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Naturparktier des Jahres seit 2003

Die Auszeichnung Naturparktier des Jahres wird seit 2003 vom Naturpark-Verein Holsteinische Schweiz verliehen. Mit dem Titel will dieser auf die Bedeutung der Naturparks in Deutschland für die Landschaft sowie für die darin lebende Flora und Fauna aufmerksam machen.

Die bisherigen Auszeichnungen zum "Naturparktier des Jahres" sind:

Jahr Naturparktier
2003 Laubfrosch
2004 Fischotter
2005 Großer Abendsegler
2006 Eisvogel
2007 Gebänderte Prachtlibelle
2008 Ringelnatter
2009 Dachs
2010 Rotmilan
2011 Nördlicher Kammmolch
2012 Uhu
2013 Kleine Maräne
2014 Schellente
2015 Wasserspitzmaus
2016 Kranich
2017 Moorfrosch
2018 Rebhuhn

Das Rebhuhn (Perdix perdix) - eines der Charaktervögel der Feldflur - ist das Naturparktier des Jahres 2018

In meinen Jugendjahren, auf dem Lande aufgewachsen, war das Rebhuhn ein mir vertrauter Bewohner der Feldflur mit guten Bestandszahlen. Schützende Hecken und Feldraine waren da noch reichlich vorhanden, sodass dieser ehemalige Steppenbewohner immer eine gute Deckung und Schutz vor seinen Fressfeinden fand. Und heute: Dies wird wohl für ganz Deutschland gelten, allein von 1975 bis 2000 hat das Rebhuhn im Bestand um 50% abgenommen. In Schleswig-Holstein wie auch in Bayern sind die Zahlen auf ca. 8000 BP geschrumpft. In der Schweiz steht das Rebhuhn, totz Versuche von Wiederansiedlungen, vor dem Aussterben. In Österreich gilt das Rebhuhn als stark gefährdet, mit vielleicht noch 15.000 Individuen. In Österreich gilt auch der große Jagddruck als einer der Gründe für den Abgesang des Hühnervogels.

Bei uns hier in Deutschland sieht es nicht viel besser aus. Das Rebhuhn wird in der Roten Liste der gefährdeten Arten als "stark gefährdet" eingestuft, mit vielleicht noch 50.000 BP.

Als wesentliche Rückgangsursachen werden der Verlust von geeigneten Lebensraumelementen, wie Hecken, Feldrainen, Staudenfluren und Brachflächen durch eine Intensivierung der Landwirtschaft eingestuft. Der Übereinsatz von Herbiziden, damit einhergehend die Vernichtung von Ackerwildkräutern kommt dazu. Mangelnde Deckung führt unzweifelhaft zu einer geringeren Brutpaardichte. Die frühen Mähtermine führen zu Gelegeverlusten, vor allem dann, wenn auch noch die Gräben ausgemäht werden. Zwar sind die Jagdstrecken zurückgegangen (von fast 10.000 1989/90 auf ca. 2700 2015). Ein Aussetzen der Jagd auf das Rebhuhn würde sicherlich helfen, ebenso müsste dringend die Wiederherstellung einer struktur- und artenreiche Feldflur als Schlüsselfaktor angegangen werden.


Das Rebhuhn - Naturparktier des Jahres 2018 (Bild: Gunther Zieger) Heute ist es leider nur noch wenigen vergönnt, diesen scheuen Hühnervogel in der freien Feldflur zu begegnen. Bis in die 1960er Jahre war das Rebhuhn sehr häufig anzutreffen, danach begannen die Bestände landesweit dramatisch zurückzugehen.
Das Rebhuhn - Naturparktier des Jahres 2018 Bild: Gunther Zieger
 

Das Rebhuhn, ist mit Ausnahme weiter Gebiete Skandinaviens und des nördlichen Russlands, sowie der größten Landesteile auf der Iberischen Halbinsel, aller Mittelmeerinseln und des südlichen Griechenlands, über ganz Europa verbreitet. Außerhalb Europas wurde das Rebhuhn in Nordamerika und in Neuseeland eingebürgert.

