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Der Zaunkönig - der kleine kecke

Heute stelle ich Ihnen ein Mitglied aus der Familie der Zaunkönige vor, der für seine durchdringende Stimme berühmt ist. Dabei gehört dieser Vogel zu unseren kleinsten Singvögeln, nach Sommer- und Wintergoldhähnchen, überhaupt, nämlich den Zaunkönig.

In einem Buch, leider weiß ich nicht mehr wo es stand, konnte ich über den Zaunkönig einmal lesen, das ich so wunderbar fand: "Kaum ein anderer Vogel bleibt dem Menschen ein so treuer Gefährte im Sommer wie im Winter, bei Schnee und Frost oder großer Hitze. Kaum einer begleitet ihn so weit nach Süden und nach Norden. Kaum einer ist das Bild des heitersten Frohsinns, der nie getrübten Laune, wie unser Freund der Kindheit, der Jugendzeit und des Alters, unser Zaunkönig. Er ist der glücklichste aller Könige, denn er hat, wenigstens unter den Menschen, keinen Feind".

Immer wenn ich bei meinen Naturgängen diese markante Stimme höre, kann ich einfach nicht weitergehen, sondern muss ihm zuhören. Vor wenigen Tagen, als ich auf meiner Wegewartstrecke, in der Nähe von Aub, unterwegs war, habe ich ihn an einem kleinen Bach überrascht, wie er emsig am Bachufer, entlang von Wurzelstöcken der dortigen Baumflora entlanghuschte, um nach Nahrung zu suchen. Wie eine Maus wuselte der kleine Kerl im Unterholz umher, immer in Bewegung dabei aber stets vorsichtig und konzentriert bei der Nahrungssuche. Dabei hat er jeden Winkel und jede Ritze nach Raupen, oder Asseln abgesucht. Man sagt ja auch, dass die "Kleinen" oft die lauteste Klappe haben, bei ihm trifft das unumwunden zu, dies ist aber freundlich gemeint. Es fehlt mir einfach etwas, wenn ich ihn einmal nicht hören kann.


Woran erkennt man eigentlich einen Zaunkönig?

Am ehesten erkennt man den Zaunkönig an seiner geringen Größe, gerade einmal 9,5 cm, den immer gestelzten Schwanz und daran, wie ich schon beschrieben habe, dass er wie eine Maus durch das Unterholz huscht. Dafür, dass dieser kleine Kerl so klein ist, hat er aber eine gewaltige Stimme, durch die er seinen Standort verrät. Erwachsene Männchen und Weibchen sehen gleich aus. Die Jungvögel haben eine insgesamt hellere Färbung.


Der kleine, kecke Zaunkönig ist auch immer an seinem gestelzten Schwanz gut zu erkennen (Bild: Olav Krüger) Der Gesang des Zaunkönigs ist fast das ganze Jahr über vernehmbar, sogar an sonnigen Wintertagen legt er los. Seine laut schmetternden und trillernden Töne sind in fast jedem unterholzreichen Wald einfach nicht zu überhören.
Der kleine, kecke Zaunkönig ist auch immer an seinem gestelzten Schwanz zu erkennen Bild: Olav Krüger


Zaunkönige gehören zu den am weitesten verbreiteten Vögeln überhaupt und werden in jeder Landschaft, von den tiefer gelegenen Gebieten, über die Wald- und Mittelgebirge bis hinein in das Hochgebirge, angetroffen. Die höchsten Reviere singender Männchen liegen im Bereich der Baumgrenze so zwischen 1800 und 1900 Meter. Daneben sind auch jederzeit in Parks, Laub- und Nadelwäldern, in offenen Mooren, Felswänden und im Schilf zu finden. Dabei stellt man fest, dass er immer die Nähe eines Wassers sucht. Immer wieder sage ich auch den Gemeindearbeitern, doch den Baum- oder Buschschnitt zu einem Reisighaufen aufzutürmen, gerne nimmt der Zaunkönig diesen als Brutplatz an. Da der Zaunkönig im Winter nicht an die Futterplätze kommt, es ist im nicht gegeben, so kann man ihm doch helfen die für Vögel karge Zeit gut zu überstehen, indem man im Herbst Blattwerk aufhäuft und nach den ersten Frösten umdreht. Im Blätterhaufen haben sich bis dahin viele Würmer, Asseln, Spinnentiere und andere angesammelt, die dem Zaunkönig als Nahrung hoch willkommen sind. Eines mag der Zaunkönig allerdings nicht, all zu aufgeräumte Gärten meidet er. Also, lassen Sie die eine oder andere Ecke einfach etwas "wild", dann kommt der Zaunkönig mit Sicherheit vorbei.


