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Spatz schlägt Meise
Im
Landkreis beteiligten sich Hunderte an der bundesweiten "Stunde der
Wintervögel"
Landkreis Würzburg / Catharina
Hettiger: Es war eine Rekordbeteiligung: Vom 5. bis zum
7. Januar haben sich deutschlandweit 136.000 Vogelfreunde an der
"Stunde der Wintervögel", einer gemeinsamen Aktion des
Naturschutzbund Deutschland (NABU) und seines bayerischen Partners,
des Landesbund für Vogelschutz (LBV), beteiligt - und Zählungen aus
92.000 Gärten übermittelt. Im Landkreis haben sich 528 Vogelfreunde
an der Aktion beteiligt. In 375 Gärten wurden 13 265 Vögel gezählt.
Das Endergebnis, das in dieser Woche bekannt gegeben wurde,
stimmt zunächst positiv: Nach den sehr niedrigen Zahlen im Winter
2017 haben sich in diesem Jahr wieder mehr Wintervögel in
Deutschlands Gärten und Parks eingefunden, heißt es auf der Homepage
des NABU. In Zahlen ausgedrückt heißt das: 2018 wurden rund 38 Vögel
pro Garten gemeldet, 2017 waren es nur 34. Bei der ersten "Stunde
der Wintervögel" im Jahr 2011 waren allerdings noch 46 Vögel pro
Garten gesichtet worden.
Die höheren Zahlen in diesem Jahr
könnten demnach nicht darüber hinwegtäuschen, dass bei vielen
Vogelarten ein kontinuierlicher Abwärtstrend erkennbar sei, heißt es
von Seiten des NABU. "Der Rückgang häufiger Arten ist in vielen
europäischen Ländern ein ernstes Problem und zeigt sich
offensichtlich auch bei den Wintergästen in unseren Gärten", so
NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.
Bernhard Neckermann
aus Goßmannsdorf, Hobby-Ornithologe und Mitglied der Umweltfreunde
Würzburg-Ochsenfurt, sieht verschiedene Gründe für diesen Rückgang.
"Durch die intensive Landwirtschaft sowie den Ausbau von
Straßen, Siedlungen und Gewerbegebieten fehle der Natur der Platz.
Ein anderes Problem: Bereits 80% der Insekten seien verschwunden",
so Neckermann - "mit Auswirkungen auch auf die Vogelwelt.
Insektenfresser, wie etwa der Star (Vogel des Jahres), hätten es
schwer, Nahrung zu finden".
Unterfranken, das laut
Neckermann unter anderem durch seine alten Buchen- und Eichenwälder
ein Hotspot in der Ornithologie ist, schneidet bei der "Stunde der
Wintervögel" gut ab. Von manchen Arten, wie etwa der Kohl- und
Blaumeise, wurden unter anderem im Landkreis Würzburg mehr als
doppelt so viele Exemplare wie im Vorjahr gesichtet. Dies liegt aber
vor allem daran, dass für die Erhebung 2018 mehr Beobachter
unterwegs waren - wodurch auch die Gesamtzahl der gemeldeten Tiere
stieg. Aussagekräftiger als die Gesamtzahl einer Art ist der Wert "Vögel
pro Garten". Auch hier wurden bestimmte Arten häufiger als im
Vorjahr gesichtet, die Zunahme liegt aber bei maximal zwei Prozent
(im Fall der Kohlmeise).
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Der Haussperling ist in seinem
Vorkommen stark an den Menschen gebunden. Männchen mit
schwarzem Latz, bleigrauem Scheitel und lederbraunem Band
vom Auge bis in den Nacken. Weibchen unscheinbar graubeige,
aber sehr fein gezeichnet.
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Der Haussperling - hier ein
Weibchen - ist wieder der Spitzenreiter bei der
Winterzählung |
Bild: © Markus Gläßel |
Die Top Ten der am häufigsten gezählten Vögel führt
wie im vergangenen Jahr der Haussperling, meist als "Spatz" bekannt,
an: mit 2 224 Tieren (plus ein Prozent im Vergleich zu 2017) im
Landkreis Würzburg.