In Mittel- und Westeuropa leben Rebhühner fast ausschließlich im Tiefland. Das zusammenhängende besiedelte Gebiet endet etwa bei 600 Meter. Über dieser Grenze kommt das Rebhuhn nur noch inselartig vor.


Der Steppenvogel hat in Mittel- und Westeuropa vor allem offenes Ackerland, Weidegebiete und Heideflächen besiedelt, vor allem in klimatisch milden Niederungsgebieten. Die Veränderung der Landschaft lässt die Bestände schrumpfen (Bild: Olav Krüger)
Bild: Olav Krüger Die Veränderung der Landschaft lässt die Bestände schrumpfen


Rebhühner sind Standvögel und daher das ganze Jahr über auf ausreichendes Nahrungsangebot angewiesen. Deshalb können kalte und schneereiche Winter große Verluste verursachen. So setzt sich der eigentliche Lebensraum aus einem Mosaik verschiedener Strukturen zusammen, in denen vor allem Hecken, Büsche als Unterschlupf und Deckung und Ackerraine, Gräben und Staudenfluren als Nahrungsgebiete eine große Rolle spielen. Intensiv genutzte und maschinengerechte moderne Agrar- und Grünlandflächen können dies nicht mehr bieten. Wenn dann noch Hecken und Gräben ausgemäht werden führt dies zu hohen Verlusten dieser Art.


Als Standvogel ist das Rebhuhn auch im Winter bei uns zu beobachten (Bild: Olav Krüger) Im Winter können sich vorübergehend mehrere Familien zu einem "Volk" zusammenschließen. Im Frühjahr halten dann die Paare wieder Abstand voneinander.
Als Standvogel ist das Rebhuhn auch im Winter bei uns zu beobachten Bild: Olav Krüger


Artenarmut in unserer ausgeräumten Kultutlandschaft verringert das Nahrungsangebot, das für die Altvögel eine Vielzahl an Pflanzen mit ihren Samen bereithalten muss, ebenso für die Aufzucht der Jungvögel ein reiches Insektenleben. Viele für das Rebhuhn gefährliche Faktoren der modernen Wirtschaftsformen in der Bodennutzung kommen zusammen, so dass die Bestände von Perdix perdix in allen europäischen Ländern zum Teil katastrophal abgenommen haben. Der einstmals so häufige Hühnervogel ist zu einem gefährdeten Brutvogel Europas geworden. Viele Menschen haben deshalb noch nie ein Rebhuhn zu Gesicht bekommen.


So gut wie immer sieht man Rebhühner auf dem Boden. Sie rennen rasch mit aufrecht gehaltenem Hals. Die Jungen sind Nestflüchter und fliegen bereits nach 10 - 15 Tagen. Junge Rebhühner - sie rennen rasch weg mit aufrecht gehaltenem Hals (Bild: Olav Krüger)
Bild: Olav Krüger Junge Rebhühner - sie rennen rasch weg mit aufrecht gehaltenem Hals


Die Männchen tragen einen deutlicheren dunkelbraunen, mehr oder minder hufeisenförmigen Bauchfleck. Aufgescheucht fliegen sie unter laut burrendem Flügelgeräusch niedrig über den Boden davon, jeweils mit einer Serie rascher Schläge der runden, gebogenen Flügel und anschließender kurzer Gleitflugstrecke. Im Frühjahr und Sommer trifft man meist auf Paare, im Hochsommer und Herbst auf das Paar, das in monogamer Dauerehe lebt, mit seinen Jungen. Der Familienverbund bleibt auch im Winter über zusammen, man nennt dies auch "Kette".