Ganzjähriger Lebensraum des Zaunkönigs sind unterholzreiche Wälder vor allem in Wassernähe. Er kommt aber auch in größere Gärten mit bodennaher Deckung, d.h. unterholzbildende Hecken und Büsche, Eine etwas verwilderte Ecke in einem Garten, genügt ihm schon (Bild: Olav Krüger)
Bild: Olav Krüger Eine etwas verwilderte Ecke in einem Garten genügt ihm schon


Die schlimmste Zeit für die Zaunkönige, sind die schneereichen und sehr kalten Winter, weil ein solch kleiner Vogel, sein Körpergewicht bei strenger Kälte nicht warm halten kann und viele daran sterben. In strengen Wintern kann es gut und gerne sein, dass 80% des Bestandes verenden. Diese Verlsute kann dies Art meist schnell wieder ausgleichen, dabei muss aber daruf geachtet werden, dass seine Habitate nicht zerstört werden, z.B. ist es für einen Zaunkönig sehr schwierig zu überleben, wenn es zu ständigen Ausforstungen in unseren Wäldern kommt und dies wird verschlimmert, wenn diese Ausforstungen während der Brutzeit erfolgen. Auch muss unser Zaunkönig ein hohes Blutzoll an unsere Hauskatzen abtreten. Auch wenn dies viele Hauskatzenbesitzer nicht wahrhaben wollen.


Der Zaunkönig kommt in fast jeder Landschaft vor (Bild: Olav Krüger) Zaunkönigmännchen sind ganzjährig territorial und zeigen dies durch ihr "Singen" von ihrer Lieblingswarte aus.
Der Zaunkönig kommt in fast jeder Landschaft vor. Bild: Olav Krüger


Der Zaunkönig besiedelt verschiedene Lebensräume. Angefangen von Hochmooren und Heideflächen über Laubwälder bis zu Heckenlandschaften, Parks und Gärten. Bei uns in Mitteleuropa findet man ihn eigentlich überall, in Wäldern wenn diese unterholzreich sind, in Parks und auch in Gärten, die allerdings nicht so ordentlich aufgeräumt sein sollen, denn er stöbert gerne unter den Blättern. Einen Garten mit Rasenfläche nach "Wimbledon-Art" mag er nicht. Auch kommt er in Feuchtgebieten und Gebüschgruppen vor, immer wenn diese Bereiche in Wassernähe liegen. Wie oft habe ich ihn beobachtet, wenn er wie eine Maus am Bachufer, unter den Wurzeln der dort vorkommenden Bäume und Weidenbüsche hin und her huscht.


Zaunkönige leben in erster Linie von Insekten und deren Larven. Auch kleine Käfer, Stechmücken, Blattläuse, Spinnen, sowie Insekteneier und Puppen von Schmetterlingen stehen auf seinem Speiseplan. Bereiche in Nähe zu einem Fließgewässer sind für ihn ideale Lebensräume (Bild: Olav Krüger)
Bild: Olav Krüger Bereiche in Nähe zu einem Fließgewässer sind für ihn ideale Lebensräume


Im März beginnt die Balz und der Nestbau. In dieser Zeit baut das Männchen eine Reihe von sogenannten "Spielnestern" innerhalb seines Reviers. Dabei kann es sein, dass einige Männchen mehrere Weibchen haben. Eines dieser halbferigen Nester wird vom Weibchen zur Brut ausgewählt, wobei das Weibchen den "Rohbau" fertig stellt. Die Inneneinrichtung des kugeligen Moosnestes, das auch feine Blätter enthalten kann und das einen Eingang an der Vorderfront hat, besteht aus Federn, Haaren und Wolle. Neststandorte können Wurzelteller, die Spalte eines Baumstumpfes, ein Mauerloch oder auch eine efeubewachsene Wand sein.