Der Haussperling (Passer domesticus):
Die
Tatsache, dass sich der Haussperling auf der ganzen Welt
etablieren konnte, ist zum einen zurückzuführen auf sein
neugieriges, aber wachsames Wesen und zum anderen auf seine
Anpassungsfähigkeit in Bezug auf die Nutzung menschlicher
Nahrung wie ausgestreute Brotkrumen, Körner (früher auch
durch die "Pferdeäpfel") und Vogelfütterungen. War er
ursprünglich in Europa, Nordafrika und Asien bis nach Burma
und dem äußersten Osten Russlands beheimatet, wurde er im
18.Jahrhundert durch Auswanderer auch in Nord- und
Südamerika und in den südlichen Ländern Afrikas, in
Australien und Neuseeland, sowie auf vielen anderen Inseln
eingebürgert.
Interessant: In den
Nestern des Haussperlings finden sich häufig Abfälle wie
Papierstückchen, Stofffetzen und Plastik, aber auch eine
Menge Federn. Brutzeit: April bis August; in der Regel 2
-3 Bruten mit 4 - 6 Eiern, wobei die Anzahl variiert. In
Bayern noch 200.000 - 530.000 BP. Seit 1996
Bestandsrückgänge. Ursachen sind Nistplatzmangel durch
Gebäudesanierungen, intensivierte Landnutzungsformen und
Bodenversiegelungen.
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Aufgetaucht ist er nur in 59 Prozent der Gärten - Amsel oder Meise
sind im Vergleich mit jeweils rund 90 Prozent viel weiter
verbreitet. Aber: Dort, wo der Spatz vertreten ist, kommt er gleich
in Scharen vor. Und: "Der Haussperling kommt überall zurecht,
er nimmt auch kleinste Gräsersamen auf", erklärt
Neckermann.
Dadurch, dass Haussperlinge untereinander gut kommunizieren,
seien sie außerdem kein einfaches Futter für Beutegreifer. Die
Blaumeise dagegen gelte als Winterfutter des Sperbers", so
Neckermann.
Platz zwei und drei der häufigsten Gäste am Futterhaus belegen im
Landkreis Würzburg Kohl- und Blaumeise. Die Kohlmeise hat mit 2.020
gezählten Tieren im Vergleich zum Vorjahr stark zugelegt (plus 58
Prozent), sie wurde in 93 Prozent der Gärten gesichtet und ist damit
der am weitesten verbreitete Vogel im Landkreis Würzburg.
Kohlmeisen sammeln wärend der
Jungenaufzucht unzählige Raupen und Blattläuse von Zweigen
und Blättern und leisten somit einen großen Beitrag zur
biologischen Schädlingsbekämpfung. |
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Bild: © Markus Gläßel |
Die Kohlmeise belegte Platz zwei in der Häufigkeit der
Wintervögel |
Die Kohlmeise (Parus major):
Die
Kohlmeise ist wenig scheu und man hört bereits im Februar
die typischen Gesangsstrophen. Wobei das Gesangsrepertoire
der Kohlmeise ungewöhnlich groß und verwirrend ist, hinzu
kommt ihr Talent zum Nachahmen anderer Meisenstimmen wie der
Blau- und Sumpfmeise. Bei der Nistplatzsuche ist sie wenig
wählerisch und bezieht auch Fels- und Mauerlöcher, Höhlungen
unter Dachziegeln, sogar Briefkästen. Gerne werden auch
Nistkästen angenommen (vor allem wenn das
Schlupflochdurchmaß 32 mm hat). Seit Anfang des letzten
Jahrhunderts haben Kohlmeisenbestände in Europa zugenommen.
Das liegt vor allem an der Winterfütterung und dem
Nistkastenangebot. In Bayern wird eine Bestandsschätzung
mit mindestens 455.000 BP angenommen. Die Kohlmeisen können
große Bestandsschwankungen aufweisen, dies wird durch das
winterliche Nahrungsangebot stark beeinflusst.
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Ihre Verwandte die Blaumeise, wurde 1.729 Mal gezählt (plus
56 Prozent) und kam in 85 Prozent der Gärten vor.
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Das Gefieder dieser zierlich wirkenden
Meisenart weist eine grünblaue Oberseite und eine gelb
gefärbte Unterseite auf. Charakteristisch sind auch die
schwarz-weiße Kopfzeichnung, sowie die auffallende hellblaue
Kopfplatte. Flügel und Schwanz sind ebenfalls blau gefärbt.
Die Geschlechter zeigen im Federkleid kaum Unterschiede auf.
