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Die Mikroben des Jahres seit 2014

 
Die Mikrobe des Jahres wird 2014 erstmals benannt. Mikrobiologen der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM) wählten sie aus, um auf die Vielfalt der mikrobiologischen Welt hinzuweisen. Während in der Bevölkerung Mikroorganismen vor allem als Krankheitsauslöser bekannt sind, spielen Mikroorganismen eine weit bedeutsamere Rolle für die Ökologie, Gesundheit, Ernährung und Wirtschaft, worauf die Mikrobe des Jahres hinweisen soll.

Die VAAM vertritt rund 3500 mikrobiologisch orientierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Forschung und Industrie. Die Bandbreite der Forschung reicht von Bakterien und Pilzen in allen Ökosystemen und in Lebensmitteln über Krankheitserreger bis hin zu Genomanalysen und industrieller Nutzung von Mikroorganismen und ihren Enzymen.

Bisherige Mikroben des Jahres:

Jahr Mikrobe
2014 Nostoc
2015 Rhizobium
2016 Streptomyces
   

Die "Mikrobe des Jahres 2016": Streptomyces: Nobelpreisträger und Recycling-Profi


Die ganze Vielfalt der Streptomyceten (Bild: Einzelfotos HP Fiedler, Tübingen, hpfiedler-group.de) Streptomyces heißt das vielseitige Bakterium, das die Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM) zur Mikrobe des Jahres 2016 kürte.
Vielfalt der Streptomyceten Bild: Einzelfotos HP Fiedler, Tübingen, hpfiedler-group.de

Unzählige Leben hat es schon gerettet. Kompost und Humus verdanken wir seiner Tätigkeit. Und der typische Duft frischen Waldbodens stammt von ihm: Streptomyces heißt dieses vielseitige Bakterium, das die Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM) zur Mikrobe des Jahres 2016 kürte.

Bakteriengeflecht

Streptomyceten leben in nahezu allen Böden. Sie bilden ein Geflecht (Mycel) aus langen, sich verzweigenden Zellen (Hyphen). So wuchern sie zwischen Erdpartikeln, Pflanzenwurzeln und den ihnen ähnlichen Pilzhyphen.

Streptomyceten leben in nahezu allen Böden und bilden Geflechte, sogenannte Mycel, aus. Streptomyceten-Mycel (Bild: Hildgund Schrempf, Osnabrück)
Bild: Hildgund Schrempf, Osnabrück Streptomyceten-Mycel

Bei Nährstoffmangel entwickelt Streptomyces Lufthyphen und schließlich daraus wie auf einer Perlenschnur angeordnet Sporen. In diesen Dauerformen bleibt das Erbgut der Bakterien auch bei widrigen Bedingungen erhalten. Bei Wärme, Feuchte und guten Nährstoffbedingungen keimen die Sporen aus und bilden neue Hyphen.

Dank Streptomyces wird Abgestorbenes zu guter Erde

Streptomyceten scheiden zahlreiche Enzyme aus und bauen damit viele komplexe Substanzen ab, beispielsweise schwer spaltbare Stoffe wie Cellulose aus Holz oder Chitin von Insektenpanzern und Pilzen.

Pflanzliche und tierische Reste werden umgebaut (Bild: Hildgund Schrempf) Streptomyceten bauen pflanzliche und tierische Reste über Zwischenstufen zu wertvoller Erde um.
Streptomyceten bauen pflanzliche und tierische Reste um Bild: Hildgund Schrempf

Die entstehenden kleineren Nährstoffe dienen den Streptomyceten als Nahrung. So sorgen diese Bakterien für das Recycling von Pflanzenfasern und Resten abgestorbener Organismen. Auch im Darm von Regenwürmern, Termiten und anderen Lebewesen bauen Streptomyceten schwer verdauliche Stoffe ab. Streptomyces trägt wesentlich zum ökologischen Stoffkreislauf bei sowie zur Bildung von Kompost und Humus. Zudem scheiden die Bakterien komplizierte, oft auffällig gefärbte Moleküle aus, die für unsere Gesundheit von unschätzbarer Bedeutung sein können.

Wirkstoffe aus Streptomyceten können Bakterien abtöten - hier sichtbar als klare Hemmhöfe im Bakterienrasen. Wirkstoffe aus Streptomyceten können Bakterien abtöten (Bild: Hildgund Schrempf)
Bild: Hildgund Schrempf Wirkstoffe aus Streptomyceten können Bakterien abtöten

Arzneimittelproduzent

Streptomyces wurde bereits zwei Mal mit dem Nobelpreis geehrt: als Produzent des Antibiotikums Streptomycin (1952) und des gegen Wurminfektionen wirkenden Ivermectins (2015). Doch dies sind nicht die einzigen Arzneimittel aus Streptomyceten - mehrere Tausend sehr unterschiedliche organische Moleküle sind heute bekannt.
Sie stimulieren das Wachstum von Pflanzen, unterdrücken andere Bakterien (Antibiotika), hemmen Pilze (Fungizide) oder wirken gegen Parasiten (Antiparasitikum). Einige beeinflussen auch unser Immunsystem oder verhindern das Wachstum von Tumoren (Zytostatika). Bis heute ist mit rund 70% Streptomyces der erfolgreichste Lieferant antibiotischer Wirkstoffe, die therapeutisch eingesetzt werden können. Aktuelle Studien lassen vermuten, dass noch viele bislang unbekannte Schätze aus Streptomyceten in den nächsten Jahren gehoben werden können.

Vielen Dank an Frau Dr. Anja Störiko, VAAM, für die Erlaubnis Ihren Pressetext veröffentlichen zu können und die Bilder von Frau Hildgund Schrempf, Osnabrück, sowieHP Fiedler, Tübingen, hpfiedler-group.de zeigen zu dürfen.


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- letzte Aktualisierung: Dienstag, 31. Januar 2017 -