind für ihn ebenso geeignet. Im hohen Norden werden sogar baumlose Fjällregionen besiedelt. Wichtige Nahrungsflächen bieten für Rastplätze auf dem Durchzug und in Wintergebieten Felder und Wiesen, wie wir das hier in Mainfranken auch immer wieder beobachten können.

Kraniche haben einen vielseitigen Speisezettel (Bild: Gunther Zieger) Überwiegend pflanzlich ist seine Nahrung im Winterhalbjahr. Getreide, Kartoffeln aber auch Baumfrüchte werden dann verzehrt.
Zwischenstopp am Main - nun müssen die Energiereserven aufgefüllt werden Bild: Gunther Zieger

Der vielseitige Speiseplan besteht hauptsächlich aud Gräsern, Wasserpflanzen und krautigen Pflanzen. Im Sommerhalbjahr bilden Blindschleichen, Frösche, Schlangen, Eidechsen und Mäuse das Beutespektrum. Aber sogar Regenwürmer, Spinnen, Schnecken und Asseln werden nicht verschmäht. Gelegentlich frisst der Kranich auch Fische.

Etwa eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang verläßt der Kranich seinen nächtlichen Ruheplatz und geht den Tag über auf Nahrungssuche. Dabei kann er weite Strecken zurücklegen. Im seichten Wasser stehend sucht er nach Nahrung (Bild: Gunther Zieger)
Bild: Gunther Zieger Kraniche haben einen vielseitigen Speiseplan von Wasserpflanzen bis Kleinsäuger

Im seichten Wasser stehend, sucht der Kranich am Ufer nach Nahrung, pickt diese von der Oberfläche oder stochert mit seinem spitzen Schnabel in der Erde. Hat ein Vogel eine gute Nahrungsquelle entdeckt, stoßen bald andere dazu. Sie kommen einander jedoch nicht so nahe, dass sie sich stören. Einige Vögel stehen dabei immer etwas abseits und halten Wache.

Merkmale des Kranichs:

Größe: Etwas größer als eine Gans;
Maße: Länge ca. 114 - 130 cm; Flügelspannweite ca. 200 - 230 cm;
Gewicht: 4000 - 7000 g;
Stimme: Während der Balz ein trompetenartiges Schmettern;
Brutzeit: Im Süden ab Ende März, weiter nördlich April bis Mai. Im Norden Mai bis Juni; 1 Jahresbrut.
Gelegegröße: 2 runde bis oval wirkende, blaugraue bis rostbraune Eier;
Brutdauer: (28-) 30 (31) Tage.
Nestlingszeit: Junge Kraniche sind Nestflüchter. Sie verlassen bereits nach 24 Stunden das Nest. Mit 9 Wochen sind sie flugfähig, allerdings nur kurze Strecken. Familienverband bleibt im Winter zusammen.


Zur Balzzeit ist sein trompetenartiger Ruf weit zu hören (Bild: Gunther Zieger) Während der Brutzeit leben Kraniche paarweise, doch auf dem Zug bilden sie große Schwärme. Dabei fliegen die Vögel in V-Formation und rufen laut, damit der Schwarm zusammenbleibt. Sie sind Tag und Nacht unterwegs und bewältigen die lange Reise energiesparend auf warmen Aufwinden.
Der Kranich kann eine Flügelspannweite von bis zu 230 Zentimetern aufweisen Bild: Gunther Zieger

Trompetenhaft schmetternde Rufe und ein schnelles Laufen mit gelegentlichem Hochspringen ("Tanzen") haben den Kranich seit alters her berühmt und bekannt gemacht. Nach 4 - 6 Jahren werden die Vögel geschlechtsreif. Früher hat man angenommen, dass die Vögel oft ein Leben lang zusammenhalten. Neueste Untersuchungen und Beobachtungen lassen aber vermuten, dass Partnerwechsel vorkommen.

Noch im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts brüteten Kraniche in den Mooren bis an den Alpenrand. Insekten, Würmer und Kleinsäuger sind sein Beutespektrum auf Wiesen (Bild: Gunther Zieger)
Bild: Gunther Zieger Auf Wiesen konzentriert sich die Nahrungsssuche auf Insekten, Würmer und Nagetiere

In Bayern ist der Kranich nach dem Erlöschen der Brutvorkommen im 19. Jahrhundert seit ein paar Jahren wieder lokal verbreitet. Bei einer Bestandsschätzung von 5 - 7 BP konnten erfolgreiche Bruten festgestellt werden. Die Rückkehr des Kranichs in bayerische Gefilde hängt wohl mit der zunehmenden Bestandszahl in Nord- und Ostdeutschland zusammen. Eine Zunahme der Bestände erscheint durchaus wahrscheinlich.

