HW4
Greifvögel
Streuobst
Biotoppflege
Ornithologie
Insekten
Sie sind hier: Ornithologie > Vögel des Jahres

 


Die "Vögel des Jahres" seit 1970

Seit 1971 führt schon der Naturschutzbund Deutschland (NABU) zusammen mit dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) bundesweit die Kampagne zum "Vogel des Jahres" durch. Seither ist für die Jahresvögel und ihren jeweiligen Lebensräumen Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit geschaffen worden, und viele sind für den Schutz des Vogels und seines Lebensraumes resensibilisiert. Vor allem hat die Kampagne auch zur Verbesserung rechtlicher Regelungen geführt, wie z.B. das Bundesnaturschutzgesetz 1976 und spezielle Artenschutzregelungen, wie der Schutz von Nestern, Horsten von Greifen und Graureihern sowie von Brutkolonien, etwa der Saatkrähe. Eine nachhaltige Verbesserung erfuhren dadurch die direkt unter Verfolgung leidenden Großvögeln wie Weißstorch, Graureiher oder die Greifvögel. Auch die Sensibilisierung für den Schutz von jahreszeitlich wandernden Arten, wie Rauch- und Mehlschwalbe, Goldregenpfeifer usw. war einer der Motoren für die Bonner Konvention und die EG-Vogelschutzrichtlinie 1979.

Hier die Liste der Vögel des Jahres:

Jahr Vogelart wissenschaftlicher Name
1970 Graureiher Ardea cinera
1971 Wanderfalke Falco peregrinus
1972 Steinkauz Athene noctua
1973 Eisvogel Alcedo atthis
1974 Mehlschwalbe Delichon urbica
1975 Goldregenpfeifer Pluvialis apricaria
1976 Wiedehopf Upupa epops
1977 Schleiereule Tyto alba
1978 Kranich Grus grus
1979 Rauchschwalbe Hirundo rustica
1980 Birkhuhn Tetrao tetrix
1981 Schwarzspecht Dryocopus martius
1982 Großer Brachvogel Numenius arquata
1983 Uferschwalbe Riparia riparia
1984 Weißstorch Ciconia ciconia
1985 Neuntöter Lanius collurio
1986 Saatkrähe Corvus frugilegus
1987 Braunkehlchen Saxicola rubetra
1988 Wendehals Jynx torquilla
1989 Teichrohrsänger Acrocephalus scirpaceus
1990 Pirol Oriolus oriolus
1991 Rebhuhn Perdix perdix
1992 Rotkehlchen Erithacus rubecula
1993 Flussregenpfeifer Charadrius  dubius
1994 Weißstorch Ciconia ciconia
1995 Nachtigall Luscinia megarhynchos
1996 Kiebitz Vanellus vanellus
1997 Buntspecht Dendrocopos major
1998 Feldlerche Alauda arvensis
1999 Goldammer Emberiza citrinella
2000 Rotmilan Milvus milvus
2001 Haubentaucher Podiceps cristatus
2002 Haussperling Passer domesticus
2003 Mauersegler Apus apus
2004 Zaunkönig Troglodytes troglodytes
2005 Uhu Bubo bubo
2006 Kleiber Sitta europaea
2007 Turmfalke Falco tinnunculus
2008 Kuckuck Cuculus canorus
2009 Der Eisvogel Alcedo atthis
2010 Der Kormoran Phalacrocorax carbo
2011 Der Gartenrotschwanz Phoenicurus phoenicurus
2012 Die Dohle Coloeus monedula
2013 Die Bekassine Gallinago gallinago
2014 Der Grünspecht Picus viridis
2015 Der Habicht Accipiter gentilis
2016 Der Stieglitz Carduelis carduelis
2017 Der Waldkauz Strix aluco
2018 Der Star Sturnus vulgaris
2019 Die Feldlerche Alauda arvensis
2020 Die Turteltaube Streptopelia turtur