Das Zaunkönig-Kugelnest von Schwegler (Bild: Fa.Schwegler, Schorndorf) Zaunkönige brüten gerne in Bodennähe, in Hecken, im Gestrüpp. Ein schattiger Platz, direkt in einer Hecke wäre ein guter Platz für ein solches Kugelnest. Dabei sollte die Ecke "naturnah" sein, mit viel Laub, indem der Zaunkönig gerne nach Nahrung sucht.
Das Zaunkönig-Kugelnest von Schwegler Bild: Schwegler, Schorndorf


Die Eier werden beim Zaunkönig normalerweise im April gelegt und vom Weibchen ausgebrütet. Nach dem Schlüpfen der Jungen unterstützt das Männchen seine Partnerin beim Füttern des Nachwuchses. Mit ihrem sehr dünnen und etwas abwärts gebogenen Schnabel holen die Zaunkönige Insekten und deren Larven, aber auch Spinnen und kleine Käfer aus Ritzen oder von Blättern.


Merkmale des Zaunkönigs:

Länge: ca. 9,5 cm;
Flügelspannweite: ca. 13 - 17 cm;
Gewicht: 7 - 12 g;
Brutzeit: Ende April, zumeist 2 Jahresbruten;
Gelegegröße: 4 - 8 weiße, häufig mit winzigen schwarzen, oder rötlichbraunen Punkten und Flecken.
Brutdauer: 13 - 15 Tage;
Nestlingszeit: 15 -19 Tage.
Lebensweise: bei großer Kälte drängen sich die Vögel zum Schlafen eng zusammen.
Nahrung: Insekten und Spinnen.
Lebenserwartung: evtl. 6 Jahre.
Vorkommen: Zaunkönige sind weit verbreitet über Europa, Nordafrika, Nordamerika und Asien. Der Zaunkönig kommt sogar auf den Wattenmeerinseln und in den Alpen, über 1900 Meter, Baumgrenze, vor.
Population: Die Populationszahlen hängen immer mit strengen und schneereichen Wintern zusammen. In Kältewintern können bis zu 80% des Bestandes sterben.


Unser Zaunkönig ist die einzige und noch dazu weit verbreitete Art der großen Familie der Zaunkönige, die sonst nur die Neue Welt bewohnt. Ursprünglich stammt der Zaunkönig aus Amerika. Von Nordamerika aus, hat er riesige Gebiete in Eurasien besiedelt. Die fast 70 Arten umfassende Familie der Zaunkönige, sind sonst nur in der neuen Welt vorkommend.


Die mitteleuropäischen Populationen sind Teilzeiher. Manche wandern wie die Vögel aus Nordeuropa ins Mittelmeergebiet ab. Die "Zuhause bleibenden" bekommen im Winter Zuzug von Brutvögeln aus Nord- und Nordosteuropa. Die Gebirgsbrüter wandern in tiefere Lagen ab. Mitteleuropäische Zaunkönige sind Teilzieher (Bild: Olav Krüger)
Bild: Olav Krüger Zaunkönige halten den Schwanz zumeist gestelzt


Zaunkönige sind wirklich überall in Mitteleuropa anzutreffen, doch sind sie durch ihre scheue Art, aufgrund ihrer geringen Körpergröße und des braunen Gefieders oft nicht gleich zu entdecken. Oft kann man aber ihren Standort durch ihren durchdringenden Gesang ausmachen. Es ist ein sehr lautes melodisches "Trillern" sowie eines schimpfenden "tscherr"-Rufes. Zumeist halten Zaunkönige sich in Bodennähe auf und durchstöbern den Waldboden, Sträucher und das Unterholz nach Nahrung.

