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Besser als ihr schlechter Ruf

Saatkrähen in einem Privatgarten verursachen wieder einmal Aufregung

Würzburg/GerbrunnDie geschützten Saatkrähen haben es in der Stadt und im Umland von Würzburg nicht leicht. Vor Jahren wurden sie aus Heidingsfeld vertrieben, vor kurzem wurden Nester einer Kolonie in der Erthalstraße im Stadtteil Frauenland mit amtlicher Zustimmung zerstört, um sie zu vergraulen. Jetzt regt sich über die schwarzen Vögel ein Anwohner aus der Sieboldstraße in Gerbrunn auf, weil sie "seinen Garten zerstören", wie er sagt.
 

Die Saatkrähe: Nützling oder Plagegeist. Ihr Ruf ist schlechter als sie verdient hat. (Foto: Stich)

Allesfresser

Nachdem die Krähen mehrmals in seinen Garten eingefallen waren, hatte der Leser wohl ein wenig Angst bekommen und rechnet sich aus, was von seinen Anpflanzungen übrig bleibt, wenn 25 bis 30 dieser schwarzen Vögel seinen Garten heimsuchen. Sie seien ja schließlich als "Allesfresser" bekannt. Freilich passiert war bislang nichts, weil bei der Kälte nichts gesät oder gepflanzt war.

Nur noch in zehn von 96 Kreisen

Es ist ein heikles Problem, weil gerade die Region Würzburg eine der wenigen Gegenden ist, in denen sich offensichtlich die Saatkrähen in Kolonien noch wohl fühlen. Sie gehören von Alters her zu diesem Land und der Landschaft, sind in Bayern aber nur noch in zehn von 96 Landkreisen heimisch.

Überall gibt es Versuche die Tiere zu verjagen. Vogelschützer fragen, wo die Kolonien denn noch eine Heimat finden sollen, wenn sie überall vertrieben werden. Im Raum Würzburg scheint man den Vögeln besonders schlecht gesonnen zu sein.

Keine Dauergäste

Anne Schneider ist eine Spezialistin vom Landesbund für Vogelschutz aus der Zentrale Hilpoltstein. Dass man dort um Verständnis für die Vögel wirbt ist selbstverständlich. Anne Schneider kann sich eigentlich nicht vorstellen, dass die Saatkrähen jetzt im Garten Schäden anrichten. Bei ihrer Suche nach Nahrung können sie in frischen Saatbeeten zwar einiges durcheinander bringen. Sie sind normalerweise aber keine Dauergäste.
Im endlich aufgetauten Boden suchen sie am Ende des Winters und im Frühjahr vor allem Weichtiere wie Würmer und Maden. Damit tragen sie sogar zur Schädlingsbekämpfung bei, wirbt Schneider für die Tiere. Dass sie Nutzpflanzen fressen, sei nicht bekannt, "das würden die Vögel nur in allergrößter Not tun". Und die ist jetzt nicht gegeben.

Die Vogelkundler wissen auch, dass die Krähen sich nicht dauerhaft an einen Standort klammern. Im Fall von Gerbrunn könnte es sich sogar um Durchzügler aus Osteuropa in Richtung Skandinavien handeln. Nach der Brut verteilen sich die Saatkrähen ohnehin und treten nicht mehr in Schwärmen auf.

Schreckmittel

Wer die Krähen trotzdem nicht in seinem Garten mag, dem empfiehlt die Vogel-Expertin optische Schreckmittel.
Auch der frühere Kreisvorsitzende beim Landesbund für Vogelschutz, Bernhard Neckermann aus Ochsenfurt, hat vor kurzem darauf hingewiesen, dass die Krähen weniger Plagegeister, sondern vor allem Nützlinge mit einer wichtigen ökologischen Funktion sind. Da solle man ein wenig mehr Toleranz zeigen.
 


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- letzte Aktualisierung: Freitag, 24. November 2017 -
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