Die Turteltaube ist der Vogel des Jahres 2020

Die Turteltaube - bedrohtes Symbol für Glück und Liebe

Die Turteltaube steht für Glück, Liebe und Frieden. Leider sind ihre Lebensbedingungen alles andere als romantisch. Denn, seit dem Jahr 1980 sind fast 90 Prozent ihrer Bestände in Deutschland verloren gegangen. In Bayern liegt die aktuelle Bestandsschätzung weit unter der von 1996 - 1999. Es deutet auch in Bayern alles auf einen starken negativen Bestandstrend hin. Wurde im Zeitraum 1996 - 1999 ein Brutbestand von 5000 - 15000 BP angenommen, so wurde für den Zeitraum 2005 - 2009 nur noch eine Bestandsschätzung von 2300 - 3700 BP geschätzt.

Was der kleinen Taube fehlt, sind geeignete Lebensräume: mit der Zerstörung der Auwaldgebiete und der bachbegleitenden Weichholzauen hat die Turteltaube ihre primären Lebensräume verloren. Besonders durch die industrielle Landwirtschaft haben sich die Bedingungen für die Turteltaube verschlechtert. Das Ausräumen der Feldgehölze mit deren hochstämmigen Bäumen tragen ebenso dazu bei, wie die Vernichtung von kleinräumigen strukturierten Landschaften und die intensive Bewirtschaftung von Wiesen und Feldern, wo sogar Böschungen mit hochstämmigen Baumbewuchs vernichtet werden, nur um einen besseren Zugang zu den Feldern der Intensiv-Landwirtschaft zu bekommen.

Natürlich trägt auch ein weiterer Punkt, zum Rückgang der einzigen Taubenart die in ein Winterquartiere abzieht, bei. Als Langstreckenzieherin verbringt sie ihre Winter in Afrika. Durch die illegale und einer legalen Jagd ist diese kleine Taube auf ihrem Zugweg massiv gefährdet. Hier muss dringend die EU tätig werden und einen Jagdstopp auf die Turteltaube per Gesetz festschreiben. Man schätzt, dass allein in der EU, jährlich, rund zwei Millionen Turteltauben getötet werden. Ich finde, dies ist ein Skandal. Die Turteltaube wird nach wie vor in zehn EU-Staaten gejagt. In Österreich und Frankreich darf sie bis in die Brutperiode hinein bejagt werden.

Diese Gründe waren es wohl, Streptopelia turtur, so ihr wissenschaftlicher Name, zum "Vogel des Jahres 2020" zu ernennen. Auch ich stimme dieser Wahl voll umfänglich zu.

Hoch über dem Main bei mir zu Hause in Unterfranken hatte ich immer meine Turteltauben, die ich jedes Jahr "besuchte" und mich an ihrem Gesang erfreute. Hohe Bäume in der Nähe eines Grabens und der offenen Feldflur. Seit ein paar Jahren höre ich sie nicht mehr.


Die Turteltaube gehört zu den kleineren Mitgliedern der Taubenfamilie (Bild: Maximilian Dorsch) Ihren Namen verdankt die Turteltaube ihrem sanften, gurrenden Ruf, der für manchen Menschen zu den schönsten Lauten des Sommers gehört. In der Morgendämmerung kündigt sie oft den neuen Tag an.
Die Turteltaube gehört zu den kleineren Mitgliedern der Taubenfamilie Bild: Maximilian Dorsch


Wer ist sie?

