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Die Blumen des Jahres seit 1980

Von der Stiftung Naturschutz Hamburg und Stiftung zum Schutze gefährdeter Pflanzen wird jährlich eine Blume des Jahres vorgestellt.

Sie soll "Menschen immer wieder über den ökologischen Wert der Pflanzenwelt und über die Notwendigkeit des Schutzes aller bedrohten Arten informieren". (Loki Schmidt)

Jahr Name wissenschaftlicher Name
1980 Lungen-Enzian Gentiana pneumonanthe
1981 Gelbe Narzisse Narcissus pseudonarcissus
1982 Rotes Waldvögelein Cephalanthera rubra
1983 Wildtulpe Tulipa sylvestris
1984 Sommer-Adonisröschen Adonis aestivalis
1985 Wald-Akelei Aquilegia vulgaris
1986 Arnika Arnica montana
1987 Stranddistel Eryngium maritimum
1988 Sumpf-Calla, Drachenwurz Calla palustris
1989 Karthäuser-Nelke Dianthus carthusianorum
1990 Sandköpfchen Jasione montana
1991 Rosmarinheide Andromeda polifolia
1992 Rundblättriger Sonnentau Drosera rotundifolia
1993 Schachblume Fritillaria meleagris
1994 Breitblättriges Knabenkraut Dactylorhiza majalis
1995  Trollblume Trollius europaeus
1996 Echte Küchenschelle, Kuhschelle Pulsatilla vulgaris
1997 Silberdistel, Wetterdistel Carlina acaulis
1998 Krebsschere, Wasseraloe Stratiotes aloides
1999 Sumpfdotterblunme Caltha palustris
2000 Purpurblauer Steinsame Lithospermum purpurocaeruleum
2001 Blutroter Storchschnabel Geranium sanguineum
2002 Hain-Veilchen Viola riviniana
2003 Kornrade Agrostemma githago
2004 Alpenglöckchen Soldanella alpina
2005 Großer Klappertopf Rhinanthus angustifolius
2006 Wiesen-Schaumkraut Cardamine pratensis
2007 Bach-Nelkenwurz Geum rivale
2008 Nickende Distel Carduus nutans
2009 Wegwarte Cichorium intybus
2010 Sibirische Schwertlilie Iris sibirica
2011 Moorlilie Narthecium ossifragum
2012 Die Heidenelke Dianthus deltoides
2013 Das Leberblümchen Hepatica nobilis
2014 Die Schwanenblume Butomus umbellatus
2015 Der Gewöhnliche Teufelsabbiss Succisa pratensis
2016 Die Wiesen-Schlüsselblume Primula veris
2017 Der Klatschmohn Papaver rhoeas

Der Klatschmohn ist die Blume des Jahres 2017

Die Loki Schmidt Stiftung hat den Klatschmohn (Papaver rhoeas) zur Blume des Jahres 2017 ernannt. Dies ist die 38. Blume des Jahres seit 1980.

Blume des Jahres 2017 ist - der Klatschmohn (Bild: H.Timmann / Loki Schmidt Stiftung) Blühendes Klatschmohnfeld mit Kornblumen
Der Klatschmohn ist die Blume des Jahres 2017 Bild: H.Timmann / Loki Schmidt Stiftung

Sobald seine Farbakzente die Landschaften schmücken, beginnt die warme und helle Jahreszeit. Die zwischen Getreidehalmen schimmernden, strahlend roten Blüten des Klatschmohns (Papaver rhoeas) scheinen uns ein äußerst vertrauter Sommerbegleiter zu sein. Doch eigentlich sind seine zarten Blüten auf Äckern gar nicht mehr so häufig zu sehen. Denn zusammen mit vielen anderen Ackerwildpflanzen (auch Segetalpflanzen genannt) verschwindet der Klatschmohn allmählich aus seinem Lebensraum. Mit der Wahl zur Blume des Jahres 2017 möchte die Loki Schmidt Stiftung auf den Verlust und die Gefährdung von Ackerwildpflanzen aufmerksam machen und sich für die Förderung der Biodiversität im Landbau einsetzen. Der bekannte Klatschmohn wird uns dabei als Schirmart begleiten und stellvertretend für viele andere, teilweise deutlich stärker bedrohte Segetalpflanzen, stehen. Denn während hoch spezialisierte Ackerwildkräuter wie zum Beispiel die Kornrade (Agrostemma githago, Blume des Jahres 2003) aktuell fast ausgestorben sind, ist der Klatschmohn ein Überlebenskünstler und besiedelt mittlerweile verschiedene Ausweichflächen.

