HW4
Greifvögel
Streuobst
Biotoppflege
Ornithologie
Insekten
Sie sind hier: Presse > Pressemeldung 05/20xx

Bussardattacken ohne böse Absicht

Vogelschützer Bernd Neckermann: Meist handelt es sich nur um Scheinangriffe

Region Ochsenfurt (Claudia Schuhmann): Einmal traf es einen Jogger im Steigerwald, ein anderes Mal einen Radler in der Nähe von Zellingen. Beide Männer wurden von Bussarden attackiert. Die Vorfälle ereigneten sich innerhalb weniger Wochen. Müssen sich jetzt auch Sportler in der Ochsenfurter Region vor Angriffen aus der Luft fürchten? Vogelschützer Bernd Neckermann sagt: "Ganz auszuschließen sind solche Attacken nicht, meist handelt es sich aber nur um Scheinangriffe".


Mäusebussard hat eine Maus erbeutet - die scheuen Vögel verteidigen ihren Horst allerdings mit allen Mitteln (Bild: Gunther Zieger) Das Revier eines Bussards reicht bis zu 240 Meter über den Boden. Unterhalb dieser Grenze werden Eindringlinge angegriffen und fortgejagt, darüber segelnde Vögel bleiben unbehelligt.
Mäusebussard hat eine Maus erbeutet - die scheuen Vögel verteidigen ihren Horst mit allen Mitteln Bild: Gunther Zieger


"Wenn ein Bussard einen richtigen Angriff startet, kommt es zu schweren Verletzungen", erklärt Neckermann. Seit vielen Jahren engagiert sich der Goßmannsdorfer im Raum Würzburg/Ochsenfurt für den Naturschutz und interessiert sich insbesondere für die Vogelwelt. In fast allen Fällen, in denen große Greife auf Menschen losgingen, ist den Attackierten aber bis auf ein paar Kratzer nichts passiert.

Für den Vogelschützer ist das ein klares Indiz dafür, dass der Bussard die Menschen lediglich vertreiben wollte, weil sie wahrscheinlich in die Nähe seiner Jungen, seines Horstes geraten waren. Wenn dabei jemand verletzt würde, sagt Neckermann, sei das meist ein dummer Zufall und vom Vogel nicht beabsichtigt. Auch er selbst wurde schon zwei Mal von einem Mäusebussard attackiert und zwar im Zigeunerholz bei Kleinochsenfurt. Das sei allerdings Jahre her, sagt er.


Kalkulierbares Risiko: Vogelschützer Bernd Neckermann aus Goßmannsdorf schätzt die Gefahr durch Bussardattacken geringer ein als vielfach angenommen. Die Attacken sind nur Scheinangriffe - es gäbe sonst schwerste Kopfverletzungen (Foto: Claudia Schuhmann)
Foto: Claudia Schuhmann Die Attacken sind nur Scheinangriffe


Damals war Neckermann als aktiver Langstreckenläufer in einem Trainingslauf unterwegs. Jeder, der sich schnell bewege, sei stärker gefährdet als etwa Spaziergänger, weil die Vögel schnelle Annäherungen als Bedrohung empfänden. Deshalb werden meist auch nur Angriffe auf Jogger oder Radfahrer gemeldet.

Für Bernd Neckermann kam damals der Angriff des Bussards völlig überraschend. "Er flog von hinten an", erzählt der Naturschützer. Ganz dicht über seinen Kopf schoss der Vogel hinweg. "Ich hatte ihn nicht bemerkt", so Neckermann weiter. Ein gewaltiger Schreck bleibt in so einem Fall nicht aus, denn mit einer Flügelspannweite bis 130 cm, ist der Mäusebussard schon ein ziemlicher Brocken. "Er stand wie gemalt in meiner Höhe in der Luft, die Fänge nach vorne, der Blick zu mir. Für mich ein unglaublicher Moment. Ich habe dann in die Hände geklatscht und bin langsam weiter gegangen". Immer wenn er die Strecke zum See langsam zurückgelegt habe, habe ihn der Bussard überhaupt nicht beachtet, führt Neckermann weiter aus.


Bussard wird selbst attackiert - von Elstern (Bild: Gunther Zieger) Brutreviere liegen meist im Randbereich von Wäldern. Daneben ist offenes Land wichtig als Jagdgebiet.
Außerhalb der Brutzeit sitzen Mäusebussarde, das können auch Wintergäste sein, häufig entlang befahrener Straßen und warten Beutetiere, oder verunfallte Tiere.
Bussard wird selbst attackiert - von Elstern Bild: Gunther Zieger


Bussarde brüten in hohen Bäumen. Zumeist trifft man sie deshalb in kleinen Waldgebieten an. In geschlossenen Waldgebieten ist der Horst am Waldrand angelegt, weil sie die offene Fläche als Jagdrevier benötigen. Bernd Neckermann kann sich vorstellen, dass auch in der Nähe der Sommerhäuser Steinbrüche solche Greife nisten.
Um ihre noch flugunfähigen Jungen, im Nest, machen sich die Alttiere in dieser Zeit große Sorgen und versuchen natürlich, Gefahren von ihnen fern zu halten. Bis zu 36 Tage dauert die Brutzeit. 49 Tage werden die Jungen anschließend im Nest von ihren Eltern versorgt und sind nach elf Wochen selbstständig. Es gibt nur eine Jahresbrut.

Der Naturschützer rät, im Falle einer Verletzung durch die messerscharfen Krallen eines Bussards zum Arzt zu gehen und sich eine Tetanusspritze verabreichen zu lassen. "Die Tiere kommen ja auch mit Aas in Berührung", erklärt er. Bernd Neckermann wirbt um Verständnis für die Bussarde. Ihr Verhalten sei normal und natürlich und nicht, wie auch schon berichtet worden war, Folge zu enger Kontakte mit Menschen. Etwa, weil sie von einem Falkner gepflegt und wieder ausgewildert worden seien.

Bernd Neckermann empfiehlt, beim Aufenthalt in potenziellen Bussard-Gebieten einige einfache Regeln zu beachten: "Die Brutzeit beim Mäusebussard beginnt bei uns Ende März bis Anfang April, in dieser Zeit sollte man an Waldrändern etwas vorsichtig sein, wenn man joggen möchte. Oft sieht man die Greife hoch über sich ihre Runden ziehen Wer glaubt, ins Visier eines Mäusebussards geraten zu sein, solle laute Geräusche machen, etwa in die Hände klatschen. Dies vertreibe normalerweise die Greife. Wichtig sei außerdem, langsam weiterzugehen und nicht versuchen schnell wegzurennen. Der Bussard ist schneller".



zurück
- letzte Aktualisierung: Samstag, 14. April 2018 -
Unsere Seiten sind optimiert für Internet Explorer 8.0 und Firefox 3.6 bei einer Auflösung von 1024x768 Pixel
© Umweltfreunde Würzburg - Ochsenfurt 2011