Der deutsche Name der kleinen, zierlichen Turteltaube kommt von ihrem schnurrend und gurrenden Reviergesang. Ihre Kennzeichen sind die rostbraun-schwarz gefleckten Flügel und die auffallenden schwarzweißen Halsseitenabzeichen. Die Jungen sind oberseits noch blasser als die etwas weniger kontastreich gefärbten Weibchen, außerdem fehlen ihnen dort die dunklen Federmitten der Altvögel sowie der typische Halsseitenfleck.
Von der Türkentaube unterscheidet sich die Turteltaube durch die viel dunklere, gemusterte Oberfläche, die relativ längeren und spitzeren Flügel. Wie bei den Tauben üblich, hört man oft ein klatschendes Flügelgeräusch. Die Jahresmauser findet während der langen Brutzeit statt. Im September wird sie nur für den Zug ins Winterquartier unterbrochen, die sie in die Savannen Afrikas bringt, südlich der Sahara, bis zum Äquator. Auf dem Zug rasten sie manchmal auf Schiffen. Sie endet, wenn im März der Heimzug in das angestammte Brutgebiet beginnt.


Beiden Geschlechtern gemeinsam ist die Musterung an Flügel und Hals und die zart weinrote Brustfarbe.

Die Turteltaube benötigt warmes und trockenes Klima und besiedelt vorwiegend Tiefebenen. In Süddeutschland beschränkt sich ihr Vorkommen auf die Flussniederungen. Höchste Brutplätze in Bayern liegen in Nordostbayern bis 600 Meter Höhe.
Die rot geränderten Augen sind ein typisches Merkmal für die Turteltaube (Bild: Frank Hecker)
Bild: Frank Hecker Typisch für die Turteltaube - die rot geränderten Augen


Lebensraum

Ihr Lebensraum sind die Auwälder, Feldgehölze und aufgelockerte Wälder. Sie brüten aber auch in Gärten und Parkanlagen. Häufig sieht man sie auf Wildkräuterflächen und am Rande von Feldern, wo die Turteltauben den größten Teil ihrer Nahrung findet. Im Gegensatz zur Türkentaube sieht man die Turteltaube selten auf Häusern in Städten und Dörfern. Sie ist sehr scheu und hält sich lieber im Schutz kleiner und größerer Bäume auf.

Eigentlich ist die Turteltaube eine Charakterart der Mittelmeerländer und wird nach Norden zu immer seltener. In Mitteleuropa kommt sie nur in den warmen und trockenen Tieflandgegenden vor. Sie meidet dabei große Waldgebiete, sondern besiedeln abwechslungsreiches, halb offenes Kulturland mit Hecken, Feld- und Ufergehölzen. Dabei mag sie sehr gerne Weinbaugebiete (Mainfranken) und alte Streuobstbestände, die sich möglichst in Wassernähe befinden müssen. Diese Gebiete bieten der Turteltaube hervorragende Lebensbedingungen.

Die Turteltaube ist aber durchaus anpassungsfähig. Bedeutende Brutvorkommen in Deutschland befinden sich inzwischen auf ehemaligen Truppenübungsflächen oder in Abbaugebieten von Kies und Kohle, wo sich, weil der Mensch nicht einschreitet Pionierwälder aus Birken, Kiefern und Zitterpappeln, die geschundene Natur langsam zurückerobert.


Früher war die Turteltaube in vielen Dorfrandgebieten ein vertrauter Anblick (Bild: Markus Glässel) Wie mir immer wieder ältere Menschen erzählen, habe man ihr Gurren an jedem Dorfrand, wo es hohe Bäume gab, oder am Mainufer, wo es Pappeln und Buschreihen auch heute noch gibt, immer gehört.
Früher auch in vielen Dorf-Randgebieten ein vertrauter Anblick Bild: Michael Glässel


Fortpflanzung

Bei der Balz der Turteltauben, versucht das Männchen mit Verbeugungen die Aufmerksamkeit des Weibchens auf sich zu ziehen. Dabei plustert das Männchen sich auf und stolziert mit gesenktem Schnabel vor der Auserwählten auf und ab. Das Nest wird oft nur in einer Höhe von 1,50 Meter gebaut und liegt damit niedriger als das der Türkentaube. Häufig werden auch alte Kleinvogelnester übernommen, wie die von der Saatkrähe, Elster oder auch Amsel. Das Nest besteht aus einer lose zusammengefügten Plattform aus Zweigen. Selten ist es mit Wurzeln, Pflanzenhalmen oder Haaren ausgekleidet. Seltsam ist die Verwendung von Metalldrähten, aus denen die Nester manchmal bestehen. Normalerweise findet für den Nestbau jedoch trockenes Reisig Verwendung, das von beiden Partnern herangeschafft wird. Aber nur das Weibchen verbaut das Nistmaterial.