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Platz drei der Zählung - die Blaumeise
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Bild: © Michael Schiller |
Die Blaumeise (Cyanistes caeruleus):
Die
Blaumeise ist kleiner und heller als die Kohlmeise, brütet
häufig in Wäldern, Parks und natürlich gehaltenen Gärten,
ebenso in Baumhöhlen und Nistkästen (Einfluglochdurchmesser
sollten nicht größer als 28 mm sein). Im Herbst und Winter
wird sie häufig im Schilf angetroffen, wo sie sich von im
Schilf überwinternden Insektenlarven und Puppen ernährt.
Frisst vor allem Insekten und in einem geringeren Umfang als
die Kohlmeise Samen und Beeren. Die gefährlichste Zeit für
unsere Blaumeise sind die Winter, in denen viele Vögel an
Nahrungsmangel sterben, oder Greife als "Winternahrung"
dienen. Durch die in vielen Gegenden praktizierte
"Winterfütterung" überleben viele dieser kleinen Vögel, die
Mangelnahrungszeit. In einem Garten mit Winterfütterung
können an einem einzigen Tag bis 200 Exemplare der Blaumeise
eintreffen. Brutbeginn ab Mitte April im Süden, 2
Jahresbruten mit meist 9 - 11 weißen Eiern. Bei einer
Nistkasten-Säuberung im März hatte ich einmal einen
Blaumeisennest mit 11 Eiern. Höchstwahrscheinlich kam es zu
einer Störung am Brutplatz und diese wurde aufgegeben. Die
Bestandszahlen in Bayern werden auf 250.000 - 650.000 BP
geschätzt.
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Die Amsel nimmt Platz vier der Rangliste ein - Beobachter
entdeckten sie in 91 Prozent der Gärten. Sie hat damit eine ähnlich
hohe Verbreitung wie die Kohlmeise, insgesamt wurden aber nur 1.180
Tiere gezählt. Dieser auffällige Rückgang im Vergleich zum Vorjahr
(minus 16 Prozent bundesweit hat die Amsel mit einem Drittel weniger
Tiere als 2017 am stärksten verloren), könnte laut
NABU-Vogelschutzexperte Marius Adrion im Usutu-Virus begründet sein
- einer Seuche, die seit zwei Jahren in Deutschland vor allem unter
Amseln grassiert.
Ursprünglich bewohnte die Amsel verschiedene Waldlebensräume
und fühlte sich am wohlsten in unterholzreichen Laubwäldern.
Vor etwa 250 Jahren besiedelte sie nach und nach unsere
Parks und Gärten und ist in den letzten 100 Jahren sogar in
den Großstädten ein sehr häufiger Kulturfolger geworden. |
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Bild:
Karl Hepp |
Platz vier - Turdus
merula - die Amsel |
Die Amsel (Turdus merula):
Das
Amselweibchen ähnelt ein wenig der Singdrossel, die ebenso
eine gefleckte Brust und Kehle hat. So entstanden Berichte
darüber, dass sich Amselmännchen mit Singdrosselweibchen
paaren würden. Auf ihrem Zug nach Süden wurden Amseln vom
Wind schon so weit abgetrieben, dass sie auf der anderen
Seite des Atlantiks landeten. Ein Amselpaar soll einmal
17 Junge aus vier Bruten aufgezogen haben. Stadtamseln
brüten häufig in Blumen- oder auch Briefkästen, auf
Fenstersimsen und Balkonen. Es ist faszinierend einer
Amsel bei ihrem Kampf mit einem Regenwurm zuzusehen, den sie
aus dem Boden zieht und zerrt. Die Bestandszahlen in
Bayern werden mit einem Minimum von 800.000 BP angegeben.
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"Vor etwa zehn Jahren ist dieser Virus erstmals in Wien
aufgetreten", sagt Neckermann. "Dort überstanden über 90
Prozent der Bestände diesen Virus nicht". Normalerweise würden
sich die Tiere innerhalb von zwei Jahren wieder erholen, "die Amsel
brütet drei Mal im Jahr, mit jeweils bis zu sieben Jungen".
Auf Platz fünf findet sich der Feldsperling mit 945 gesichteten
Exemplaren ein. Er ist in 37 Prozent der Gärten anzutreffen, die
wahrscheinlich ausnahmslos in der Nähe von Feldern liegen. Seine
Gesamtzahl stieg im Vergleich zum Vorjahr um ein Prozenpunkt.