Der Klatschmohn ist einer der ältesten Kulturbegleiter (seit der Jungsteinzeit) und fand lange Zeit als Heil- und Nutzpflanze Verwendung. Eine Klatschmohnblüte wird von einer Biene angeflogen (Bild: H.Timmann / Loki Schmidt Stiftung)
Bild: H.Timmann / Loki Schmidt Stiftung Klatschmohnblüte mit einer heranschwebenden Biene

Die bunte Vielfalt unserer Äcker verschwindet

Mit 30% der Landesfläche gehören Äcker neben dem Wald zu den flächenmäßig wichtigsten Ökosystemen in Deutschland. In diesem heutzutage sehr intensiv bewirtschafteten Lebensraum sind ursprünglich rund 350 Pflanzenarten heimisch - etwas mehr als 10% der mitteleuropäischen Gefäßpflanzen. Etwa 150 Arten sind sehr eng an das Ackerland gebunden. Viele haben sich im Lauf der Geschichte des mitteleuropäischen Ackerbaus mit spezifischen Merkmalen an die Landnutzungspraktiken angepasst und können heute als das biologische Erbe der menschlichen Kulturgeschichte angesehen werden.

Eine Wiesenflora wie man sie nur noch sehr selten zu Gesicht bekommt (Bild: U.Steinhäuser / Loki Schmidt Stiftung) Zur Ertragssicherung und -steigerung werden Ackerwildpflanzen jedoch seit vielen Jahren zurückgedrängt.
Klatschmohn, Margerite, Kornblume und andere Ackerwildblumen waren einst häufig Bild: U.Steinhäuser / Loki Schmidt Stiftung

Manche Kräuter und Gräser erschweren die Ernte, mischen sich in das Saatgut und enthalten sogar giftige Stoffe. In den letzten 50 Jahren wurde die Ackerunkrautbekämpfung mit Mitteln der modernen Agrarforschung perfektioniert. Der Rückgang charakteristischer Segetalpflanzen kann auf folgende Ursachen zurückgeführt werden: 1. Intensive Düngung von armen Böden (durch verstärkten Einsatz von Gülle und Kunstdünger), 2. die Bereinigung des Saatgutes  von Samen oder anderen Ausbreitungseinheiten von Pflanzen, 3. chemische Unkrautbekämpfung, 4. die Nutzungseinstellung ertragsschwacher, nur extensiv zu bewirtschaftender, Ackerflächen.

Text auf der Zeichnung: Klatschmohn (Papaver rhoeas) eingeführt mit Weizen und Gerste aus asiatischen Steppengebieten.
25 - 60 cm hoch, einjährige Pflanze, abstehende Haare, gefiederte Blätter, große rote Blüten, Samenkapsel tonnenförmig, Blütezeit Mai - Juli, auf Äckern und an Wegrändern.
Klatschmohn-Zeichnung (Papaver rhoeas) von Loki Schmidt
Zeichnung: Loki Schmidt / Loki Schmidt Stiftung Zeichnung des Klatschmohns

Zusätzlich haben auch die Veränderung der Anbauverhältnisse (Fruchtfolge, Anbau- und Erntetermin) und der Saat- und Erntetechniken sowie das Verschwinden von alten Saatkulturen wie z.B. Lein, wodurch auch äußerst seltene Lein-Unkräuter völlig verschwunden sind, zu einem massiven Rückgang innerhalb der Ackerwildflora geführt.

Diversitätsverluste im Feldinneren von ca. 70%

Die Intensivierung der Landwirtschaft spiegelt sich in den aktuellen Roten Listen der gefährdeten Pflanzenarten wider. Wiederholungskartierungen im nord- und mitteldeutschen Ackerland haben gezeigt, dass die Ackerpflanzengemeinschaften seit 1950 Verluste im regionalen Artenpool um 25% und Diversitätsverluste im Feldinneren von ca. 70% erlitten haben. Sie sind demnach regelrecht zusammengebrochen. Durch den Einsatz von chemischen Pflanzengiften werden auf den Äckern viele Arten vernichtet, die aus ökonomischer Sicht keinen oder kaum Schaden verursachen.