Die Turteltauben fliegen ab März aus ihren Überwinterungsgebieten wieder ab. Die Brutzeit beginnt ab Mitte Mai. Beiden Geschlechtern gemeinsam ist die Musterung an Flügel und Hals sowie der Brustfarbe (Bild: Maximilian Dorsch)
Bild: Maximilian Dorsch Beiden Geschlechtern gemeinsam ist die Musterung an Flügel und Hals und die Brustfarbe


Rückkehrende Turteltauben schreiten nicht sofort zur Brut, sondern ziehen einzeln und als Paar über mehrere Wochen umher. Sie halten sich dann auch häufig in Gebieten auf, die nicht zu ihrem Brutareal zählt. Selbst eine Balz ist noch kein Indiz dafür, dass hier ein Paar zur Brut schreitet.

Die Brutzeit beginnt von Mitte Mai an und kann sich bis in den September hinein hinziehen. Dann kann es schon passieren, dass junge Turteltauben, die zu dieser späten Zeit schlüpfen, alleine gelassen werden, weil die Eltern zum Überwintern nach Süden fliegen.

Beide Eltern wechseln sich während der rund zweiwöchigen Brut ab und auch nach dem Schlüpfen der jungen Turteltauben übernehmen die Eltern noch etwa zwei Wochen lang gemeinsam das Füttern.


Zumeist besteht ein Gelege aus zwei rosaweißen Eiern (Bild: Frank Hecker) Nesträuber wie Elstern und Eichelhäher plündern etwa ein Drittel aller Turteltaubennester. Kurz nach Beginn der Brutzeit im Frühsommer sind die Verluste besonders hoch, da das Futter zu dieser Zeit noch spärlich ist, müssen die Alttiere das Nest, wegen der Nahrungssuche häufig verlassen.
Zumeist besteht das Gelege aus zwei rosaweißen Eiern Bild: Frank Hecker


In landwirtschaftlich geprägten Gebieten ist es die Vielfalt offener, kultivierter Flächen versehen mit Wasserstellen für die Nahrungssuche ideal. Doch solche natürlichen Lebensräume sind in unserer ausgeräumten Kultursteppe rar geworden. Wildkräutersamen an Feldwegen und die Feldfrüchte aus Zwischensaaten boten der Turteltaube ausreichend Nahrung. Inzwischen sind viele Auwaldbereiche, Feldgehölze und Ackersäume verschwunden. Wenn auch noch die letzten Graswege, mit samenbildenden Kräutern zum intensivst bewirtschafteten Feld hinzu geackert wird, kann es nicht wundern, dass eine Vogelart, - der offenen Feldflur - nach der anderen auf den Roten Listen der gefährdeten Brutvogelarten auftauchen. Narütlich gilt dies auch für Insekten-, Käfer-, und Pflanzenarten.


Das Turteltaubenpärchen bleibt sich über die gesamte Brutsaison treu, welche bei uns in Deutschland bis Ende August / Anfang September andauern kann. Das Weibchen legt zwei Mal zumeist je zwei Eier. Nur selten brüten Turteltauben auch ein drittes Mal.