Kraniche sind Bodenbrüter. Der Brutplatz bildet das Zentrum des Reviers, dass sehr groß sein kann und befindet sich am Boden in feuchtem sumpfigem Gelände. Die umfangreichen Bodennester aus Pflanzenmaterial der Umgebung stehen oft auf nassem bis feuchtem Untergrund, nicht selten auch auf einer kleinen Insel im Wasser oder im Rohrgürtel kleiner Seen. Beide Geschlechter bauen und bebrüten die Eier. Da das Brüten sofort nach der Eiablage beginnt, schlüpft das erste Junge häufig ein bis zwei Tage vor dem zweiten und wird vom Vater geführt, während das weibliche Tier weiter brütet und die Pflege des zweiten Kükens übernimmt.

Auf mehreren Zugrouten zieht der Kranich in seine Winterquartiere (Bild: Gunther Zieger) Rein äußerlich sind die beiden Geschlechter kaum zu unterscheiden. Die Männchen sind etwas größer als die Weibchen. Die Jungtiere sind gut zu erkennen.
Rastplatz der Kraniche auf ihrem Zug Bild: Gunther Zieger

Die Jungen verlassen etwa nach einem Tag das Nest und die Eltern teilen sie dann untereinander auf, so dass jeder ein Junges begleitet. Doch hält die Familie zusammen, sogar oft noch im Winterquartiert. In den ersten Tagen wird den Jungen das Futter im Schnabel vorgehalten, aber bereits im Alter von drei Tagen beginnen sie damit, selbstständig nach Nahrung zu suchen.

Die Familie hält oft auch noch im Winterquartier zusammen. Auch noch im Winterquartier halten die Familienbande (Bild: Gunther Zieger)
Bild: Gunther Zieger Kraniche auf dem Zug - im Vordergrund ein Jungvogel


Wissenswertes und Interessantes:

Nistende Kraniche bedecken sich zur Tarnung angeblich mit Pflanzenmaterial.
Ein rufendes Kranichpaar ist mehrere Kilometer weit zu hören. Der Klang wird durch die lange gewundene Luftröhre verstärkt, die wie eine Trompete funktioniert.
Ziehende Kraniche wurden schon in über 3000 Metern Höhe beobachtet.
Im Nordosten Deutschlands nächtigen Kraniche aus Skandinavien in den flachen Boddengewässern der Halbinsel Zingst, der Inselgruppe des Bock sowie im Bereich von Hiddensee und im westlichen Teil von Rügen.
Beim Kranich gibt es Gelegeverluste von 20 bis 30 Prozent. Besonders hoch fallen diese aus, wenn während der Brutphase die Nistplätze trocken fallen und Beutegreifer dann ein leichtes Spiel haben.
Die Lebenserwartung von Kranichen erreichen 40 Jahre in Gefangenschaft. Bei wildlebenden Tieren ist sie weitaus geringer.
Die Hauptbedrohung für die Kranichpopulationen geht von der Zerstörung und Beschneidung der Lebensräume aus. Der Verlust von Feuchtgebieten geht mit Entwässerungen, Dammbauten, Intensivierung der Landwirtschaft und Verstädterung sowie Flächenbränden und Überschwemmungen einher. Aber auch Störungen in den Brutgebieten und eine direkte Verfolgung, sowie elektrische Freileitungen stellen Gefahrenpotentiale dar.
Die deutsche Lufthansa verwendet den fliegenden Kranich seit 1926 als Firmenzeichen.
In der japanischen Mythologie symbolisiert der Kranich ein langes Leben. Angeblich soll er tausend Jahre alt werden.
Felszeichnungen in spanischen Höhlen und Knochenfunde in jungsteinzeitlichen Siedlungen weisen daraufhin, dass Kraniche schon in vorgeschichtlicher Zeit gejagt wurden.


Es liegt an uns Menschen ob wir die Kranichrufe auch weiterhin bestaunen können (Bild: Gunther Zieger) Wir sollten alles tun, damit solche Naturschauspiele von ziehenden und rufenden Kranichen auch nachfolgenden Generationen noch erleben und solche Naturwunder bestaunen können.
Herbstkranichzug über der mecklenburgischen Seenplatte Bild: Gunther Zieger


Vielen Dank Frau Sonja Fuhrmann, vom Naturpark Holsteinische Schweiz
für den Pressetext. Die Aufnahmen stammen dankenswerterweise von einem unserer Naturfotografen Herrn Gunther Zieger.

Wer mehr über den Naturpark Holsteinische Schweiz und dessen Flora und Fauna wissen möchte, hier der Link: www.naturpark-holsteinische-schweiz.de


zurück


- letzte Aktualisierung: Dienstag, 29. November 2016 -