Bei der Vorstellung der Blume des Jahres ist auch Umweltministerin Barbara Hendricks anwesend (Bild: Siegert / Loki Schmidt Stiftung) "Mit der Entscheidung möchten wir auf die Gefährdung und den Verlust von Ackerwildblumen aufmerksam machen. Zudem wollen wir für die Förderung der bunten Vielfalt im Landbau einsetzen", sagte der Geschäftsführer der Loki Schmidt Stiftung, Herr Axel Jahn, bei der Laudatio.
Die Blume des Jahres wird vorgestellt: Axel Jahn - Barbara Hendricks - Hans Ulrich Klose Bild: Siegert / Loki Schmidt Stiftung

Durch moderne Technik und Spritzmittel wurden in den letzten Jahrzehnten fast alle Ackerwildpflanzen an den Rand des Aussterbens gedrängt. "Eine ganze Lebensgemeinschaft, die uns seit tausenden Jahren begleitet, droht zu verschwinden" resümiert Herr Jahn weiter. Durch den Rückgang der Vielfalt im Ackerland sind vor allem auch Bestäuber wie beispielsweise Schmetterlinge und Bienen sehr stark bedroht. Andere Insekten und Spinnen, die diese Wildpflanzen als Nahrungspflanzen und als Refugien nutzen, sind ebenfalls betroffen. Viele dieser Tierarten halten landwirtschaftlich bedeutende Schädlinge wie Blattläuse in Schach. Die Verarmung der Ackerlebensgemeinschaft ist also auch für die Landwirtschaft ein zunehmendes Problem.

Nur 20 Ackerwildpflanzen, weniger als 10% dieser Flora, müssen als echte Problempflanzen angesehen werden, deren Bekämpfung unabdingbar ist. Die Wildpflanzen unserer Äcker bereichern unsere Kulturlandschaft nicht nur ästhetisch. Durch den Rückgang der Biodiversität im Ackerland sind vor allem auch Bestäubungs- und Regulationsfunktionen typischer Pflanzen und Tiere in den Acker-Lebensgemeinschaften stark bedroht.

Früher wurden die Kronblätter zur Herstellung roter Tinte genutzt.
Die Blüten sind typische Pollenblumen, die keinen Nektar, dafür Pollen im Überschuß als Lock- und Nahrungsmittel für die bestäubenden Insekten produzieren.
Früher eine Allerweltsblume - heute ist der Klatschmohn nur noch auf Brachen in großer Zahl zu sehen (Bild: Axel Jahn / Loki Schmidt Stiftung)
Bild: Axel Jahn / Loki Schmidt Stiftung Der Klatschmohn hat auch volkstümliche Namen, wie: Paterblume oder Feuermohn

Name

Den deutschen Namen erhielt die Pflanze wegen des Aneinanderklatschen ihrer Blüten bei Wind und Regen. Häufig wird die Pflanze auch Klatschrose, oder Mohnblume genannt. Volkstümliche Namen sind zum Beispiel Grindmagen, Paterblume, Blutblume oder Feuermohn.
Der wissenschaftliche Gattungsname Papaver geht auf das lateinische Wort "Pappare" zurück, das "essen" bedeutet. Die alten Römer sollen den Kinderbrei mit Mohnsaft versetzt haben, damit die Kleinen besser einschliefen. Der Artname rhoeas stammt vom griechischen "rhoia" für "fließen" und deutet ebenfalls auf den austretenden Milchsaft des Klatschmohns hin.

Beschreibung

Der Klatschmohn gehört in der Ordnung der Hahnenfußartigen (Ranunculales) zur Familie der Mohngewächse (Papaveraceae) und zu der Gattung Mohn (Papaver). Als eine Halbrosettenpflanze ist er in der Regel zweijährig und bildet im ersten Jahr meist nur eine grundständige Blattrosette aus. Im darauffolgenden Jahr erst bildet sich die verlängerte und beblätterte Sprossachse aus, an der sich schließlich auch die Blüte entwickelt. Die Art zählt also zu den einjährig-überwinternden (winterannuellen) Pflanzen. In seltenen Fällen kommen auch einjährige (sommerannuelle) Exemplare des Klatschmohns vor, die von der Keimung des Samens über die Ausbildung der gesamten Pflanze, Bildung der Blüte und Befruchtung bis hin zur Reife des neuen Samens, nur eine Vegetationsperiode benötigen. Papaver rhoeas ist ein Therophyt - er kann ungünstige Jahreszeiten, wie den Winter, auch als Samen im Boden überleben. Aufgrund des sehr niedrigen Wassergehaltes sind die Samen äußerst kälteresistent. Der Klatschmohn kann eine Wuchshöhe zwischen 30 und 90 cm erreichen und bildet bis 1 m tiefe Wurzeln aus.