Turteltauben verteidigen kein eigenes Revier, sondern nur den unmittelbaren Neststandort. Die jungen Turteltauben, sollten sie das erste Jahr gut überstehen, werden dann zum Ende ihres ersten Lebensjahres geschlechtsreif.
Brütende Turteltaube - immer seltener in unserer Landschaft anzutreffen (Bild: Frank Hecker)
Bild: Frank Hecker Brütende Turteltaube - immer seltener anzutreffen



Merkmale der Turteltaube (Streptopelia turtur)

Länge: ca. 26 - 28 cm;
Flügelspannweite: ca. 47 - 53 cm;
Gewicht: 100 - 200 g;
Stimme: Revierruf schnurrende "Turrr"-Laute - oder "turr, turr-turr" Rufe; Schreckruf ein trompetendes "ru".
Brutzeit: Mitte Mai bis in den August mit zumeist 2 Jahresbruten.
Gelegegröße: 2, rosaweiße, glatte und leicht glänzende Eier.
Brutdauer: 13 - 16, zumeist 14 Tage.
Nestlingszeit: 18 - 23 Tage, oft schon vorher Umherklettern. Voll flugfähig in 20 - 30 Tagen.
Verhalten: Nahrungssuche in Trupps auf Feldern. Dabei viel scheuer als die nah verwandte Türkentaube.
Nahrung: Samen von Kräutern und Gräsern, Früchte.
Alter: Turteltauben können 13 Jahre alt werden.


Hier können Sie die Stimme der Turteltaube hören Referent: Stefan Wehr
 


Erkennungszeichen der Turteltaube:

Augen: rot gerändert;
Brust: zart weinrot;
Schwanz: lang und schwarz, mit schmaler weißer Endbinde;
Flügel- und Körperunterseite: hellgrau;
Halszeichnung: schwarz-weiß gestreiftes Muster auf beiden Halsseiten.
Flügeloberseite: Flügeldecken schwärzlich mit breiten rostbraunen Säumen.


Nahrung und Ernährungsweise

Samen von Kräutern und Gräsern bilden die hauptsächliche Nahrung von Turteltauben. Sie ernähren sich fast ausschließlich vegan und bevorzugen dabei Wildkräuter- und Baumsamen, wie von Kiefern und Ulmen, die sie vom Boden aufpicken. Besonders die Samen von Vogelwicke, Klee, Erdrauch, Leimkraut und Wolfsmilch werden aufgenommen, die in der halboffenen Kulturlandschaft wachsen und die die Landwirte nicht auf ihren Feldern haben wollen. Der Anteil von landwirtschaftlichen Sämereien macht nun in weiten Teilen ihres Verbreitungsgebiets mehr als die Hälfte der Nahrung aus. Vor allem nach der Brutzeit fressen sie vermehrt Sonnenblumenkerne (wie wichtig sind die Hochstaudenfluren), Raps- und Weizensamen. Die Turteltaube zieht es vor, die Samen direkt von der Pflanze abzupicken, bis sie zu Boden fallen.

Da die Turteltaube die Eigenart hat, sich die Samen hauptsächlich von lebenden Pflanzen zu pflücken, zieht sie im Septembere zum Überwintern ins tropische Afrika. Ihe Nahrungspflanzen verdorren gegen Ende des Sommers, so dass der Taubenvogel sich nach neuen Nahrungsquellen umsehen muss.

Die Turteltaube ernährt sich auch von Getreide, entweder bei der Aussaat oder wenn die Samen an den reifen Pflanzen heranwachsen. Die Turteltauben werden auch immer wieder beobachtet, wie sie für Hühner und andere Geflügel ausgestreutes Getreide aufpicken. Einen kleinen Anteil der Nahrung des Vogels bilden Insekten und kleine Schnecken.
Wichtig ist die Nähe zu Wasser, denn die Turteltauben müssen täglich Wasser trinken, um gesund zu bleiben. Dabei saugt die Turteltaube, wie alle Tauben, das Wasser ein, was sonst nur bei wenigen Vogelgruppen vorkommt. Sie besuchen vor allem wenig bewachsene, flache Wasserstellen, in deren Nähe sie auf einer unbewachsenen Stelle landen, um dann zum Wasserrand zu trippeln.


