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Auf dieser Seite möchten wir die Besucher des Feuchtbiotops vorstellen

Das Blaukehlchen - der Meistersänger

Heute stelle ich Ihnen einen Vogel aus der Familie der Sänger vor, der dafür bekannt ist, dass er Stimmen anderer Vögel oder sogar das Pfeifen eines Zuges imitieren kann, nämlich das Blaukehlchen.

Gesang

Als ich zum ersten Mal das Blaukehlchen - nach Stunden langem Warten, im Feuchtbiotop - erblicken konnte, wurde mir ein langersehnter Wunsch erfüllt, nicht nur einen unserer farbenprächtigsten, sondern auch besten Stimmenimitator aus nächster Nähe zu betrachten. Das Männchen hatte mich aus meinem Versteck heraus überhaupt nicht wahrgenommen, und so konnte ich diesen Erdsänger eine geraume Zeit beobachten. Für mich damals einer der schönsten Momente als Hobbyornithologe.

Blaukehlchen sind in ca. neun Unterarten in Eurasien verbreitet. In Europa brütet die weißsternige Unterart (L.s.cyanecula) von Frankreich bis Mitteleuropa, während die rotsternige Unterart von Skandinavien ostwärts brütet. Die westlichen Populationen überqueren im Herbst  in einer breiten Front das Mittelmeer und die Sahara, während die östlichen Populationen den Winter in Indien und Pakistan verbringen.

Blaukehlchen

Das Blaukehlchen, ein etwa rotkehlchengroßer scheuer Vogel, hat eine typische Art, den Schwanz zu fächern und zu stelzen. Es wirkt dadurch erstaunlich hochbeinig.

Das Blaukehlchen brütet in Mitteleuropa im Tiefland, gerne in verschilftem Weidengebüsch an Teichen, Seen oder Flüssen und am Rand von sumpfigem Auwald. Neuerdings findet man es mitunter auch an schmalen, verschilften Gräben mitten in intensiv genutzten Wiesenflächen und sogar in Rapsfeldern. Die höchsten Brutplätze in Europa liegen in etwa 2000 m Höhe.
Wie viele andere Feuchtgebietsbewohner leiden Blaukehlchen stark unter der Zerstörung geeigneter Lebensräume und haben nur noch in wenigen natürlichen Flusslandschaften - ganz in meiner Nähe wurde durch ein Umweltprogramm, ein Bachlauf auf einer längeren Strecke renaturiert. Kurz darauf stellte sich das Blaukehlchen dort ein - und feuchten Sekundärlebensräumen überlebt. So gingen die Bestände in den vergangenen Jahrzehnten vielerorts in Mitteleuropa drastisch zurück und erloschen lokal ganz. Gebirgsvorkommen sind vielfach durch Tourismus und Erschließung bedroht. Seit einigen Jahren kommt es gebietsweise trotz der weiter stattfindenden Lebensraumzerstörung wieder zur Bestandszunahme und Ausbreitung, weil in der Kulturlandschaft günstige Lebensräume entstanden sind.

Das Blaukehlchen hält sich zur Nahrungssuche meistens nahe am Boden auf, fängt manchmal aber auch Insekten im Flug und sucht am Boden unter dem Laub und in der Erde nach Nahrung. Es wirkt am Boden immer aufrecht und läuft und hüpft sehr anmutig.
Die Nahrung besteht in der Hauptsache aus Würmern, Insekten und deren Larven. Auch Ameisen, Heuschrecken, Ohrwürmer, Köcherfliegen, Spinnen und Schnecken sind Leckerbissen für diesen Vogel. Junge Frösche werden ebenso wenig verschmäht. Fängt das Blaukehlchen Raupen, schüttelt es sie erst heftig, um ihren Darm zu entleeren, bevor es sie vertilgt. Im Herbst ernährt es sich auch von Beeren wie Holunder, von Traubenkirschen und anderen Früchten.

Weibchen Das Blaukehlchen (hier ein Weibchen) frisst Insekten und deren Larven, die es am Boden erbeutet.

Blaukehlchen-Weibchen - gut zu sehen die weiße Kehle mit dunklem Bartstreif.

 

Meistens wird von den Blaukehlchen alljährlich der gleiche Brutplatz aufgesucht. Das Männchen verteidigt sein Revier mit lauten Gesangsstrophen, die aus reinen, scharf klingenden und gepressten Tönen bestehen. Es kann im Singflug oder auf einer Warte singen, meistens halten sich aber beide Partner gut verborgen in der Vegetation auf.
Das Weibchen baut ein Nest am Boden im dichten Gebüsch, in einem Grasbüschel oder einem Hohlraum am Ufer. Es besteht aus Grashalmen, Blättern, Wurzeln und Moos. Das tiefe napfförmige Nest wird mit weichen Pflanzen und Haaren ausgelegt.