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Der Feldsperling hat sich in weitaus
geringerem Maße dem Menschen angeschlossen als der
Haussperling. Man findet ihn aber trotzdem häufig in
Gebäudenähe. Er ist mehr ein Vogel des Dorfrandes.
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Platz fünf der Rangliste - der
Feldsperling
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Bild: © Markus Gläßel |
Der Feldsperling (Passer montanus):
Der
Feldsperling, der etwas kleiner als der Haussperling ist,
weist einen braunen Oberkopf und weiße Wangen, im Gegensatz
zum Haussperling, einen schwarzen Fleck in der Ohrgegend
auf. Feldsperlinge sind in unseren Breiten zumeist
Jahresvögel, die in Hecken, Feldgehölzen, Obstgärten und
Auwäldern ihren Lebensraum finden. Feldsperlinge nisten in
Baumhöhlen, Felsspalten, Mauerlöchern ebenso in Nistkästen.
Die Vögel sind recht gesellig, gegenüber dem Menschen
verhält sich der Feldsperling scheuer, als andere
Sperlingsarten. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Samen
aller Art, sowie aus Beeren. Während der Brutzeit ergänzen
sie ihr Nahrungsspektrum jedoch durch Insekten und deren
Larven. Die Bestandsschätzung des Feldsperlings für
Bayern wird mit 280.000 - 750.000 BP angenommen. Es ist
davon auszugehen, dass nicht nur in Bayern sondern
bundesweit seit 1996 eine Abnahme der Bestände zu
verzeichnen ist.
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Den sechsten Rang nimmt die Elster mit 607 Tieren ein (plus sechs
Prozent).
Der Schwanz der Elster ist manchmal
so lang wie der gesamte Körper. Elstern sind Allesfresser
und kommen so gut in den menschlichen Siedlungen zurecht.
Hier sind sie nicht immer gern gesehen, da sie als
Nesträuber Vogelgelege plündert. |
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Bild: © Michael Schiller |
Inzwischen findet die Elster in unseren Siedlungen für
sie gute Lebensbedingungen |
Die Elster (Pica pica):
Die Elster
gehört zu den Rabenvögeln, gehört zu den "intelligentesten"
Vögeln überhaupt und erweckt bei vielen Menschen eher
zwiespältige Gefühle. Meiner Meinung nach nehmen die
Bestände in unseren Siedlungsbereichen daher zu, weil man
diesem Rabenvogel seinen Lebensraum, die freie Feldflur,
nimmt. Viele hochstämmige Bäume werden von der
Landwirtschaft gerodet, wo soll der Vogel denn seine Brut
aufziehen? Die Sorge, dass durch Bestandszunahme der Elstern
in unseren Siedlungsbereichen, die Singvögel entsprechend
stärker gefährdet sind, teile ich nicht, solange die
ökologische Situation einigermaßen intakt ist. Elsternnester
werden oft von anderen Beutegreifern, Krähen, Greife,
geplündert. Da in unseren Dörfern viele Nistkästen
ausgebracht werden, die oft auch katzen- und mardersicher
sind, hat hier die Elster keine Chance Nester zu plündern.
Die Bestandszahlen der Elstern in der freien Feldflur gehen
vielerorts deutlich zurück, so dass dadurch die
Singvogelbestände der freien Flur profitieren. Außerdem
werden jährlich im Durchschnitt, deutschlandweit, 25.000
Elstern geschossen. Für Bayern wird eine Bestandsschätzung
von 85.000 - 230.000 BP angenommen.
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Platz sieben erreichte der Grünfink, mit 505 Exemplaren
(plus 44 Prozent). Hier ist anzumerken, dass in den vergangenen
Jahren der Grünfink unter einem Virus zu leiden hatte und man diesen
Finkenvogel dann auch nur noch selten in unseren Gärten antraf.
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Der Grünfink, oder Grünling, ist ein
verbreiteter und bekannter Jahresvogel, gleichermaßen in
unseren Dörfern und Städten zu Hause, sowie auf dem Land. Zu
Winterszeiten lässt er sich gerne am Futterhäuschen sehen.