Turteltaube nach Nahrung suchend (Bild: Gunther Zieger) Die Intensivierung der Landwirtschaft verschlechtert die Lebensbedingungen der Turteltauben, ein Schicksal, das sie mit vielen anderen Jahresvögeln teilt.
Turteltaube nach Nahrung suchend Bild: Gunther Zieger


Feinde

Greifvögel und Falken sind die hauptsächlichen natürlichen Feinde der Turteltaube. Daneben geraten viele Tauben - besonders unerfahrene und die niedrig fliegen um schlechten Wetterbedingungen auszuweichen - vor die Flinten von Jägern. Es gibt eine Analyse von BirdLife International die davon ausgehen, dass pro Jahr allein mehr als 600.000 Turteltauben im gesamten Mittelmeerraum illegal getötet werden. Noch immer werden die Vögel zum reinen Vergnügen geschossen oder auf Märkten verkauft.

Da der Klimawandel sich immer rascher fortsetzt und die Turteltauben auf ihrem Zug Wasserstellen zum Überleben benötigen, können in naher Zukunft Wasserstellen in den Oasen der Sahara trockenfallen und hiermit gänzlich für die Turteltauben ausfallen.

Auch Nesträuber wie Rabenvögel und Marder setzen der Turteltaube zu. Ausfälle gab es immer, aber da haben die Bestandszahlen diese Verluste wettgemacht. Da die Populationen immer mehr ausgedünnt werden, zählt jeder Jungvogel.


Wissenschaftler konnten nachweisen, dass die jährlich mindestens 2,2 Millionen in der EU geschossenen Turteltauben von der Art nicht mehr verkraftet werden können. Wie sieht die Zukunft der Turteltauben aus? (Bild: Maximilian Dorsch)
Bild: Maximilian Dorsch Wie sieht die Zukunft der Turteltauben aus?


Weil die Bestände der Turteltaube europaweit abstürzen, wurde auf einem Treffen aller EU-Mitgliedsstaaten im Mai 2018 ein Aktionsplan zum Schutz der Europäischen Turteltaube verabschiedet.


Die Eckpunkte dieser Maßnahmen sind:

Hauptziel ist es, den Bestand der europaweit stark abnehmenden Art wieder in einen günstigen Erhaltungszustand zu bringen.

Ab 2028 sollen die Bestände der Turteltaube in Europa wieder steigen.

Der Bestandsrückgang der Populationen auf allen Zugrouten soll gestoppt werden.


Die meisten Anstrengungen sollen laut Aktionsplan in den Erhalt und die Wiederherstellung von Lebensräumen und Nahrung im Brutgebiet fließen, ebenso wie deren Bereitstellung in Afrika und auf dem Zug. Bisher allerdings hat keine nationale Regierung "Sofort-Agrarumweltmaßnahmen" zum Schutz der Turteltaube eingeleitet.


In der Roten Liste Bayern, sowie Deutschland ist die Turteltaube eine Art 2 "stark gefährdet" (Bild: Gunther Zieger) In Spanien konnte nachgewiesen werden, dass der Bruterfolg der Turteltaube in Gebieten größer ist, wo keine Herbizide eingesetzt werden.
In der Roten Liste Bayern, sowie Deutschland ist die Turteltaube eine Art 2 "stark gefährdet" Bild: Gunther Zieger


In Bayern wird die Bestandsschätzung mit 2300 - 3700 BP geschätzt. (Wahrscheinlich liegt sie bereits tiefer). Die Turteltaube ist in Bayern ein spärlicher Brutvogel, die ihre Verbreitungsschwerpunkte in den Mainfränkischen Platten, im Fränkischen Keuper-Lias-Land, im Obermainisch-Oberpfälzischen Hügelland, in Teilen der Frankenalb, sowie entlang der Donauniederungen und im nördlichen Niederbayerischen Hügelland liegen. Die aktuelle Bestandsschätzung für Bayern liegt weit unter den Angaben aus dem Zeitraum von 1996 - 1999.