Singwarte

Die Eier werden 12 bis 14 Tage vom Weibchen bebrütet. Nach dem Schlüpfen der Jungen bleibt es noch einige Tage zum Hudern auf dem Nest sitzen. In dieser Zeit versorgt das Männchen die Jungen und das Weibchen mit Nahrung. Später teilen sich die beiden die Aufgabe mit der Nahrungssuche und Nestreinhaltung. Exkremente werden zunächst geschluckt und später an anderer Stelle wieder ausgespuckt, um den Nistplatz nicht zu verraten.

Jugendkleid

Die Jungen öffnen nach fünf bis sechs Tagen die Augen. Manchmal verlassen sie das Nest schon nach zehn bis 15 Tagen, ohne schon flügge zu sein. In einem solchen Fall halten sie sich versteckt, laufen und hüpfen im Dickicht herum und werden von den Eltern gefüttert, bis sie vollständig flügge sind.

Vorkommen des Blaukehlchens:

Brütet in Teilen Europas und Asiens, auch in Alaska. Zieht im Winter nach Süden, nach Afrika, in den Mittleren Osten, Pakistan und Nordwestindien.
 

Sommer- und Winterverbreitung des Blaukehlchens

Interessantes & Wissenswertes:

Das Blaukehlchen kann die Stimme anderer Vogelarten in der Umgebung seines Nistplatzes täuschend ähnlich nachahmen. Es singt seine Imitation oft nur wenige Tage lang, bis es wieder eine neue ins Repertoire aufnimmt und diese dann vorträgt. Ältere Vögel scheinen sich sogar noch an Stimmen zu erinnern, die sie ein Jahr vorher gehört haben, und ahmen sie nach. Blaukehlchen können auch die Stimme des Laubfrosches und sogar mechanische Geräusche imitieren.
Während der Balz lässt das Männchen seinen lauten, perlenden Gesang vernehmen. Oft trägt er sein Lied während des Balzflugs vor. Darüber hinaus wirbt das Männchen um seine eventuelle Partnerin, indem es den Schwanz anhebt und ihn fächerartig öffnet. Dabei senkt es die Flügel und stellt seine blaue Kehle auffallend zur Schau.
In der Regel bilden sich zur Brutzeit feste Paare. Es wurde aber von einem Männchen berichtet, das einmal gleichzeitig an drei verschiedenen Stellen Junge hatte, die es abwechselnd betreute. Alleinlebende Vögel füttern manchmal die Jungen anderer, nachdem diese das Nest verlassen haben.

Männchen

Balzendes Männchen auf einer Singwarte

Derzeit brüten in Europa ca. 500.000 BP. Von der rotsternigen Unterart wurden in Mitteleuropa in den 1970er Jahren ca. 60-100 BP entdeckt.

Wichtige Merkmale des Blaukehlchens:

Länge: ca. 14 cm;
Flügelspannweite: ca. 20 - 22,5 cm;
Gewicht: 15 - 25,5 g;
Geschlechtsreife: mit 1 Jahr;
Brutzeit: Ende April im Süden, bis Mitte Juni im Norden; in Mittel- und Nordeuropa 1, im Süden mitunter 2 Jahresbruten;
Gelege: 4 - 8, meist 5-6 (7);
Brutdauer: 12 - 14 Tage;
Nestlingsdauer: 13 - 14 Tage;
Verhalten: einzelgängerisch;
Nahrung: Regenwürmer, Insekten, Larven, Früchte und Samen.

Flug

Das Blaukehlchen ist in Bayern nur regional verbreitet. Die Verbreitungsschwerpunkte bilden die Flussniederungen und Talauen von Main, Donau, untere Isar und Inn sowie einiger kleinerer Flüsse. Weitere Vorkommen mit teilweise beachtlichen Populationsgrößen finden sich in den mittelfränkischen und Oberpfälzer Teichgebieten.
Das Blaukehlchen steht in Bayern auf der Vorwarnliste. Im Ostbayerischen Grundgebirge und Alpenvorland sind die Bestände gefährdet. Ernsthafte Gefährdungsfaktoren für die bayerischen Blaukehlchenbestände sind im Donautal mit den möglichen Varianten des Donauausbaus zu erwarten. Daneben besteht bei vielen Vorkommen die Gefahr einer Entwertung von Lebensräumen für das Blaukehlchen durch fortschreitende Sukzession, deren Tempo besonders bei hohem Eutrophierungsgrad zunimmt. Andererseits haben Eingriffe in die Landschaft, Kiesabbau, Grünlandumbruch in Auen, wesentlich zum Bestandsaufschwung beim Blaukehlchen beigetragen. (Dies sollte jedoch nicht als Plädoyer für eine weitere Auenzerstörung missverstanden werden.)

Der Brutbestand in Bayern besteht aus ca. 1500 - 2000 BP.



Hier können Sie die Stimme des Blaukehlchens hören


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- letzte Aktualisierung: Mittwoch, 11. Mai 2011 -