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Bussardattacken ohne böse Absicht
Vogelschützer Bernd Neckermann: Meist handelt es
sich nur um Scheinangriffe
Region Ochsenfurt (Claudia Schuhmann): Einmal traf es einen
Jogger im Steigerwald, ein anderes Mal einen Radler in der Nähe von
Zellingen. Beide Männer wurden von Bussarden attackiert. Die
Vorfälle ereigneten sich innerhalb weniger Wochen. Müssen sich jetzt
auch Sportler in der Ochsenfurter Region vor Angriffen aus der Luft
fürchten? Vogelschützer Bernd Neckermann sagt: "Ganz
auszuschließen sind solche Attacken nicht, meist handelt es sich
aber nur um Scheinangriffe".
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Das Revier eines Bussards reicht
bis zu 240 Meter über den Boden. Unterhalb dieser Grenze
werden Eindringlinge angegriffen und fortgejagt, darüber
segelnde Vögel bleiben unbehelligt. |
Mäusebussard hat eine Maus erbeutet - die scheuen Vögel
verteidigen ihren Horst mit allen Mitteln |
Bild: Gunther Zieger |
"Wenn ein Bussard einen richtigen Angriff startet, kommt es zu
schweren Verletzungen", erklärt Neckermann. Seit vielen Jahren
engagiert sich der Goßmannsdorfer im Raum Würzburg/Ochsenfurt für
den Naturschutz und interessiert sich insbesondere für die
Vogelwelt. In fast allen Fällen, in denen große Greife auf Menschen
losgingen, ist den Attackierten aber bis auf ein paar Kratzer nichts
passiert.
Für den Vogelschützer ist das ein klares Indiz
dafür, dass der Bussard die Menschen lediglich vertreiben wollte,
weil sie wahrscheinlich in die Nähe seiner Jungen, seines Horstes
geraten waren. Wenn dabei jemand verletzt würde, sagt Neckermann,
sei das meist ein dummer Zufall und vom Vogel nicht beabsichtigt.
Auch er selbst wurde schon zwei Mal von einem Mäusebussard
attackiert und zwar im Zigeunerholz bei Kleinochsenfurt. Das sei
allerdings Jahre her, sagt er.
Kalkulierbares Risiko: Vogelschützer Bernd
Neckermann aus Goßmannsdorf schätzt die Gefahr durch
Bussardattacken geringer ein als vielfach angenommen. |
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Foto:
Claudia Schuhmann |
Die Attacken sind nur
Scheinangriffe |
Damals war Neckermann als aktiver Langstreckenläufer in
einem Trainingslauf unterwegs. Jeder, der sich schnell bewege, sei
stärker gefährdet als etwa Spaziergänger, weil die Vögel schnelle
Annäherungen als Bedrohung empfänden. Deshalb werden meist auch nur
Angriffe auf Jogger oder Radfahrer gemeldet.
Für Bernd
Neckermann kam damals der Angriff des Bussards völlig überraschend.
"Er flog von hinten an", erzählt der Naturschützer. Ganz
dicht über seinen Kopf schoss der Vogel hinweg. "Ich hatte ihn
nicht bemerkt", so Neckermann weiter. Ein gewaltiger Schreck
bleibt in so einem Fall nicht aus, denn mit einer Flügelspannweite
bis 130 cm, ist der Mäusebussard schon ein ziemlicher Brocken. "Er
stand wie gemalt in meiner Höhe in der Luft, die Fänge nach vorne,
der Blick zu mir. Für mich ein unglaublicher Moment. Ich habe dann
in die Hände geklatscht und bin langsam weiter gegangen". Immer
wenn er die Strecke zum See langsam zurückgelegt habe, habe ihn der
Bussard überhaupt nicht beachtet, führt Neckermann weiter aus.
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Brutreviere liegen meist im
Randbereich von Wäldern. Daneben ist offenes Land wichtig
als Jagdgebiet. Außerhalb der Brutzeit sitzen
Mäusebussarde, das können auch Wintergäste sein, häufig
entlang befahrener Straßen und warten Beutetiere, oder
verunfallte Tiere. |
Bussard
wird selbst attackiert - von Elstern |
Bild: Gunther Zieger |
Bussarde brüten in hohen Bäumen. Zumeist trifft man sie
deshalb in kleinen Waldgebieten an. In geschlossenen Waldgebieten
ist der Horst am Waldrand angelegt, weil sie die offene Fläche als
Jagdrevier benötigen. Bernd Neckermann kann sich vorstellen, dass
auch in der Nähe der Sommerhäuser Steinbrüche solche Greife nisten.
Um ihre noch flugunfähigen Jungen, im Nest, machen sich die Alttiere
in dieser Zeit große Sorgen und versuchen natürlich, Gefahren von
ihnen fern zu halten. Bis zu 36 Tage dauert die Brutzeit. 49 Tage
werden die Jungen anschließend im Nest von ihren Eltern versorgt und
sind nach elf Wochen selbstständig. Es gibt nur eine Jahresbrut.
Der Naturschützer rät, im Falle einer Verletzung durch die
messerscharfen Krallen eines Bussards zum Arzt zu gehen und sich
eine Tetanusspritze verabreichen zu lassen. "Die Tiere kommen ja
auch mit Aas in Berührung", erklärt er. Bernd Neckermann wirbt
um Verständnis für die Bussarde. Ihr Verhalten sei normal und
natürlich und nicht, wie auch schon berichtet worden war, Folge zu
enger Kontakte mit Menschen. Etwa, weil sie von einem Falkner
gepflegt und wieder ausgewildert worden seien.
Bernd
Neckermann empfiehlt, beim Aufenthalt in potenziellen
Bussard-Gebieten einige einfache Regeln zu beachten: "Die
Brutzeit beim Mäusebussard beginnt bei uns Ende März bis Anfang
April, in dieser Zeit sollte man an Waldrändern etwas vorsichtig
sein, wenn man joggen möchte. Oft sieht man die Greife hoch über
sich ihre Runden ziehen Wer glaubt, ins Visier eines Mäusebussards
geraten zu sein, solle laute Geräusche machen, etwa in die Hände
klatschen. Dies vertreibe normalerweise die Greife. Wichtig sei
außerdem, langsam weiterzugehen und nicht versuchen schnell
wegzurennen. Der Bussard ist schneller".
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