Was kann der Turteltaube schnell helfen?


Wenn man sich in unserer ausgeräumten Kultursteppe umsieht, wo sind sie geblieben, die strukturreichen Feldränder, die Säume mit ausreichenden und pestizidfreien Samen von vielen unterschiedlichen Wildkräutern. Wo sind sie hin, die Feldgehölze entlang von Ackerstreifen, oder die kleinen Waldstücke. Jeder hochstämmige Baum stört doch. Das muss sich ändern. Setzen Sie sich für Blühstreifen ein, die viele Wildkräuter enthalten. Setzen Sie sich dafür ein, dass nicht jedes Jahr auch noch in der letzten Ecke geschlegelt wird bis zum 28.02. des Jahres. Fragen Sie in Ihren Kommunen nach, ob es nicht möglich wäre, Bäume anzupflanzen und die Bürger als Baumpaten auftreten beteiligt werden können, für z.B. die Geburt eines Kindes, oder ein Jubiläumsbaum, ect. Abwechslungsreiche Feldkulturen und kleinere Schläge würden der Truteltaube und vielen anderen Feldvogelarten, Insekten, Käfern, Amphibien ebenfalls sehr helfen.

Erkundigen Sie sich doch in Ihrer Gemeinde oder Stadt, ob es nicht dafür Flächen gibt. Das wäre wichtig! Da kann jeder mithelfen!


Turteltauben können, wie schon beschrieben, 13 Jahre alt werden. Doch ihre Überlebensrate liegt nur bei 50 Prozent jährlich. Denn nur jeder vierte bis fünfte Jungvogel überlebt das erste Lebensjahr. Damit es mit den Bestandszahlen bald wieder aufwärts geht (Bild: Maximilian Dorsch)
Bild: Maximilian Dorsch Damit es mit den Bestandszahlen bald wieder aufwärts geht



Wissenswertes & Interessantes

Die Turteltauben füttern ihre Jungen in den ersten Lebenstagen mit einer Substanz, die als "Kropfmilch" bezeichnet wird, das ist eine fett- und eiweißreiche Flüssigkeit, die aus dem Kropf (einer beutelförmigen Ausstülpung der Speiseröhre) hervorgewürgt wird.
Im Gegensatz zu den meisten Vögeln trinken die Tauben, ohne zwischen den Schlücken den Kopf zu heben.
Der Name "Turteltaube" ist abgeleitet von ihrem wissenschaftlichen Artnamen, t u r t u r, der ihre einschläfernde, gurrende Stimme charakterisiert.
Die Turteltaube täuscht manchmal Verletzungen vor, das sogenannte "Verleiten". Dabei flattert sie hilflos mit den Flügeln schlagend oder zieht diese nach, um die Aufmerksamkeit eines Beutefeindes von ihren Jungen abzulenken.
Im Gegensatz zur allgemeinen Meinung sind Turteltauben recht aggressiv.



Die Turteltaube ist ein Symbol für Glück und Liebe (Bild: Maximilian Dorsch) Die Turteltaube, ist auf der ganzen Welt ein Symbol der Liebe und des Friedens. Dennoch haben wir Menschen es geschafft, sie an den Rand des Aussterbens gebracht. Nun sind auch die Politiker gefordert, die Jagd auf die Turteltaube zu beenden und ihre angestammten Lebensräume nicht nur zu erhalten, sondern zu verbessern.
Die Turteltaube ist ein Symbol für Glück und Liebe Bild: Maximilian Dorsch


Wir haben es in der Hand!

