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Die Gewässertypen des Jahres seit 2011

Der "Gewässertyp des Jahres" wird seit dem Jahr 2011vom Umweltbundesamt ausgelobt.

Die bisherigen Gewässertypen des Jahres sind::

Jahr Gewässertyp
2011 Steiniger, kalkarmer Mittelgebirgsbach
2012 Sandiger-lehmiger Tieflandfluss
2013 Die Fließgewässer des südlichen Alpenvorlandes
2014 Tiefer, nährstoffarmer See Norddeutschlands
2015 Das salzreiche Wattenmeer
2016 Kiesgeprägte Ströme

Der kiesgeprägte Strom ist der Gewässertyp des Jahres 2016

Die "kiesgeprägten Ströme" der Mittelgebirge und der Voralpen sind der Gewässertyp des Jahres 2016.

Kiesgeprägte Ströme sind: der Rhein vom Bodensee bis Leverkusen, die Donau, die Oberläufe von Elbe und Weser, die Unterläufe von Main und der Neckar. Insgesamt werden rund 1800 km diesem Typ zugeordnet.

Gewässertyp des Jahres

Naturnahe Gewässer beherbergen eine Vielzahl von Arten und stellen damit äußerst wertvolle Lebensräume dar. Die Gewässer werden nach Landschaften, Höhenlagen, Größen, Lebensräumen und Lebensgemeinschaften verschiedenen Typen zugeordnet.
Die"kiesgeprägten Ströme" der Mittelgebirge und der Voralpen sind der Gewässertyp des Jahres.

Uferbefestigung an der Donau - Gewässertyp des Jahres (Bild: Stephan Naumann) Lebensraum

Die Kiesgeprägten Ströme fließen leicht geschwungen bis mäandrierend in bis zu mehreren Kilometer breiten Sohlen- oder Engtälern.
Uferbefestigung an der Donau Bild: Stephan Naumann

An der Flusssohle dominieren Kiese und Schotter. Die Strömung ist zumeist stark. Im Naturzustand verändern sich Tiefe und Breite des Flussbetts fortwährend, Kiesbänke queren den Strom, bilden Inseln oder säumen die Ufer zusammen mit Totholzansammlungen. Große Hochwasser verlagern den Flusslauf in den breiten Auen. So entwickeln sich abgetrennte Flussarme, feuchtwiesen, trockene Sandufer und Kiesinseln. Nass und trocken - durch ständigen Wechsel von Hoch- und Niedrigwasser des Flusses - das sind die Extreme, die vielen Pflanzen und Tieren Lebensraum bieten. Die großen Ströme und ihre Auen bilden daher komplexe Gewässerlandschaften mit immensem Artenreichtum - Hot Spots der Biodiversität. Sie sind Wichtige Fischwanderrouten und Rastplätze für Zugvögel.

Nutzung, Belastung, Maßnahmen

Die Kiesgeprägten Ströme illustrieren wie kaum ein anderer Gewässertyp die seit Jahehunderten währende Erschließung und ...
Der Fluss als Transportstrasse verbindet - Staustufe am Main (Bild: Stephan Naumann)
Bild: Stephan Naumann Gütertransportstrasse Fluss - hier eine Staustufe im Main

... Kultivierung der Gewässerlandschaften für Siedlungen, Landwirtschaft, Stromerzeugung und Gütertransport, sowie die Folgen eines restriktiven Hochwasserschutzes und stofflicher Belastungen. Spürbare Erfolge im Gewässerschutz lassen sich hier nur durch ein gemeinsames handeln von Bund und Ländern, Verbänden, Anliegern und Gewässernutzern erzielen. Beispiel hierfür ist die Reduzierung der Abwasserlast der großen Ströme seit Ende der 1970er Jahre durch den Bau von Kläranlagen. In Zukunft sollen die Wasserrahmenrichtlinie, das nationale Hochwasserschutzprogramm und das Bundesprogramm "Blaues Band" zu einer weiteren Verbesserung des ökologischen Zustands beitragen.

Gewässertyp des Jahres - Längsbauwerk an der Donau (Bild: Stephan Naumann) Vorkommen

Kiesgeprägte Ströme sind der Rhein vom Bodensee bis Leverkusen, die Donau, die Oberläufe von Elbe und Weser, die Unterläufe von Main und Neckar.
Insgesamt werden rund 1.800 km diesem Typ zugeordnet.
Längsbauwerk an der Donau Bild: Stephan Naumann

Zustand der kiesgeprägten Ströme

Bisher befindet sich nur ein Wasserkörper der kiesgeprägten Ströme in einem guten ökologischen Zustand. Die Lebensgemeinschaften werden zudem stark durch einwandernde, gebietsfremde Arten - die sogenannten Neobiota dominiert. Zu einem weiteren dramatischen Rückgang der biologischen Vielfalt und des Selbstreinigungspotentials der Ströme trägt bei, dass nur noch 10 bis 20% der ehemaligen Auen regelmäßig überflutet werden (Auenzustandsbericht des Bundesamtes für Naturschutz).