Klatschmohnzeichnung von J.Ende Sein dünner Stängel ist wenig verzweigt und abstehend behaart. Das unterscheidet den Klatschmohn mitunter von anderen Mohnarten. Die ungefähr 15 cm langen, gestielten Blätter der Art sind rau, borstig behaart und lanzettlich, einfach bis doppelt fiedrig mit grob eingeschnittenen bis scharf gesägten Blattabschnitten. Sie wachsen wechselständig am Stängel. Zwischen Mai bis Juli stehen einzelne, blutrote Blüten endständig auf dem Stängel.
Der Klatschmohn gehört zu den Hahnenfußartigen Zeichnung: J.Ende

Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch, vierzählig mit einer doppelten Blütenhülle und können einen Durchmesser von 5 bis 10 cm annehmen. Unter den Kronblättern (Blütenblätter) befinden sich zwei Kelchblätter, die beim Öffnen der Blütenknospe abfallen. Die dünnen Kronblätter sind in der Knospe unregelmäßig gefaltet und wirken deshalb "zerknittert". Meistens sind die vier Blütenblätter rot gefärbt. Seltener kommen weiß und violett vor. Im unteren Bereich besitzen fast alle einen schwarzen, oft weiß umrandeten Fleck, der zur Anlockung von Bestäubern dient. Im Zentrum der Blüte befinden sich etwa 164 Staubblätter und meist 10 Narbenstrahlen auf der kurzen, kegeligen Narbenscheibe. Die Samen des Klatschmohns sind zu tausenden in der typischen Kapselfrucht enthalten, die oft doppelt so lang wie breit ist. Die Kapselfrucht ist durch zahlreiche Wucherungen der Samenleisten in unvollständig gefächerte Porenkapseln unterteilt. Die schwarzen Mohnsamen sind bei einem Durchmesser von bis zu 1 mm sehr klein. Papaver rhoeas bildet in Milchsaftröhren Milchsaft aus. Dieser dient wahrscheinlich aufgrund des bitteren Geschmacks als Schutz gegen Tierfraß. Außerdem wird aufgrund seiner antibiotischen Wirkung vermutet, dass der Milchsaft die Pflanze vor Infektionen schützt und durch sein schnelles äußerliches Eintrocknen einen raschen Wundverschluss bildet.

Ökologie

Die nektar- und duftlosen Blüten des Klatschmohns blühen nur zwei bis drei Tage. Pro Blüte werden etwa 2,5 Millionen grünschwarze Pollenkörner produziert. Allein von der Pfingstrose wird diese ungewöhnlich hohe Anzahl übertroffen. Die Pollendarbietung unterliegt einer Tagesrhythmik. Morgens bis 10 Uhr finden sammelnde Insekten am meisten Pollen vor. Die streifenförmigen Narben liegen einer Scheibe des Fruchtknotens auf, die als Anflugplatz für verschiedene bestäubende Insekten, vor allem Bienenarten, dient. Auch Windbestäubung ist möglich. Die Blüten sind außerdem selbststeril - die Pflanze kann sich also nicht selbst bestäuben.

Die Blüten sind typische Pollenblumen, die keinen Nektar, dafür Pollen im Überfluß als Lock- und Nahrungsmittel für die bestäubenden Insekten produzieren. Die Samenverbreitung erfolgt mit Hilfe des Windes nach einer Art "Streudosenprinzip". Stimmungsvolles Bild - Abendstimmung auf einer Klatschmohnwiese (Bild: U.Steinhäuser / Loki Schmidt Stiftung)
Bild: U.Steinhäuser / Loki Schmidt Stiftung Abendstimmung auf einer Klatschmohnwiese

Die rot gefärbten Kronblätter werden von den rotblinden, dafür aber UV-Licht wahrnehmenden Bienen wegen ihrer starken UV-Reflexion wahrscheinlich blauviolett gesehen. Den Klatschmohn nehmen die Bienen also als einen dunklen Fleck wahr - ganz anders als das Menschenauge. Die Reflexion des ultravioletten Lichts zeigt ihnen dabei jedoch den richtigen Landeplatz und die Pollenquelle an - nämlich die schwarzen Flecken im Zentrum der Blüte. Nach erfolgreicher Bestäubung bilden sich von Juli bis August in der Kapselfrucht die kleinen, leichten Samenkörner. Bei trockenem Wetter werden sie durch Poren im Deckel der Kapsel durch Wind ausgestreut. Die Flugweite beträgt dabei bis 4 m und ist bei starkem Wind auch noch länger. Die Samen sind licht- und kältekeimend und enthalten ein für die Windausbreitung typisches ölreiches Nährgewebe. Es dient als erster Nährstoff für den Samen und unterstützt die Flugfähigkeit. Viele Samen enthalten nämlich Kohlenhydrate als Erstnahrung. Die sind aber bei gleichem Gewicht nur halb so energiereich wie Fette und würden durch ihr Gewicht den Flug bremsen.