Wenn es um die Gefährdung der Turteltaube geht, fallen mir die Vorträge ein, die ich unter anderem über die Amerikanische Wandertaube abhielt. Man konnte die Anzahl dieser Taube, die den nordamerikanischen Kontinent bevölkerte - von Mittel- und Südkanada südwärts bis Florida - nur erahnen. Man vermutete eine Anzahl zwischen zwei und drei Milliarden Individuen. Ein Jäger in Ohio schoss im März 1900 die letzte wildlebende Wandertaube ab. In gerade einmal 90 Jahren schaffte es der Mensch eine Tierart auszurotten. Die Wandertaube, diesen früher angeblich zahlreichsten Vogel der Welt.

Wir sollten aufpassen, dass wir nicht eine weitere Taubenart bald nur noch in Naturkundemuseen besichtigen können.


Das Brutgebiet der Turteltaube erstreckt sich von den Kanarischen Inseln und Nordafrika über Europa und Kleinasien bis nach Afghanistan und Nordwestchina und zur Mongolei. Die Nordgrenze in Europa liegt bei Dänemark, im Osten in Estland und das Gebiet um St.Petersburg. In ihrer Familie ist die Turteltaube der einzige Langstreckenzieher (Bild: Maximilian Dorsch)
Bild: Maximilian Dorsch In ihrer Familie ist die Turteltaube der einzige Langstreckenzieher


Die Politik ist gefragt - was ist die EU-Vogelschutzrichtlinie wert?

Die Turteltaube ist eine wahre Europäerin. Als Zugvogel überwindet sie Staatsgrenzen auf ihrem Weg nach oder von Afrika eigentlich mühelos. Sie gilt in 17 EU-Staaten und 28 europäischen Ländern als Brutvogel. Dort ist sie zwischen 1980 und 2014 um 80 Prozent zurückgegangen, Gründe gibt es derer viele:

Die Jagd auf die Turteltaube muss bei unseren Nachbarn verboten werden. In zehn europäischen Ländern werden noch immer legal bis zu 2,2 Millionen der Vögel geschossen. Das verkraften die Populationen nicht mehr. Dies verstößt auch elementar gegen EU-Vogelschutzrichtlinie, die doch alle unterschrieben haben. Es gibt erste Erfolge durch Naturschutzverbände, aber es reicht nicht. Was benötigt wird, ist ein EU-weites Moratorium, damit sich die Bestände der Turteltaube erholen können.

Die Gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union muss naturverträglicher werden. Es muss sichergestellt werden, dass Flächen für die Natur reserviert und dies auch finanziell für die Landwirte zum Ausgleich kommt. Ein Naturschutz muss sich für Landwirte lohnen und Naturschutzmaßnahmen honoriert werden.


Ordnung Familie Gattung
Taubenvögel Tauben Turteltauben



Weltweit gibt es etwa 300 Taubenarten, aus 42 Gattungen. Die meisten dieser Arten leben in den Tropen. In Deutschland kommen nur die Gattungen Columba mit drei heimischen Arten und die Gattung Streptopelia mit zwei heimischen Arten vor, darunter befindet sich auch unser "Vogel des Jahres", die Turteltaube.

Die Krontaube - ebenso eine Art der Taubenvögel (Bild: Maximilian Dorsch) Die Krontaube (Goura cristata) gehört auch zu den Taubenvögeln. Sie verdankt ihren Namen der auffallenden Befiederung ihres Kopfes. Beheimatet ist sie in Teilen von Neuguinea und einigen vorgelagerten Inseln.
Die Krontaube - ebenso eine Art der Tauben-Vögel Bild: Maximilian Dorsch


Demnächst stelle ich hier ihre Verwandtschaft vor.





Zurück

- letzte Aktualisierung: Sonntag, 19. Januar 2020 -
Unsere Seiten sind optimiert für Internet Explorer 8.0 und Firefox 3.6 bei einer Auflösung von 1024x768 Pixel
© Umweltfreunde Würzburg - Ochsenfurt 2018