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Platz sieben und kommt wieder häufiger
in unsere Gärten - der Grümfink |
Bild: © Markus Gläßel |
Der Grünfink (Carduelis chloris):
Der
Grünfink ist ein gedrungen gebauter Finkenvogel mit großem
Kopf und olivgrünem und leuchtend gelb gefärbtem Gefieder.
Das Weibchen ist schwächer gefärbt als das Männchen, obwohl
es auch die gelben Abzeichen an Flügeln und Schwanz trägt.
In den letzten Jahre gab es beim Grünfink immer wieder große
Verluste, im Norden Deutschlands massenhaftes Sterben,
infolge einer Trichomonadose (Gelber Knopf, oder Gelber
Kropf) dies ist eine Parasitose, die durch den Einzeller
Trichomonas gallinae verursacht wird. Dieser Parasit befällt
vor allem den oberen Verdauungstrakt. Empfänglich sind alle
Vogelarten. Vor allem Trinkwasser an den Futterstellen
kommt da in Frage, in dem der Erreger bis zu 24 Stunden
überleben kann. An solchen Sammelpunkten der Vögel ist die
Gefahr der Krankheitsübertragung besonders groß.
Meine
Bitte: Offene Futterstellen täglich säubern, sowie täglich
frisches Wasser und Wasserbehälter säubern.
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Auf Platz acht kommt nun endlich der Vogel des Jahres 2018,
der Star ein. 498 Vögel gesichtet das bedeutet plus 376 Prozent.
Der Star
ist ein äußerst findiger und anpassungsfähiger Vogel, der
nahezu alle essbare Nahrung annimmt. Er ist zu einem der
häufigsten Vögel in unseren Städten geworden. Seine Bestände
nehmen allerdings ab. |
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Bild:
Raimund Linke |
Platz acht - Vogel des
Jahres 2018 -
Sturnus vulgaris - der Star |
Immer mehr Stare überwintern in Mitteleuropa, das ergibt
sich auch anhand der häufigen Sichtungen in diesem Winter, auch dadurch
weil sich Überwinterer aus Nordosteuropa hinzugesellen. Ich konnte
in diesem Jahr in meinem Garten täglich Stare an den Futterquellen
beobachten, wie sie sich sogar an den Fettklösen hängten, die ich an
den Ästen unserer Eichen ausbrachte.
Der Star (Sturnus vulgaris):
Der mit
gesträubtem Kehlgefieder und heftig rudernden Flügel vor dem
Nistkasten, neben meinem Büro erlebt, singende Star ist uns
ein vertrauter Anblick. Das er hierbei sein unglaubliches
Talent als Stimmenimitator an den Mann bringt, ist für mich
immer wieder erstaunlich. Sei es eine Haustürklingel, das
Geräusch eines Rasenmähers, oder eine quietschende Tür, das
hat der kleine Kerl alles in seinem Gesanges-Potpourri.
Der Star ist in Bayern mit Ausnahme der Alpen flächendeckend
verbreitet. Im Rahmen von Untersuchungen über "häufige
Brutvögel" wurde bundesweit ein signifikanter Abwärtstrend
festgestellt. Die Bestandsschätzung nimmt eine Bestandszahl
von minimal 495.000 BP an.
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Platz neun belegt der Buchfink mit 352 Exemplaren (minus 15
Prozent.)
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Der Buchfink ist die häufigste
Finkenart in Europa. Im Sommer sieht man ihn überall in
Gärten, Parks und Wäldern, im Winter scharenweise in offener
Landschaft. Auch kommt er gerne an das Futterhäuschen.
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Platz neun im Ranking belegt der
Buchfink
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Bild: © Raimund Linke |
Der Buchfink (Fringilla coelebs):
Das
Buchfinken-Männchen gehört zu den schönsten Vögeln unserer
Breiten. Man erkennt es leicht an der graublauen Färbung von
Hals und Oberkopf, der rotbraunen Unterseite, dem
kastanienbraunen Rücken und dem grünen Bürzel. Das Gefieder
des Weibchens hat einen bräunlichen Farbton. Bei beiden
Geschlechtern achte man auf die weißen Flügelbinden und
äußeren Schwanzfedern, durch die sie sich von den Sperlingen
und dem Bergfinken unterscheiden. Es kann vorkommen, dass
das Buchfinkenweibchen bis zu 1300mal hin- und herfliegt,
bis das Nest vollendet ist. Nur drei Finkenarten füttern
ihre Jungen ausschließlich mit Insekten: Buchfink, Bergfink
und Teydefink. Alle anderen Finken füttern ihre Jungen mit
vorverdauten Samenkörnern oder einer Mischung aus Samen und
Insekten. Der Buchfink ist in Bayern vom Flachland bis
ins Gebirge flächendeckend verbreitet. Beobachtungen
"häufiger Brutvögel" zeigen einen signifikanten negativen
Trend auf, der vor allem auf die Entwicklung im Südwesten
Deutschlands zurückzuführen ist. Die Bestandsschätzung für
Bayern wird mit minimal 760.000 BP angegeben.