Durch die Schifffahrt und die Durchgängigkeit der Wasserstraßen vom Schwarzen Meer bis zur Nordsee gelangen immer mehr Neobiota (bez. man Arten die sich ohne oder mit menschlicher Einflussnahme in einem Gebiet etablieren) in die kiesgeprägten Ströme. Bleibt die einheimische Flora und Fauna auf der Strecke? (Bild: Stephan Naumann)
Bild: Stephan Naumann Schleuse am Main - hier fahren Schiffe aus halb Europa durch

Zu den wichtigsten Transportmitteln für Neobiota gehört heute der weltweite Güterverkehr, der die unbeabsichtigte Verschleppung von Neobiota ermöglicht.

Größe Flüsse etwa 100 bis zu 2.000 (Oberrhein-Furkation) und die begleitende Aue bis zu 9 km breit (z.B. Oberrhein). Einzugsgebietsgröße über 10.000 km2
Vertreter Große Abschnitte des Rheins, der Donau, der Elbe, der Weser, des Neckar und des Mains
Abflusstyp Die Abflussdynamik der Ströme ist aufgrund der Größe ihrer Einzugsgebiete gering. Meist komplexe Abflussregime (Glaziär-Nival-Pluvial). Mittlere Abflusshöhe von ca. 100 m3/s (Weser bei Hannoversch-Münden bis zu 2.000 m3/s (Rhein bei Köln).
Strömungsbild Sehr vielfältig, im Hauptstrom rasch und turbulent, mit zunehmender Breite gleichmäßiger strömend.
Substrat Schotter und Kies, nur in geringen Anteilen Sand, viel Totholz z.B. Baumstämme.
Gewässerform Geschwungener bis mäandrierender Längsverlauf, in Engtälern oder Sohlentälern fließend. Hohe Breiten und Tiefenvarianz mit kiesigen Quer- und Längsbänken. Zahlreiche große Auengewässer in breiten Sohlentälern begleiten den Fluss.
Typische, nat. Habitate Große Habitatsvielfalt: Kies- und Schotterbänke, Kolke, Altarme, Inseln, Totholzansammlungen, Auengewässer
Lebensgemeinschaft Ursprünglich sehr arten- und individuenreiche Biozönosen. Heute oft weniger artenreich und hohe Anteile an Neobiota. Vorherrschender Uferbewuchs: Silberweidenwald, Röhrichte, Seggenried, Hochstaudenfluren, Pionierfluren auf Kiesbänken.
Hauptbelastungsfaktoren Nähr- und Schadstoffeinträge, Hochwasserschutz für Siedlungen und Landwirtschaft, Schifffahrt, Wasserkraftnutzung.

Typische Lebewesen

Huchen (Hucho hucho)

Der Huchen, auch Donaulachs genannt, ist einer der größten heimischen Fische aus der Familie der Lachsfische. In Deutschland kommt er nur im Donaugebiet vor. Huchen werden bis zu 1,5 m lang und 30 kg schwer. Der Huchen bevorzugt schnell fließende, kühle und sauerstoffreiche Gewässer mit steinig-kiesigem Grund. Während die geschlechtsreifen Tiere andere Fische jagen und fressen, ernähren sich die Jungtiere von wirbellosen Tieren (z.B. Krebsen und Insektenlarven). Zum Laichen sucht der ansonsten standorttreue Huchen flussaufwärts gelegene seichte und kiesige Flussstellen in bis zu 100 km Entfernung auf. Infolge der Zerstörung seines natürlichen Lebensraumes durch Flussbegradigungen, Wehre und Abwassereinleitungen ist der Huchen in seinen Beständen heute stark bedroht und wurde in der Roten Liste als "stark gefährdet" eingestuft.

Flussregenpfeifer (Charadrius dubius)

Der Flussregenpfeifer nistet auf den Kies- und Sandbänken der großen Flüsse. Schnell rennend sucht er nach Insekten, gelegentlich frisst er auch kleine Muscheln und Krebse. Um sein Gelege vor Räubern zu schützen, täuscht er Verletzungen vor und fliegt im letzten Moment davon, um so die Aufmerksamkeit auf sich zulenken. Typisch ist sein zitronengelber Ring um die Augen. Gewässerbegradigungen und der Ausbau der großen Flüsse verringerten seine Lebensräume.