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Deutlich ist der hufeisenförmige Bauchfleck zu sehen (Bild: Gunther Zieger) Bis in die sechziger Jahre war das Rebhuhn bei uns häufig anzutreffen. Es gehörte für viele Menschen zu einem vertrauten Anblick in der offenen Feldflur. Seitdem jedoch sind die Bestände in Schleswig-Holstein dramatisch zurückgegangen.
Deutlich ist der hufeisenförmige Bauchfleck zu sehen Bild: Gunther Zieger


Merkmale des Rebhuhns:

Länge: ca. 29 - 31 cm; Flügelspannweite: ca. 45 - 48 cm;
Gewicht: 310 - 455 g;
Brutzeit: Anfang April bis Anfang Mai; 1 Jahresbrut.
Gelegegröße: 10 -20 einfarbig rotbraune, braune oder olive Eier. Die glatt und glänzend sind. Größere Gelege sind von mehreren Hennen.
Brutdauer: 23 - 25 Tage;
Nestlingszeit: Nestflüchter. Die Jungen fliegen mit 13 bis 15 Tagen. Mit 5 Wochen sind sie dann selbstständig. Der Familienverband bleibt im Winter zusammen.


Im ersten Lebensjahr werden Rebhühner geschlechtsreif. Das Nest steht meist in einer guten Deckung am Boden, bevorzugt werden Feldraine, Hecken-, Gehölz- und Grabenränder. Ein Punkt, den ich bei Kommunen immer wieder anbringe: Bitte die Wiesengräben nicht schon im zeitigen Frühjahr ausmähen. Viele Bruten der Bodenbrüter werden hier zerstört.
Die Mulde wird sorgfältig mit altem Pflanzenmaterial ausgekleidet. Das Nest wird vom Weibchen alleine gebaut und es bebrütet auch alleine das Gelege. Das Männchen hält allerdings in der Nähe des Geleges Wache.


Das Rebhuhn ernährt sich vorwiegend von Samen, in den Sommermonaten auch wegen der Jungenaufzucht von Insekten.  Derartige Beobachtungen werden in freier Feldflur immer seltener (Bild: Gunther Zieger)
Bild: Gunther Zieger  Derartige Beobachtungen werden in freier Feldflur immer seltener 


Bei Störungen, Fressfeinde, geht das Weibchen meist erst ein Stück zu Fuß vom Nest und verrät so, nicht den genauen Standort des Nestes. Während des Schlüpfens führt der Hahn meist die zuerst geschlüpften Jungen vom Nest weg, die Henne folgt dann mit dem Rest des Geleges. Beide Partner kümmern sich um die Kükenschar, dabei hält das Männchen zumeist Wache.


Die Lebenserwartung bei Rebhühnern ist gering (Bild: Gunther Zieger) Für den hohen abnehmenden Bestand der Rebhühner sind aktuelle Eingriffe des Menschen. Das Herausnehmen von Feldrainen, Hecken- und Staudenfluren und somit fehlende Deckung führen zu geringeren Brutpaardichten und sinkenden Bestandszahlen.
Die Lebenserwartung bei den Rebhühnern ist gering  Bild: Gunther Zieger 


Prädatoren: Adulte Rebhühner werden häufig von Rotfüchsen und von Falkenartigen (Wanderfalke) erbeutet. Gelege und Brut werden nicht selten zur Beute von Rabenvögeln und Marderartigen, sowie auch von verwilderten Hauskatzen. Auch der Sperber und Habicht, sowie Bussarde stellen den Jungvögeln nach.

Im ersten Jahr ist die Mortalität (Sterblichkeit) besonders hoch. Einjährige Vögel in Freiheit haben eine Lebenserwartung von zwei bis drei Jahren. Etwa 30 Prozent der Vögel, werden zwei Jahre alt. Mehr als 60 Prozent sterben vor dem Vollenden des ersten Lebensjahres und fallen so für eine Brut aus.


Vielen Dank Frau Sonja Fuhrmann, vom Naturpark Holsteinische Schweiz
für den Pressetext. Vielen Dank auch an meine Fotografen Herrn Gunther Zieger und Herrn Olav Krüger für die Bereitstellung Ihrer Aufnahmen.

Wer mehr über den Naturpark Holsteinische Schweiz und dessen Flora und Fauna wissen möchte, hier der Link: www.naturpark-holsteinische-schweiz.de


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- letzte Aktualisierung: Dienstag, 18. September 2018 -
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