Der Zaunkönig kommt nicht an die Winterfutterplätze. Sie können ihm aber helfen, indem sie das Blattlaub nach einer Frostnacht umdrehen. Darunter befinden sich viele Insekten, Würmer, Spinnen und Asseln. Der Zaunkönig dankt es Ihnen. Diese Ecke sollte aber nicht zu aufgeräumt sein, dies mag er gar nicht gerne.


Hier können Sie den Gesang des Zaunkönigs hören


Der Zaunkönig in Bayern: Der Zaunkönig ist in Bayern flächendeckend verbreitet. Die höchsten Reviere singender Männchen liegen im Bereich der Baumgrenze bei ca. 1900 Meter. Der Zaunkönig ist in Bayern ein sehr häufiger Brutvogel. Mit seinen 235.000 - 630.000 BP gehört der Zaunkönig zu den am häufigsten vorkommenden Arten in Bayern. Unter den 20 häufigsten Arten nimmt der Zaunkönig Platz 13 ein. Allerdings darf darüber nicht hinwegtäuschen, dass er Strukturen besiedelt, die von vielen Menschen in der Kulturlandschaft häufig nicht mehr geduldet werden, da diese für "Unordnung" und "Wildnis" stehen. Das ständige Schlegeln, in oder Ortsnähe, stellt sich gegen den Zaunkönig und vernichtet viele Brutplätze. Für mich sind Zaunkönige wichtige Botschafter für eine ökologische und nicht so sehr "ästhetische" Landschaftspflege.


Der Zaunkönig gilt in Bayern als nicht gefährdet (Bild: Markus Gläßel) In einem alten ornithologischen Buch habe ich einmal gefunden: Dass er in Schottland und auf den Shetland-Inseln auch an kahlen Felsküsten und Klippen vorkommt, beweist wie anpassungsfähig dieser kleine, kecke und laute Kerl ist.
Der Zaunkönig gilt in Bayern als nicht gefährdet Bild: Markus Gläßel


Hätten Sie es gewusst?

In einem strengen Winter wurden in einem einzigen Nistkasten über 60 Zaunkönige beobachtet.
In Nordamerika ist der Zaunkönig als der "Winter"-Zaunkönig bekannt, da er in einigen Teilen seines Verbreitungsgebietes nur im Winter auftaucht.
Der Zaunkönig ist auch ein Gebirgsvogel. In Tibet ist er als Brutvogel bis in Höhen von 5500 Metern anzutreffen und harrt auch im Winter in Lagen von über 4500 Metern in den unwirtlichen Berggegenden aus.
Der Zaunkönig wird volkstümlich als "Vogelkönig" verehrt, ein Ruf, den er erlangte, als er einmal höher als ein Adler flog, nachdem er sich in dessen Rückengefieder versteckt in die Lüfte tragen ließ und erst emporflog, als der größere Vogel ermüdete.



Er ist rastlos unterwegs, schlüpft wie eine Maus durch das niedrige Gestrüpp, oder Baumwurzeln und verschwindet nicht selten in der höhlenreichen Uferböschung, eines Baches, der Zaunkönig. Es bleibt zu hoffen, dass man ihm seine Lebensräume erhält (Bild: Olav Krüger)
Bild: Olav Krüger Es bleibt zu hoffen, dass man ihm seine Lebensräume erhält


Selbstverständlich ist es nicht, dass dieser kleine Kerl in unseren "Bachwäldern" oder bachbegleitenden Baum- und Unterholzsäumen, sowie in Parks unterwegs ist. Passen wir auf ihn auf, damit wir ihn nicht verlieren.


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- letzte Aktualisierung: Freitag, 22. Februar 2019 -
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