Der Flussregenpfeifer ist im Binnenland weit verbreitet (Bild: Gunther Zieger) Der Flussregenpfeifer ist der einzige Regenpfeifer, der in Mittel- und Südeuropa weit verbreitet im Binnenland und kaum direkt am Meer brütet.
Ihre Winterquartire liegen südlich der Sahara in der Sahelzone und reichen nach Süden bis Zaire, Kenia und Tansania.
Ab Ende März kehren sie zu ihren Brutgebieten bei uns zurück.
Der Flussregenpfeifer brütet vorwiegend im Binnenland Bild: Gunther Zieger

So findet man ihn heute auch auf vegetationsarmen Flächen von Kiesgruben und Steinbrüchen oder auf geschotterten Parkplätzen und an abgelassenen Fischteichen.

In Bayern ist er ein seltener Brutvogel. Sein Verbreitungsschwerpunkt liegt an den Geschiebe führenden Abschnitten der großen Zuflüsse zur Donau und in deren Umfeld sowie am Main und der Pegnitz. Mit seinen 950 - 1300 BP ist sein Bestand relativ stabil. Sein Bruterfolg hängt auch mit dem Freizeitbetrieb an den Flüssen zusammen, wie dieser während der Brutzeit begrenzt werden kann.

Vor der Eiablage markieren die Männchen ihre Reviere durch einen Singflug. Imponierlaufen und Scheinnisten, Gefiederspreizen und "Material-Zurücklegen" sind Bestandteile der Balz. Balzstimmung bei den Flussregenpfeifern (Bild: Gunther Zieger)
Bild: Gunther Zieger Flussregenpfeifer in Balzstimmung am Brutplatz

Flussregenpfeifer haben die Größe einer Amsel und eine Flügelspannweite von ca. 42 - 48 cm. Ihr Gewicht beträgt in der Regel zwischen 33 - 49 g. Die Brutzeit beginnt im Süden Mitte März, im Norden bis Juni. Dabei werden im Süden 2 Jahresbruten hervorgebracht im Norden nur eine. Die Gelegegröße umfasst 3 - 4 Eier. Die hervorragend getarnten Eier legen Flussregnpfeifer auf kiesigen oder grobkärnigen Untergrund. Nur eine flache, meist nicht ausgekleidete Mulde deutet das Nest an. Männchen und Weibchen brüten. Die Brutdauer beträgt in der Regel zwischen 22 - 28 Tage. Kurz nach dem Schlüpfen verlassen die Dunenjungen das Nest und werden von beiden Eltern geführt. Der Nachwuchs ist mit 24 - 29 Tagen flügge. Oft bleiben gegen Ende der Aufzuchtperiode sogar die Männchen noch etwas länger bei den Jungen als die Weibchen.

Die Schwefelgelbe Eintagsfliege (Heptagenia sulphurea)

Die Larven der Schwefelgelben Eintagsfliege leben in der Regel ein Jahr in sauberen kalten Fließgewässern mit steinig-kiesigem Substrat. Sie ernähren sich von Algen, die sie mit ihren Mundwerkzeugen von Steinoberflächen abkratzen. Nachdem sie sich zu einer erwachsenen, flugfähigen Eintagsfliege entwickelt haben, leben sie nur noch wenige Tage. Von Mai bis September sind diese am späten Nachmittag und frühen Abend zu sehen und durch ihre schwefelgelbe Färbung recht gut mit bloßem Auge von anderen Eintagsfliegen zu unterscheiden. Das Weibchen legt im Flug die befruchteten Eier im Wasser ab und stirbt danach.

Flutender Wasserhahnenfuß (Ranunculus fluitans)

Der Flutende Wasserhahnenfuß ist eine bis zu 6 m lange Wasserpflanze. In schnell strömenden, sauberen, sauerstoffreichen Fließgewässern kommt er oft in großen Mengen vor.

Der Flutende Wasserhahnenfuss ist nur in sauerstoffreichen Bächen und Flüssen zu sehen (Bild: Andreas Hoffmann,UBA) Die langgestielten, weißen Blüten werden 1-2 cm groß und setzen sich aus 5 grünen Kelch- sowie 5-12 weißen, am Grunde gelben Kronblättern zusammen.