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Das Rotkehlchen komplettiert mit 318 Tieren (minus 17
Prozent) die Top Ten. Dass das Rotkehlchen relativ weit hinten in
der Rangliste steht, liegt laut Neckermann auch daran, dass es
zumeist nur einzeln anzutreffen ist: "Rotkehlchen gehören in der
Vogelwelt zu den unverträglichsten Tieren - sind mehrere an einem
Ort, gehen sie zumeist aufeinander los".
Das "anmutige" Rotkehlchen ist ein
häufiger Besucher unserer Gärten und zählt zu unseren
bekanntesten Vogelarten. Lockt man es einmal mit Futter zum
Vogelhäuschen, kehrt es den ganzen Winter über zurück.
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Bild: © Michael Schiller |
Platz zehn erreicht: - das Rotkehlchen
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Das Rotkehlchen (Erithacus rubecula):
Rotkehlchen brüten in Nordafrika und fast ganz Europa, außer
dem höchsten Norden, den Hochgebirgen und Island. Die Art
bevorzugt deckungsreiche, feuchte Wälder, Busch- und
Heckenlandschaften. Aber auch inmitten unserer Dörfer und
Städte ist das Rotkehlchen anzutreffen. Die
mitteleuropäischen Rotkehlchen sind typische Teilzieher. Die
Zugvögel, das kann mitten durch eine Brut gehen, überwintern
in den Mittelmeerländern einschließlich Nordafrika bis zur
Sahara. Als ausgesprochene Einzelgänger sind Rotkehlchen
gegenüber Artgenossen trotz ihres anmutigen Erscheinens sehr
unverträglich. Fast drei Viertel aller jungen Rotkehlchen
sterben vor Vollendung ihres ersten Lebensjahres, entweder
von Beutegreifern getötet, oder weil sie unfähig sind, für
sich selbst zu sorgen. Zehn Prozent der älteren Rotkehlchen
sterben bei dem Versuch, ihr Territorium zu verteidigen.
In England nannte man die Postboten wegen ihrer roten
Uniformen "Rotkehlchen". Rotkehlchen wurden mit
Weihnachtskarten in Verbindung gebracht, weil die
Post-"Rotkehlchen" sie brachten. Hauptsächlich in
Großbritannien und Mitteleuropa leben die Rotkehlchen in
enger Gemeinschaft mit dem Menschen. Anderswo in Europa
werden sie immer noch abgeschossen, als Sport, oder um sie
zu essen. In Bayern ist das Rotkehlchen flächendeckend
verbreitet. Nach Einschätzung von Experten "häufiger
Brutvögel" gibt es deutschlandweit einen negativen Trend.
Die Bestandsschätzung wird mit minimal 330.000 BP
angenommen.
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Auch wenn der NABU bei vielen klassischen Wintervögeln einen
Rückgang feststellt - bei den Zugvögeln ist dieser Trend
gegenläufig. Einige Vogelarten, die Deutschland im Winter
üblicherweise nur teilweise verlassen, überwintern nun vermehrt
hierzulande. So zum Beispiel der Star, Vogel des Jahres 2018. Statt
wie früher in jedem 25. Garten ist er bei der Winterzählung
inzwischen schon in jedem 13. Garten anzutreffen. Eine ähnliche
Entwicklung gibt es bei der Mönchsgrasmücke und Heckenbraunelle. Sie
alle reagieren laut Neckermann, der auch heuer beide Arten den
ganzen Winter über in seinem Garten hatte, auf die Klimaerwärmung
und die milden Winter, die es ihnen ermöglichen, näher an ihren
Brutgebieten zu überwintern. "Die Vögel finden auch hier Nahrung
- und so sitzen plötzlich in machen Nistkästen auch Zugvögel um zu
überwintern".
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