Ökologische Funktion

Wie viele andere Segeltalpflanzen bietet der Klatschmohn zahlreichen Insekten eine ergiebige Pollenquelle und fördert somit die Bestäubungsvielfalt im Acker. Auch für die Landwirtschaft ist eine Verarmung der Ackerlebensgemeinschaft problematisch. Denn vom Verlust von Ackerwildpflanzen und dem Artenrückgang im und am Acker sind viele Insekten und Spinnen betroffen, die diese Wildpflanzen als Nahrungspflanzen und als Refugien nutzen. Viele dieser Tierarten halten landwirtschaftlich bedeutende Schädlinge wie Blattläuse in Schach.

Klatschmohn wird ausgesät - Barbara Hendricks - Axel Jahn und der ehemalige Erste Bürgermeister von Hamburg Hans Ulrich Klose (Bild: Siegert / Loki Schmidt Stiftung) "Dem Klatschmohn geht es glücklicherweise gut. Dies gilt leider nicht für viele andere Ackerwildkräuter, mit denen er zusammen wächst und die sich seit vielen Jahrhunderten als Begleitvegetation der Nutzpflanzen auf den Ackerflächen entwickelt haben", erläutert Bundesumweltministerin Barbara Hendricks
Klatschmohn wird ausgesät - Umweltministerin Hendricks - Axel Jahn und Hans Ulrich Klose helfen dabei Bild: Siegert / Loki Schmidt Stiftung

Verbreitung

Vermutlich ist Papaver rhoeas ursprünglich in Eurasien und Nordafrika verbreitet. Gemeinsam mit dem Getreide ist er während der Jungsteinzeit zu uns in den Norden gekommen, also zwischen 4.500 und 3.000 v.Ch. Mit dem Ackerbau verbreitete sich der Klatschmohn weltweit, bevorzugte dabei jedoch die nördliche gemäßigte Zone. Aufgrund seiner Ausbreitungsstrategie gehört der Klatschmohn zu den so genannten Hemerochoren, also durch die Kultur ausgebreiteten Pflanzen. Typischer Ausbreitungsweg für den Klatschmohn ist (oder war) die Aussaat von Saatgut, in dem Klatschmohnsamen als Verunreinigung mit enthalten sind.

Standort

Als Lichtkeimer ist das meist winterannuelle Mohngewächs auf offene Flächen angewiesen. Einst boten ihm Getreideäcker diesen perfekten Lebensraum. Seitdem die Art dort mithilfe von moderner Saatgutreinigung und Herbiziden nahezu verdrängt wurde, findet man ihn heutzutage vermehrt auf Schuttplätzen, Brachen und an Straßenböschungen. Klatschmohn bervorzugt sommerwarmen, kalkhaltigen Lehmboden. Er ist ein Zeiger für helle, frische und mäßig stickstoffreiche bis stickstoffreiche Standorte. Der Klatschmohn ist eine Klassencharakterart der Getreide-Beikrautfluren (Secalietalia).

Verwendung

Als Heilpflanze: Klatschmohnblüten werden vor allem als Schmuckdroge in Teemischungen verwendet. Volksmedizinisch werden die Blüten bei Atemwegserkrankungen und -beschwerden, wie Husten und Heiserkeit genutzt. Außerdem können Teezubereitungen aus Klatschmohnblüten bei Schmerzen und Schlaflosigkeit sowie als Beruhigungsmittel eingesetzt werden. Äußerlich kann ein Aufguss des Klatschmohns als Umschlag oder Waschung gegen Hautprobleme und Furunkel angewendet werden. Die Wirksamkeit der Blüten wurde bisher noch nicht wissenschaftlich belegt.