Bestäubung und Fruchtbildung werden durch Überflutung der Blüten häufig verhindert. Die Fruchtverbreitung erfolgt oft durch Wasservögel.
In sauberen und sauerstoffrreichen Bächen und Flüssen - oft größere Bestände Bild: Andreas Hoffmann, UBA

Von Juni bis August überzieht er die Wasseroberfläche mit seinen weißen, bis zu 3 cm großen Blüten. Als Sauerstoffproduzent sowie als Versteck und Laichplatz für Fische hat er eine wichtige ökologische Funktion im Gewässer.

Grobgerippte Körbchenmuschel (Corbicula fluminea)

Die Grobgerippte Körbchenmuschel bevorzugt sandigkiesige Gewässerböden. Sie stammt ursprünglich aus Asien und trat erstmalig in den 1980-iger Jahren in Westeuropa auf. Wahrscheinlich wurde sie im Ballastwasser von Schiffen eingeschleppt oder aus Aquarien ausgesetzt. Ihre rundliche dreieckige Schale hat eine gelblich-dunkelbraune bis grünliche Färbung. Pro Quadratmeter können mehrere tausend Muscheln vorkommen und so für andere Organismen, die auch ihre Nahrung aus dem Wasser filtern, zur Konkurrenz werden.

Asiatische Keiljungfer (Gomphus flavipes)

Die Asiatische Keiljungfer ist eine Großlibelle mit einer Flügelspannweite von bis zu 8 cm. Ihre räuberischen Larven graben sich zum Schutz in den Gewässergrund ein.

Die Flugzeit der Asiatischen Keiljungfer sind die Monate Juli bis September.
Die erwachsenen Männchen halten sich in Ufernähe auf, Jungtiere und Weibchen zumeist fern vom Wasser.

Die Paarung wird im Flug eingeleitet. Nach der Trennung der Paare werden die Eier vom Weibchen aus dem Flug an der Wasseroberfläche abgestreift.
Die Asiatische Keiljungfer liebt saubere Bäche und Flüsse (Bild: Frank Hecker - Naturfoto)
Bild: Frank Hecker - www.naturfoto-hecker.com Die Asiatische Keiljungfer liebt breite, saubere Flüsse und Kanäle

Bei Störung stoßen sie ruckartig Atemwasser aus ihrem Hinterleib aus und schwimmen dadurch davon (Rückstoß-Prinzip). Das erwachsene Insekt sucht nach dem Schlupf blütenreiche Lebensräume wie Uferröhricht und Lichtungen auf, um Insekten zu fressen, die sie im Flug jagt. Trotz ihres Namens war sie auch bereits früher bei uns heimisch.

Nymphe der Asiatischen Keiljungfer (Bild: Frank Hecker - Naturfoto) Die Asiatische Keiljungfer besiedelt die mittleren und unteren Läufe großer Flüsse, wo sehr feinförmige Bodenbestandteile wie Sand, Lehm, Ton vorherrschen.
Die Larven sind vor allem nachtaktiv, leben räuberisch und fressen Schlammröhrenwürmer, Zuckmückenlarven, u.a.

Die Larven haben meist eine dreijährige, regional auch vierjährige Entwicklungszeit, wobei sie 14 Häutungsstadien durchlaufen.
Nymphe der Asiatischen Keiljungfer - sie leben im flachen Wasser nahe der Uferlinie Bild: Frank Hecker

Wie viele Großlibellenarten besiedelt sie die Mittel- und Unterläufe noch nicht übermäßig verbauter größerer Flüsse. Da naturnahe, unbefestigte Uferstrukturen selten geworden sind, wird die Asiatische Keiljungfer in der Roten Liste Deutschlands mit "Gefährdung zunehmend" eingestuft und durch die FFH-Richtlinie streng geschützt.

Das Hauptverbreitungsgebiet dieser Art liegt in Asien. Sie war in Deutschland fast ausgerottet, es gab nur noch Vorkommen zwischen Elbe und Oder.
In den letzten Jahren häufen sich jedoch Meldungen neuer Vorkommen.
Sie galt als ausgestorben nun mehren sich wieder Meldungen über Vorkommen (Bild: Frank Hecker - Naturfoto)
Bild: Frank Hecker Jahrzehntelang galt sie in Westdeutschland als ausgestorben.


Vielen Dank an Frau Katrin Blondzik vom Umweltbundesamt für den Pressetext und die freundliche Unterstützung wegen der Kontaktdaten der Bildautoren. Vielen Dank an die Bildautoren: Andreas Hoffmann, UBA - Stephan Naumann. Vielen Dank auch an meine Bildautoren: Gunther Zieger und Frank Hecker (www.naturfoto-hecker.com), ohne diese Hilfe wäre eine solche Seite nicht möglich.


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- letzte Aktualisierung: Mittwoch, 31. August 2016 -