Heutzutage ist der Klatschmohn auf Brachflächen, Ödland, Schuttplätzen und Bahngeländen verbreitet. Selten kann man ihn noch in (Getreide)-Äckern antreffen.
Der Klatschmohn kommt bis in Höhenlagen von 1000 m vor.
Heutzutage ein seltener Anblick - Klatschmohn in einem Getreidefeld (Bild: H.Timmann / Loki Schmidt Stiftung)
Bild: H.Timmann / Loki Schmidt Stiftung Seltener Anblich - Klatschmohnblüte in einem Getreidefeld

Als Färbemittel: Die intensiv rote Blütenfarbe des Klatschmohns diente früher zur Herstellung roter Tinte sowie zum Färben von Stoffen. In nordafrikanischen Ländern wird heute noch traditionell Schminke aus den Blüten hergestellt.

Als Gartenpflanze: Papaver rhoeas ist eine äußerst unkomplizierte und relativ anspruchslose Gartenpflanze. Sie bevorzugt sonnige bis halbschattige Stellen. Während der Wachstumsphase sollte sie ausreichend gegossen werden. Nach der Blüte sollten die Pflanzen für die Selbstaussaat, die sehr erfolgversprechend ist, stehengelassen werden. Zur kontrollierten Vermehrung eignen sich die reifen Samen aus den Kapseln. Sobald die Kapseln trocken und braun sind, können sie der Pflanze entnommen werden. Dann werden sie entweder von April bis Mai oder Ende August bis Anfang September an Ort und Stelle ausgesät und regelmäßig gegossen. Bei der Loki Schmidt Stiftung können auch Samen des Klatschmohns bestellt werden. Diese können dann im vorab genannten Zeitraum auf offenem Boden an sonnigen bis halbschattigen Stellen im Garten oder in Balkonkästen ausgestreut werden. Wichtig ist, dass die Samen nicht zusätzlich mit Erde bedeckt werden.

Kulturelle Bedeutung

Die wichtigste kulturelle Bedeutung hat der Klatschmohn wahrscheinlich bereits im Mai 1915 erhalten - zur Zeit des ersten Weltkrieges. Der kanadische Arzt Jon McCrae schrieb damals ein mittlerweile in der englischen Literatur berühmtes Gedicht "Flanders Fields". Es handelt vom tausendfachen Aufwachsen des Klatschmohns inmitten von zerbomten Schützengräben und Schlachtfeldern in Flandern, der Flämischen Region Belgiens. Die zarten Blüten füllten das Chaos und die Zerstörung schnell mit neuem Leben. Deshalb gelten sie bis heute am "Remembrance Day" (11.November) in England, Kanada und Australien als Symbol für das Gedenken an die gefallenen und verletzten Soldaten des Krieges. Jedes Jahr werden am Gedenktag Anstecknadeln des Klatschmohns verteilt und getragen sowie Plastikblumen an Gedenksteinen und -tafeln ausgelegt.

Klatschmohn so weit das Auge reicht - einfach toll! (Bild: Axel Jahn / Loki Schmidt Stiftung) Auch in zahlreichen Liedern ist die Mohnblume verewigt:
Die schnell welken, roten Blüten des Mohns als Symbol für die verlorene Liebe und Leidenschaft - so z.B. in "Roter Mohn" von Rosita Serrano (1938) oder in der Interpretation von Marianne Rosenberg.
Klatschmohnfeld - so wie man es nur noch selten zu sehen bekommt Bild: Axel Jahn / Loki Schmidt Stiftung

Gefährdung

Papaver rhoeas wird in Deutschland nicht in den Roten Listen der Farn- und Blütenpflanzen geführt und gilt somit als ungefährdet. Einzige Ausnahme stellt das Bundesland Berlin dar. Hier wird die Art als gefährdet (RL 3) eingestuft. Dies betrifft jedoch ausdrücklich nur die Gefährdung von etablierten Vorkommen. Auf diese Weise wird den Acker-Vorkommen von Papaver rhoeas eine Gefährdung zugewiesen, nicht jedoch den nur kurzlebigen Populationen oder gar Einzelpflanzen an Straßenrändern und Vogelfutterstellen.
Insgesamt kann festgestellt werden, dass die Art in ihrem Lebensraum Acker einen starken Rückgang erlitten hat und überwiegend auf Ausweichflächen überlebt.


Vielen Dank an Herrn Ralf Ziegenhagen von der Loki Schmidt Stiftung Naturschutz Hamburg, für den Pressetext, sowie die zur Verfügung gestellten Bilder von H.Timmann, A.Jahn, U.Steinhäuser, Ch.Siegert, sowie die Zeichnungen von Loki Schmidt und J. Ende veröffentlichen zu dürfen.

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- letzte Aktualisierung: Mittwoch, 26. April 2017 -